Frage an die Yamaha Spezis ...
#1
... hallo,

ich möchte meinem Schrauberkollegen für seine Mühe eine kleine Freude machen, der schwärmt schon seit ich ihn kenne von dem Yamaha Doppeltapedeck Yamaha KX-W 952.

https://www.hifi-wiki.de/index.php/Yamaha_KX-W_952

Leider habe ich von den Geräten überhaupt keine Ahnung, weiß nur generell, dass man bei den japanischen Tapedecks aus dieser Zeit übelst ins Klo greifen kann. Ausser den typischen Verschleißteilen wie Riemen und Andruckrollen wird an Teilen auch nichts mehr angeboten.

Bei meinem Kollegen kommt noch erschwerend hinzu, dass er schwarze Komponenten hasst wie die Pest, und in "titan" wird momentan genau ein Gerät angeboten - ich müsste das also nehmen.

Kennt jemand von Euch dieses Gerät, und kann mir ein paar Tipps geben, worauf ich achten muss ( z.B., ob es noch preiswertere Modelle gibt, die man als Schlachtplatten nutzen kann, ob in den Dingern viel graziles Plastik verbaut ist usw.) - oder mache ich mir evtl. auch zu viele Sorgen, weil die Teile keine großen Schwachstellen haben ?

Danke schonmal im Voraus und Gruß Frank
Zitieren
#2
Das Yamaha hat ein Auto Reverse ALPS Standard LW. Die Andruckrollen rechts und links sollten Standardmaß haben. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung. Diese Laufwerke haben, jendenfalls in der Normalversion mit Single Capstan nur einen Flachriemen.
Gruß
Lorenz
Zitieren
#3
Darf ich, da das Thema scheinbar (zumindest vorerst) durch zu sein scheint, eine Frage stellen? Ist nicht böse gemeint, ich will's wirklich nur verstehen.

Wo ist/war die Zielgruppe für Doppelkassettendecks zum Neupreis von 1.200 DM?

Ich hatte schon immer eine Aversion gegen Doppeldecks. Für mich war das ein Lieblingsspielzeug der Leute, die keinen Wert auf gute Aufnahmen legten und auch keine Probleme hatten, sie eine "Kopie von der Kopie von der Kopie" zu ziehen, am liebsten noch mit dem qualitätsmindernden High Speed Dubbing. Aufnahme klang schrecklich? Egal. Hauptsache man hatte ein bestimmtes Lied oder Album auf Band.

Gut, in einer Geräteklasse von 300 DM hat sowas seine Berechtigung, es ist nun mal nicht jeder ein Klanggourmet. Aber wer kaufte sowas wie das KX-W 952? Gab es dafür neben dem Weiterkopieren von Musik auf niedrigem Qualitätsniveau noch Anwendungen, die den Anschaffungspreis rechtfertigen?
Zitieren
#4
Da ich meine Doppeldecker erst zu Eurozeiten gekauft habe, kann ich zur Zielgruppe der Neukäufer nicht viel sagen. Bei diesem Gerät (RS-TR555) hier würde ich ungern von einem Spielzeug für Klangverweigerer sprechen:
https://www.hifi-wiki.de/images/f/fa/Tec...t-1989.jpg

Man kann zwei Cassetten parallel bespielen und auch Langzeitaufnahmen machen, denn beide Autoreverselaufwerke sind für Aufnahme ausgelegt.

Mein anderes Doppeldeck ist von Neckermann, ein Palladium Prestige im Urushi Design. Das habe ich vor 17 Jahren irgendwo günstig geschossen und erfreut nicht nur mit edler Optik sondern auch mit guter Technik. Leider gibt es dazu wenig Informationen im Netz zu finden. So billig wie damals gibt es das auch nicht mehr.

Für Vielhörer finde ich die Geräte ganz interessant. Warum nicht, ein hochwertiges Doppeldeck mit geringem Platzbedarf und weniger Kabelgedöns.

Das von Frank gesuchte Gerät ist alles andere als eine Kopiermaschine für LoFi und kann sogar von zwei verschiedenen Quellen simultan aufnehmen:
http://www.hifi-archiv.info/Yamaha/199x/yamaha29.jpg
Zitieren
#5
(01.05.2021, 12:24)timo schrieb: Darf ich, da das Thema scheinbar (zumindest vorerst) durch zu sein scheint, eine Frage stellen? Ist nicht böse gemeint, ich will's wirklich nur verstehen.

Wo ist/war die Zielgruppe für Doppelkassettendecks zum Neupreis von 1.200 DM?

Ich hatte schon immer eine Aversion gegen Doppeldecks. Für mich war das ein Lieblingsspielzeug der Leute, die keinen Wert auf gute Aufnahmen legten und auch keine Probleme hatten, sie eine "Kopie von der Kopie von der Kopie" zu ziehen, am liebsten noch mit dem qualitätsmindernden High Speed Dubbing. Aufnahme klang schrecklich? Egal. Hauptsache man hatte ein bestimmtes Lied oder Album auf Band.

Gut, in einer Geräteklasse von 300 DM hat sowas seine Berechtigung, es ist nun mal nicht jeder ein Klanggourmet. Aber wer kaufte sowas wie das KX-W 952? Gab es dafür neben dem Weiterkopieren von Musik auf niedrigem Qualitätsniveau noch Anwendungen, die den Anschaffungspreis rechtfertigen?

nee, ist noch nicht durch, ich habe ein Gerät quasi gekauft, warte nur noch auf die Rückmeldung vom Anbieter. Wofür man sowas braucht, erschließt sich mir auch nicht, aber es gab schon sehr gute Doppeldecks, und ich kannte auch viele, die eine Cassettensammlung zuhause hatten, und sich davon Kopien fürs Auto oder für den Walkman gezogen haben. Die Cassette ist halt ein Generationending der Leute, die ihre Jugend in der Zeit von 1980 bis 1995 erlebt haben, und die kommen jetzt auch langsam ins melancholische Alter.

Gruß Frank
Zitieren
#6
(01.05.2021, 12:24)timo schrieb: Wo ist/war die Zielgruppe für Doppelkassettendecks zum Neupreis von 1.200 DM?



Das habe ich mich schon auch oft gefragt. Zumal das erstaunliche ist, das Doppeldecks überhaupt erst so ab den frühen 80ern aufgekommen sind und die Hochwertigen Doppeldecks, Aiwa hatte mal eins mit Dreikopf auf einem LW erst so 1989-1990 gekommen sind. Mir ist jedenfalls kein wirkliches Top Of The Line Doppeldeck der 80er bekannt.

Das lange aufnehmen durch zwei Laufwerke hat doch eh nur im Live Betrieb oder in Radiostationen Sinn gemacht. Und dann gabs eigentlich auch schon Digitaltechnik die deutlich länger als Kassette aufnehmen konnte.

Ich weiß nur das einige Radiostationen laufen ihr Programm aufnehmen mussten. Aber das dürfte als Zielgruppe den großen Firmen doch nicht gereicht haben dafür eigene Decks rauszubringen:
Gruß
Lorenz
Zitieren
#7
ich glaub wirklich, dass viele Cassettenfreaks ihre guten Cassetten nicht im Auto und im Walkman benutzt haben, und sich dafür Kopien gezogen haben. Mit einigen Decks konnte man ja sogar synchron aufnehmen, sprich, man musste die Cassette gar nicht kopieren, sondern konnte gleich bei der ersten Aufnahme duplizieren.

Gruß Frank
Zitieren
#8
Es gab auch viele, die sich ein Doppeldeck kauften, weil sie die Möglichkeit haben wollten, ab und zu mal eine Cassette zu kopieren. In vielen Fällen wurden die Doppeldecks nur selten überhaupt für Kopien von Band auf Band genutzt. Das war einfach ein nettes zusätzliches Feature, bei dem man sich die Anschaffung eines Zweitgeräts gespart hat, das man vielleicht nur dreimal im Jahr gebraucht hätte.

Dann gab es noch die Gruppe der Radio-Mitschneider, die ihre Lieblingssendung komplett aufgezeichnet haben, und sich dann 3-4 Songs davon auf eine andere Cassette gezogen haben.

Oder die nicht zu unterschätzende Gruppe der Kleinserien-Kopierer vom Dienst: Lehrer, Chorleiter, Kirchengemeinden, irgendwelche Vereine generell. Da gab es durchaus Leute, die auf Qualität geachtet haben, aber jetzt nicht unbedingt glecih zwei einzelne Oberklasse-Decks gebraucht haben.

Viele Grüße,
Martin
Zitieren
#9
(01.05.2021, 20:56)Kirunavaara schrieb: Oder die nicht zu unterschätzende Gruppe der Kleinserien-Kopierer vom Dienst: Lehrer, Chorleiter, Kirchengemeinden, irgendwelche Vereine generell. Da gab es durchaus Leute, die auf Qualität geachtet haben, aber jetzt nicht unbedingt glecih zwei einzelne Oberklasse-Decks gebraucht haben.

Das überzeugt mich am meisten! Wobei man damit wohl nicht auf große Stückzahlen gekommen wäre. Das Yamaha scheint sich dem Gebrauchtangebot nach zu urteilen ja gar nicht schlecht verkauft zu haben.

Zwei Kassetten gleichzeitig aufnehmen (hatte zugegebenermaßen gar nicht auf dem Radar, daß bei besseren Doppeldecks beide Laufwerke aufnehmen können) und Kopien für's Auto machen - OK, ist schon denkbar, daß sich deswegen so mancher so ein Gerät gekauft hat. Mir persönlich wär's den Preis dafür nicht wert gewesen, dafür hätte ich mir lieber ein schönes Dreikopfdeck gekauft, plus (wenn ich es wirklich gebraucht hätte) eventuell noch ein einigermaßen brauchbares Zweikopfdeck zum Überspielen.
Zitieren
#10
Die Werte ansich sind doch nicht schlecht!

Frequenzgang:
  • Typ I: 20–17.000 Hz ±3 dB
  • Typ II: 20–19.000 Hz ±3 dB
  • Typ IV: 20–20.000 Hz ±3 dB
Wer will da meckern?

Ich denke die negative Sichtweise auf Doppellaufwerke ist eine rein Deutsche. Schließe mich da nicht aus. Teilweise auch etwas irrational. Die Amis fanden 2 Laufwerke immer besser als nur eines, die Deutschen machte das unzufrieden, mindestens mistrauisch. Das war das Dilema dieser Geräte. Sie würden geliebt oder gehaßt. Ich denke da waren sicherlich auch viele brauchbare dabei.

Allerdings werden sie mittlerweile auch teilweise zu Mondpreisen gahandelt.

VG Martin
Zitieren
#11
Versteht mich nicht falsch, ich wollte die Qualität des Geräts nicht anzweifeln. Yamaha hat immer einen guten Gegenwert für den Kaufpreis geboten, und ich denke, daß das auch bei diesem Modell nicht anders ist. Es ging mir allein um die Frage, wer ein Doppeldeck zum Preis von zwei guten Einzeldecks braucht.
Zitieren
#12
so, ich habe das Yamaha gestern abgeholt, und war zunächst mal überrascht vom Gewicht. Das Ding wiegt nominell 8kg, kam mir aber gefühlt schwerer vor als der Eisenklotz von AV-Receiver, den ich hier noch stehen habe. Auch die Größe des Gehäuses hat Receiver-Format. Ich weiß nicht, ob das bei Doppeltapes generell so ist, aber das Ding hat zwei getrennte in- und out-Anschlussfelder für jedes Laufwerk, man kann es also betreiben, als ob man zwei Einzel-Decks hat. Insgesamt bin ich von der Wertigkeit sehr angetan, hätte ich nicht mit gerechnet. Es läuft auch einwandfrei trotz 15 jährigem Stillstand, keine Riemenpest oder ähnliches.

In den nächsten Tagen mache ich einen ausführlichen Funktionstest - nicht, dass ich noch traurig werde, es wieder hergeben zu müssen.

@Timo - ich denke, es sind wirklich Funktionen wie simultanes Aufnehmen und ja, auch simultanes kopieren von Cassetten. Nicht notwendig, aber praktisch. Später gab es dann CD-Recorder mit zwei Laufwerken, so einen habe ich hier noch stehen, und benutze ihn zum Digitalisieren von Schallplatten. Damals habe ich aber durchaus öfter CDs damit kopiert, oder mir Auto-Sampler aufgenommen. Das Abspiel-Laufwerk war dafür ein Dreifach Wechsler.

Gruß Frank
Zitieren
#13
(03.05.2021, 14:52)nick_riviera schrieb: Ich weiß nicht, ob das bei Doppeltapes generell so ist, aber das Ding hat zwei getrennte in- und out-Anschlussfelder für jedes Laufwerk

Nein, das ist definitiv nicht Standard. Ich hatte bisher nur wenige einfache Doppeldecks von Sony und Pioneer, aber die hatten nur ein Anschlussfeld für beide Laufwerke.
Zitieren
#14
Dieses Yamaha beherbergt zwei komplett eigene Laufwerke mit allen Funktionen. Es sind also zwei Decks in einem Gehäuse. Ich glaube es war das einzige am Markt das so aufgebaut war.
Sogar unabhängige Aufnahme ist möglich.

http://www.hifi-archiv.info/Yamaha/1990/12.jpg
Zitieren
#15
Also LoFi würde ich jetzt beim KX-W 952 nicht gerade sagen. Es gab, auch von Sony und Pioneer, doch schon ganz ordentliche Doppeldecker mit vernünftigen Laufwerken und gutem Klang. Bei meinem Schneider-Turm von 1982 allerdings...auch weia!
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste