Revox A77 MK IV Probleme beim Löschen und Aufnehmen
#3
Lieber Jeremias,

die Wiederinbetriebnahme einer A77 gestaltet sich in der Regel nicht sonderlich schwierig, es sei denn, dass Lagerschäden vorlägen, die den Problemen deines Gerätes aber nicht zugrundeliegen.

Dass die Endverstärkerplatine fehlt ist normal, weil sie nur bei der Kofferversionversion oder auf gesonderte Bestellung ab Werk eingebaut, sprich: eingesteckt wurden.

Dem Höhenverlust sollte man nachgehen, weil der keinesfalls mit dem Kopfzustand zu tun hat, da das Tragbild beider Köpfe dasjenige neuer Köpfe ist. Du willst also bitte die Finger von den Köpfen lassen. Ich füchte auch eher, dass deine Bänder etwas haben, als dass diesen Köpfen Mängel nachgesagt werden könnten. Man muss das Gerät nach Reparatur der Löschfunktion lediglich sorgfältig und fachlich einwandfrei messen und einmessen, dann sehen wir endgültig weiter. Solche Köpfe sind neuwertig, auch bei deiner Version mit 9,5 und 19 cm/s.

Wenn ein Aufnahmeversuch mit den von dir geschilderten Symptomen scheitert,

NeuAufnahme erfolgt halbwegs,
Altaufnahme wird nicht gelöscht,
Altaufnahme wird dumpfer

dann dürfte Hf am Aufnahmekopf anliegen, der Löschoszillator, der sowohl VM als auch Löschleistung zur Verfügung stellt, also arbeiten. Demnach scheiden die klassischen Schäden (z. B. C 712 auf dem Oszillatorprint, nicht schaltendes Aufnahmerelais, defekter Transistor Q601) eigentlich aus. Klackt das Aufnahmerelais laut und vernehmlich (es tut dies anders als das feine Klicken der Laufwerksrelais!), wenn du die Aufnahmefunktion während des Bandlaufes auslöst?

Eigentlich bleiben daher (neben dem möglichen, aber unwahrscheinlichen Löschkopfdefekt) nur zwei Möglichkeiten:

1)
Entweder die Verbindung des Löschkopfes (und ggflls. der Löschkopfersatzspule) zum Löschkopf (du hast übrigens die Vierspurvariante der A77) zum Löschoszillator ist gestört, oder

2)
die Spannungsversorgung des Löschoszillators lässt Wünsche an die Leistungsversorgung des Oszillators offen, so dass dieser keinen Dampf für den Löschkopf bereitstellt. Für VM-Hf reicht es dann noch gerade hin, die Löschung ist aber nicht mehr möglich.

Zu 1)
Dieses Problem dürfte allein im Bereich der Kanalumschalter zu suchen sein, wenn der Löschoszillator ordentlich in seiner Fassung sitzt. Ziehe den vielleicht zunächst einmal bei spannungsfreiem Gerät (!!!) ab und stecke ihn wieder ein. Vielleicht lässt sich die fehlende Löschspannung damit schon wieder beleben.
Das Löschsignal wird in der A77 'rein mechanisch' verteilt, weshalb dazu an den entsprechenden Aufnahmewahlschaltern auch das notwendige Signal anstehen muss, um weitergereicht werden zu können. Du musst also vom Löschoszilaltor über die Verbindungen AB6-HB3 (orange Löschkopflitze), AB7-HB6 (blaue Löschkopflitze), AB12-HB1 (braune Löschkopflitze) verfolgen, ob die Signale bis zum Kopf durchgeleitet werden. Bei dieser Gelegenheit sollte sich dann zeigen, wo mit dem Löschsignal Schluss ist. Steht es noch am Kopf an (gegen Gerätemasse, Spannung tut einstweilen nichts zur Sache) dürfte/könnte der Löschkopf etwas haben.
Examiniere das Innere deines Gerätes einmal auf frei im Raum schwebende Litzenenden. Bei Studer herrschte gemeinhin solide Ordnung. Solltest du da bei der Inaugenscheinnahme deines Gerätes Zweifel haben müssen, haben wir uns um die adäquate Unterbringung 'überschüssiger' Litzenenden kümmern.


Zu 2)
Die Versorgungsspannung des Löschoszillators wird durch einen über ein RC-Glied mit Zeitverzögerung zu öffnenden Längsreglertransistor schleichend eingeschaltet. Sollte da etwas daneben sein, müsste die Betriebsspannung des Oszillators an Pin 8 des Aufnahmerelaisprints gegen Gerätemasse zu deutlich weniger als 20 Volt =, also vielleicht 15 Volt = zu messen sein. Das wäre mit deinem Multimeter sehr gut zu messen, mehr aber leider nicht, denn sinnvoll sind die oben beschriebenen Untersuchungen nur mit Oszilloskop und einem hinreichend hf-tauglichen Millivoltmeter durchzuführen, weil uns Menschen ja (ebenso wie deinem Multimeter) die notwendigen Rezeptoren für 120 kHz und elektrische Spannungen fehlen.

Du arbeitest an einem offenen Gerät, das durch die ebendort anstehenden Spannungen von Netz und Motoren ein lebensgefährliches Terrain ist. Bitte lasse deshalb die notwendige Vorsicht walten.

Hans-Joachim

P.s.: Ich sehe gerade bei meiner Korrekturarie, dass das Servicehandbuch bereits offeriert ist. Ich schließe meinerseits aber den Generalhinweis auf die verdienstvolle Studer-Seite in der Schweiz an, die ja nun in vielen Studer-Nöten hilft und insofern zu den fürnehmsten Adressen gehören sollte:

ftp://ftp.studer.ch/Public/Products/

Wenn Not am Mann ist und Gefahr könnte ich mit einem handwerklich schlechteren Scan der deutschen Serviceanleitung dienen. Lesen sollte man diese allemal, weil Studer hier in das durchaus epochale Konzept der A77 einführt, das zu analysieren lohnt, da die Dame ja fast 30 Jahre Fertigungsgeschichte überlebte.
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[Kein Betreff] - von Gyrator - 06.06.2007, 10:45
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