24.10.2004, 22:58
Lieber Michael,
nachdem sich nichts tut, sage ich mal etwas; o je...:
a)
Bei neuzeitlichen Geräten sollte intern eine hinreichende Übersteuerungsfestigkeit allemal gegeben sein, zumal ja schon die Nichtlinearitäten des analogen Modulations- und Demodulationsvorganges zuverlässig 'gepackt' werden müssen. Beim Ausgang der A77 ist das ja nun leider nicht so, weil der Konstrukteur das enorme Entwicklungspotenzial regulären Bandmateriales nicht abgesehen hat. Nun ja, man kommt zum Ziel, indem man den Ausgangssteller nicht voll öffnet.
'Ein schöner Ausgang wäre aber doch schöner.'
Anders sieht das bei historischen, namentlich bei den Röhrenbandgeräten aus, die sich gewiss auch an den früher selbst im Profibereich mit seinen hohen Bandgeschwindigkeiten deutlich niedrigeren Aussteuerungsgrenzen orientierten. Von Röhrenmängeln und sonstigen konzeptionellen Engpässen (z. B. Eintaktoszillatoren mit erheblichem K2 [also zweitem Partialton im Spektrum]) einmal zu schweigen.
b)
Wir müssen Eingangs-, Ausgangspegel und den remanenten Bandfluss auseinanderhalten. Teac-Bandgeräte gestatteten einen hohen Bandfluss, kamen aber bezüglich Aus- und Eingang mit -10 dV, also rund 300 mV daher. Dies rührt von der begrenzten Aussteuerbarkeit einfacher Transistorausgangsstufen, die man zunächst baute. Mit der Kleinleistungsgegentaktendstufe (vgl. A77) war dies an sich erledigt, der Standard aber in Japan und den USA etabliert. Mitgefangen, mitgehangen hieß es dabei aber auch für uns.
In Zentraleuropa orientierte man sich immer am Studiostandard +6 dB = 1,55 V, der aus Fernmeldegepflogenheiten herrührt, die den Reichsrundfunk nebst seiner Zulieferindustrie stark beeinflussten.
Diese Pegelsituation reflektieren Revox G36, die um 0,775 Volt bei VA ("0 dB") ausgibt, oder die A77, die intentionell eine Ausgangspannung um 1,55 Volt liefert. Diese Ausgangsspannungen erweisen sich als sinnvoll, weil die Dynamik dieser Geräte eben doch an die 60 dB herankommt, weshalb man für eine sinnvoll hohe Ausgangsspannungsamplitude sorgen sollte, die den Einfluss fremder Störquellen reduzieren kann.
Viele Amateurbandgerätehersteller sahen das aber pragmatischer, weshalb -namentlich auch Hinblick auf die mäßigen Aussteuerbarkeiten früher Transistoreingänge der Verstärker (Ausgangspot bei der A77!!)- dort oft sehr niedrige Pegel angeboten wurden, was dann den Röhrenverstärkernutzern oftmals böse Probleme machte.
Der schnell hochwertige Operationsverstärker (Aussteuerbarkeit und Grundrauschen) machte diesem Theater gottlob ein baldiges Ende.
Das Band sollte soweit wie irgend möglich (das entscheidet letztlich das Ohr) durchmagnetisiert (vulgo ausgesteuert) werden, denn dann sinkt das Bandrauschen relativ auf die niedrigst möglichen Werte ab. Man muss natürlich auch den Klirrfaktor im Ohr behalten, das war es aber dann. So machte das auch der Rundfunk, wobei die traditionelle Skalengrenze der Aussteuerungsmesswerke (Lichtzeiger wie Plasmaanzeigen) mit +5 dB so etwas wie eine 'Qualitätsmarke' setzt, die in der üblichen Musikaufnahme zu überschreiten doch qualitative Mauern eingerissen hätte, die man nicht fallen sehen wollte. (320 Wb/mm + 5 dB = 570 pWb zur Monozeit; 514 + 5 dB = 914 pWb/mm zur stereofonen; man sieht, dass der Wunsch nach einem besseren Band wachsen musste...)
b)
ist vorstehend bereits beantwortet. Man kann den Pegel auf Studionorm anheben, muss aber dabei berücksichtigen, dass man möglicherweise die Gerätespezifikationen überfordert. Dazu schaut man in die Bedienungsanleitung, um zu erfahren, welche Ausgangsspannung der Konstrukteur der Karre spendiert hat. Sollte man das mit neuzeitlichem Bandmaterial überschreiten können, man dies Material aber ausnützen wollen, ist zu überlegen, ob man nicht die interne Pegelfestlegung verändert. Dazu aber sind saubere Recherchen notwendig, weshalb ich dies nur wirklich kundigen Personen empfehle, die jederzeit wissen, was sie tun. Und die gibt es unter Amateuren eher seltener. Und wenn doch, dann geben die sich mit so einem Bandgerät nicht mehr zufrieden.
c)
Da sieht man eben die beiden Welten aufeinanderprallen. Der Rundfunk, der immer Geld hatte (heute jammert er zwar fürchterlich, hat aber immer noch für allen möglichen Quatsch Kohle, nur für Orchester nicht: München schoss sein Rundfunkorchester ab, in Köln wurde die Cappella Coloniensis schon vor Jahren vom WDR-Hafersack abgehängt, und so wird das weitergehen; die abgeschossenen Rf-Big Bands sind zahlreicher), konnte sich auch aufwändigere Elektronik leisten; die Amateurgeräte-Industrie aber baut primär für ihren Geldbeutel, der aber vom nicht kommerziell arbeitenden Laien gespeist wird,d er seinerseits nur überschüssiges Geld in 'diesen Qatsch' steckt....
Für die PR99 muss man eben ein bisschen 'machen', was angesichts der vielen Opamp-Typen eigentlich kein Problem darstellen sollte.
d)
Ja, auch bei Vierspurbetrieb muss man ordentlich aussteuern. Die eher mäßige Übersprechdämpfung ist eines der Probleme, die man für den verringerten Bandverbrauch eben hinzunehmen hat, weshalb die A77 auch als eindeutig halbspuriges Gebilde für Langspielbänder konstruiert ist. Etwas anderes ging den Regensdorfern schlicht nicht hinter die Binde.
e)
Die Übersteuerungsgrenze legt dein Ohr fest. Neuzeitliche Bänder haben mit 514 pWb/mm bei 19 und erst recht bei 38 ihre Betriebsgrenzen (traditionell werden diese definiert als 3 % Klirrfaktor bei den Profis und 5 % Klirrfaktor bei den Amateuren) noch längst nicht erreicht. Dies liest man aus den Datenblättern der Bänder ab und weiß dann, woran man ist. Im praktischen Betrieb hört man dann schnell, wo man an klangliche Klippen kommt. So sind beispielsweise analoge Aufnahmen eines Hornes oder einer Posaune (sinusförmige Signale) so kritisch, dass man unter 514 pWb/mm bleiben muss, um ein Verklirren der Modulation zu vermeiden.
Die weitgehende Tilgung dieses Problemes war ja eines der den Tonmeister "korrumpierenden Elemente" der Digitalaufzeichnung bzw. der digitalen Übermittlung zum Kunden: Der Klirrfaktor sank/sinkt konsequent bis zur Vollaussteuerung, wo eben die höchste Qualität da erreicht ist, wo es beim analogen Verfahren beginnt eng zu werden. Mich überkommt die Faszination dieses Sachverhaltes noch heute. Und nachdem ich nun auch Joop Sinjou, den Vater der CD persönlich kenne, sehe ich immer ihn vor mir, wenn mich dieser Gedanke überkommt.
f)
Dünnere Bänder können bei tiefen Frequenzen (nur da wird die Schichtdicke durchmagnetisiert) natürlich nicht so hoch ausgesteuert werden, weshalb der Rundfunk bzw. die professionelle Tonindustrie solche Bänder -auch- nicht einsetzt. Man kann sie überdies schlecht schneiden, die mechanische Stabilität lässt Wünsche offen, die Kopierdämpfung ist bei rundfunküblicher Bandgeschwindigkeit und Aussteuerung eine reine Katastrophe etc. pp. Für Amateure mit üblichem Equipment sehe ich da aber kein Problem, weil die Mikrofone in seinem Besitz ohnehin erst 'wer weiß wann' anfangen, ausgesteuert wird ohnehin über den Daumen: Weitreichend zu niedrig und wenn doch hoch, dann zu hoch. Der Amateur, der mehr will, greift dann schnell zu anderen Bändern (und Geräten, siehe oben, siehe unten).
g)
Du hast diese Probleme, da ist nichts zu machen. Auch dahingehend, dass dein Bandgerät auf dies Band u. U. nicht eingemesssen ist, wobei ich bekennen muss, hier den konsequenten Standpunkt des Profis in die Amateurszene zu tragen, was eigentlich nicht immer zulässig ist. Man sieht an disem praxisnahen Beispiel, welcher Mist da 'damals' gemacht wurde, ohne dass man sich daran störte. Man sieht auch, welche Qualitätskategorien bedient wurden, wobei dieselbe Frage auch an die Rundfunkanstalten zu stellen ist, bei denen selbstverständlich und sehr qualifiziert über klangliche Fragen diskutiert wurde und diskutiert wird. Nur: Das ist nicht das zentrale Problem des Rundfunkmachens, zumindest war es das nicht zur analogen Zeit. Wir reden da sicher mal persönlich drüber. Schon Ende der sechziger Jahre (bei mir wuchs der Druck auf den Tonmeisterberuf hin erheblich) sagte mir Friedrich W., damals Cheftonmeister des BR, dass es Hörer gäbe, "die bessere Anlagen haben als wir" (im BR). Mir jungem Naivling fiel die Kinnlade herunter.
h)
Wenn ein Hersteller ein Bandgerät anbietet, tut er gut daran, sich an der aktuellen Szene und den international gültigen Normen (IEC oder NAB) zu orientieren, die auch Bezugspegel vorgeben, die von den Bändern mathematisch-physikalisch genau beschreibbar (und in den Datenblättern beschrieben) überschritten werden können. Wenn der Bandgerätehersteller das ausnützt, reüssiert sein Gerät unter Umständen mit besseren Daten als das eines Konkurrenten. Und was wollte er mehr?
Den angezeigten Wiedergabepegel würde ich nicht überbewerten, das ist eher ein Gimmick. Wie andere Geräte mit deiner einwandfrei erstellten Aufnahme zurechtkommen, ist primär das Problem dieser Gerätebesitzer und da sieht es oft trübe, sehr trübe aus. Man kann nicht ins Bluae untersteuern und dann hoffen, das derlei Maßnahmen 'vielleicht' beim Kollegen anschlagen. Mache du mit einer tadellos eingemessenen Maschine eine gute Aufnahme und keiner kann dir an den Wagen fahren. Nur dann.
Der Sammler kann das völlig anders sehen, weil er mit einem Gerät ja zumeist andere Absichten verbindet. So stehe ich vor meiner K4 oder dem Ferrophon IIc (mit Vorverstärker) und kollidiere in keiner Weise damit, dass diese Dinger noch immer nicht wieder laufen. Täten sie dies, so ist die Tatsache, dass sie laufen ungleich wichtiger als die akustische Qualität mit der sie dies gewährleisten.
h2)
Man kann sich damit behelfen, was auch beim Rundfunk üblich war. So erinnere ich mich, als Kind zur Monozeit gesehen zu haben, dass die Lichtzeigerbriketts im Aufnahmewagen eine Markierung bei -10 dB über die Glasscheibe der Front geklebt hatten, man also eine Übersteuerungsmarkierung bei 100 pWb/mm besaß, was übrigens das ZDF bei Sendebeginn (war doch 1963?) als Vollaussteuerung für magnetische 1/4"-Zuspielungen definiert hatte... Suse, liebe Suse, was raschelt im Lautsprecher...
Wenn klanglicher Ärger (verklirrte Tiefen) auftritt, nimmt man natürlich die Aussteuerung zurück. Dies hilft natürlich dann nichts, wenn der Arbeitspunkt für das verwendete Band 'nach die Heimat' steht. Da kannst du die Aussteuerung bis ins Restrauschen reduzieren, die Musik quintelt immer.
i)
Diese Frage solltest du nach Lektüre des obigen bereits beantworten können. Ich tue es aber auch: Du kannst in den roten Bereich gehen, nur nicht prinzipiell. Das ist stark von der Beschaffenheit Modulation und vor allem von der Qualität deiner Aussteuerungsmesser und deiner Erfahrung abhängig. Die VU-Meter der A77 sind ein Kapitel für sich und eigentlich -wie jedes VU-Meter- für eine ordentliche Nutzung des recht engen Dynamikbereiches der analogen Tonaufzeichnung meiner Ansicht nach nicht geeignet. Der Dynamikbereich der Messwerke ist mit 25 dB einfach zu klein, die ballistischen Eigenschaften und die extrem lange Einschwingzeit des Systems lassen vernünftige Aussagen zur wirklich erfolgten Aussteuerung nicht zu. Ein schöner Lichtzeiger mit Verstärker (NTP oder RTW, Maihak-Siemens-Telefunken etc.) eine schöne Plasmaanzeige (RTW, NTP, o.ä.), die jeweils die üblichen 10 ms IMessintegrationszeit einhalten, helfen bei der Minimierung dieses Problemes wesentlich qualifizierter als so ein Miniaturanzeigerle.
Das Problem im Falle schöner Austeuerungsanzeigen ist der Preis dieser für den Amateur nur gebraucht finanziell halbwegs tragbaren Geräte und vor allem die Anschaltung an eine Amateurapparatur. Auch da muss man etwas 'tun', weil die Geräte natürlich auf den Studiopegel und die studioüblichen Ausgangswiderstände hin angelegt sind.
Es geht dies aber und zahlt sich aus, sofern man selbst produziert. Werden nur dynamisch vorwegüberwachte Aufnahmen aus dem Rundfunk, von der Schallplatte oder der CD/DVD bezogen, braucht man derlei nicht, da tut es dann auch das oben bemühte Anzeigerle.
---
Vom Bommel, Entzerrung übrigens fielen uns im wissenschaftlichen Material der EMTEC wohl ein knappes Dutzend neuer Exemplare ['NOS'] in die Hände. Als vertiefende Ergänzung zum Engel (Schallspeicherung auf Magnetband, Leverkusen 1973??) ist dies Heft allererste Klasse, Engel 1973 jedoch grundlegende Praktikerbibel, denn sie blickt oftmals auch 'über den Zaun' in Randbeireiche.
Bei ZVAB tauchen beide gelegentlich ebenso wie bei Ebay auf, wo Bekannte von mir auch schon zugeschlagen haben.
So jetzt heißt es, zum Ende kommen, denn ich muss ins Bett. Korrektur gelesen wird deshalb morgen, was mir die Leser verzeihen mögen.
Hans-Joachim
nachdem sich nichts tut, sage ich mal etwas; o je...:
a)
Bei neuzeitlichen Geräten sollte intern eine hinreichende Übersteuerungsfestigkeit allemal gegeben sein, zumal ja schon die Nichtlinearitäten des analogen Modulations- und Demodulationsvorganges zuverlässig 'gepackt' werden müssen. Beim Ausgang der A77 ist das ja nun leider nicht so, weil der Konstrukteur das enorme Entwicklungspotenzial regulären Bandmateriales nicht abgesehen hat. Nun ja, man kommt zum Ziel, indem man den Ausgangssteller nicht voll öffnet.
'Ein schöner Ausgang wäre aber doch schöner.'
Anders sieht das bei historischen, namentlich bei den Röhrenbandgeräten aus, die sich gewiss auch an den früher selbst im Profibereich mit seinen hohen Bandgeschwindigkeiten deutlich niedrigeren Aussteuerungsgrenzen orientierten. Von Röhrenmängeln und sonstigen konzeptionellen Engpässen (z. B. Eintaktoszillatoren mit erheblichem K2 [also zweitem Partialton im Spektrum]) einmal zu schweigen.
b)
Wir müssen Eingangs-, Ausgangspegel und den remanenten Bandfluss auseinanderhalten. Teac-Bandgeräte gestatteten einen hohen Bandfluss, kamen aber bezüglich Aus- und Eingang mit -10 dV, also rund 300 mV daher. Dies rührt von der begrenzten Aussteuerbarkeit einfacher Transistorausgangsstufen, die man zunächst baute. Mit der Kleinleistungsgegentaktendstufe (vgl. A77) war dies an sich erledigt, der Standard aber in Japan und den USA etabliert. Mitgefangen, mitgehangen hieß es dabei aber auch für uns.
In Zentraleuropa orientierte man sich immer am Studiostandard +6 dB = 1,55 V, der aus Fernmeldegepflogenheiten herrührt, die den Reichsrundfunk nebst seiner Zulieferindustrie stark beeinflussten.
Diese Pegelsituation reflektieren Revox G36, die um 0,775 Volt bei VA ("0 dB") ausgibt, oder die A77, die intentionell eine Ausgangspannung um 1,55 Volt liefert. Diese Ausgangsspannungen erweisen sich als sinnvoll, weil die Dynamik dieser Geräte eben doch an die 60 dB herankommt, weshalb man für eine sinnvoll hohe Ausgangsspannungsamplitude sorgen sollte, die den Einfluss fremder Störquellen reduzieren kann.
Viele Amateurbandgerätehersteller sahen das aber pragmatischer, weshalb -namentlich auch Hinblick auf die mäßigen Aussteuerbarkeiten früher Transistoreingänge der Verstärker (Ausgangspot bei der A77!!)- dort oft sehr niedrige Pegel angeboten wurden, was dann den Röhrenverstärkernutzern oftmals böse Probleme machte.
Der schnell hochwertige Operationsverstärker (Aussteuerbarkeit und Grundrauschen) machte diesem Theater gottlob ein baldiges Ende.
Das Band sollte soweit wie irgend möglich (das entscheidet letztlich das Ohr) durchmagnetisiert (vulgo ausgesteuert) werden, denn dann sinkt das Bandrauschen relativ auf die niedrigst möglichen Werte ab. Man muss natürlich auch den Klirrfaktor im Ohr behalten, das war es aber dann. So machte das auch der Rundfunk, wobei die traditionelle Skalengrenze der Aussteuerungsmesswerke (Lichtzeiger wie Plasmaanzeigen) mit +5 dB so etwas wie eine 'Qualitätsmarke' setzt, die in der üblichen Musikaufnahme zu überschreiten doch qualitative Mauern eingerissen hätte, die man nicht fallen sehen wollte. (320 Wb/mm + 5 dB = 570 pWb zur Monozeit; 514 + 5 dB = 914 pWb/mm zur stereofonen; man sieht, dass der Wunsch nach einem besseren Band wachsen musste...)
b)
ist vorstehend bereits beantwortet. Man kann den Pegel auf Studionorm anheben, muss aber dabei berücksichtigen, dass man möglicherweise die Gerätespezifikationen überfordert. Dazu schaut man in die Bedienungsanleitung, um zu erfahren, welche Ausgangsspannung der Konstrukteur der Karre spendiert hat. Sollte man das mit neuzeitlichem Bandmaterial überschreiten können, man dies Material aber ausnützen wollen, ist zu überlegen, ob man nicht die interne Pegelfestlegung verändert. Dazu aber sind saubere Recherchen notwendig, weshalb ich dies nur wirklich kundigen Personen empfehle, die jederzeit wissen, was sie tun. Und die gibt es unter Amateuren eher seltener. Und wenn doch, dann geben die sich mit so einem Bandgerät nicht mehr zufrieden.
c)
Da sieht man eben die beiden Welten aufeinanderprallen. Der Rundfunk, der immer Geld hatte (heute jammert er zwar fürchterlich, hat aber immer noch für allen möglichen Quatsch Kohle, nur für Orchester nicht: München schoss sein Rundfunkorchester ab, in Köln wurde die Cappella Coloniensis schon vor Jahren vom WDR-Hafersack abgehängt, und so wird das weitergehen; die abgeschossenen Rf-Big Bands sind zahlreicher), konnte sich auch aufwändigere Elektronik leisten; die Amateurgeräte-Industrie aber baut primär für ihren Geldbeutel, der aber vom nicht kommerziell arbeitenden Laien gespeist wird,d er seinerseits nur überschüssiges Geld in 'diesen Qatsch' steckt....
Für die PR99 muss man eben ein bisschen 'machen', was angesichts der vielen Opamp-Typen eigentlich kein Problem darstellen sollte.
d)
Ja, auch bei Vierspurbetrieb muss man ordentlich aussteuern. Die eher mäßige Übersprechdämpfung ist eines der Probleme, die man für den verringerten Bandverbrauch eben hinzunehmen hat, weshalb die A77 auch als eindeutig halbspuriges Gebilde für Langspielbänder konstruiert ist. Etwas anderes ging den Regensdorfern schlicht nicht hinter die Binde.
e)
Die Übersteuerungsgrenze legt dein Ohr fest. Neuzeitliche Bänder haben mit 514 pWb/mm bei 19 und erst recht bei 38 ihre Betriebsgrenzen (traditionell werden diese definiert als 3 % Klirrfaktor bei den Profis und 5 % Klirrfaktor bei den Amateuren) noch längst nicht erreicht. Dies liest man aus den Datenblättern der Bänder ab und weiß dann, woran man ist. Im praktischen Betrieb hört man dann schnell, wo man an klangliche Klippen kommt. So sind beispielsweise analoge Aufnahmen eines Hornes oder einer Posaune (sinusförmige Signale) so kritisch, dass man unter 514 pWb/mm bleiben muss, um ein Verklirren der Modulation zu vermeiden.
Die weitgehende Tilgung dieses Problemes war ja eines der den Tonmeister "korrumpierenden Elemente" der Digitalaufzeichnung bzw. der digitalen Übermittlung zum Kunden: Der Klirrfaktor sank/sinkt konsequent bis zur Vollaussteuerung, wo eben die höchste Qualität da erreicht ist, wo es beim analogen Verfahren beginnt eng zu werden. Mich überkommt die Faszination dieses Sachverhaltes noch heute. Und nachdem ich nun auch Joop Sinjou, den Vater der CD persönlich kenne, sehe ich immer ihn vor mir, wenn mich dieser Gedanke überkommt.
f)
Dünnere Bänder können bei tiefen Frequenzen (nur da wird die Schichtdicke durchmagnetisiert) natürlich nicht so hoch ausgesteuert werden, weshalb der Rundfunk bzw. die professionelle Tonindustrie solche Bänder -auch- nicht einsetzt. Man kann sie überdies schlecht schneiden, die mechanische Stabilität lässt Wünsche offen, die Kopierdämpfung ist bei rundfunküblicher Bandgeschwindigkeit und Aussteuerung eine reine Katastrophe etc. pp. Für Amateure mit üblichem Equipment sehe ich da aber kein Problem, weil die Mikrofone in seinem Besitz ohnehin erst 'wer weiß wann' anfangen, ausgesteuert wird ohnehin über den Daumen: Weitreichend zu niedrig und wenn doch hoch, dann zu hoch. Der Amateur, der mehr will, greift dann schnell zu anderen Bändern (und Geräten, siehe oben, siehe unten).
g)
Du hast diese Probleme, da ist nichts zu machen. Auch dahingehend, dass dein Bandgerät auf dies Band u. U. nicht eingemesssen ist, wobei ich bekennen muss, hier den konsequenten Standpunkt des Profis in die Amateurszene zu tragen, was eigentlich nicht immer zulässig ist. Man sieht an disem praxisnahen Beispiel, welcher Mist da 'damals' gemacht wurde, ohne dass man sich daran störte. Man sieht auch, welche Qualitätskategorien bedient wurden, wobei dieselbe Frage auch an die Rundfunkanstalten zu stellen ist, bei denen selbstverständlich und sehr qualifiziert über klangliche Fragen diskutiert wurde und diskutiert wird. Nur: Das ist nicht das zentrale Problem des Rundfunkmachens, zumindest war es das nicht zur analogen Zeit. Wir reden da sicher mal persönlich drüber. Schon Ende der sechziger Jahre (bei mir wuchs der Druck auf den Tonmeisterberuf hin erheblich) sagte mir Friedrich W., damals Cheftonmeister des BR, dass es Hörer gäbe, "die bessere Anlagen haben als wir" (im BR). Mir jungem Naivling fiel die Kinnlade herunter.
h)
Wenn ein Hersteller ein Bandgerät anbietet, tut er gut daran, sich an der aktuellen Szene und den international gültigen Normen (IEC oder NAB) zu orientieren, die auch Bezugspegel vorgeben, die von den Bändern mathematisch-physikalisch genau beschreibbar (und in den Datenblättern beschrieben) überschritten werden können. Wenn der Bandgerätehersteller das ausnützt, reüssiert sein Gerät unter Umständen mit besseren Daten als das eines Konkurrenten. Und was wollte er mehr?
Den angezeigten Wiedergabepegel würde ich nicht überbewerten, das ist eher ein Gimmick. Wie andere Geräte mit deiner einwandfrei erstellten Aufnahme zurechtkommen, ist primär das Problem dieser Gerätebesitzer und da sieht es oft trübe, sehr trübe aus. Man kann nicht ins Bluae untersteuern und dann hoffen, das derlei Maßnahmen 'vielleicht' beim Kollegen anschlagen. Mache du mit einer tadellos eingemessenen Maschine eine gute Aufnahme und keiner kann dir an den Wagen fahren. Nur dann.
Der Sammler kann das völlig anders sehen, weil er mit einem Gerät ja zumeist andere Absichten verbindet. So stehe ich vor meiner K4 oder dem Ferrophon IIc (mit Vorverstärker) und kollidiere in keiner Weise damit, dass diese Dinger noch immer nicht wieder laufen. Täten sie dies, so ist die Tatsache, dass sie laufen ungleich wichtiger als die akustische Qualität mit der sie dies gewährleisten.
h2)
Man kann sich damit behelfen, was auch beim Rundfunk üblich war. So erinnere ich mich, als Kind zur Monozeit gesehen zu haben, dass die Lichtzeigerbriketts im Aufnahmewagen eine Markierung bei -10 dB über die Glasscheibe der Front geklebt hatten, man also eine Übersteuerungsmarkierung bei 100 pWb/mm besaß, was übrigens das ZDF bei Sendebeginn (war doch 1963?) als Vollaussteuerung für magnetische 1/4"-Zuspielungen definiert hatte... Suse, liebe Suse, was raschelt im Lautsprecher...
Wenn klanglicher Ärger (verklirrte Tiefen) auftritt, nimmt man natürlich die Aussteuerung zurück. Dies hilft natürlich dann nichts, wenn der Arbeitspunkt für das verwendete Band 'nach die Heimat' steht. Da kannst du die Aussteuerung bis ins Restrauschen reduzieren, die Musik quintelt immer.
i)
Diese Frage solltest du nach Lektüre des obigen bereits beantworten können. Ich tue es aber auch: Du kannst in den roten Bereich gehen, nur nicht prinzipiell. Das ist stark von der Beschaffenheit Modulation und vor allem von der Qualität deiner Aussteuerungsmesser und deiner Erfahrung abhängig. Die VU-Meter der A77 sind ein Kapitel für sich und eigentlich -wie jedes VU-Meter- für eine ordentliche Nutzung des recht engen Dynamikbereiches der analogen Tonaufzeichnung meiner Ansicht nach nicht geeignet. Der Dynamikbereich der Messwerke ist mit 25 dB einfach zu klein, die ballistischen Eigenschaften und die extrem lange Einschwingzeit des Systems lassen vernünftige Aussagen zur wirklich erfolgten Aussteuerung nicht zu. Ein schöner Lichtzeiger mit Verstärker (NTP oder RTW, Maihak-Siemens-Telefunken etc.) eine schöne Plasmaanzeige (RTW, NTP, o.ä.), die jeweils die üblichen 10 ms IMessintegrationszeit einhalten, helfen bei der Minimierung dieses Problemes wesentlich qualifizierter als so ein Miniaturanzeigerle.
Das Problem im Falle schöner Austeuerungsanzeigen ist der Preis dieser für den Amateur nur gebraucht finanziell halbwegs tragbaren Geräte und vor allem die Anschaltung an eine Amateurapparatur. Auch da muss man etwas 'tun', weil die Geräte natürlich auf den Studiopegel und die studioüblichen Ausgangswiderstände hin angelegt sind.
Es geht dies aber und zahlt sich aus, sofern man selbst produziert. Werden nur dynamisch vorwegüberwachte Aufnahmen aus dem Rundfunk, von der Schallplatte oder der CD/DVD bezogen, braucht man derlei nicht, da tut es dann auch das oben bemühte Anzeigerle.
---
Vom Bommel, Entzerrung übrigens fielen uns im wissenschaftlichen Material der EMTEC wohl ein knappes Dutzend neuer Exemplare ['NOS'] in die Hände. Als vertiefende Ergänzung zum Engel (Schallspeicherung auf Magnetband, Leverkusen 1973??) ist dies Heft allererste Klasse, Engel 1973 jedoch grundlegende Praktikerbibel, denn sie blickt oftmals auch 'über den Zaun' in Randbeireiche.
Bei ZVAB tauchen beide gelegentlich ebenso wie bei Ebay auf, wo Bekannte von mir auch schon zugeschlagen haben.
So jetzt heißt es, zum Ende kommen, denn ich muss ins Bett. Korrektur gelesen wird deshalb morgen, was mir die Leser verzeihen mögen.
Hans-Joachim
