Braun TG 1020 einmessen
#5
Hallo Oldman,

Zitat:Es gibt ja nur eine Einstellmöglichkeit -wie soll es damit möglich sein, einen insgesamt geraden Frequengang zu erzielen?
nun, ganz genau wird das nicht gehen, aber in ausreichend guter Näherung schon. In grober Vereinfachung kann man sich den Effekt des Bias-Stromes wie den Höhenregler am Verstärker vorstellen - je mehr Vormagnetisierungsstrom, desto weniger Höhen. Damit kann man den Frequenzgang einigermaßen ausgleichen.

[Bild: lpr35-empfindlichkeit.png]

Im Bild von oben ist das daran zu sehen, dass mit steigendem Bias-Strom die höheren Frequenzen stärker abfallen: 2 dB unterhalb des empfohlenen Vormagnetisierungsstromes ist der Empfindlichkeitsunterschied zwischen 10 kHz und 16 kHz gerade mal 1.5 dB, während er bei zwei dB über der Empfehlung schon bei etwa 4 dB liegt.

Zitat:Das bezieht sich jetzt auf jede Methode, die "nur" auf die 10kHz-Empfindlichkeit abstellt, oder nur auf die auch für die TG1000 beschriebene Verfahrens der z.B. 4dB nach dem Maximum?
Ehrlich gesagt verstehe ich die Frage nicht ganz. Das für die TG1000 beschriebene Verfahren (4 dB nach Maximum) ist die Delta-S10-Methode.

Zitat:Wie läßt sich vom Ergebnis her der Unterschied dieser Methode gegenüber der Methode, auf Pegelgleichheit bei z.B. 12,5kHz beschreiben?
Letzlich geht es darum, dass die Bias-Einstellung eigentlich nicht dazu benutzt werden sollte, den Frequenzgang gerade zu biegen, da sie auch andere Parameter beeinflusst, die man nicht so einfach korrigieren kann wie den Frequenzgang: (Höhen-)Aussteuerbarkeit, Klirrfaktor bei Bezugspegel, Modulationsrauschen. Deinen persönlichen Lieblingskompromiss kannst Du Dir entweder tagelang herausmessen, oder den Liebligskompromiss des Herstellers nach der Delta-S10-Methode einstellen.

Wenn Dir aber der Gerätehersteller die Freiheit einer regelbaren Aufsprechentzerrung nicht lässt, wirst Du wahrscheinlich den Bias-Trimmer als Höhenregler benutzen und damit einen glatten Frequenzgang herstellen wollen. Das beschreibt Dein Service-Manual: Pegelgleichheit bei 1 kHz und 12.5 kHz herbeiführen, und zwar 20 dB unter Bezugspegel.

Bewertung: Mir ist ein glatter Frequenzgang wichtiger als die übrigen Qualitätsparameter, also stelle ich ihn mit dem Bias ein, wenn ich keine andere Möglichkeit habe.

Zitat:Klingt vielleicht etwas naiv - aber ist das jedenfalls im Heimbereich nicht üblich?
Ja. Im Heimbereich ist ein ziemlich großes Toleranzfeld für den Frequenzgang definiert, das aber auch nicht immer erreicht wird. Mir geht es auch weniger darum, was genug ist, sondern wie es im Prinzip optimal wäre, so dass Du vor diesem Hintergrund Deine Entscheidung treffen kannst.

Zitat:Das klingt jetzt eher nach "2. Wahl" bzw, "quick&dirty".
Ja, ist es auch. Wenn man die Wahl hat, stellt man den Bias nach Bandhersteller ein und korrigiert den Frequenzgang im Aufnahmeverstärker, siehe oben. Trotzdem ist diese "quick & dirty"-Methode von einigen Herstellern im Service-Manual vorgeschrieben, und man kommt - für den Heimbereich - auch zu völlig ausreichenden Ergebnissen. Das allerdings war jetzt meine unbedeutende Meinung...

Zitat:Es gibt aber doch nur eine Einstellmöglichkeit und die Einstellung des Trimmers vairriert doch in jedem Fall von Band zu Band - und wenn man nicht nur eine einzige Bandsorte verwendet, dann hat man doch ohnehin ein vermutlich viel größeres Problem ...
Und ebenfalls ja: Wenn man eine andere Bandsorte auflegt, muss man den Bias neu einstellen. Natürlich kann es sein, dass sich zwei Sorten ähnlich genug sind, dass man sie mit der gleichen Einstellung betreiben kann, auch das ist wieder eine Frage der persönlichen Ansprüche. Im Studio wurde mindestens auf jede neue Produktionscharge der gleichen Bandsorte neu eingemessen.

Zitat:... sondern nur eine Einstellung der Vormag., ohne daß es auf den anfänglichen 1kHz-Pegel ankommt?
Naja, es kommt insofern auf den auf den anfänglichen 1kHz-Pegel an als er etwa 20 dB unter Bezugspegel liegen sollte. In Deinem Braun-Beispiel ist der Bezugspegel (elektrisch) 1 V, da sind dann 0.1 V genau 20 dB weniger. Bei Vollaussteuerung wirst Du niemals einen glatten Frequenzgang erreichen.

Zitat:Wie soll das mit der einen Einstellmöglichkeit gehen? Und inwiefern ist er auf diese Weise nicht glatt?
Am anschaulichsten ist es, wenn Du das selbst ausprobierst: Nimm mal bei drei verschiedenen Bias-Stellungen (Linksanschlag, Mitte, Rechtsanschlag) einen Frequenzgang auf und vergleiche die Ergebnisse. Du wirst dann sehr deutlich sehen, welchen Einfluss Du nehmen kannst und mit welcher Art von Abweichung Du leben musst.

Zitat:Ach nee! Das ist ja kein Selbstzweck, ich habe nicht die Absicht, das als Hobby zu betreiben. Einmal eingestellt und dann ist (hoffentlich) Schluß.
Sorry, das verliere ich manchmal aus dem Blick - bei mir ist es nämlich umgekehrt: Die Herumspielen mit verschiedenen Bändern und Einmessungen ist meine Hauptbeschäftigung mit den Geräten, wirklich aufnehmen und 'benutzen' tue ich sie eher selten...

Viele Grüße und frohe Weihnachten gehabt zu haben
Andreas
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