klangunterschiede A77, A700, B77, PR99
#7
Lieber Michael,
lieber Felsenstern,

ab 19 cm/s arbeitet man getrost mit 514 pWb/mm, was auch bei Studers Stand der Dinge ist. Bei A77, A700, B77, PR99 gibt es daher keine Umschaltung des Record- bzw. Reproduce-Levels. Ist man also bei der höheren Bandgeschwindigkeit mit 514 pWb/mm dabei, so ist dies auch bei der niedrigeren so. Das gilt auch für PR99, MK1-3, weil deren Interna abgesehen von Eingängen und Ausgängen und etwas elektronischem Geschalte denjenigen von A77 und B77 entsprechen. Nichtsdestoweniger spezifiziert man heute im Staate Germanien Amateurbänder bei 9,53 cm/s mit 250 pWb/mm (der maximale Ausgangspegel 315 Hz liegt bei LPR35 um 10 dB darüber).

9,53 cm/s lässt man daher für professionelle Zwecke ohnehin außen vor, weil man da dann doch allzuschnell an der Wand steht, bitte um Vergebung. Die entsprechenden Magnetbänder werden infolgdessen nicht einmal für 9,5 cm/s spezifiziert.

Die klanglichen Unterschiede zwischen allen genannten Maschinen -ich wollte mich zum Thema eigentlich nicht äußern- sind marginal, sofern die Geräte ordentlich eingemessen sind, denn da liegt das Problem; siehe meinen Beitrag im Nachbarthread.

Nun besitze ich keine, das heißt bei mir keine 'Flächen deckenden' Erfahrungen mit A700 und PR99, sondern nur mit A80, B67 und A77ORF. Der größte, vielleicht wirklich Klang bestimmende Mangel der A77 ist der -reguläre- Ausgang (die ORF-Version bietet da eigenes auf), weil dessen Aussteuerbarkeit (ab 3,5 V klippt der Ausgang einseitig) schlechter ist als diejenige neuzeitlicher Bänder, sofern man das Ausgangsvolume-Pot voll aufdreht. Und das liegt eigentlich immer nahe. Man wird also letztlich zu einer Fehlbedienung veranlasst, wenn man solides Handwerkszeug mitbringt. Bei der B77 fehlt dies Poti; ich weiß allerdings nicht recht, wie sich dieser nach wie vor vorhandene Ausgangsverstärker mit dieser Änderung gebärdet.

Bei mir waren (auch deshalb) zwei A77ORF in Betrieb (eine ist noch da), die sich bei 38,1 cm/s gegenüber den gut drei Mal so teuren B67 mehr als nur achtbar schlugen. Im Vergleich vor und hinter Band klangen die B67 ein wenig 'schöner', runder (was ich auf den existierenden Modulationstrafo schiebe), die A77ORF taten aber 'richtiger', ihr Signal entsprach nämlich exakt dem Vorbandsignal, sieht man vom schlechteren Geräuschspannungsabstand der A77 ab, der sich aber zu B77 und PR99 hin gebessert hat. A77 brummt wiedergabeseitig mehr. Wie Heinz Bluthard auf 76 dB über Band kam (neulich redete jemand davon), weiß ich allerdings nicht. Linear kann er nicht gemessen haben und mit DOLBY B ist das auch nicht zu retten, weil der Brumm das Problem der A77 ist. Außerdem können die mir geläufigen Bänder nur einen Ruhegeräuschabstand (zum Bezugspegel) von 66 dB. Wenn ich natürlich 'oben' draufdrücke, bis es klirrt, komme ich sogar auf mehr als 76 dB. Aber solcherart Ergebnisse kann man ja nicht unbedingt anhören.

Meine (Klassik-)Aufnahmen wechselten (nach Maßgabe der sonstigen Umstände) zwischen den transportablen A77ORF und B67 mit DOLBY A im fliegenden Schnitt hin und her (sofern erforderlich und natürlich möglichst nicht, klar), ohne dass man das hören konnte. Und da liegen ja nun doch geräteseits gewisse Aufwandsdistanzen dazwischen. Ich habe anfänglich sogar meine G36HS mit der ersten A77ORF gemeinsam (und noch ohne DOLBY A) betrieben; und selbst da gab es keinen Ärger beim Musikschnitt.

Wenn ordentlich eingemessen und der Gerätezustand ordentlich ist, dürfte bei ordnungsgemäßem Umgang mit dem Speicher de facto kein Unterschied zu hören sein. Ein Fahren in die Sättigung indes ist unter diesen Kriterien natürlich kein ordnungsgemäßer Umgang mehr, denn das, was herunterkommt, hat mit dem, was draufgehen sollte, ja tendenziell eher wenig zu tun. Da spielt dann natürlich allerlei anderes mit hinein, was jedoch innerhalb der 77er-Familie auch eher unbedeutend sein sollte, weil die klassischen Engpässe bei fast allen Geräten dieser Familie technisch gleich sind: Köpfe, Kopfträgereigenschaften, Aufsprech- und Wiedergabeverstärker, die mit Kopf und Band letztlich als Einheit zu betrachten sind.

Die Übertrager der PR99 jedoch (vgl. auch Studers 169/269-Pulte, und die Datenblätter auf der Neutrik-Seite [NTM4 und NTL1]) nehmen potenziell auf eigene Weise Einfluss.
Sie sind nun aber sehr hochwertig und tun im Line-Zug bis etwa +20 dBm (7,7 Volt) bei halbwegs vertretbarem Klirrfaktor durchaus erfreulich mit. Sorgt man hier aber für die Sättigung -und sei es in Spitzen- bleibt bei Übertragern solch kleiner Massen gewiss ein remanentes Gleichfeld zurück, das den K2 irgendwie, also unvorhersehbar beeinflusst. Das müsste man dann zur Objektivierung der Ergebnisse erst wieder abbauen, was eigene Maßnahmen erfordert (siehe Studer-Handbuch). Hierzu lässt sich nun also nichts Verbindliches sagen, weil die Vorgeschichte des Gerätes über sein Verhalten bestimmt.

Generell noch eines, und das ist dann auch mein letzter Punkt:
Will man Geräten klanglich auf die Spur kommen, genügt kein irgendwie gearteter Vergleich Typ 'Geht-schon-so' mit mal eben Bandwechsel und stundenlangem Umstecken, Knacken hier, Brummen da, Abhörpegel stimmt auch so ungefähr. Unser psychoakustischer Apparat hinter den hydrodynamischen Wandlern 'Ohr' ist so kompliziert, dass ein sauberer (aussagekräftiger) Vergleich einen geradezu verwegenen Aufwand erfordert.
Feldtkeller-Zwicker und Blauert lassen grüßen!

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von rockstar - 07.10.2004, 23:38
[Kein Betreff] - von Michael Franz - 08.10.2004, 06:29
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