05.01.2016, 13:14
das, was den Eindruck der Kurzlebigkeit erzeugt, sind nicht kürzere Modellzyklen, sondern die in den letzten Jahren explodierte Modellvielfalt.
Früher, also vor etwa 1980, hatte jeder Autohersteller sein Segment, und ließ seinen Mitbewerbern das seine. Jeder hatte nur wenige Modellreihen im Sortiment, konnte in seinem Segment eine hohe Kompetenz aufbauen, und alles war gut. In den achtziger Jahren begannen dann die Unternehmensberater, das Regiment zu übernehmen, und ein Hersteller nach dem anderen begann, die friedliche Koexistenz aufzubrechen, um den Unternehmensprofit zu maximieren. Am Ende hatte jeder Hersteller alles im Sortiment, vom Kleinstwagen bis zur Staatslimousine.
Und als das auch noch nicht reichte, begann man mit dem Besetzen immer neuer Nischen - mittlerweile hat jeder Hersteller gefühlt 30 Modellreihen im Sortiment, die kaum noch jemand überblickt. Die unüberschaubare Modellvielfalt wird flankiert von einem anderen Aspekt, der ebenfalls von den Kostenrechnern und Profitmaximierern kommt - der herstellerübergreifenden technischen Gleichmacherei. Renault, Nissan und Mercedes sind z.B. zur Zeit eine Mischung, die man kaum noch auseinanderhalten kann. Das Foto zeigt ein besonders krasses Beispiel dafür, wohin gerade die Reise geht:
![[Bild: citan-401.jpg]](http://i.auto-bild.de/mdb/large/34/citan-401.jpg)
Dieses ganze von Kaufleuten getriebene Gewurstel führt dazu, dass man trotz explodierter Modellvielfalt eigentlich nur noch die Alternative hat, eine billigere einfachere oder teurere luxuriösere pseudosportliche Grinsefratze zu kaufen. Wenn man schon immer auf tieferlegen und tunen gestanden hat, kann man sich freuen, weil man die Autos quasi ab Werk verspoilert bekommt. Alle anderen müssen sich mit der Alternativlosigkeit abfinden, Freude macht das alles aber nicht mehr, unabhängig von Qualität und langem Produktzyklus. So richtig zum K... finde ich, dass man auch bei seriösen Herstellern keine Alternative mehr zu Fake Lösungen hat. Audi baut Lautsprecher in den Auspuff, um einem schmalbrüstigen Diesel V8-Sound zu spendieren, Mercedes, früher mal die Marke für Leute, die den Pelz gerne innen tragen, baut heute ab Werk Swarowski Kristalle in Scheinwerfer, schreibt Breitling auf die Borduhr und versieht kleine Renault Diesel mit gefakten Doppelauspuffblenden in Fiesling Optik. Mein ästhetisches Empfinden ist vom Bauhaus und Werkbund geprägt, ich werde mich in diesem Leben wohl nicht mehr an das gewöhnen, was heute auf der Strasse rumrollt. Ich denke, dass es die Sehnsucht nach einem einfachen und überschaubaren Leben ist, die heute wie auch mich so viele Leute zu Nostalgikern werden lässt.
Gruß Frank
Früher, also vor etwa 1980, hatte jeder Autohersteller sein Segment, und ließ seinen Mitbewerbern das seine. Jeder hatte nur wenige Modellreihen im Sortiment, konnte in seinem Segment eine hohe Kompetenz aufbauen, und alles war gut. In den achtziger Jahren begannen dann die Unternehmensberater, das Regiment zu übernehmen, und ein Hersteller nach dem anderen begann, die friedliche Koexistenz aufzubrechen, um den Unternehmensprofit zu maximieren. Am Ende hatte jeder Hersteller alles im Sortiment, vom Kleinstwagen bis zur Staatslimousine.
Und als das auch noch nicht reichte, begann man mit dem Besetzen immer neuer Nischen - mittlerweile hat jeder Hersteller gefühlt 30 Modellreihen im Sortiment, die kaum noch jemand überblickt. Die unüberschaubare Modellvielfalt wird flankiert von einem anderen Aspekt, der ebenfalls von den Kostenrechnern und Profitmaximierern kommt - der herstellerübergreifenden technischen Gleichmacherei. Renault, Nissan und Mercedes sind z.B. zur Zeit eine Mischung, die man kaum noch auseinanderhalten kann. Das Foto zeigt ein besonders krasses Beispiel dafür, wohin gerade die Reise geht:
![[Bild: citan-401.jpg]](http://i.auto-bild.de/mdb/large/34/citan-401.jpg)
Dieses ganze von Kaufleuten getriebene Gewurstel führt dazu, dass man trotz explodierter Modellvielfalt eigentlich nur noch die Alternative hat, eine billigere einfachere oder teurere luxuriösere pseudosportliche Grinsefratze zu kaufen. Wenn man schon immer auf tieferlegen und tunen gestanden hat, kann man sich freuen, weil man die Autos quasi ab Werk verspoilert bekommt. Alle anderen müssen sich mit der Alternativlosigkeit abfinden, Freude macht das alles aber nicht mehr, unabhängig von Qualität und langem Produktzyklus. So richtig zum K... finde ich, dass man auch bei seriösen Herstellern keine Alternative mehr zu Fake Lösungen hat. Audi baut Lautsprecher in den Auspuff, um einem schmalbrüstigen Diesel V8-Sound zu spendieren, Mercedes, früher mal die Marke für Leute, die den Pelz gerne innen tragen, baut heute ab Werk Swarowski Kristalle in Scheinwerfer, schreibt Breitling auf die Borduhr und versieht kleine Renault Diesel mit gefakten Doppelauspuffblenden in Fiesling Optik. Mein ästhetisches Empfinden ist vom Bauhaus und Werkbund geprägt, ich werde mich in diesem Leben wohl nicht mehr an das gewöhnen, was heute auf der Strasse rumrollt. Ich denke, dass es die Sehnsucht nach einem einfachen und überschaubaren Leben ist, die heute wie auch mich so viele Leute zu Nostalgikern werden lässt.
Gruß Frank
