Schmetterlingsköpfe - Warum ???
#3
Lese ich mir die Fragen 'Lomays' durch, werde ich das Gefühl nicht los, dass er mit "Spaltbreiten" die Spurbreiten meint, im vorliegenden Falle also also den Unterschied gängiger 2mm-Anlagen zu den zentraleuropäischen Schmetterlingskopfeinrichtungen ansprechen will.

Ergänzend zu Friedrichs Hinweisen sei daher angemerkt, dass der Schmetterlingskopf entlang der Pegelkonventionen der frühen 60er Jahre (320 vs. 514 nWb/m) den Mischbetrieb monofoner und stereofoner Aufnahmen auf monofonen und stereofonen Maschinen (und vice versa) gestattet, bzw. mit dieser Zielsetzung konzipiert wurde. Mit 2-mm- oder 2,3-mm-Köpfen wäre dies ohne Pegelkuddelmuddel nicht möglich gewesen. Berücksichtigen wir dabei bitte, dass die Betriebsdynamiken von UKW-Rundfunk und Magnetofon einander sehr gut entsprachen.
Dass auch schon die RRG-Stereos (ab 1942) mit Spurbreiten über 2,3 mm entstanden, spreche ich lediglich an.

Als die Stereofonie eingeführt wurde, hob man die stereofone Vollaussteuerung gegenüber der monofonen (320 nWb/m) um 4,1 dB auf 514 nWb/m an. Dabei glich man den (damaligen, koindinzidenzstereofonen!) Korrelationsverlust mit 3 dB und den Pegelverlust durch die nicht nutzbare Trennspur mit 1,1 dB aus. Damit ergab ein Stereoband (514 nWb/m) auf einer Monomaschine und ein Monoband (320 nWb/m) auf einer Stereomaschine des Rundfunks (idealisiert) denselben Vollaussteuerungspegel, weshalb nicht (unbedingt) beachtet werden musste, ob nun ein Stereo- oder ein Monoband auf der Maschine lag.

Der Vorteil liegt -wie Friedrich schreibt- in der gegenüber 2 mm um immerhin 30 % vergrößerten Spurbreite, was einen höheren Nutzpegel ab Band (knapp 1,5 dB), damit weniger Nachverstärkung und einen, wenn auch nicht dramatisch vergrößerten, so aber doch ein wenig verbesserten Störabstand mit sich bringt.

Nachteilig ist der Ausstieg aus den internationalen Usancen, die eben 2 mm nicht zuletzt der teuren Schmetterlingsbauart wegen vorzogen. Das wiederum betraf mit den erkauften Nachteilen aber weniger die anderen Länder, die zumeist auch noch nach NAB entzerrten (weitere Abweichung auf dem internationalen Parkett), sondern die Verhältnisse hier bei der Übernahme fremdländischer Aufzeichnungen (2+2 mm), bei denen von hiesigen Maschinen zusätzliche 1,25 mm Leerspur abgetastet wurden: Erhöhtes Rauschen, VA-Pegel stimmten (zusätzlich, denn auch der hiesige Bezugspegel weicht nebst Entzerrung von NAB ab) nicht überein.

Dass bei Schmetterlingsköpfen zusätzlich höhere Ansprüche an die Spurhöhenjustage zu stellen sind, würde ich schon nicht mehr als Nachteil werten, weil eine perfekte Spurjustage von Aufnahme- und Wiedergabekopf -namentlich im professionellen Betrieb- generell als Voraussetzung einwandfreien Betriebes gelten. Beachtet man dies bei Schmetterlingsköpfen nicht (akzeptiert also einen nicht artgerechten Betrieb der Bandmaschine), rutscht eben die Übersprechdämpfung recht zügig in den Keller.

Das ist es im Grundsätzlichen.
Bis heute wirkt die Kompatiblitätsidee bei der Wiedergabe jedes Aufzeichnungstyps (mono oder stereo) auf jeder Maschine (mono oder stereo) im ominösen Verhältnis von 320 und 514 nWb/m für die remanente Magnetisierung des Bandes bei Vollaussteuerung nach.

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von lomay - 18.02.2007, 16:20
[Kein Betreff] - von Friedrich Engel - 18.02.2007, 18:28
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 18.02.2007, 22:54
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[Kein Betreff] - von lomay - 19.02.2007, 11:15

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