01.09.2004, 11:02
Die "Kontaktkopie" hat uns auf eine andere Schiene geschoben ... 
Also machen wir hier weiter. Fürs Archiv ist hier der Link des anderen Threads:
http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic...readid=641
So, jetzt gehts los. Nur vorab zur Definition: mit "Echo" bezeichne ich jetzt die in den benachbarten Bandlagen entstandenen Kopien des eigentlichen Signals.
- Es ist egal, ob Bänder "deutsch" oder "international" gewickelt sind, Echos entstehen in jedem Fall
- Es entstehen sowohl Echos in der außenliegenden Bandlage als auch in der innenliegenden, oder andersrum
- MCs sind "deutsch" gewickelt, damit die Tonkopfmechanik einfach gehalten werden kann
- CrO2 Band hat eine höhere Koerzitivkraft, so dass kräftigere magnetische Felder nötig sind um das Band zu magnetisieren
- dadurch kommen CrO2 MCs auf 58/59dB Kopierdämpfung trotz des dünneren Materials (und auch des geringeren Aufsprechpegels)
- physikalisch sind Vor- und Nachechos gleich zu erklären. Durch die Gehöreigenschaften sind Nachechos jedoch meist nicht relevant.
- Umspulen von vor- oder rückgespulten Bändern hilft nicht grundsätzlich, regelmäßiges Umspulen ist angesagt.
In Archiven wird meist ein- bis max. zweimal pro Jahr (!) umgespult (wenn überhaupt, denn dafür hatte man ja die Industrie drangsaliert und Bänder mit immer höherer Kopierdämpfung verlangt
). Auf den Heimbereich übertragen dürfte sowas vernachlässigbar sein.
Bei Musiktiteln, die mit Pauken und Trompeten einsetzen sind die Vorechos stark hörbar. Bei Ravels Bolero z.b. werden niemals Vorechos zu hören sein, weil das Stück mit einem Pegel von 3dB (im übertragenen Sinn) über dem Rauschen beginnt. Wenn die Kopierdämpfung des Bandes dann noch 58dB beträgt, liegt der Pegel des kopierten Signals bei 55dB unter dem Bandrauschen. In den meisten Fällen unhörbar also. Gleichwohl Titel, die abrupt enden, werden ein Nachecho haben. Titel, die langsam ausklingen dagegen nicht.
Rechnen wir mal weiter: ein normales Eisenoxidband hat einen nutzbaren rauschfreien Bereich von angenommenen 70dB (schon ein guter Wert) bei einer Kopierdämpfung von 50dB (die Praxiswerte liegen alleweil höher). Ein mit Referenzpegel aufgenommener Ton kopiert sich mit einem um 50dB verringerten Pegel auf die benachbarte Bandlage. Der resultierende Pegel liegt bei 20dB über dem Rauschen, ist also gut hörbar. Die nächste Kopie auf die nächste Lage wieder mit 50dB Dämpfung. Ende Gelände. Oder das Rauschen im Walde. Nun muß man diese Rechnung aber auch gleich wieder relativieren. Dieser Referenzpegel ist mit einem Bandfluß von 320 oder 510 nWb/m aufgenommen. Werte, die im Studio gebräuchlich sind, im Heimbereich jedoch nicht. Die A77 von Revox arbeitet mit 257 nWb/m. Das sind 2, bzw. 4dB weniger als möglich. Damit rutscht die Kopie um eben genau diesen Betrag weiter in den Rauschsumpf.
Insgesamt ist dieses Thema schon interessant aber nur für denjenigen wichtig, der seine hochausgesteuerten Bänder archivieren will. Und damit meine ich nicht, bis zur nächsten Party sondern einen Zeitraum von 20, 30 Jahren. Oder mehr.
Uff ...
Viele Grüße
Michael

Also machen wir hier weiter. Fürs Archiv ist hier der Link des anderen Threads:
http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic...readid=641
So, jetzt gehts los. Nur vorab zur Definition: mit "Echo" bezeichne ich jetzt die in den benachbarten Bandlagen entstandenen Kopien des eigentlichen Signals.
- Es ist egal, ob Bänder "deutsch" oder "international" gewickelt sind, Echos entstehen in jedem Fall
- Es entstehen sowohl Echos in der außenliegenden Bandlage als auch in der innenliegenden, oder andersrum

- MCs sind "deutsch" gewickelt, damit die Tonkopfmechanik einfach gehalten werden kann
- CrO2 Band hat eine höhere Koerzitivkraft, so dass kräftigere magnetische Felder nötig sind um das Band zu magnetisieren
- dadurch kommen CrO2 MCs auf 58/59dB Kopierdämpfung trotz des dünneren Materials (und auch des geringeren Aufsprechpegels)
- physikalisch sind Vor- und Nachechos gleich zu erklären. Durch die Gehöreigenschaften sind Nachechos jedoch meist nicht relevant.
- Umspulen von vor- oder rückgespulten Bändern hilft nicht grundsätzlich, regelmäßiges Umspulen ist angesagt.
In Archiven wird meist ein- bis max. zweimal pro Jahr (!) umgespult (wenn überhaupt, denn dafür hatte man ja die Industrie drangsaliert und Bänder mit immer höherer Kopierdämpfung verlangt
). Auf den Heimbereich übertragen dürfte sowas vernachlässigbar sein.Bei Musiktiteln, die mit Pauken und Trompeten einsetzen sind die Vorechos stark hörbar. Bei Ravels Bolero z.b. werden niemals Vorechos zu hören sein, weil das Stück mit einem Pegel von 3dB (im übertragenen Sinn) über dem Rauschen beginnt. Wenn die Kopierdämpfung des Bandes dann noch 58dB beträgt, liegt der Pegel des kopierten Signals bei 55dB unter dem Bandrauschen. In den meisten Fällen unhörbar also. Gleichwohl Titel, die abrupt enden, werden ein Nachecho haben. Titel, die langsam ausklingen dagegen nicht.
Rechnen wir mal weiter: ein normales Eisenoxidband hat einen nutzbaren rauschfreien Bereich von angenommenen 70dB (schon ein guter Wert) bei einer Kopierdämpfung von 50dB (die Praxiswerte liegen alleweil höher). Ein mit Referenzpegel aufgenommener Ton kopiert sich mit einem um 50dB verringerten Pegel auf die benachbarte Bandlage. Der resultierende Pegel liegt bei 20dB über dem Rauschen, ist also gut hörbar. Die nächste Kopie auf die nächste Lage wieder mit 50dB Dämpfung. Ende Gelände. Oder das Rauschen im Walde. Nun muß man diese Rechnung aber auch gleich wieder relativieren. Dieser Referenzpegel ist mit einem Bandfluß von 320 oder 510 nWb/m aufgenommen. Werte, die im Studio gebräuchlich sind, im Heimbereich jedoch nicht. Die A77 von Revox arbeitet mit 257 nWb/m. Das sind 2, bzw. 4dB weniger als möglich. Damit rutscht die Kopie um eben genau diesen Betrag weiter in den Rauschsumpf.
Insgesamt ist dieses Thema schon interessant aber nur für denjenigen wichtig, der seine hochausgesteuerten Bänder archivieren will. Und damit meine ich nicht, bis zur nächsten Party sondern einen Zeitraum von 20, 30 Jahren. Oder mehr.
Uff ...
Viele Grüße
Michael
