23.12.2006, 22:57
Netztrafofragen sind neu hier; ich sehe mich deshalb zu einem etwas längeren Statement veranlasst:
Wenn wir die Kirche im Dorf lassen, gehören die Netztrafos von transistorisierten Bandgeräten zu den eher unproblematischen Kantonisten.
Die Geräte nehmen zwischen 60 und 100 W auf, was Primärströme (gewisse Verluste bereits berücksichtigt) von etwa 300 bis 650 mA mit sich bringt. Da haben wir dann schon Drahrdurchmesser, angesichts derer ich dem Trafo eine Verabschiedung auf dem Korrosionswege schlicht abspreche. Mit solchen Durchmessern fährt man schon (sekundärseitig) Modelleisenbahn oder lässt die Puppenstube über mehrere Etagen elektrisch leuchten.
Der Netztrafo eines Bandgerätes ist eben kein Mikrofon (1.3 ->1:30) oder -schlimmer- Lineübertrager (Zi=4xZi-Mikrofon) z. B. der Röhrenzeit, den man aufgrund der dünnen Wicklungsdrähte schon mit den bekannten weißen Handschuhen und einem konsequent säurefreien Flussmittel zu löten hatte, um hier nun tatsächlich Korrosion (durch Fingerschweiß und 'unsaubere' Flussmittel) zu vermeiden, wie ich das neulich bei mener M5 hatte. Beim Netztrafo aber kommt derlei nicht vor.
Hier gibt es stattdessen ungünstige Lackisolationen -heutiger CuL-Draht ist 'lötbar', das heißt, beim Löten verbrennt die Lackisolation und das frei werdende Kupfer nimmt das Lötzinn an, kann also gelötet werden- die sich gegen das Löten halt doch sperren. Die Lötstelle sieht ggflls. ordentlich aus, ist aber nict einmal kalt, sondern nur teilweise vorhanden, ansonsten auf die Lackisolation 'geklebt'.
Weiterhin kommen namentlich bei höher belasteten (Verstärker) und schlecht gewickelten Trafos Windungsschlüsse vor. Bei eher minderwertigen Trafos ohne ordentliche Isolation der einzelnen Lagen gegeneinander (die amerikanischen Freunde konnte da recht radikal sein) beobachtete man auch Lagenschlüsse. Liegen diese vor brennt der Trafo oftmals klassisch durch, womit Ruhe herrscht, die aber nicht ohne die oben beschreibenen Rauch- und Geruchszeichen eintritt, klar. Liegen die Windungen und Lagen schön fest, so dass die Einzelwindungen im Betrieb durch das Wechselfeld nicht aneinander geschlagen werden können, verzichtete der Erbauer nicht auf ordentliche Lagenisolation, dann hält so ein Trafo mangels bewegter Teile ewig. Manche Trafos erhielten für den Notfall Thermosicherungen innerhalb der Wicklungen, die das Ding vom Netz nehmen, sobald die Wicklungstemperatur zu hoch wird.
Dem aber beugt man im Regulärbetrieb mit eine adäquate Berechnung vor.
Nachdem das nicht schwierig ist (vgl. Klein, Netztransformatoren und Drosseln. München [Franzis] 1975. RPB 106), darf eigentlich nichts passieren.
In meinen früheren Tagen -als sich derlei noch lohnte- wickelte ich, angeleitet durch den Erzeuger, der über seine Tage hin sicher einige hundert Tafos gewickelt haben dürfte, wohl noch drei Dutzend Netztransformatoren.
Denen stieß bis auf eine Ausnahme nie etwas zu. Auch ich kann mir deshalb im vorliegenden Fall eigentlich einen Trafoschaden nicht vorstellen (klingt so nach Betriebsabwicklung Typ Deutsche Bahn; insbesondere, wenn eine Diesellok davon betroffen ist...). Einmal abgesehen davon, dass ein Netztrafo eines transistorisierten Akai-Bandgerätes (ich nehme mal Gleichstrommotoren an) relativ problemlos nachgewickelt werden kann. Wenn man die Gleichspannungen, den Aufwand bei der Stabilisierung und die Trafogröße des Originalteiles kennt, lässt sich der mit ausreichender Genauigkeit auch ohne Abwickelei nachrechnen und neu anfertigen. Wer's ganz genau nimmt, kann ihn gerne an einem ruhigen Winterabend abwickeln und die Einzelwindungen abzählen und die ermittelten Werte (Windungszahlen, Drahtdurchmesser, Anzapfungen etc. pp.) schön aufschreiben. Da kommt man aber leicht durcheinander, weshab dabei besser niemand stört, wenn der Haussegen weiterhin gerade hängen soll... Da würde man andererseits auch damit belohnt, dass man unweigerlich auf den Schaden stoßen muss, der zum Ableben des Trafos führte. Dies ist aber nur bei hochwertig gebauten Trafos möglich. Billige Typen ohne ordentlichen Wickelkörper, deren Lagen nur durch die Verklebung eines Vergusses halten, kann man nicht abwickeln. Nachdem diese 'Dinger' aber zumeist fürchterlich streuen, kamen sie in hochwertigeren Bandgeräten nicht vor, was auch für den vorliegenden Fall anzunehmen ist.
Damit sind die Voraussetzungen einer Rekonstruktion eigentlich sehr günstig. Übrigens gibt es ja allerlei Trafos ab Stange, Stabilisatoren in faktisch allen Spannungs- und Strombereichen stehen für schlimmstenfalls wenige Euronen allüberall zur Verfügung, weshalb eine Traforekonstruktion -und sei es mit Hilfe einer Trafowickelei- eher zu den überschaubaren Problemen einer Bandgerätewiederbelebung gehört.
Hans-Joachim
Wenn wir die Kirche im Dorf lassen, gehören die Netztrafos von transistorisierten Bandgeräten zu den eher unproblematischen Kantonisten.
Die Geräte nehmen zwischen 60 und 100 W auf, was Primärströme (gewisse Verluste bereits berücksichtigt) von etwa 300 bis 650 mA mit sich bringt. Da haben wir dann schon Drahrdurchmesser, angesichts derer ich dem Trafo eine Verabschiedung auf dem Korrosionswege schlicht abspreche. Mit solchen Durchmessern fährt man schon (sekundärseitig) Modelleisenbahn oder lässt die Puppenstube über mehrere Etagen elektrisch leuchten.
Der Netztrafo eines Bandgerätes ist eben kein Mikrofon (1.3 ->1:30) oder -schlimmer- Lineübertrager (Zi=4xZi-Mikrofon) z. B. der Röhrenzeit, den man aufgrund der dünnen Wicklungsdrähte schon mit den bekannten weißen Handschuhen und einem konsequent säurefreien Flussmittel zu löten hatte, um hier nun tatsächlich Korrosion (durch Fingerschweiß und 'unsaubere' Flussmittel) zu vermeiden, wie ich das neulich bei mener M5 hatte. Beim Netztrafo aber kommt derlei nicht vor.
Hier gibt es stattdessen ungünstige Lackisolationen -heutiger CuL-Draht ist 'lötbar', das heißt, beim Löten verbrennt die Lackisolation und das frei werdende Kupfer nimmt das Lötzinn an, kann also gelötet werden- die sich gegen das Löten halt doch sperren. Die Lötstelle sieht ggflls. ordentlich aus, ist aber nict einmal kalt, sondern nur teilweise vorhanden, ansonsten auf die Lackisolation 'geklebt'.
Weiterhin kommen namentlich bei höher belasteten (Verstärker) und schlecht gewickelten Trafos Windungsschlüsse vor. Bei eher minderwertigen Trafos ohne ordentliche Isolation der einzelnen Lagen gegeneinander (die amerikanischen Freunde konnte da recht radikal sein) beobachtete man auch Lagenschlüsse. Liegen diese vor brennt der Trafo oftmals klassisch durch, womit Ruhe herrscht, die aber nicht ohne die oben beschreibenen Rauch- und Geruchszeichen eintritt, klar. Liegen die Windungen und Lagen schön fest, so dass die Einzelwindungen im Betrieb durch das Wechselfeld nicht aneinander geschlagen werden können, verzichtete der Erbauer nicht auf ordentliche Lagenisolation, dann hält so ein Trafo mangels bewegter Teile ewig. Manche Trafos erhielten für den Notfall Thermosicherungen innerhalb der Wicklungen, die das Ding vom Netz nehmen, sobald die Wicklungstemperatur zu hoch wird.
Dem aber beugt man im Regulärbetrieb mit eine adäquate Berechnung vor.
Nachdem das nicht schwierig ist (vgl. Klein, Netztransformatoren und Drosseln. München [Franzis] 1975. RPB 106), darf eigentlich nichts passieren.
In meinen früheren Tagen -als sich derlei noch lohnte- wickelte ich, angeleitet durch den Erzeuger, der über seine Tage hin sicher einige hundert Tafos gewickelt haben dürfte, wohl noch drei Dutzend Netztransformatoren.
Denen stieß bis auf eine Ausnahme nie etwas zu. Auch ich kann mir deshalb im vorliegenden Fall eigentlich einen Trafoschaden nicht vorstellen (klingt so nach Betriebsabwicklung Typ Deutsche Bahn; insbesondere, wenn eine Diesellok davon betroffen ist...). Einmal abgesehen davon, dass ein Netztrafo eines transistorisierten Akai-Bandgerätes (ich nehme mal Gleichstrommotoren an) relativ problemlos nachgewickelt werden kann. Wenn man die Gleichspannungen, den Aufwand bei der Stabilisierung und die Trafogröße des Originalteiles kennt, lässt sich der mit ausreichender Genauigkeit auch ohne Abwickelei nachrechnen und neu anfertigen. Wer's ganz genau nimmt, kann ihn gerne an einem ruhigen Winterabend abwickeln und die Einzelwindungen abzählen und die ermittelten Werte (Windungszahlen, Drahtdurchmesser, Anzapfungen etc. pp.) schön aufschreiben. Da kommt man aber leicht durcheinander, weshab dabei besser niemand stört, wenn der Haussegen weiterhin gerade hängen soll... Da würde man andererseits auch damit belohnt, dass man unweigerlich auf den Schaden stoßen muss, der zum Ableben des Trafos führte. Dies ist aber nur bei hochwertig gebauten Trafos möglich. Billige Typen ohne ordentlichen Wickelkörper, deren Lagen nur durch die Verklebung eines Vergusses halten, kann man nicht abwickeln. Nachdem diese 'Dinger' aber zumeist fürchterlich streuen, kamen sie in hochwertigeren Bandgeräten nicht vor, was auch für den vorliegenden Fall anzunehmen ist.
Damit sind die Voraussetzungen einer Rekonstruktion eigentlich sehr günstig. Übrigens gibt es ja allerlei Trafos ab Stange, Stabilisatoren in faktisch allen Spannungs- und Strombereichen stehen für schlimmstenfalls wenige Euronen allüberall zur Verfügung, weshalb eine Traforekonstruktion -und sei es mit Hilfe einer Trafowickelei- eher zu den überschaubaren Problemen einer Bandgerätewiederbelebung gehört.
Hans-Joachim
