20.07.2006, 23:08
Lieber Tobi,
in der Magnetbandtechnik wusste man schon vor gut 60 Jahren, wo man sinnvollerweise langzustapfen hatte. Leider war die Tonaufnahme auf Magnetband damals noch durchwegs sündhaft teuer und auch an derart überdurchschnittliche Fachkenntnisse gebunden, dass an eine F36 in Liebhaberhand nicht zu denken war. Dafür herrschte damals kraft der -keineswegs abwegigen- Sichten der Reichsrundfunkgesellschaft eine Begrenzung auf eine Bandbreite von 10 kHz vor, die im übrigen tadellos für sehr gute Aufnahmen hinreicht. Höre dir die wenigen erhaltenen Stereos von 1943/44 an und sage mir, ob man derlei als 'schlecht' zu apostrophieren hätte. Die Beschränkung auf 10 kHz (bitte bei 77 cm/s) wurde erst mit der AEG T9 (ca. 1952) sukzessive aufgegeben und durch 15 kHz ersetzt. Studer konnte mit der A27 übrigens schon 1952 (auf Scotch 111) an die 20 kHz....
Schluss der historischen Vorlesung.
Die Schaltung der F36 gäbe es bei mir. Sie entspricht zwar im Wesentlichen der G36 (jetzt weiß man wenigstens, wo die herkömmt, wenn man es nicht schon vorher gewusst hätte...), dennoch ist ja gerade der Aussteuerungsmesser mit EMM801 nicht uninteressant. Die F36 hat zwar nicht diesen tricky Tonmotor der G36 (Anlauf als Asynchronmaschine, bei Erreichen der Solldrehzahl Übergang in den Synchronbetrieb), doch behindert uns die Motorschaltung ja nicht bei der Betrachtung der nf-elektronischen Fragen. Der etwas gravierendere Frequenzgangunterschied bei 9,5 (12 kHz) und 19 (15 kHz) rührt daher, dass die Hf-Vormagnetisierung aufgrund nur eines Potisatzes auch nur für eine Bandgeschwindigkeit optimal eingestellt werden kann. Ein Höhenequalizing ist bis zur G36MKII grundsätzlich nicht vorgesehen.
Du müsstest dir auf jeden Fall den Besitzer eines Bezugsbandes 9,5 und 19 ins Boot holen und den Wiedergabezug deiner Maschine durchsehen. Die alten Revoxköpfe glänzten nicht durch besondere Standfestigkeit, weshalb hier etwas sein könnte. Das bekommst du aber erst in den Griff, wenn du weißt, wie der Wiedergabezweig deiner F36 beieinander ist. Dafür ist unbedingt die Position der Köpfe zu überprüfen, was nicht ganz ohne ist. Gerade die sehr alten Revöxe scheinen einen besondere Anziehungskraft auf so ambitionierte wie unkundige Heimwerker ausgeübt zu haben, deren Horror vor losen Schrauben ja institutsbekannt ist. Auch die korrekte Spaltsenkrechtstellung sollte anhand des genannten Bezugsbandes überprüft werden. Ich fürchte, dass du hier im Wiedergabekopfbereich fündig werden wirst. An eine Schadensursache, die im Bereich der wenigen Elkos liegt, glaube ich nach Erfahrungen mit G36 (immer bei mir) und F36 (ich habe seit einiger Zeit auch eine solche) nicht.
Sollte der Wiedergabezweig (Köpfe zuvor ordentlich und artgerecht entmagnetisieren!) bei der Wiedergabe einwandfrei sein, müsste die Vormagetisierung ordentlich auf das Band eingestellt werden, das du verwenden möchtest. Sofern die Köpfe noch in Ordnung sind, wäre die Maschine dann wieder betriebsfähig. Wenn etwas in einer G oder F36 brutzelt, so sind dies meist die intern oxidierten Potis, denen man mit KontaktChemie oder Ballistol aufs Fahrrad helfen kann, wozu aber viele Reparateure (vgl. den Thread hier) auf ihre ganz individuellen Hausmittel schwören. Achsiale Wickelkondensatoren der 36-Serie leiden durchwegs an der geknackten Lackierung, was aber keineswegs ihr bereits erreichtes Lebensende bedeuten muss. Die Röhren jedoch sollte man nach fast 50 Jahren vielleicht doch einmal auf ein Röhrenprüfgerät stecken und schauen, was sie sagen, zumal Studer keine EF 804S, sondern Standardröhren (ECC83, ECC81, ECC82) verbaut hat, denen aber professionelle Sommerlichkeit (im Elektronikchassis) zugemutet wird.
Last, but not least:
Der Frequenzgang eines Bandgerätes (und die F36 mit ihren noch nicht ausgefuchsten Ver- und Entzerrungsfrequenzgängen erst recht -da passierte nämlich zur Zeit der G36 etwas- ) darf keinesfalls mit Vollpegel, sondern vor allem bei 9,5 cm/s nur mit -20 ja -26 dB gemessen werden! Andernfalls übersteuerst du die Aufnahmeverstärker und bestimmst die Verstärkersättigungsgrenze über der Frequenzachse, nicht aber den Frequenzgang deines Bandgerätes.
Hans-Joachim
in der Magnetbandtechnik wusste man schon vor gut 60 Jahren, wo man sinnvollerweise langzustapfen hatte. Leider war die Tonaufnahme auf Magnetband damals noch durchwegs sündhaft teuer und auch an derart überdurchschnittliche Fachkenntnisse gebunden, dass an eine F36 in Liebhaberhand nicht zu denken war. Dafür herrschte damals kraft der -keineswegs abwegigen- Sichten der Reichsrundfunkgesellschaft eine Begrenzung auf eine Bandbreite von 10 kHz vor, die im übrigen tadellos für sehr gute Aufnahmen hinreicht. Höre dir die wenigen erhaltenen Stereos von 1943/44 an und sage mir, ob man derlei als 'schlecht' zu apostrophieren hätte. Die Beschränkung auf 10 kHz (bitte bei 77 cm/s) wurde erst mit der AEG T9 (ca. 1952) sukzessive aufgegeben und durch 15 kHz ersetzt. Studer konnte mit der A27 übrigens schon 1952 (auf Scotch 111) an die 20 kHz....
Schluss der historischen Vorlesung.
Die Schaltung der F36 gäbe es bei mir. Sie entspricht zwar im Wesentlichen der G36 (jetzt weiß man wenigstens, wo die herkömmt, wenn man es nicht schon vorher gewusst hätte...), dennoch ist ja gerade der Aussteuerungsmesser mit EMM801 nicht uninteressant. Die F36 hat zwar nicht diesen tricky Tonmotor der G36 (Anlauf als Asynchronmaschine, bei Erreichen der Solldrehzahl Übergang in den Synchronbetrieb), doch behindert uns die Motorschaltung ja nicht bei der Betrachtung der nf-elektronischen Fragen. Der etwas gravierendere Frequenzgangunterschied bei 9,5 (12 kHz) und 19 (15 kHz) rührt daher, dass die Hf-Vormagnetisierung aufgrund nur eines Potisatzes auch nur für eine Bandgeschwindigkeit optimal eingestellt werden kann. Ein Höhenequalizing ist bis zur G36MKII grundsätzlich nicht vorgesehen.
Du müsstest dir auf jeden Fall den Besitzer eines Bezugsbandes 9,5 und 19 ins Boot holen und den Wiedergabezug deiner Maschine durchsehen. Die alten Revoxköpfe glänzten nicht durch besondere Standfestigkeit, weshalb hier etwas sein könnte. Das bekommst du aber erst in den Griff, wenn du weißt, wie der Wiedergabezweig deiner F36 beieinander ist. Dafür ist unbedingt die Position der Köpfe zu überprüfen, was nicht ganz ohne ist. Gerade die sehr alten Revöxe scheinen einen besondere Anziehungskraft auf so ambitionierte wie unkundige Heimwerker ausgeübt zu haben, deren Horror vor losen Schrauben ja institutsbekannt ist. Auch die korrekte Spaltsenkrechtstellung sollte anhand des genannten Bezugsbandes überprüft werden. Ich fürchte, dass du hier im Wiedergabekopfbereich fündig werden wirst. An eine Schadensursache, die im Bereich der wenigen Elkos liegt, glaube ich nach Erfahrungen mit G36 (immer bei mir) und F36 (ich habe seit einiger Zeit auch eine solche) nicht.
Sollte der Wiedergabezweig (Köpfe zuvor ordentlich und artgerecht entmagnetisieren!) bei der Wiedergabe einwandfrei sein, müsste die Vormagetisierung ordentlich auf das Band eingestellt werden, das du verwenden möchtest. Sofern die Köpfe noch in Ordnung sind, wäre die Maschine dann wieder betriebsfähig. Wenn etwas in einer G oder F36 brutzelt, so sind dies meist die intern oxidierten Potis, denen man mit KontaktChemie oder Ballistol aufs Fahrrad helfen kann, wozu aber viele Reparateure (vgl. den Thread hier) auf ihre ganz individuellen Hausmittel schwören. Achsiale Wickelkondensatoren der 36-Serie leiden durchwegs an der geknackten Lackierung, was aber keineswegs ihr bereits erreichtes Lebensende bedeuten muss. Die Röhren jedoch sollte man nach fast 50 Jahren vielleicht doch einmal auf ein Röhrenprüfgerät stecken und schauen, was sie sagen, zumal Studer keine EF 804S, sondern Standardröhren (ECC83, ECC81, ECC82) verbaut hat, denen aber professionelle Sommerlichkeit (im Elektronikchassis) zugemutet wird.
Last, but not least:
Der Frequenzgang eines Bandgerätes (und die F36 mit ihren noch nicht ausgefuchsten Ver- und Entzerrungsfrequenzgängen erst recht -da passierte nämlich zur Zeit der G36 etwas- ) darf keinesfalls mit Vollpegel, sondern vor allem bei 9,5 cm/s nur mit -20 ja -26 dB gemessen werden! Andernfalls übersteuerst du die Aufnahmeverstärker und bestimmst die Verstärkersättigungsgrenze über der Frequenzachse, nicht aber den Frequenzgang deines Bandgerätes.
Hans-Joachim
