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Hallo allerseits!
Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, warum ich gestern nach UHER gegoogelt habe. Irgendwas hat es mit meiner privaten Homepage zu tun. Egal: Ich bin auf die UHER-CD gestoßen - natürlich sofort bestellt - und dann auf dieses Forum.
Also, ich stelle mich kurz vor: 1962 Eintritt bei UHER. Zunächst als Prüfer des 4000 Report angefangen, bald als "elektrischer" Reparateur (das war ein wichtiger Unterschied!) eingesetzt, Prüffeld-Vorarbeiter geworden, dann Gruppenführer auch für die Endprüfung, und schließlich, nachdem der ganze Laden tüchtig "reorganisiert" worden war, Fertigungsleiter, inzwischen für das UHER Reort 4?00 Monitor. Darüber sind 18 Jahre vergangen, das Hauptwerk stand vor dem Ende und ich konnte einen fliegenden Wechsel zum Siemens-Bereich Datenverarbeitung machen, wo ich bis zu meinem vorzeitigen Ruhestand im Jahr 2001 gearbeitet habe - also ganz weg von der Unterhaltungselektronik. Manches weiß ich noch über "mein" Report, vieles habe ich vergessen. (Seltsamerweise träume ich noch oft von den UHER-Zeiten.)
Nun lese ich, dass sich gestern ein UHER-Fertigungsleiter hier registriert hat. Wenn es einer vom Hauptwerk ist und nicht aus Buchbach oder Asch-Leeder, müsste der Kollege mit Vornamen eigentlich Heinz oder Emil oder ... (hm, vergessen; der Nachname begann mit R.) heißen.
Ich weiß, dass es in München Ex-UHERaner-Treffs gab oder gibt, und manchmal haben mir zufällig über den Weg gelaufene Kollegen versprochen, mich einzuladen, aber dabei ist's geblieben. Wir haben nur hin und wieder Treffs von Kollegen der 4000er-Fertigung veranstaltet, aber das ist eingeschlafen, so dass ich fast keine Kontakte mehr habe.
Nun noch zum Betreff: Bei so vielen Forumsmitgliedern ist es eigentlich ausgeschlossen, dass keine ehemaligen UHER-Mitarbeiter dabei sind. Ich würde mich über "Lebenszeichen" freuen.
Übrigens wohne ich noch ca. 2 km von der Barmseestraße entfernt und komme oft am ehemaligen Hauptwerk vorbei. In der ehemaligen Arbeitsstätte residiert jetzt u. a. ein Polizeirevier. Seltsames Gefühl ...
Für heute genug geschrieben.
Viele Grüße, Anselm
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Das klingt sehr interessant! Bislang haben wir wenig über die Fa. UHER in Erfahrung bringen können. Mich würde interessieren, wieviele Leute in der Entwicklung beschäftigt waren, welche Spezialprojekte es gab (vielleicht Raumfahrt oder Rüstungsindustrie) oder welchen Firmen man zugearbeitet hat. Sehr interessant wäre auch ein Bild vom ehemaligen Hauptwerk und jetziger Polizeidienststelle, was wir hier veröffentlichen könnten...
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Uher hat sicher auch Wettbewerbsbeobachtung betrieben. Insofern gibt es auf diesem Wege vielleicht auch Erkenntnisse über andere Firmen. Stichwort: Braun, SABA SH600, ???
Michael(F)
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Hallo "Chef der Tonbandwelt" ;-),
leider muss ich die Erwartungen etwas dämpfen. Erstens ist es knapp ein Vierteljahrhundert her, dass ich UHER verlassen habe. Inzwischen ist vieles glorifiziert und vieles vergessen. Zweitens waren wir in der Fertigung ein bisschen vom Rest der UHER-Welt abgeschnitten. Engen Kontakt zur Entwicklung beispielsweise gab es nur, wenn was nicht klappte. :-)
Die Zahl unserer Entwickler weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Ich kann lediglich sagen, dass die Entwicklungsabteilung auf deutlich kleinerem Raum untergebracht war als die Fertigung ...
Spezialprojekte gab es durchaus, manchmal in einigen wenigen Stück, manchmal respektable Serien. Wir haben auch militärische Ausführungen des Report gebaut (der Unterschied zur Normalausführung hauptsächlich in der olivgrünen Lackierung), was mich als Kriegsdienstverweigerer etwas in Gewissensnöte brachte. Nachdem unsere Kisten so lange halten, fühle ich mich heute noch etwas an die Geheimhaltungspflicht gebunden. Aber ich darf wohl erzählen, dass wir uns über die Ersatzteilversorgung eines mitteleuropäischen Staates köstlich amüsiert haben: Die haben am grünen Tisch entschieden, welche Ersatzteile sie haben wollten. (Sie wollten ihren Service selbst machen.) Da waren, wenn mich nicht alles täuscht sogar Gehäuse und etliche fast unzerstörbare Teile dabei, während Antriebsriemen und das berühmte Speichenrad fehlten. (Eines liegt noch auf meinem Arbeitszimmerschreibtisch - unverkäuflich!) Wir empfahlen Umbestellung. Antwort: Wir wollen den Kollegen, die das zusammengestellt haben, keine Schwierigkeiten machen und bestellen das andere halt zusätzlich. An Raumfahrt-Projekte kann ich mich nicht erinnern, aber möglicherweise gab es die in geringsten Stückzahlen, bei denen die Entwicklung selbst die gewünschten Änderungen einbaute.
Das Foto vom ehemaligen Hauptwerk liefere ich selbstverständlich kurzfristig. Die Polizei wird mich der Revier-Spionage verdächtigen. Und den Media Markt unmittelbar daneben übersehe ich einfach. (Diese Nachbarschaft hätte damals für kurze Lieferwege und -zeiten gesorgt!)
Viele Grüße vom "Nabel der Tonbandwelt" :-),
Anselm
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Hallo Michael,
auch da muss ich leider enttäuschen - ich war eben in der Fertigung, Geld für die Firma verdienen. :-) Wettbewerbsbeobachtung gab es sicher, das weiß ich schon durch die - wohl späte - Parole unseres Barons Hornstein, der mit seiner sonore Stimme verkündete: "Wir müssen mit den Japanern konkurrieren!" Ganz klar, dass Braun, Saba usw. beobachtet wurden. Welche Schlüsse man daraus zog, weiß ich nicht. Kooperation gab es sicher auch. Und gegen Ende haben wir ja alles mögliche Zeug gekauft und mit "UHER-Adler" versehen verscherbelt. Das hat den Exitus nur etwas verzögert. Immerhin wurde das "4000er" ja noch ziemlich lange nach 1980 gebaut, meines Wissens in Buchbach, aber es kann auch ein anderer früherer Nebenstandort gewesen sein.
Viele Grüße,
Anselm
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Hallo liebe Leute,
ich habe vor 4 Wochen ein kleines Ehemaligentreffen mit einigen SMW/UHER Mitarbeitern in Starnberg gemacht, das im Rahmen des Buchprojektes "Die Geschichte der UHER Werke München" weitere Informationen aus erster Hand geben sollte. Nur soviel. Es war sehr interessant. Ich werde in den nächsten Tagen auf meiner Homepage www.uher-report.de einige Fotos hinterlegen. Das Buchprojekt mache ich zusammen mit Peter Remmers, der ja auch schon im Forum vertreten ist. Ziel ist es, bis Ende diesen Jahres das Manuskript abzuschließen. Teile werden dann auch auf der Homepage zu sehen sein.
Viele Grüße
Andreas
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Um auf die Überschrift 'UHER: Barons Crew vollzählig an Bord?' zurückzukommen: wenn es gelänge, auch nur 1/3 der Belegschaft an Bord zu holen, dann hätten sie keinen Grund zu feiern. Ich bin mir sicher, daß das gesamte Forum dieser Gruppe sofort die Pistole auf die Brust setzt und den Neubau weiterer Bandmaschinen einfordert
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Bei einem Drittel der Belegschaft könnte man auf einen Großteil des Hauptwerk-Gebäudes verzichten und es als Altersheim nützen, damit wenigstens der Arbeitsweg für die alten Herrschaften nicht zu beschwerlich ist. ;-) Und eine "Memorial Hall" einrichten, in der den - wie ich von UHER-Fan hörte - beträchtlichen Anzahl von Kolleginnen und Kollegen gedenken, die schon gestorben sind. :-(
Anselm
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So Leute,
nun habe ich für euch "Überstunden gemacht", meine ganzen Fotoalben durchgekramt und die 19 UHER-Fotos eingescannt. Ich bitte um Vergebung, dass sie nicht alle gleich groß sind und dass ich den Rotstich der Porst-Fotos nicht zu eliminieren versucht habe - das war mir zu aufwändig.
Auf http://www.anjora.de/privat/uher.htm ist nun also nicht nur das UHER-Gebäude heute zu sehen, sondern auch Fotos aus der "guten alten Zeit". Dass ich auf den meisten selbst zu sehen bin, bitte ich zu verstehen: Ich habe die Fotos für mich gemacht und niemals geahnt, dass man sie eines Tages in der ganzen Welt würde abrufen können.
Irgendwann werde ich die Seite wieder aus meinem Webspace nehmen müssen, damit die Kosten für den Traffic nicht zu hoch werden. Vielleicht kann ja das eine oder andere Foto auf die UHER-CD übernommen werden oder in UHER-Fans Buch.
Es grüßt euch
Anselm Rapp
P.S. Das Forum scheint ein relativ kurzes Time-out zu haben. Erste Beiträge habe ich zweimal geschrieben, jetzt sichere ich sie sicherheitshalber im Notepad, bevor ich sie sende ...
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Das sind wirklich sehr interessante Fotos. Vielen Dank, daß Sie diese veröffentlicht haben!
Es muß bestimmt schwer für Sie gewesen sein, diese Arbeitsstelle zu verlassen und zu sehen, wie es langsam mit der Firma bergab ging.
Die Uher Report aber lebt bei uns Fans weiter, und vielleicht hatten Sie ja sogar schon mal eines meiner 11 Uher Report in den Händen...
Viele Grüße
Tonband-Ilja
Hm...
Wenn ich mir all diese Bilder so ansehe, stimmen mich die Unteren von Heute etwas traurig. Für jemanden der die Vergangenheit des Gebäudes nicht kennt, sieht es aus wie irgendein Gebäude in einem Gewerbegebiet irgendwo.
Nichts erinnert denjenigen der daran vorbei kommt was dort einmal war.
Daran, das dort Geräte hergestellt wurden die damals in der ganzen Welt bekannt waren. Deren Herstellung wohl einige Arbeitsplätze sicherte.
Und heute ist all das Vergangenheit. Die Geräte werden teilweise schon auf die Müllkippe gebracht (Ich erfahre das immer erst hinterher) und in ein paar Jahren wird kaum noch jemand davon wissen oder sich überhaupt dafür interessieren.
Hm...
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Vorm Schlafengehen nochmal hallo!
Ehrlich gesagt, als ich UHER verlassen musste, hatte ich - was die Fotos nicht wiedergeben - die Hosen gestrichen voll. 18 Jahre Unterhaltungselektronik und nun plötzlich EDV! Meinen guten Einstieg bei Siemens habe ich zu einem wesentlichen Teil Bereichsleiter Werner Gilch zu verdanken, der mit Interessenten nach Feierabend einen "Computerstammtisch" mit BASIC statt Bier am Commodore PET 2001 - http://www.homecomputermuseum.de/comp/14_de.htm - veranstaltete. In meiner ersten Siemens-Dienststelle war ich der mit dem meisten Computerkenntnissen! :-) Ich bin also weich gelandet und habe 21 insgesamt gute Siemens-Jahre hinter mir, aber UHER habe ich nie vergessen.
Damit es nicht zu traurig wird, ein paar Anekdoten:
Was heißt UHER? Ist doch klar: Unter Hundert Ein Richtiges! :-)
Unsere Lehrlinge hatten immer Flausen im Kopf. Nach Errichtung des zweiten Bauabschnitts wurde die Kantine vom Keller unters neue Dach verlegt. Das hatte zur Folge, dass die jungen Damen aus dem Verwaltungstrakt regelmäßig durch die halbe Fertigung zur Kantine laufen mussten. Schabernack Nr. 1: Wir - ich hätte die Lehrlinge eigentlich zurechtweisen müssen, beteiligte mich aber - legten ein langes Kabel, von dem wir ja genügend hatten, von einem entfernten Prüffeldplatz zum Durchgang und versteckten dort einen Lautsprecher, den wir an ein entferntes 4000er anschlossen, an das wir wiederum ein Mikro ansteckten und den Damen "Na, Süße?" und dergleichen zuriefen. Die glaubten, es spukt! :-)
Schabernack Nr. 2 war im Wortsinne auch auf die Damen "gemünzt": Wir klebten mit Sekundenkleber ein Fünfzigpfennigstück auf den Fußboden. Es war kaum fest, als auch schon die Tür aufging. Herein kam statt einer erwarteten jungen Dame - Baron Hornstein, der baumlange und respekteinflößende UHER-Geschäftsführer! Mehrere Köpfe im Prüffeld verschwanden blitzartig, der Baron beugte sich aus seiner schwindelnden Höhe herab, versuchte das Geldstück aufzuheben, lächelte ein bisschen und verschwand gemessenen Schrittes.
Lang lebe UHER - zumindest in der Erinnerung.
Anselm
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@Matze:
Mir geht es da genauso.
Mein Opa hat mir schon einiges über die Uher Werke erzählt, da er dort (in diesem) öfter zu Besuch war. Mich ärgert es sogar ein bischen, das garnichts da ist, das an die Vergangenheit des Gebäudes errinnert. Die Meisten, denke ich, die jetzt dort arbeiten werden nicht wissen, das da mal Uher war. Es ist aber schön, dass das Gebäude noch steht und nicht abgerissen wurde.
Ich denke, ich muß dem Gebäude auch noch mal einen Besuch abstatten, weil mich es einfach interessiert, obwohl ich nicht viel sehen werde. München ist ja nicht so weit weg von mir (ca. 100 km).
Achja, ich finde die Bilder auch sehr interessant, vorallem die Alten.
Grüße
Wayne
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Der Anselm hat mir Bilder und Text zu Verfügung gestellt. Ich habe die Bilder ein bißchen überarbeitet und eine Seite in der Galerie erstellt: Galerie S. 113
(lange Ladezeiten erwünscht  )
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