05.11.2010, 10:07
Zitat:gogosch posteteDiese Aussage ist mir glasklar zu dumpf! und ich muss ihr aus eigener Erfahrung widersprechen.
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Für mich bedarf es übrigens keines Testbandes, ich höre den Unterschied ganz deutlich. A77/B77 = dumpf und dunkel, AKAI = glaskar und natürlich.
Alles bezogen auf 9,5cm! (...)
Eine korrekt justierte und eingemessene A/B77 reproduziert auch bei 9,5 und in 1/4-Spur Ausführung nicht dumpf, sondern sehr Nahe dem Original. Unterschiede sind im direkten Vergleich zuverlässig merkbar, allerdings sind leichte Verluste in den Höhen nur ein Merkmal unter mehreren und gewiss nicht das markanteste. Einer Akai kann ich im gleichen Fall ein etwas helleres Klangbild bescheinigen, ohne dafür die Hand 'rumzudrehen ob das denn jetzt natürlicher ist.
So wie man sich beim Autokauf zwischen Lastwagen - Sportwagen - Alltagsfahrzeug entscheiden muss, sollte man auch bei einer Bandmaschine überlegen zu was man sie nutzen möchte.
Bei Studer orientierte man sich sehr konsvervativ an den Studio-Standards, hielt Normen und Messmethoden penibel ein und dokumentierte nur solche Werte, die man locker und sicher einhalten konnte. Dadurch unterschied sich Studer wohltuend von anderen Marken, bei denen die Publikation der Messwerte als Werbemaßnahme verstanden und entsprechend gehandhabt wurde. Ein begabter Messtechniker wird dir jedes gewünschte Ergebnis herbeimessen, wenn er denn vorher weiss, was heraus kommen soll.
Bei Studer wurde Qualität nicht durch Austricksen der Physik herbeigezwungen sondern sorgfältig und konsequent da aufgelesen, wo sie sicher zu finden war. Man dachte folglich in breiten Spuren, hohen Geschwindigkeiten und Bändern ordentlicher Dicke. 19 cm/sec, 1/2-Spur und LP-Band sah man als unterstes Level der analogen Magnetbandtechnik an. Man legte Wert darauf, sich innerhalb der gültigen Normen und Spezifikationen zu bewegen, was man nicht von allen Herstellern behaupten kann. Nakamichi und Teac kochten in mancherlei Hinsicht ihr eigenes Süppchen, was den Austausch von Bändern beeinträchtigte.
Für 1/4-Spur, 9,5 cm/sec und DP- oder gar TP-Bänder wurden bei Revox keine Kompromisse gemacht zu Lasten des Kerngeschäfts der A77. Das führte dazu, daß man der A wie der B77 eine etwas nonchalante Bandführung verpasste, die für den gedachten Hauptzweck bestens funktionierte, bei langsamen Geschwindigkeiten und schmalen Spuren aber zu über Kopfhörer deutlich hörbaren Pegelschwankungen führte. Wohlgemerkt - über Kopfhörer. Über Lautsprecher verlor sich das Phänomen in gut tolerierbarer Größe.
An diesem Umstand werden auch die von Dir favorisierten GX-Köpfe zur Frequenzgangsverbesserung nix ändern. Diese glänzen ja in erster Linie dadurch, daß nicht verschleissen und nicht so sehr durch superbe elektroakustische Eigenschaften. Denen war schon die verschleisshemmende Glasbeschichtung vor, die eine ordentliche Durchmagnetisierung der Bänder eher behinderte. Akai-Geräte gelten in der Regel als für ihren Einsatzfall gut taugliche Arbeitspferde (damit der A77 im Prinzipe nicht unähnlich) aber ganz bestimmt nicht als Mess- und Klangtechnsiche Überflieger, sofern man nicht gerade die Marketingabteilung mit den Messarbeiten betraut.
Falls Du mal wieder zu einem gedanklichen Höhenflug über das Forum aufbrichst, wäre es nett, wenn Du Dich ab und zu an den realen Gegebenheiten orientierst, bevor du pauschal und undifferenziert einer erwiesenermassen praxisgerechten Konstruktion die Tauglichkeit absprichst.
Michael(F)