UHER 630/631 Logic
#1
Die 630 und 631 unterscheiden sich nicht wirklich. Beide Maschinen sehen ausgesprochen elegant, geradezu futuristisch aus. Auch was die Gerätetiefe angeht, dürften diese Geräte Weltmeister sein. Beim Umspulen sind sie bislang mit führend in meiner Statistik. Die Bedienung ist übersichtlich, einfach und vermittelt trotz Kunststoff (und sogar Pappe) ein Gefühl von Präzision. Auch die Geräusche, die die Maschine macht, klingen angenehm wertig. Die Staubhaube wird seitlich nur angeklemmt, das ist wirklich keine sinnvolle Lösung. Überdies könnte der Aufklappwinkel grösser sein.

So sehr auch viele zetern werden, dies sei die Krone der Schöpfung, halte ich diese Maschine für eine der schlechtesten, die im Grossspulerbereich zu finden sind: es ist anerkannterweise eine Reparaturgurke, die Maschine besteht aus nicht immer gut passendem Plastik, Teile der Frontplatte wurden mit Pappe überzogen, die VUs sind überaus transportempfindlich. Die Tipptasten können sich leicht verklemmen und so die Stoptaste wirkungslos machen. Das Gehäuse ist nicht farbbeständig, d.h. Fettflecken von grabbelnden Benutzern gehen nicht mehr rückstandsfrei ab! D.h. jede gebrauchte Uher ist auch irgendwie 'gezeichnet'.

Innen geht es schrecklich zu: zwar ein gewaltiger Aluaufbau, jedoch lauter kleine Platinen, die lieblos wie schlechter Tannenbaumschmuck kreuz und quer ins Gerät gehangen wurden. Bei manchen gilt: einmal kräftig husten und sie fallen heraus. Das zeigt m.E. deutlich, dass hier zwar jede Technik für sich -vielleicht- gut durchdacht und gelöst wurde, man hat es allerdings versäumt, alles auf ein oder 2 oder 3 Platinen zusammenzufassen, was ja durchaus eine gewisse Leistung sein dürfte. Es gibt sehr viele Steckverbinder, die sich leicht selbst lösen können.

Die Umlenkrollen steuern den Bandzug durch winzige Bewegungen und sie sind aus Kunststoff! Das Fehlen der Andruckrolle hat das Gerät sehr interessant aber leider auch um einen Schwachpunkt reicher gemacht.

Läuft die Maschine erstmal, kann sie diesen Zustand durchaus einige Jahre beibehalten. Dann ist die Maschine, perfekt justierte Köpfe vorausgesetzt, durchaus in einer HiFi-Anlage zu gebrauchen, wenngleich sie auch da m.E. der Royal sehr ähnlich ist und klanglich nicht zu den Top 10 der Grossspuler gehören dürfte. Wer einen Semih im Keller hat, dürfte mit dieser Maschine Freude haben...

B.t.w. ich freue mich schon auf die Kommentare Smile
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#2
Wenn ihr die Sache mit euren Einwanderungsgestezen geklaert bekommt, kann ich ja mal über einen Asylantrag nachdenken. Ansonsten kann ich nur eine "kostenlose" Reparatur hier vor Ort anbieten.
Das einzige Problem dieser Maschine ist, dass sie zu spaet gebaut wurde und dadurch die Techniker nicht genug Zeit hatten, sie zu verstehen.
Die vielen Platinen sind für eine leichtere Reparatur gut, denn unter normalen Service Umstaenden, ist es viel einfacher, eine kaputte Schaltung festzustellen, als die betreffenden Teile selber. So wechselt man die gesammte Schaltung (die auf einer kleinen Platine liegt) und keiner hat was zu meckern. Jetzt, wo alle vergessen haben, was Elektronik mal war und alles nur vorgepresst aus China kommt, haben es die Leute natürlich schwer, wenn sie mal dran gehen und die Zusammenhaenge verstehen, also denken, müssen.
Das Gemeckere über Kunststoff finde ich beim Thema Bandmaschinen ganz fehl am Platz, denn ohne das Kunststoff gaebe es das "Tonband" überhaupt nicht. Ausserdem erfordern Plastikkonstruktionen mindestens genauso viel Gewusst Wie (auf Deutsch : Know How) wie alle anderen Materialien.
Wenn ich mal eine 630/631 habe, werde ich darüber berichten, was für eine schöne und gute Maschine das ist.
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#3
Hallo Andreas,

weil ich wissen wollte ob die TEAC X 2000, X 1000 wirklich so schlecht ist, mußte ich ja mehrere haben (meine erste X 2000 R war ja im Originalzustand eine reine Katastrophe).

So macht mich die Diskussion jetzt neugierig auf Uher 630/631. Es wird also wohl auch von mir irgendwann ein Kommentar kommen. Bin mal gespannt.

Nichts ist langweiliger als eine immer tadellos funktionierende Maschine. Meine AKAI läuft somit nur sehr selten.

Band ab - Band läuft,

Rainer
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#4
Lieber Semih! Ich kann mich noch erinnern, wie auch dir versehentlich eine dieser Platinchen aus dem Gerät gefallen ist. Hätte man die vielen kleinen Platinchen zusammengefasst, so hätte man sich a) die wackeligen Steckverbinder und b) eine Menge seltsamer Aufhängungen und Befestigungen sparen können. Ich kann mir nicht helfen, die Maschine sieht aus, wie Technik aus Westeuropa, finalisiert jedoch in Russland...
Meine ASC z.B. hat auch viel Kunststoff, das ist jedoch wohnzimmerfähig :-)
Es gibt Leute, die behaupten sogar, die 631 wäre schuld am Niedergang von Uher. Darunter war sogar ein Ex-Mitarbeiter. Das glaube ich zwar nicht, aber wenn selbst Uher-Leute dieses Maschinchen verteufeln...
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#5
auf eine 631 in Rainers Haenden bin ich ja schon jetzt sehr gespannt.

Ich habe heute meine 4520 zusammen gebaut, sie musste für Messungen und Bilder herhalten. Dabei habe ich sie dann auch etwas gewartet.
Alle anderen Diskussionen scheinen mir momentan unnötig. Diese Maschine hat einen Geist, aber einen etwas melancholischen, er wusste schon bei seiner Entstehung, dass er das Ende war. Das grosse Finale. Ein Aufschrei der Macher gegen Revox, sie durften bis dahin einfach nichts besseres bauen. Aber zum Finale dann doch.
Andere dürfen diskutieren. Ein bischen Pflege und der 4520 Geist wacht auf. Man könnte noch zwei Glaeser Rotwein auf den Tisch stellen und mit ihm auf sein 4520-Wohl anstossen.
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#6
Hallo,hier meine Einschätzung zur UHER SG 630:
Die 630/631 stammte aus der Feder von Entwicklungs-Ing.Helmut Plener, und war die erste und letzte 4-Motor- Spulenmaschine mit großen Spulen aus der Münchener Tonbandschmiede. Sie faßte 27-cm-Spulen und wurde mit der aus der Videotechnik bekannten Omega-Umschlingung perfektioniert. Das Band umschlang die Tonwelle mit der Rückseite omegaförmig, wodurch die Gummiandruckrolle entfallen konnte. Das Band wurde also nicht mehr angepreßt, es konnten dadurch keine Schmutzpartikel in die magnetische Schicht des Bandes gedrückt werden. Die Bandkanten wurden dadurch geschont. Über Bandzugsensoren erfaßte ein neuartiges „wegloses“ Regelsystem in kürzester Zeit die bei der jeweiligen Betriebsart vorhandenen Bandzüge und lieferte über eine Elektronik die Regelinformationen an den jeweiligen Motor. Das SG 630 war mit vier Motoren ausgestattet: Zwei Wickelmotoren, ein Tonwellenmotor und einen weiteren Motor zur Herstellung der Omega-Schleife. Die Maschine hatte einen hohen Anspruch und eine riesige Erwartungshaltung geweckt. In der Realität konnten diese Erwartungen nicht gehalten werden. Die SG 630 erhlelt negative Testergebnisse und auch im Betrieb stellten sich häufig Funktionsfehler ein. Sie galt als unzuverlässig und zu reparaturanfällig. Insbesondere die Bremsen und Motoren hatten erhebliche Qualitätsprobleme, sodaß ein Drittel der Geräte zurückkam.Grund war aber sicher nicht mangelndes Können der Konstrukteure, sondern die Tatsache, dass die Maschine von der Verkaufsleitung einfach zu früh, noch mit Kinderkrankenheiten versehen, auf den Markt gebracht wurde .
Man kann vermuten, dass die Geschäftsleitung angesichts negativer
Ertragslagen unbedingt mit diesem Flagschiff Terrain zurückerobern wollte.
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#7
Zitat:Das Gemeckere über Kunststoff finde ich beim Thema Bandmaschinen ganz fehl am Platz, denn ohne das Kunststoff gaebe es das "Tonband" überhaupt nicht. Ausserdem erfordern Plastikkonstruktionen mindestens genauso viel Gewusst Wie (auf Deutsch : Know How) wie alle anderen Materialien.
Wenn ich mal eine 630/631 habe, werde ich darüber berichten, was für eine schöne und gute Maschine das ist.
Dann wünsche ich Dir schon mal viel Spaß. Denn so leicht ist es garnicht eine aufzutreiben, von der man Gutes berichten kann.
Mit dem Aufbau hast Du recht: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Plastik an sich ist auch nicht schlecht. Man kann das aber gut oder schlecht machen! Fast jede große Grundig (900er und 1000er), die bei mir steht, sieht noch vernünftig aus. Die Uhers jedoch inzwischen alle billig - weil fleckig!
Aus Anwendersicht finde ich jedoch vor allem die Anlaufzeiten ärgerlich: Es dauert bis sich der Omega-Antrieb richtig eingewickelt hat und es dauert, bis die Maschine korrekt hochgelaufen ist (Jaul!). Mal eben eine Radiosendung aufnehmen und die Werbung oder Blabla wegschneiden macht mit der Uher keinen Spaß.
Aber eben darum geht es doch! In Zeiten von MD, CD und DVD sollen die Großen vor allem Spaß machen. Schade Uher.
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch
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#8
Das Jaulen der europäischen Maschinen ist wieder so eine Sache, die ich als 'human' bezeichnen möchte: man bekommt mit, was passiert. Die Japaner muten das Signal oder stoppen, sobald man die Bandgeschwindigkeit wechselt und lassen den Start erst wieder zu, wenn die Sollgeschwindigkeit...seit Sekunden...erreicht ist Wink

Die fleckigen Uhers haben vermutlich vorne eine Folie über die Alufront geklebt, unter der es jetzt schmutzig wird. Die Folie enthält die Beschriftung Sad

M.E. Meister im Kunststoffverarbeiten war Philips. Die Teile passten perfekt, sie klapperten nicht, sogar die Oberflächen waren behandelt und die Geräte machten optisch etwas her, im ersten Moment fällt das Plastik garnicht auf.

Die Uher 630/631 macht tatsächlich Spaß, vor allem die unglaubliche Umspulgeschwindigkeit ist ein Hingucker! Wie du aber auch bemerkt hast, sind funktionierende Maschinen dieses Typs Mangelware.
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#9
Jetzt da ich alle Eure Kommentare gelesen habe, verstehe ich, dass bei einer Internet Auktion in der Schweiz, bloss ein Interessent zu finden war, der eine solche Uher 631 haben wollte. Und er hat sie für lausige 60 sFr. bekommen!!!!

Was mir persönlich am allerwenigsten gefällt, ist dass die Locig und diverse andere Uher/ASC/Braun Maschinen nur in schwarz produziert wurden.
Da komme ich doch in Versuchung zur Spraydose zu greifen!!

PS :Hoffentlich werde ich jetzt nicht aus dem Forum ausgeschlossen.

Grüsse revodidi
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#10
Hallo Semih, hallo Andreas, ...

eine Uher SG 630 befindet sich seit einiger Zeit in meinen Händen.

Als defekte Maschine erworben steht sie zur Zeit noch als völlig defekte Maschine herum

Die Steckverbinder haben sie auf dem Gewissen.

Da hat doch der Stecker einer Platine einen Stift weniger, wie die dazugehörige Buchse. Was soll denn das?

Da achte ich genau darauf welcher Stecker wohin gehört und wie rum man ihn reinsteckt weil es dafür keine Bezeichnung und Markierung gibt und dann das.

Nun macht die Maschine außer sich drehende Motoren gar nichts mehr. Vorher ging nur die Wiedergabe nicht, Aufnahme war tadellos.

Na ja, wenn ich das komplette Service Manual (ist schon angeleiert) habe geht es weiter.

Das wird dann aber wohl nächstes Jahr werden.

Band ab - Band läuft,

Rainer
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#11
Zitat:revodidi postete
Was mir persönlich am allerwenigsten gefällt, ist dass die Locig und diverse andere Uher/ASC/Braun Maschinen nur in schwarz produziert wurden.
Da komme ich doch in Versuchung zur Spraydose zu greifen!!

PS :Hoffentlich werde ich jetzt nicht aus dem Forum ausgeschlossen.
Du hast ja nicht unrecht: bei den Japanern könnte ich mir vorstellen, daß man bei den silbernen Geräten einfach den Lack gespart hat, also gar nicht Design machte, sondern nur billig produzieren wollte - erst später in den 70ern begriff man, daß diese Technikdesign ankommt.
Metall war in Deutschland immer sehr teuer und das bereits nach dem Krieg, da durch die Besatzung reglementiert. Das erklärt vielleicht, warum die deutschen Firmen so holz- und kunststoffverliebt waren. Vermutlich ist es sogar billiger, Kunststoff schwarz einzufärben, als denn silber, wobei fraglich ist, ob letzteres überhaupt gut aussieht.
Wie dem auch sei: es gibt Fans wie Michael, die lieben schwarz, Fans wie dich, die offenbar auf silber stehen oder mich, der ich mich zu beiden Religionen bekenne mit leichtem Hang zum Silbernen und für alle ist Platz in diesem Forum Wink
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#12
Hallo Andreas,

schwarzes Kunststoff ist natürlich billiger zu produzieren, wie farbiges oder helles. Bei durchsichtigem wird es noch teurer.

Wenn man in einer bestimmten Farbe Kunststoffteile herstellen will, nimmt man neutrales Kunststoff (meistens milchiges Granulat) und gibt in einem bestimmten Verhältnis Farbgranulat hinzu.

Nun kommt bei der Produktion aber auch einiges an Ausschuß heraus. Vor allem bein Anfahren einer Spritzmaschine. Es gibt Schlieren, die Teile sind unvollständig, oder wenn zu schnell gespritzt wird auch verbogen.

Was passiert damit? Die Teile kommen in den Schredder und werden dem Neugranulat wieder hinzugegeben.

Das kann man aber nur bei der gleichen Farbe wieder hinzufügen, oder bei gleicher oder dunklerer.

Oder aber bei: Schwarz, da geht nämlich alles.

Hier kann man somit den größten Anteil von Kunststoffteilen wiederverwenden.

Kunststoffteile in silber hingegen müssen schon lackiert werden, damit man wirklich einen Silber Effekt hat.

Somit ist die Herstellung von schwarzem Kunststoff verständlicherweise billiger.

Band ab - Band läuft,

Rainer
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#13
Es wird aber wohl auch lackiert, denke mal an deine Saba 674. Rubbel mal die Tastenfarbe ab, dann findest du einen hellgrauen bis weißen Kunststoff, wohl der von dir angesprochene neutrale Kunststoff. Soweit ich weiß, ist die Uher 630/631 auch lackiert, also unter der Haut weiß. Die Philipse hingegen könnten durch und durch grau-schwarz sein.
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#14
Frage an highlander: irre ich mich, oder hast Du in irgend einem Artikel eine Revox erwähnt, die umgespritzt ist? Gibt es Fotos? Würde mich interessieren.
Wäre auch dankbar für Tips, wie man Kunststoff dauerhaft und gut spritzen/lackieren kann. (Vorbehandlung etc.)
Ausserdem meine ich auch schon US A77 Maschinen gesehen zu haben, deren Oberteil silbern/chromfarben ist. Sind das spezielle Export-Versionen?

Grüsse revodidi
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#15
[Bild: a77us.jpg]

Ich hoffe das klappt mit dem Bild. Als Anhang zu meiner US A 77 Behauptung.
Es ist übrigens nicht ein Einzelstück, ich habe schon mehrere gesehen im net.

revodidi
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#16
Habe mir erlaubt, den Link im vorherigen Posting zu korrigieren.

Das sieht schön aus. Ich hatte ein solches Modell (allerdings in der herkömmlchen Färbung), deren Oberteil ich silber lackiert hatte, die Seitenteile schwarz. Das Maschinchen steht jetzt bei Wolfgang wz1950. Das Oberteil wird halt nur silbern, nicht chrom- oder spiegelglänzend. Ansonsten empfehle ich Autofelgen-Spraydosen zu verwenden. Dieser Lack ist lichtecht und sehr robust.
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#17
Ich denke, da hat jemand ein gebürstetes Alu-Blech (sehr dünn, bitte, ca. 0,4 - 0,75 mm, damit es nicht aufträgt) zugeschnitten, den Durchbruch fürs Zählwerk reingemacht, die anderen Aussparungen auch, und das ganze dann aufgklebt. Vielleicht noch die Ränder umgekantet.

Geschätzte Kosten beim Blechbatscher, der das mit der Laser- oder der Stanz-Nibbelmaschine herstellt: ca. 15.-- bis 20.-- Euro.

Dann kann man das Blech noch eloxieren lassen...

Müsste man direkt mal par Stück auflegen...
Michael(F)
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#18
zurück zur 630/631 Uher Logic

Die Maschine ist wirklich ein Spitzenprodukt. Man bedenke, die Maschine ist etwa 1977 auf den Markt gekommen. Unterschiede bei der Maschine 630 und 631 gibt es nicht, sie sind identisch bis auf den Kopftäger. 630 ist halbspur, 631 ist viertelspur. Die Kopfträger sind direkt tauschbar, ohne irgendwas an der Maschine einmessen zu müssen.
Der Omegadrive war revolutionär und in meinen Augen auch sehr gut. Ich habe beste Erfahrungen gemacht mit der Maschine. Zuvor wurde von Jaulern berichtet. Die Logic macht Jauler, wenn sie falsch gefüttert wird!!!
Blankes Bandmaterial ohne Rückseitenbeschichtung ist asolut ungeeignet. Die braucht schon halbwegs professionelles Bandmaterial, um sinnvoll zu laufen, dafür wurde sie ja auch gebaut.
Ich selbst habe eine 631 vor einigen Jahren gebraucht gekauft. Sie wurde von mir fast täglich genutzt, sind schon mehrere 1000 Betriebsstunden. Ganz ohne Reparatur/Wartung ging das natürlich nicht. Sie liefert beste Werte für Heimaudio. Sie lief eigentlich immer mit Maxell XLI, hochwertiges Band für Heimaudio und wohl auch nicht selten im professionellen Bereich genutzt.
Die Maschine benötigt solche (semi)professionelle Bänder,sonst kann sie nicht zufriedenstellend laufen!
Weil die Maschine keine Andruckrolle hat, muß beim Bandtransport die Rückseite des Bandes reichen. Glattes eventuell auch noch elektrostatisch aufgeladenes Polyester reicht da nicht.
Ich habe mir mal den Spaß erlaubt und sie auf höchste Audiofrequenz bei 19,5 cm eingemessen. 44 kHz (Samplefrequenz CD) ging noch, allerdings mit sehr vermindertem Pegel.
Lineare Einmessung bei 9,5 cm/s mit XLI bis 20 kHz geht ganz gut. Die Logic hat auch eine elektronische Bandzugregelung, was nur sehr wenige andere Maschinen haben. Daher kann sie auch so schnell spulen. Wenn das Band sauber läuft und die Spulen ausgewuchtet sind, regelt die Logic richtig hoch. Andererseits spult sie nur mäßig, wenn das Band unsauber läuft.
In vorherigen Beiträgen wurde der viele Kunststoff bemängelt, der einen billigen Eindruck macht. Der ist aber nur Hülle. Innendrin ist ein massiver Alurahmen, der alles trägt.
Ernsthaft verschleißen kann an der Maschine nicht viel, eigentlich nur der Antriebsriemen zur Capstanwelle.
In meinen Augen ist die Logic eine sehr gelungene langlebige Maschine, man sollte halt nur hochwertiges rückseitenbeschichtetes Bandmaterial benutzen.

Andreas, DL2JAS
Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
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#19
Lieber Andreas,

verstehe ich dich richtig, wenn du im voranstehenden Posting darlegst, mit einer 'Uher Logic' bei 19,05 cm/s 44,1 kHz aufgenommen zu haben?

Mich beunruhigt dabei zwar meine Uninformiertheit, dennoch sei es gewagt: Welche Köpfe hatte dieses Bandgerät, und was ist unter einer "linearen Einmessung" zu verstehen?

Hans-Joachim
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#20
Unter der "linearen Einmessung" stelle ich mir vor, daß Andreas versucht hat, einen möglichst linearen Frequenzgang bei 9,5 cm/sec zu erzielen. 20 kHz ist dabei ein Wert, der zwar in vielen Prospekten selbst bei Cassettendecks auftaucht, aber von vielen Fachleuten zurecht bezweifelt wird.

Meine Frage wäre, innerhalb welcher Grenzen der Pegel dabei schwankte und wie gemessen wurde. Es ist mir immer sehr komisch vorgekommen, daß ein Cassettendeck für den Homegebrauch Daten hatte, die man nicht einmal an Studiomaschinen finden konnte.

Die 44 kHz kommen mir fantastisch vor. Was genau wurde da wie gemessen? Was für ein Pegel hatte diese Frequenz dann noch?

Zum Gerät selber: Ich werde demnächst hoffentlich eine oder 2 bekommen. Viel Vertrauen habe ich nicht. Ich habe sie nach dem Prinzip "nice to have" beschafft. Auf rückseitenbeschichtetes Band angewiesen zu sein empfinde ich als Konstrukionsfehler. Das war ein Home-Gerät, und unbeschichtete Bänder hatte der ambitionierte Amateur evtl. noch aus seiner RDL-Zeit. Die eigenen Kunden mit einem nicht abwärtskompatiblen Gerät zu beglücken war sicher nicht sehr klug.
Michael(F)
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#21
Falls es in Richtung "Erfassung und Interpretation von technischen Daten, unterschiedliche Meßverfahren und Bewertungen" weiter gehen soll - was ich sehr gut fände - habe ich eigens dafür einen neuen thread aufgemacht.
Michael(F)
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#22
Lieber Michael,
liebe Mitleser,

Michael schrieb:
"Unter der "linearen Einmessung" stelle ich mir vor, daß Andreas versucht hat, einen möglichst linearen Frequenzgang ... zu erzielen."

Dann müsste es aber auch eine nicht-lineare Einmessung geben, die ich aber bei einem Gerät wie dem Uher logic nicht kenne. Bei Datenaufnahmegeräten gibt es so etwas; dass aber ein herkömmliches Bandgerät die angebotenen Daten 'bewusst' verböge, ist mir neu. Wenn der Nutzer hier aufgrund seiner mehr oder weniger glücklich genützten Sachkenntnis im Aufnahmezweig Veränderungen jenseits irgendwelcher Normungen anbringt, führt das daher zwangsläufig dazu, dass diese -im Hinblick auf die Probleme des Speicherverfahrens gewählten- Wege bei der Wiedergabe vollständig kompensiert werden (müssen). So wie wir das von den Rauschminderungsverfahren kennen.

Dazu eine Episode der letzten Zeit aus meiner eigenen Praxis, etwas o.t., aber vielleicht in diesem Zusammenhang doch nicht uninteressant:

Vor einigen Tagen kamen mir zwei Bänder professioneller Herkunft unter (AGFA Wolfen Typ C, gemäß Chargennummer von 1958), die 1959 in Bukarest aufgenommen worden waren. Auf dem Karton war jeweils eine "Viteza" von 77 cm/s (!) definitiv vermerkt, wobei das Anhören auf einer eigens kontrollierten Studer A810 ergab, dass die Höhen auf dem Band selbst für eine Wiedergabeentzerrung von 35 µs -damals hierzulande für 76,2 cm/s üblich- gewaltig angezogen waren.

Dies kann eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder war mit der Gewalt der Verzweiflung versucht worden, eine nicht 15-kHz-taugliche Apparatur über diese Klippe zu heben (unser Forenkollege Friedrich Engel brachte mich aufgrund eigener Erfahrungen darauf), oder aber den Geräuschspannungsabstand einer Aufnahme dadurch anzuheben, dass man das aufnahmeseitige Überziehen der Höhen bei der Wiedergabe vollständig kompensierte.

Beides war in diesem Falle grundsätzlich denkbar, nährte bei mir aber gewisse Ahnungen, weshalb ich mir das Spektrum der Aufnahme in der Fast-Fourier-Analyse ansah. Und da erkannte man nun, was Sache war:

Die 'privat nach Gutdünken' entzerrt durchaus hochwertige Aufnahme ging letztlich nur bis 10 kHz und fiel danach sichtlich tonkopf- und/oder elektronikbedingt geplant ab. Zudem entsprach der Pegel bei 10 kHz etwa dem bei 80 Hz, was nun eine bewusste Verbiegung des Aufsprechfrequenzganges nach den Höhen hin zur Gewissheit macht, die auch aus der grundsätzlich niedrigen Aussteuerung spricht (100 pWb/mm, jedoch kein Messton auf dem Band).

Noch interessanter war der Frequenzverlauf des Höhenspektrums, der nämlich genau den Eigenschaften der RRG-Aufnahme-Wiedergabeverstärkerkombination V7b/V5 in den hohen Stellungen der "Frequenzabgleich" genannten Potentiometer folgt. Plötzlich erhält dann auch die Bandgeschwindigkeitsangabe auf den Kartons (77 cm/s) eine ganz eigene Bedeutung, denn noch 1959 scheinen im Bukarester Opernhaus Magnetbandaufnahmeanlagen der Reichsrundfunkgesellschaft betriebstüchtig vorhanden gewesen zu sein, die man unter konsequenter Ausnützung damals modernen Bandmaterials neuzeittauglich zu machen versuchte. Angaben zur Entzerrung suchte ich auf den Kartons und einem beiliegenden privaten Notizzettel aber leider vergeblich.

Die Bandgeräte dürften sehr wahrscheinlich (30-cm-Wickel auf 10-cm-Kernen) AEG-K4, vielleicht aber gar solche des seltenen Typs AEG-K7 gewesen sein. Dies ließe sich gegebenfalls dadurch belegen oder ausschließen, dass die auf den nie geschnittenen Bändern vorhandenen, sehr typischen Anlaufgeräusche identifiziert und einer K4 (meine rennt noch nicht wieder) zugewiesen werden können, oder aber eben nicht. Dies sollte wegen des Vorhandenseins der elektrischen Schaltgeräusche zweier Relais (in immer identischem Zeitabstand) selbst ohne betriebstüchtige Originalverstärker V7b/V5 möglich sein.

Es wird also Zeit, dass ich meiner K4 von 1944/45 wieder ans Netz helfe, um einmal zu sehen, wie sie sich beim Anfahren des Bandes anstellt...

Hans-Joachim
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#23
`
Betr.: Alublende f. Tonbandgeräte

Solche Blenden habe ich unlängst gesehen, irgend jemand scheint die zumindest für A77 und B77 herzustellen. Die hatten aber das Problem, etwas aufzutragen, so dass zwischen nunmehr dickerer Gehäuseabdeckung und Spulen sehr wenig Luft blieb. Bei leicht verzogenen Spulen gibt es sofort böse Kratzer.

Was die Bleche kosten sollten, habe ich mir nicht gemerkt, aber es lag auf dem Niveau, auf dem auch einigermaßen gut erhaltene komplette A77 zu finden sind. ( €50.-?)

Frank ( darklab )
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#24
Hallo allerseits!

zu PhonoMax und Michael(F):
Ja, das mit den 44 kHz ist keine Ente. Im Kopfträger sind die Originalköpfe, sollte Woelke sein. Ich hatte die Vormagnetisierung so eingestellt, daß die hohen Töne maximal kamen, also kein linearer Frequenzgang. Ich messe üblicherweise bei -20 dB ein. Die 44 kHz kamen nur ganz schwach, etwa -40 dB. Bei dem Experiment ging es mir nur darum auszuprobieren, was maximal geht. Man kann damit auf die Spaltbreite schließen. Wem das zu utopisch mit den 44 kHz erscheint, der rechne das auf 9,5 cm/s um, dann sind es 22 kHz.

Ein kleiner Rat für alle, die selbst eine alte Logic aufarbeiten möchten:
Die Bandzüge müssen genau nach Serviceunterlage eingestellt werden, sonst läuft die Maschine nicht zufriedenstellend. Wegen der fehlenden Andruckrolle sind die richtigen Banzüge verständlicherweise sehr wichtig.

Andreas, DL2JAS
Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
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#25
Lieber Andreas!

44 KHz beträgt die Samplingrate der CD. Die höchste Frequenz, die auf ihr aufgenommen werden kann, beträgt die Hälfte davon, also 22 KHz. Das liegt am Nymquist- (so hieß der Mann doch, oder?) Theorem, nämlich daran, daß jede Schwingung einen Wechsel beinhaltet.

Information breitet sich bevorzugt in Wellen aus. Ja, nein, ja, nein.

Uli
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#26
Hallo Grassi!

Herrn Nyquist gibt es, er spielt in der Fernsehtechnik eine Rolle. Es gibt die sogenannte Nyquistflanke. Das ist grob beschrieben die Grenzfrequenz Bildträger zum nächsten Fernsehkanal.
Du schreibst auch von der Samplingrate (Abtastrate) bei CD. Es gibt das Shannon-Theorem. Mit einfachen Worten gesprochen sagt es aus, die Abtastrate muß mindstens doppelt so hoch sein wie das Nutzsignal.
Shannon und Nyquist haben für mich keinen erkennbaren Bezug zu den gemessenen 44 KHz, die ich damals auf Band aufgezeichnet hatte.
Ich komme jetzt etwas ins Schleudern.
Soll ich jetzt Deiner Meinung nach über Nyquist (Fernsehtechnik) oder über Shannon (Abtasttheorem z.B. CD) schreiben?
Beides passt in meinen Augen nicht in den thread. Thema ist ja die Uher Logic.

Andreas DL2JAS
Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
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#27
Lieber Andreas,

da muss ich jetzt Grasso beispringen, denn Harry Nyquist und Claude E. Shannon gehörten nicht nur -wenn auch mit 20 Jahren Distanz- zum Mitarbeiterstab der Bell Laboratories, sondern sie begründeten beide gemeinsam die Erkenntnisse, die die neuzeitliche massentechnologische Nutzung der Digitaltechnik erst möglich machte.

Harry Nyquist publizierte schon 1928 (G. Neumanns CM3 kommt auf den Markt) seinen legendären Aufsatz "Certain Topics in Telegraph Theory", in der er nachwies, dass eine Information von x Hz vollständig durch Signalproben beschrieben werden kann, die x/2 Sekunden auseinanderliegen. Nachdem f=1/t ist, bedeutet dies, dass die höchste beschreibbare Frequenz bei der halben Probenenahmeanzahl pro Zeiteinheit liegt. Und genau das legt Grasso ja dar, etwas klappericht zwar, aber keinesfalls im Widerspruch zu Nyquist.

Der Mathematicus Shannon stellt das 1948/49 (Schüller plant an der T9) in einen größeren theoretischen Zusammenhang, in dem er nachweist, dass die Umsetzung auch mathematisch ohne jeglichen Informationsverlust stattfindet, wenn im Original keine höhere Frequenz als die der Hälfte der Abtastfrequenz enthalten ist.
(Shannon, C. E., A Mathematical Theory of Communication, in: Bell Syst. Techn. Journ., Vol. 27, 1948.
Ders., Communication in the Presence of Noise, in: Proceed. of the Inst. of Radio Engineers, Vol. 37, 1949.)

Rosinen schmecken auch ganz gut...

Hans-Joachim
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#28
Hallo zusammen,

ich möchte hier mal auf einen bisher nicht erwähnten aber doch sehr wichtigen Unterschied zwischen der 630 und der 631 aufmerksam machen:
die Chinch-Anschlüsse auf der Rückseite, sowie der Kopfhöreranschluss mit Klinke bei der SG 631 Logic !!!
ist gibt noch mehr Unterschiede, die Geschwindigkeit bei der 630 ist nur bei
19 cm regelbar, dagegen bei der 631 bei 9,5 und 19 !!!
die ersten SG 630 waren wirklich nicht das gelbe vom Ei, ich habe aber auch schon eine 630 restauriert, die das gleiche Platinen-Layout (Bandzugregelung)
wie eine 631 hatte !(wohl eine der letzten 630) diese Maschine funktioniert
einwandfrei.
im übrigen gehört eine Uher SG 631 Logic (1/2 Spur) fest in meine Sammlung,
und bei regelmäßiger Wartung läuft das Teil sehr zuverlässig!
und Tschüß
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#29
Auch wenn dieser Thread schon etwas älter ist:

Bei meinem SG 631 lässt sich die Geschwindigkeit nur bei 19 cm/s regeln. Bei allen anderen Geschwindigkeiten ist die Feineinstellung wirkungslos. Gab es etwa zwei Modelle?

Zu den Schwachstellen:
Die wohl unangenehmste Schwachstelle ist das Capstanlager, wovon nach meinem Kenntnissstand alle SG 630er und wenigstens ein Teil der SG 631er betroffen sind. Beim Senkrechtbetrieb kommt es zum Ölaustritt und das Öl wiederum lässt die Kunststoffbeschichtung der Capstanwelle aufquellen. Ich habe damals ein Lager neuen Typs einbauen lassen, bei dem das nicht mehr passieren kann; läuft jetzt perfekt.

Ansonsten hat sich bei meiner Maschine - die definitiv schon unzählige Stunden hinter sich hat - vor wenigen Jahren mal der linke Wickelmotor verabschiedet. Weihnachten ist jetzt gerade die Steckerleiste beim Wechseln des Kopfträgers gebrochen. Naja, eine Grundwartung wäre ja eh mal fällig gewesen. Aber dieses Modell ist tatsächlich mein einziges Tonbandgerät, das mal einen Defekt hatte. Ein zweites muss als Ersatzteilträger unbedingt her!
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#30
Hallo,
kann mir einer in diesem Forum zu einer Service-Unterlage für Uher SG630 Logic verhelfen?
vielen Dank
Eberhard, dk3he1
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