Entzerrung nach NARTB
#3
Lieber Gerd,

es steht mir zwar nicht zu, hier Zensuren zu verteilen, aber Matthias' Angaben sind natürlich korrekt, die Infos, de man dir gab, dagegen deutlich weniger, einmal abgesehen davon, dass selbst professionelle Bandgeräte grundsätzlich die Entzerrungen so umschalten, dass die betrieblichen Unfälle durch falsche Weichenstellungen bei der Entzerrung auf das Minimalniveau von Gerätedefekten beschränkt bleiben.

Nicht zuletzt auf diesem Wege entstanden ja auch die 35µ bei 38,1 cm/s, die ja 1:1 von den zunächst üblichen 77/76,2 übernommen waren. Die wahrscheinlich sowohl älteren (also aus grauer RRG-Vorzeit stammenden) als auch ganz neuen (also mit der audiofidelen Wiedereinführung von 76,2 cm/s seit den späteren 1970ern wiederbelebten) 17,5µs entfalteten hier in Europa ja erst durch die späte AES-Empfehlung die von Studer her geläufigen Aktivitäten.

Was tut man aber nun, wenn man eine definierte Entzerrung vorliegen hat und keine 'amtliche' Wiedergabemöglichkeit dafür?

Man zieht den van Bommel (Die Entzerrung in der magnetischen Schallaufzeichnung, Leverkusen 1973, S. 30 ff) heran, sieht sich die Entzerrungen an und benützt ein hinreichend genaues Filter (Kuhschwanzentzerrerhoch- wie -tiefpass), dessen Arbeitsfrequenzen einstellbar sind, um die Differenzbeträge der im Gerät und über die Aufnahme zur Verfügung stehenden Entzerrungen auszugleichen. Für 35 µs und 3180+50µs führt Bommel dieses Exempel auch anhand von Zahlen durch.
Mit digitalen Mischpulten der 03d- oder 02r-Klasse lässt sich die Korrigiererei praktisch ohne Probleme durchführen. Sieht man sich aber an, was nicht minder praxisnah und im Brustton audiophiler Überzeugungen selbst heute noch aufgekocht wird, ist es an sich auch schon wieder gleichgültig, ob die hier zur Debatte stehenden Minimalabweichungen zu kompensieren sind oder nicht:
19H entspricht seit finaler Existenz NAB/NARTB, davor wird es kompliziert, weil mehrere Vorschläge an der europäischen Heim- und Heimatfront diskutiert wurden und bis zur frühen G36(9,5/19!) für praktisch realisierte Verwirrung sorgten. Eine 19- cm/s-NA[RT]B-Aufnahme (3180+50 µs) erscheint bei Wiedergabe nach 19S bei 50 Hz mit +3 dB und bei 10 kHz mit 2 dB Überhöhung. Die Aufnahme klingt also etwas tiefenbetont und in den Höhen etwas frischer.

Kommt einem ein Band mit ARD-Entzerrung unter, benötigt man zur Korrektur neben dem oben bemühten Kuhschwanzentzerrer noch einen 4-kHz-Bandpass.


Dasselbe Verfahren kann man übrigens auch für die Nachbildung von nahezu beliebigen Schneidkennlinienentzerrungen historischer Schallplatten verwenden, deren Kennlinien vor der Normierung nach RIAA und DIN über das ganze Schellackzeitalter hin ja im Dickicht der Normenlosigkeit klassischer Unternehmerwillkür bis zur Unkenntlichkeit versumpften.
Das HiFi-Zeitalter schickte sich ja erst Ende der 1950er an, über den Horizont zu krabbeln.

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von RS1500 - 19.12.2007, 11:06
[Kein Betreff] - von Matze - 19.12.2007, 12:52
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 19.12.2007, 14:14

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