20.04.2007, 13:46
Lieber Frankj (und Ineressierte),
das ist eines der Ostderivate des Tuchelsteckers. Inwieweit der allerdings mit den noch immer erhältlichen Westformen uneingeschränkt kompatibel war, müsste man bei den RFZ-Pensionären erfragen. Nachdem Tuchel auch zu den RRG-Abkömmlingen gehörte, erst nach einer Karriere dort Industrieller wurde, ein paar Worte zur Geschichte des nachmaligen Heilbronners:
Ulrich Tuchels dienstliche Wiege stand also beim Reichsrundfunk, wo er als Leiter des Konstruktionsbüros der Zentraltechik wirkte und nicht zuletzt regelmäßig von den Kontaktproblemen der ursprünglich im Hause üblichen Klinkenstecker erfuhr. Allmonatlich musste nämlich jemand in der Masurenallee mit einer Messingdrahtbürste von vorne nach hinten Klinken (-stecker) putzend die Studios wandern, um für den nächsten Monat einwandfreien Kontakt sicherzustellen.
War er hinten fertig, konnte er vorne wieder anfangen. Das ließ den ingeniösen Kopf Tuchel (und seinen technischen Zeichner Moderow) nicht ruhen, weshalb er -wie später auch in seiner Fabrik!- auf Automatisierung sann.
Die Selbstreinigung des Kontaktes durch zwei ineinanderliegende geschlitzte Federröhrchen, in die ein Kontaktmesser eintauchte, war seine zugegebenermaßen reizvolle erste Idee. Das Unterbinden stärkerer Bewegungen zweier verbundener Steckereinheiten durch eine sehr solide Verschraubung die nächste, und größtmögliche Stabilität des Gesamtsteckers bei geringstem Gewicht die dritte. Dass geschraubt werden musste, sollte sich allerdings als das K.-o.-Argument für diesen ansonsten wohl schönsten Stecker der Nf-Technik überhaupt erweisen. Wer einmal 30 Mikros nebst Verlängerungen nach Verfahren Tuchel geschraubt hat, wendet mit der betroffenen Hand ohne Parkinsonsymptome und wunde Innenseite von Daumen und Zeigefinger kein Partiturblatt mehr um.
Auch wenn Tuchel mit seiner Firma nach WK II in Heilbronn ansässig war, kam er doch aus Berlin und hatte dorthin bis ins Alter seine traditionellen Bindungen, weshalb seine Produkte auch in Ost und West weiterlebten. Die Kunststofforgien kenne ich allerdings nur aus RFZ-Umgebungen. Im Westen blieben Tuchel selbst, Amphenol und schließlich Binder immer bei der Ganzmetallausführung.
Tucheltecker gab es neben Sonderbauarten (z. B. der legendäre, sechspolige U47-Stecker T 2045 oder die Stativanschlüsse für die diversen SM69-Typen etc.) von der Ein-(!) bis zur 12-Poligkeit ab Lager, denen allesamt der unter praktisch allen Betriebsbedingungen minimale Übergangswiderstand eigen ist. Bis zu sieben Polen (und beim einpoligen Vebinder) verwendete man, wenn ich mich recht erinnere, Flachstifte, dann -zwangsläufig, um die Gehäusedimensionen nicht noch weiter ansteigen zu lassen- Rundstiftkontakte. Der Funk bestand seinerseits (ich vermute von Anfang an) auf einer entsprechend teuren, hf-dichten Spezialversion.
Bürklin vertreibt das Binder-690/691-Programm unter der nicht gerade assoziationsfreien Bezeichnung "Maschinensteckverbinder".
Mein ältester Tuchel ist jetzt 55 Jahre alt und tut nach wie vor, was er soll.
Hans-Joachim
das ist eines der Ostderivate des Tuchelsteckers. Inwieweit der allerdings mit den noch immer erhältlichen Westformen uneingeschränkt kompatibel war, müsste man bei den RFZ-Pensionären erfragen. Nachdem Tuchel auch zu den RRG-Abkömmlingen gehörte, erst nach einer Karriere dort Industrieller wurde, ein paar Worte zur Geschichte des nachmaligen Heilbronners:
Ulrich Tuchels dienstliche Wiege stand also beim Reichsrundfunk, wo er als Leiter des Konstruktionsbüros der Zentraltechik wirkte und nicht zuletzt regelmäßig von den Kontaktproblemen der ursprünglich im Hause üblichen Klinkenstecker erfuhr. Allmonatlich musste nämlich jemand in der Masurenallee mit einer Messingdrahtbürste von vorne nach hinten Klinken (-stecker) putzend die Studios wandern, um für den nächsten Monat einwandfreien Kontakt sicherzustellen.
War er hinten fertig, konnte er vorne wieder anfangen. Das ließ den ingeniösen Kopf Tuchel (und seinen technischen Zeichner Moderow) nicht ruhen, weshalb er -wie später auch in seiner Fabrik!- auf Automatisierung sann.
Die Selbstreinigung des Kontaktes durch zwei ineinanderliegende geschlitzte Federröhrchen, in die ein Kontaktmesser eintauchte, war seine zugegebenermaßen reizvolle erste Idee. Das Unterbinden stärkerer Bewegungen zweier verbundener Steckereinheiten durch eine sehr solide Verschraubung die nächste, und größtmögliche Stabilität des Gesamtsteckers bei geringstem Gewicht die dritte. Dass geschraubt werden musste, sollte sich allerdings als das K.-o.-Argument für diesen ansonsten wohl schönsten Stecker der Nf-Technik überhaupt erweisen. Wer einmal 30 Mikros nebst Verlängerungen nach Verfahren Tuchel geschraubt hat, wendet mit der betroffenen Hand ohne Parkinsonsymptome und wunde Innenseite von Daumen und Zeigefinger kein Partiturblatt mehr um.
Auch wenn Tuchel mit seiner Firma nach WK II in Heilbronn ansässig war, kam er doch aus Berlin und hatte dorthin bis ins Alter seine traditionellen Bindungen, weshalb seine Produkte auch in Ost und West weiterlebten. Die Kunststofforgien kenne ich allerdings nur aus RFZ-Umgebungen. Im Westen blieben Tuchel selbst, Amphenol und schließlich Binder immer bei der Ganzmetallausführung.
Tucheltecker gab es neben Sonderbauarten (z. B. der legendäre, sechspolige U47-Stecker T 2045 oder die Stativanschlüsse für die diversen SM69-Typen etc.) von der Ein-(!) bis zur 12-Poligkeit ab Lager, denen allesamt der unter praktisch allen Betriebsbedingungen minimale Übergangswiderstand eigen ist. Bis zu sieben Polen (und beim einpoligen Vebinder) verwendete man, wenn ich mich recht erinnere, Flachstifte, dann -zwangsläufig, um die Gehäusedimensionen nicht noch weiter ansteigen zu lassen- Rundstiftkontakte. Der Funk bestand seinerseits (ich vermute von Anfang an) auf einer entsprechend teuren, hf-dichten Spezialversion.
Bürklin vertreibt das Binder-690/691-Programm unter der nicht gerade assoziationsfreien Bezeichnung "Maschinensteckverbinder".
Mein ältester Tuchel ist jetzt 55 Jahre alt und tut nach wie vor, was er soll.
Hans-Joachim
