(20.02.2022, 17:43)nick_riviera schrieb: Was ich nie verstanden habe - offenbar war es doch den GT- Manta- und Calibra-Fahrern wichtig, die größten zu sein, wieso haben sie sich dann so würdelose Karren gekauft, mit denen sie sich nur lächerlich machen konnten ?
Naja, den Manta gab es ja durchaus auch mit Motorisierungen, die der Optik gerecht wurden (nebenbei, wir haben den Capri vergessen) und den Calibra erst recht.
Es waren ja auch andere Zeiten - in den 70ern waren 90 PS eine respektable Leistung, als immer noch der Käfer allgegenwärtig war. Und die Leute, die das damals neu gekauft haben, wollten ein schickes Auto, das sie sich leisten konnten. Gut, das waren die Erstbesitzer - die Tuningexzesse zehn Jahre später stehen geschmacklich auf einem anderen Blatt.
Ich fahre ja bekanntlich das japanische Konkurrenzmodell - in der mittleren Motorisierung mit 1,6 Litern und 90 PS - die technische Basis ist die biedere Familienkutsche Carina von 1970 (beim Modellwechsel Celica A20/A40 1977 wurde die Technik des Vorgängers weitgehend übernommen), den Motor gab es genauso auch im Carina, mit dem Mutti die Kinder zur Schule gebracht hat. Dasselbe Konzept, welches auch Opel und Ford verfolgt haben.
Mein Auto ist nach heutigen Maßstäben alles andere als schnell, 0-100 in 15 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 167 km/h, selbst ein kleiner Starlet P8 von 1989/90 fährt Kreise um mein Auto. Vielleicht sieht es schneller aus, als es ist. Die Federung ist hart, der Motor ist laut, die Bremsen bescheiden und die Kugelumlauflenkung vage. Über 4500 Umdrehungen kommt nicht mehr viel. Das Ding macht mir trotzdem viel Spaß, denn es fühlt sich gerade wegen dieser objektiven Mängel schneller an, als es ist. Ich fahre auch nicht besonders schnell, auf der Autobahn belasse ich es bei Richtgeschwindigkeit. Der Familienkutschenmotor macht es zuverlässig und relativ sparsam, die simple Technik hat für einen maximal mittelbegabten Schrauber wie mich weitere Vorteile. Und ich finde das Ding halt hübsch. Ich sitze gut darin, das Armaturenbrett sieht klasse aus, man kann gut rausschauen. Mir reicht das. Was mein Auto nicht hat, sind irgendwelche Abweichungen vom Serienzustand, vermutlich bin ich der Einzige, der z.B. so ein Auto auf den originalen Rädern fährt, die nach heutigen Maßstäben absurd klein und schmal sind.
Das ist die heutige Oldtimersicht, die damalige Sicht auf diese Fahrzeugkategorie wird gewesen sein - sieht schicker aus, ist trotzdem noch halbwegs praktisch, ist so zuverlässig wie die Limousine, frißt einem nicht die Haare vom Kopf. Es war halt auch Mode.
Und damals war es auch noch seriös, ein solches Auto (neu) zu kaufen, der Abstieg kam erst später und die jugendlichen Versuche, mehr daraus zu machen, als es ist, die Spoilergeschwüre und peinlichen Auftritte haben das Image solcher erreichbaren Coupés dann in Grund und Boden geritten.
Eigentlich sind es aber doch ganz nette Autos gewesen, die man nur aus der damaligen Zeit heraus verstehen kann.
Viele Grüße
Nils
