NR bei Mikro-Aufnahmen
#9
Hallo Manuel

Ich möchte für die Lösung Deines Problems die Sache aus einer etwas anderen Ecke beleuchten. Dabei muß ich Frank leider (ein klein wenig) wiedersprechen. Es ist sehr wohl möglich, verrauschte Aufnahmen hochqualitativ vom Rauschen zu befreien. Allerdings richtigerweise nicht mit oben genanntem Equipment, und mit ein paar Grundvoraussetzungen.

Benötigt wird dabei ein PC und ein qualitativ hochwertiger Soundeditor wie z.B. Adobe Audition 1.5 oder 2.0

Zuerst wird das Band von der Bandmaschine wie es ist auf CD gezogen und anschliessend die CD vom PC gerippt. Liegt das Material auf dem PC vor, wird der Soundeditor gestartet.

Dabei ist eines von allergrößter Wichtigkeit: Die meisten billigen Soundeditoren bieten zwar eine Entrauschfunktion an, diese tastet aber nur das Musiksignal ab, und versucht anhand von Algorithmen, die auf Spektralanalyse und Pegel getrimmt sind, das Rauschen zu erkennen und zu tilgen. (Ähnlich wie ein analog arbeitendes DBX Denoising System). Die Ergebnisse, die mit diesen Entrauschern erzielt werden, kann man bestenfalls als gerade noch zumutbar bezeichenen, da mit dem Rauschen auch ein gehöriger Teil des Frequenzspektrums ins Nirwana wandert, und Störartefakte zu hören sind.

Völlig anders arbeiten aber Denoiser, die nach dem "Fingerprint" Prinzip arbeiten.
Unbedingt notwendig dazu ist ein Stück Aufnahmematerial, auf dem sich nichts außer dem Rauschen des Bandes und evtl. des Mikrofonverstärker befindet. (Ca 1/2 sek minimum) So ein Schnipsel läßt sich ja problemlos vor dem Beginn der eigentlichen Aufnahmesession erzeugen. Alle Aufnahmeregler müssen dabei schon exakt so eingestellt sein, wie sie auch für die Aufnahme benötigt werden.

Diesen kurzen Schnipsel analysiert der Soundeditor nun mit bis zu 12.000 Samples pro Sekunde, und erzeugt einen präzisen Fingerabdruck des Störspektrums bezüglich Frequenz, Pegel, zeitlichem Zerfall und Phase. Wenn nun das Musikstück mit diesem Fingerprint entrauscht wird, filtert das Programm, unabhängig von Lautstärke oder Frequenzverteilung der Musik, exakt nur die Störgeräusche, die ja statistisch gesehen gleich über die gesamte Aufnahme verteilt sind. Das Ergebnis eines solchen Denoisings ist schlichtweg beeindruckend. Extrem wichtig dabei ist nur, daß die Störgeräusche die entfernt werden sollen, sich über die gesamte Bearbeitungslänge nicht ändern dürfen. Das heißt bei der Aufnahme auf Band: Der Regler für dern Mikrofoneingang darf während der kompletten Aufnahme nicht verstellt werden, sonst stimmt der Fingerabdruck nicht mit der gesamten Aufnahme überein. Das Bandrauschen ist ja sowieso statisch, und braucht hier nicht berücksichtigt zu werden.

Exakt dieses Verfahren wurde übrigens schon vor vielen Jahren von der Schallplattenindustrie eingesetzt, um alte Masterbänder für CD-Neuauflagen zu entrauschen. Das "NO-NOISE" Logo von Sonic Solutions findet man heute noch auf der einen oder anderen CD. Die aus damaliger Sicht beötigte gigantische Rechenpower machte das System so teuer, daß es selbst für die Schallplattenindustrie abschreckend war, und deshalb nur gemietet wurde. Heutzutage bringt jeder bessere ALDI PC locker die nötige Rechenleistung mit.

Ich habe dieses Fingerprint Verfahren spaßhalber sogar mal bei einer CD getestet. Die Dire Straits CD "Love over Gold" klingt zwar genial, ist aber (in der Erstauflage) leider mit relativ hohem Bandrauschen des Masterbandes gesegnet. Glücklicherweise befinden sich einige kurze Segmente in den Titeln, in denen nur das Rauschen, ohne jedes Instrument, zu hören ist. Mittlels dieser Fingerprints habe ich die komplette CD entrauscht, mit einem Ergebnis, daß man nur als fantastisch bezeichnen konnte.
Beim A-B Vergleich nicht der geringste Unterschied zu hören, außer daß bei leisen Pasagen der Rauschteppich völlig verschwunden war. (Bei der 2001er Neuauflage wurde übrigens exakt dieses Verfahren verwendet, um die CD endlich als "new Remastered" verkaufen zu können)

Wenn Dir der zeitliche und technische Aufwand nicht zu groß ist, dann bin ich überzeugt, daß Du Deine Aufnahmen damit hochqualitativ entrauscht zu hören bekommen wirst.

MfG

Wolfgang
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[Kein Betreff] - von Manulski - 29.06.2007, 15:07
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