16.12.2006, 18:51
Lieber Rainer,
der Nachweis der Aufzeichnungspegel hängt -wie ja sattsam dargelegt- stark von den Messverfahren und den Signalen ab, denn dem mittleren Pegelwert sind ja erhebliche Spitzen überlagert, die einen deutlich höheren Wert annehmen können und so lange andauern, dass das Ohr Mängel wahrnehmen kann, wenn diese Spitzen zu weit (und zu lange) in die Sättigungszonen des Bandes hineinreichen.
Jene Spitzen zu erfassen, kostet aber Geld, was insbesondere seit der Transistorzeit ungern aufgebracht wurde. Ein magisches Band oder ein magischer Fächer waren dagegen -an sich- trägheitslos. Erst mit dem Aufkommen der LED wandelte sich die Sicht auf das Aussteuerungsmesswerk wieder.
Man half sich bei Zeigerinstrumenten mit der Krücke des Leads, also des Vorlaufes, den man einem VU-Meter spendierte. Dieser ist abhängig von der Konstruktion des Messinstrumentes und seiner dynamischen Massen bzw. der ballistischen Eigenschaften derselben und konnte -nicht genormt- zwischen sowas 5 und 10 dB liegen.
Oben erschloss ich, dass TEAC wohl mit 5 dB Vorlauf arbeitete (G36 hatte 7, A77 6 dB), d.h. bei statischem Sinuston 1 kHz (oben waren es 0,4 kHz, ich weiß) erreicht das VU-Meter die VA-Pegelposition 5 (bzw. 7, bzw. 6 dB) eher als die definierte VA-Remanenz erreicht ist. Man kam mit diesem 'Lead' hin. Eine Messintegrationszeit von 5-15 ms wäre aber auch für den Amateur vielleicht doch dienlicher gewesen. Vereinzelt kommen daher -du hast diese Dinge hierzuforen sicher mitverfolgt- auch in dieser Sache interessante Beobachtungen an existierendem Gerät an die Oberfläche. Entwertet wurden die lobenswerten Bemühungen einzelner Hersteller in dieser Richtung aber dadurch, dass sie, selbst wenn sie wirklche Spitzenspannungsmesser einbauten, keine Worte darüber verloren, was da im Bandgerät was wie anzeigt, was dann ja auch nix ist.
Verstehen kann ich die Herrschaften dann aber andererseits auch wieder, denn allein in der Frage richtiger/angemessener Aussteuerung müsste dann schon wieder in eine mittlere Doktorarbeit innerhalb der Bedienugnsanleitung münden, die keiner liest, und vermutlich noch weniger kapieren. Namentlich dann, wenn man sowieso vorweg überwachte Dynamiken aufs Band nagelte. Und das war ja der Regelfall.
Zu deiner direkten Frage:
Ich gehe mal von 6 dB Lead aus, weil der mathematisch im Kopf besser zu berechnen ist. Das würde gemäß obiger Bedingungen (400 Hz, 185 nWb/m statischen Sinussignals werden geräteintern auf eine Anzeige von 0 VU abgeglichen) bedeuten, dass bei üblicher, bis 0 VU ausgesteuerter Musikmodulation (die den gängigen Amplitudenstatistiken bei durchschnittlichen Impulsanteilen folgt) bis etwa 6 dB über 185, also 370 nWb/m ausgesteuert wurde. In der Regel geht man aber darüber hinaus.
Oben merkte ich an, dass ein LPR35, das nicht das absolute Ende der Fahnenstange, aber einen sinnvollen Abschluss der Amateurbandgeschichte markiert, bei 9,5 cm/s und 790 nWb/m einen Klirrfaktor von 3 % erreicht. Das sind bei Musikmodulation gut 6 dB über einem spitzenspannungsmäßig gemessenen VA-Pegel von 370 nWb/m. Wenn also 0 VU statisch bei 185 nWb/m (400 Hz) eingestellt wurde, die Maschine gut eingemessen ist, könnte man sich bei Musikmodulation vorsichtig an +6VU berantasten, sofern man 3% Klirrfaktor zulassen will. Dafür ist aber über Band genau hinzuhören, ob derlei noch vertreten werden kann.
'Nachrichtlich':
Eine 9,5-er A77 erreicht diesen Klirrfaktor schon bei +3VU (Musiksignal), weil sie in der Regel auf 514 nWb/m steht (entsprechend 257 nWb/m bei 0VU statischen Tons; zwischen 185 nWb/m und 257 nWb/m liegen knapp 3 dB).
Die Pegel drumherum (also am Ein- und Ausgang des Bandgerätes) kann man nach Bedürfnissen und technischen Notwendigkeiten weitgehend frei wählen, solange sichergestellt ist, dass nicht die Elektroniken eher übersteuert werden als das Band, wozu es gerade bei niedrigen Bandgeschwindigkeiten schon im nichtlinearen, mit den Köpfen fest verkabelten Teil der Elektronik sehr viel schneller kommen kann, als einem das lieb ist. Man muss sich dafür vorstellen können, was wann wo wie innerhalb der Elektronik passiert. Ich fürchte jedoch, dass das schon arg weit geht, aber zeigt, warum professionelle Aufnahmen in der Regel besser sind als solche eines Amateurs: Der Profi sitzt drin. In den technischen Daten unterscheiden sich Amateurgeräte bekanntlich von professionellem Gerät (wenn eine bestimmte Klasse erreicht ist) fast nicht mehr. Es ist die Langzeitstabilität, die den Amateurgeräten abgeht. Dort, wo das Amateurbandgerät zumeist deutlich schlechter ist (Brummunterdrückung), wird das sichtlich selbst vom engagierten Amateur nicht wahrgenommen, wie mir die eigene Erfahrung sagt.
Nachdem bei Amateurs zusätzlich auch die Wiedergabeanlagen bei der Verdauung angebotener Pegel ein eigenes (und nicht genormtes) Wörtchen mitsprechen, muss man sich überlegen, was man bei etwaigen Pegelveränderungen an den Grenzen zur Peripherie tut.
Hans-Joachim
der Nachweis der Aufzeichnungspegel hängt -wie ja sattsam dargelegt- stark von den Messverfahren und den Signalen ab, denn dem mittleren Pegelwert sind ja erhebliche Spitzen überlagert, die einen deutlich höheren Wert annehmen können und so lange andauern, dass das Ohr Mängel wahrnehmen kann, wenn diese Spitzen zu weit (und zu lange) in die Sättigungszonen des Bandes hineinreichen.
Jene Spitzen zu erfassen, kostet aber Geld, was insbesondere seit der Transistorzeit ungern aufgebracht wurde. Ein magisches Band oder ein magischer Fächer waren dagegen -an sich- trägheitslos. Erst mit dem Aufkommen der LED wandelte sich die Sicht auf das Aussteuerungsmesswerk wieder.
Man half sich bei Zeigerinstrumenten mit der Krücke des Leads, also des Vorlaufes, den man einem VU-Meter spendierte. Dieser ist abhängig von der Konstruktion des Messinstrumentes und seiner dynamischen Massen bzw. der ballistischen Eigenschaften derselben und konnte -nicht genormt- zwischen sowas 5 und 10 dB liegen.
Oben erschloss ich, dass TEAC wohl mit 5 dB Vorlauf arbeitete (G36 hatte 7, A77 6 dB), d.h. bei statischem Sinuston 1 kHz (oben waren es 0,4 kHz, ich weiß) erreicht das VU-Meter die VA-Pegelposition 5 (bzw. 7, bzw. 6 dB) eher als die definierte VA-Remanenz erreicht ist. Man kam mit diesem 'Lead' hin. Eine Messintegrationszeit von 5-15 ms wäre aber auch für den Amateur vielleicht doch dienlicher gewesen. Vereinzelt kommen daher -du hast diese Dinge hierzuforen sicher mitverfolgt- auch in dieser Sache interessante Beobachtungen an existierendem Gerät an die Oberfläche. Entwertet wurden die lobenswerten Bemühungen einzelner Hersteller in dieser Richtung aber dadurch, dass sie, selbst wenn sie wirklche Spitzenspannungsmesser einbauten, keine Worte darüber verloren, was da im Bandgerät was wie anzeigt, was dann ja auch nix ist.
Verstehen kann ich die Herrschaften dann aber andererseits auch wieder, denn allein in der Frage richtiger/angemessener Aussteuerung müsste dann schon wieder in eine mittlere Doktorarbeit innerhalb der Bedienugnsanleitung münden, die keiner liest, und vermutlich noch weniger kapieren. Namentlich dann, wenn man sowieso vorweg überwachte Dynamiken aufs Band nagelte. Und das war ja der Regelfall.
Zu deiner direkten Frage:
Ich gehe mal von 6 dB Lead aus, weil der mathematisch im Kopf besser zu berechnen ist. Das würde gemäß obiger Bedingungen (400 Hz, 185 nWb/m statischen Sinussignals werden geräteintern auf eine Anzeige von 0 VU abgeglichen) bedeuten, dass bei üblicher, bis 0 VU ausgesteuerter Musikmodulation (die den gängigen Amplitudenstatistiken bei durchschnittlichen Impulsanteilen folgt) bis etwa 6 dB über 185, also 370 nWb/m ausgesteuert wurde. In der Regel geht man aber darüber hinaus.
Oben merkte ich an, dass ein LPR35, das nicht das absolute Ende der Fahnenstange, aber einen sinnvollen Abschluss der Amateurbandgeschichte markiert, bei 9,5 cm/s und 790 nWb/m einen Klirrfaktor von 3 % erreicht. Das sind bei Musikmodulation gut 6 dB über einem spitzenspannungsmäßig gemessenen VA-Pegel von 370 nWb/m. Wenn also 0 VU statisch bei 185 nWb/m (400 Hz) eingestellt wurde, die Maschine gut eingemessen ist, könnte man sich bei Musikmodulation vorsichtig an +6VU berantasten, sofern man 3% Klirrfaktor zulassen will. Dafür ist aber über Band genau hinzuhören, ob derlei noch vertreten werden kann.
'Nachrichtlich':
Eine 9,5-er A77 erreicht diesen Klirrfaktor schon bei +3VU (Musiksignal), weil sie in der Regel auf 514 nWb/m steht (entsprechend 257 nWb/m bei 0VU statischen Tons; zwischen 185 nWb/m und 257 nWb/m liegen knapp 3 dB).
Die Pegel drumherum (also am Ein- und Ausgang des Bandgerätes) kann man nach Bedürfnissen und technischen Notwendigkeiten weitgehend frei wählen, solange sichergestellt ist, dass nicht die Elektroniken eher übersteuert werden als das Band, wozu es gerade bei niedrigen Bandgeschwindigkeiten schon im nichtlinearen, mit den Köpfen fest verkabelten Teil der Elektronik sehr viel schneller kommen kann, als einem das lieb ist. Man muss sich dafür vorstellen können, was wann wo wie innerhalb der Elektronik passiert. Ich fürchte jedoch, dass das schon arg weit geht, aber zeigt, warum professionelle Aufnahmen in der Regel besser sind als solche eines Amateurs: Der Profi sitzt drin. In den technischen Daten unterscheiden sich Amateurgeräte bekanntlich von professionellem Gerät (wenn eine bestimmte Klasse erreicht ist) fast nicht mehr. Es ist die Langzeitstabilität, die den Amateurgeräten abgeht. Dort, wo das Amateurbandgerät zumeist deutlich schlechter ist (Brummunterdrückung), wird das sichtlich selbst vom engagierten Amateur nicht wahrgenommen, wie mir die eigene Erfahrung sagt.
Nachdem bei Amateurs zusätzlich auch die Wiedergabeanlagen bei der Verdauung angebotener Pegel ein eigenes (und nicht genormtes) Wörtchen mitsprechen, muss man sich überlegen, was man bei etwaigen Pegelveränderungen an den Grenzen zur Peripherie tut.
Hans-Joachim
