BASF DP26: versch. Sorten und deren Erkennung
#1
Bei einem ganzen Schwung Bänder hat der Vorbesitzer leider die diversen Bandmaterialien und die dazugehörigen Spulen durcheinandergebracht, was wohl leider sehr oft der Fall zu sein scheint. Es handelt sich bei dem Material um diverse DP26-Typen, die ich nun wieder den passenden Spulen und Archivboxen zuordnen möchte, auch um Problembänder erkennen zu können.

Derzeit ist mein Stand folgender:

a) BASF super ferro LH professional HiFi DPR26 gehört auf eine Metallspule mit der Beschriftung LH professional

b) BASF DP26 (ohne Zusatz) mit dunkelgrünem Vorspannband "BASF DP26" gehört auf transparente BASF-Spulen, in grau/weissen-Archivboxen

c) BASF ferro LH HiFi DP26 mit dunkelgrünem Vorspannband "BASF DP26 LH" gehört auf auf Rauchglas-BASF-Spulen mit schwarzem Aufkleber und roten Ringen, in schwarz/transparenten Archivboxen

Nun tauchen aber noch DP26 LH mit olivgrünem Vorspannband auf...

Kann jemand die Verwirrung auflösen und hat ggf. eine Übersicht über die diversen Sorten der DP26-Familie?

Im Übrigen bin ich mit der Qualität des DP26 LH auf meiner A77 in 19 cm/s recht zufrieden. Bei den erworbenen 18 cm-Spulen hat es den Vorteil, dass bei der Aufzeichnung von Radioübertragungen exakt eine Stunde und somit eine Sendung auf ein Band passt. Beim Aufnehmen/Abspielen wickelt das Band perfekt, der kleine Nachteil besteht beim schnellen Umspulen - hier erzeugt meine A77 keinen sauberen Wickel.

Viele Grüsse
Ralph
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#2
Hallo Ralph,

eine interessante Frage, das DP26 gibt es schon eine ganze Zeit. Klar ist das der Zusatz R immer für die Rückseitenbeschichtung steht. Ebenfalls beachtenswert ist die Tatsache das verschiedenste DP-Bänder unterschiedlichst auszusteuern sind.

Leider sammelt sich auch bei mir eine Menge undefinierbarer LP und DP Bänder an. Eine Lösung für die Kennung und Handhabung, sprich Aussteuerung, der einzelnen Generationen, habe ich leider nicht.

Eine kleine Hilfe bietet Dir die "Open Reel Tape Gallery", die findest Du hier:
http://openreelgallery.magnetofon.de/bra...ameset.htm

Gruß, Thomas(4504)!
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#3
Lieber Ralph,

mir erschließt sich nicht in jeder Hinsicht, worauf deine Frage eigentlich abzielt, denn die genaue technisch-qualitative Analyse der historischen Entwicklung all dessen, was unter der Flagge "LGS 26" oder "Doppelspielband bei den Kudwigshafenern" segelte, ist deine Heimat ja nicht. Zumindest soweit ich sehe. Anhand auch nur des Vorspannbandes Entscheidungen zu fällen, mit welchem Band man es zu tun hat, ist letztlich auch eher abwegig, weil wenig zuverlässig und hilfreich. Es sei dem aber wie ihm wolle; ich hoffe lediglich, mit meiner nachfolgenden Lektüreempfehlung nicht ganz daneben geraten zu sein.

Unser Forenkollege Friedrich Engel hat sich als alter BASFler aus Neigung und Herkunft der Aufgabe gestellt, mit der Hilfe des ihm eigenen Chronistenengagements und seiner Kollegen bei AGFA (da war er nämlich auch) und BASF, die technischen Grunddaten des Bandmaterials beider Firmen über ihre gesamte Bestehenszeit in Tabellenform zusammenzuführen. Hier sieht man, wie sich das Bandmaterial hinsichtlich seiner Möglichkeiten über die Jahrzehnte entwickelte. Die Liste steht im Internet:

http://www.aes.org/aeshc/basftapedoc.html

Und weil es so schön ist, findet sich gleich nebenan dasselbe Unternehmen für die amerikanische, im Wesentlichen 3M-dominierte Szene:

http://www.aes.org/aeshc/docs/3mtape/aorprod2.html


Die Wickeleigenschaften der A77 sind aufgrund des ungeregelten Bandzuges und des labilen Bandabhebers am Tonkopf generell schlecht. Das, was die G36 durch eine sehr hohe Wickelgeschwindigkeit an Wickelqualität verdarb, holte die A77 durch den schlicht zu billig konstruierten Bandabheber von neuem ins Boot. Gute bzw. brauchbare Wickeleigenschaften (ich argumentiere als ehedem professioneller Nutzer dieser Technik) weist die A77 nur dann auf, wenn das Band dafür geradezu prädestiniert ist.
Das liegt bei einem in den USA gebürtigen Magnetband de facto nie und im hiesigen Amateurbandsegment auch nur dann vor, wenn man ein systematisch auf beste Wickel konzipiertes Bandmaterial nutzt. Und so sehr viel mehr als LPR35 gab es diesbezüglich nicht.


Dass ein Doppelspielband auf der A77 ordentlich Dienst tut, liegt nicht zuletzt daran, dass die Aussteuerbarkeit der Doppelspielbänder derjenigen zeitgenössischer Langspielbänder entspricht, da die Langspielbandbeschichtungsstärken denjenigen der Doppelspielbänder entsprechen. Die Dickenreduktion des Doppelspielbandes wird in den meisten Fällen ausschließlich durch den in der Stärke verringerten Folienträger besorgt, weshalb sich zwar die mechanischen Eigenschaften gegenüber dem Langspielband verschlechtern, die magnetischen aber gleich bleiben.

Hans-Joachim
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#4
Hallo Hans-Jaochim,

danke für die Liste! Das LP 35 LH hat über die ganze Produktionszeit einheitliche Werte, erstaunlich. Nach meiner Erfahrung hätte ich das nicht vermutet, aber man lernt dazu.

Grüße, Thomas!
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#5
Zitat:PhonoMax postete
...Und so sehr viel mehr als LPR35 gab es diesbezüglich nicht. ...
´
Nun, die Typen PEM368 und PEM268 von Agfa wickeln ebenfalls hervorragend. Emtec hat noch eine Zeit lang das PEM369 produziert, das ebenfalls in dieser Beziehung glänzte.

Gleichfalls glatte Wickel produzierten die -außerhalb des Rundfunks allerdings wenig verbreiteten- Langspielbänder Agfa / Emtec PER368 und BASF LGR40.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#6
Hallo allseits!

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten.

Mir ging es hauptsächlich darum, Ordnung in den Stapel diverser DP26-Typen zu bekommen, so dass vergleichbares, zusammengehöriges Bandmaterial auch auf die richtigen Spulen kommt. Dies macht es insofern einfacher, Gemeinsamkeiten zwischen den Bandmaterialien gleicher Garnitur zu erkennen.

U.a. auch deshalb, da ich bisher noch kein nicht-schmierendes DP26 LH ferro in den Händen hatte. Dieses Band hat schon seinerzeit (eigener Neukauf) auf der Report 4000 Probleme verursacht, trotz sachgerechter Lagerung und Besitz erster Hand. Unter den diversen DP26-Typen, die ich nun hinzu bekam, waren wieder einige Schmierer, die ich zuerst auf Grund der verwendeten Spule einem recht alten und mir bisher als problemlos bekannten DP26 auf der Vor-LH-Ära zuordnete. Anhand des Vorspanns stellte sich jedoch heraus, dass es sich um das DP26 LH ferro handelte - aus anderem Vorbesitz und ebenfalls ein Schmierband, auch nach mehrfacher Reinigung.

Für mich hat sich dabei bisher herauskristalliert, dass:

a) DP26 in dünner Serifenschrift mit olivgrünem Vorspannband, transparente Spulen mit dem eckigeren BASF-Logo, wohl eines der älteren ist und in allen Ausprägungen problemlos läuft
Umverpackung: grau-weisse Archivbox

b.1) DP26 mit breiterer, fetterer Schrift mit olivgrünem Vorspannband, transparente Spulen mit eckigerem BASF-Logo, nach dem Band aus a) kam und eigentlich auch ein problemloser Kandidat ist, jedoch teilweise etwas trockenen, mittelbraunen Abrieb produziert
Umverpackung: grau-weisse Archivbox

b.2) DP26 mit breiterer, fetterer Schrift mit olivgrünem Vorspannband, transparente Spulen mit abgerundeterem BASF-Logo (Verhalten wie b.1))
Umverpackung: grau-weisse Archivbox

c) DP26 LH mit breiterer, fetterer Schrift mit olivgrünem Vorspannband [vermutl. auch transparente Spule, aber wohl auch auf Rauchglas-Spule vertrieben?] ebenfalls recht problemlos läuft, allerdings helleren, mit weiss-gelblichem leicht klebrigem Staub durchsetzten Abrieb produziert
Umverpackung: grau-weisse Archivbox/schwarz-transparente Archivbox

d) DP26 LH mit dunkelgrünem Vorspannband, Rauchglasspule, im Vergleich zu den Bändern aus a), b) und c) erheblich mehr und dunkleren Abrieb produziert, nach einmaliger Reinigung jedoch relativ unauffällig bleibt
Umverpackung: schwarz-transparente Archivbox

e) DP26 LH ferro in allen bisher verwendeten 24 Bändern (eigener Erstkauf, eBay-Kauf, Geschenk) gar heftigst schmiert und die Köpfe sehr schnell zusetzt - mir ist bis jetzt noch kein einziges untergekommen, welches nicht schmierte. Spule ist Rauchglas, recht geschlossen, mit einstanzten "1"/"2" und dreigeteiltem rot-schwarz-rotem Aufkleber (LH ferro)

f) DPR26 LH professional: von diesem Kandidaten habe ich leider nur zwei Bänder aus zweifelhafter Herkunft, von daher ist das folgende mit Vorsicht zu geniessen - beide Bänder erzeugen an sich recht wenig Abrieb, sind aber auf meiner Viertelspur-A77 fast nicht zu verwenden, da sie massiv viele Dropouts produzieren, egal ob bei 19 cm/s oder 9.5 cm/s - es könnte natürlich an der Dicke des Materials und problematischem Kopfkontakt kommen, dagegen spricht allerdings, dass anderes (Rundfunk-)Bandmaterial im 50 Mikron-Bereich diese Probleme nicht macht.

Nun, vielleicht ist mit der obigen Erläuterungen etwas klarer geworden, was ich mit meiner Nachfrage nach den diversen DP26-Typen bezwecken wollte. Mich interessierte einfach, ob sich eine gewisse zeitliche Abfolge des Erscheinens der einzelnen Bandtypen festmachen lässt und somit eine Zuordnung möglich ist.

Viele Grüsse
Ralph
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#7
Hallo Ralph,

weißt Du eigentlich, wie viele unterschiedliche Varianten es alleine vom BASF DP 26 und DP 26 LH und DP 26 ferro LH und DP 26 ferro LH super usw. gab? Wenn man alles in Kombination zueinander beachtet:

Spulentyp
Spulenform
Körnigkeit der Spule
Spulenfarbe
Kernlabel
Kernlabel-Oberflächenbeschaffenheit
Archivhülle
Archivhüllen-Farbe
Indexblatt-Beschriftung
Archivbox
Klappladen-Gravur
Klappladen-Nummer
Archivbox-Oberfläche
Vorspannband-Farbe
Vorspannband-Bedruckung (Schriftart)
Vorspannband-Bedruckung (Farbe)
Schaltfolie
Übergang Vorspannband-Schaltfolie
Art und Farbe des Klebebandes am Vorspannband-Anfang
Randbandarole der Archivhülle

usw und so fort. Eigentlich müßtest Du mir all diese Details von Deinen Bändern geben, um es überhaupt erst möglich zu machen, ganz exakt Ordnung in das Chaos zu bringen.

Eine komplette Übersicht ist in Arbeit, dauert aber noch einige Zeit. Eine chronologische Zuordnung ist dann möglich. Interessant ist der Zeitraum von 1968 bis 1991. In all den Jahren wurden die Bänder immer wieder verbessert, höher aussteuerbar und weniger Hintergrundrauschen, siehe dazu die von der BASF veröffentlichten Publikationen und Datenblätter.

Zum Bandabrieb:
Jedes BASF-Band läßt sich reinigen, bis es abriebsfrei ist. Manchmal braucht man etwas Zeit und Geduld. ;-) Echte Problembänder gibt es nicht von BASF. Echte Problembänder sind nur bestimmte Sorten von Shamrock oder Scotch. Mehr Infos dazu in der Bändertauglichkeitsliste.

Viele Grüße,
Manuel
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#8
Zitat:Manuel postete
Zum Bandabrieb:
Jedes BASF-Band läßt sich reinigen, bis es abriebsfrei ist. Manchmal braucht man etwas Zeit und Geduld. ;-) Echte Problembänder gibt es nicht von BASF.
Viele Grüße,
Manuel
Manuel, diese Einschätzung halte ich für zu optimistisch.
Ich habe mich lange Jahre über meine ca. 20 DP26 Bänder geärgert. Standardausführung in grün/schwarzem Klappkarton und sehr dunkelgrauer Spule.
Die haben schon im Neuzustand ganz leichten Abrieb abgesondert, den ich aber für produktionsbedingt gehalten habe. Bald wurde der Abrieb stärker und stärker.
Anfangs half Reinigen, aber es macht wenig Spaß, vor dem Abspielen das Band fünfmal oder noch öfter hin- und herlaufen zu lassen. Zuletzt wurden die Bänder gar nicht mehr abriebfrei, und so habe ich die wichtigsten davon auf den Rechner überspielt, in mehreren Portionen, denn eine ganze Länge schafften die Bänder nicht mehr, ohne die Köpfe zuzuschmieren. Die Bänder landeten dann alle in der Mülltonne, und mir blutete das Herz.
*
Aktuell, vor drei Tagen: Überraschend kam ein Geschenk eines Forumskollegen ins Haus: ein BASF DP26 LH HiFi 18 cm, noch originalverpackt und ungeöffnet in Plastikarchivbox und schwarz / orangem Umkarton, auf dem noch das Preisschild (30,50 DM bei Radio Dornbusch) klebt.
Freudig aufgeregt habe ich es gleich eingespannt, ließ es jedoch in Erinnerung an die o.g. Misere zuerst zwischen zwei Fingern durchlaufen, und das war gut so. Abgesondert wurde ein klarer Kleber von der Schichtseite; es fühlte sich -auch von der Menge her- etwa so an wie damals bei Revox631. Nach einigen Reinigungsläufen wurde es etwas weniger klebrig, und ich legte das Band in einen warmen Schrank über dem Ofen. Das war kein Aufbacken, nur ein warmes Lagern bei geschätzen 40° .
Gestern, nach zwei Tagen, war die klebrige Absonderung fast weg, und ich ließ das Band probeweise einmal ganz durchlaufen. Ok, kein Quietschen, die Tonköpfe blieben fast sauber.
Ob das Band dauerhaft brauchbar bleibt, muß sich allerdings erst herausstellen.
'M270D' ist auf dem Vorspannband aufgedruckt.
Gruß
Heinz
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#9
Hallo Heinz,

ich weiß schon, daß das mit dem Abrieb oft nervenaufreibend ist. Wirklich in den Müll geworfen habe ich bisher fast nie ein BASF-Band. Unter 1000 Bändern ist 1 dabei, wo sich die Schicht komplett löst und nur noch ein durchsichtiger Träger übrig bleibt. Das wandert dann in die Tonne. Alles andere bleibt zunächst mal.

Die Umgebungstemperatur spielt auch eine Rolle. Vielleicht hast Du das auch schon mal festgestellt - anfangs, der erste Durchlauf ist okay, das Tonbandgerät hat sich im Laufe von, sagen wir mal 1 Stunde, erwärmt und mit ihm der Bandwickel. Beim zweiten Durchlauf kann es so starken Abrieb geben, daß binnen weniger Minuten die Köpfe "zu" sind.

Ist schon ärgerlich, aber wenn man das von Vornherein vermeiden möchte, muß man grundsätzlich einen Bogen um BASF machen.

Viele Grüße,
Manuel
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#10
Zitat:heinz postete
... Nach einigen Reinigungsläufen wurde es etwas weniger klebrig, und ich legte das Band in einen warmen Schrank über dem Ofen. Das war kein Aufbacken, nur ein warmes Lagern bei geschätzen 40° .
Gestern, nach zwei Tagen, war die klebrige Absonderung fast weg, und ich ließ das Band probeweise einmal ganz durchlaufen. Ok, kein Quietschen, die Tonköpfe blieben fast sauber.
Ob das Band dauerhaft brauchbar bleibt, muß sich allerdings erst herausstellen ...
Da bin ich wenig optimistisch.

Der Schmiereffekt wird durch die Reaktion des Binders mit der Luftfeuchtigkeit hervorgerufen. Durch backen oder -wie Du schreibst- warme Lagerung ist die Feuchtigkeit erst einmal verdunstet. Nach kurzer Zeit ist die allgegenwärtige Luftfeuchtigkeit wieder in den Binder gekrochen und es wird wieder schmieren.

Die BASF LP/DP in der schwarz- roten Verpackung sind zwiespältig zu betrachten. Manche Chargen sind perfekt, kein schmieren, kein Abrieb, alles so wie es sein soll. Andere Chargen zeigen den Schmier- bzw. Abriebeffekt.

Frei nach Forrest Gump: Bänder sind wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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