07.06.2006, 12:02
Lieber Jörg721,
liebe Mitleser,
Jörg wird es mir sicher verzeihen, wenn ich an seiner Aussage entlang vorgehend, die einschlägigen Vorhaltungen einmal ein wenig auseinandernehme:
Alles muss bei technischem Gerät auf den Prüfstand:
Was ist mit der Aussage gesagt, was impliziert das an Ungesagtem, wo liegen Ursachen für solcherart technologische Beobachtungen etc. pp. Sind die nicht auszumachen, sind die Aussagen weniger als nichts wert, weil man sich "nichts herunterschneiden kann". Ein Problem, das mir zu vermeiden versagt ist, kann ich nicht vermeiden. Also brauche ich eigentlich auch nicht darüber zu reden.
Diese Ebene sehe ich bei den 'schlecht klingenden' oder 'unmusikalischen' Filtern erreicht, da es auf der analogen Ebene nur recht wenige Schaltungskonzepte gibt, die dann von den Herstellern durch die Bank identisch (!) angewendet werden. Nachdem solche Konzepte heute auschließlich mit Operationsverstärkern durchwegs identischer Herkunft auf der Ebene des Line-Pegels realisiert werden, spielen deren Restrauschen und Frequenzgangverhalten keine Rolle, was man bei diskret aufgebauten transistorisierten (oder solchen mit Röhren, auch so ein Kapitel) Schaltungen nicht unbedingt sagen konnte.
Was indes eine Rolle spielt, ist die Frequenzbandaufteilung der Filter und dabei insbesondere die festgelegte Kreisgüte eines etwa vorhandenen Mittenfilters, sofern die Güte (der Q-Wert) nicht einstellbar gemacht wurde. Das hat nicht unerhebliche Einflüsse auf die Verwendbarkeit solcher Filter für eine jeweils moderne Musikrichtung. Die Filtertypen aber sind von Hersteller zu Hersteller identisch, was bedeutet, dass sich bei Behringer und Studer 169 oder 961 jene FIlter nur durch die Sicht der jeweiligen Konstrukteure unterscheiden und nicht in der prinzipiellen Qualität, sieht man von Streuungen von Kanal zu Kanal ab, die aber auch beim 169 (bzw. 269 in meinem Falle) respektable Größenordnungen erreichen konnten/können. Am Klang des 169 (oder seines Nachfolgers 961) hat aber noch niemand gezweifelt.
Außerdem:
Nicht Filter oder Verstärker machen Musik, sondern Musiker. Es wäre in meinen Augen vermessen, einer Maschine, einem Schaltungsarray musikalische Kompetenzen zuzubilligen.
Jörgs Ausgae oben zu meinem Mikrofonierungsbeispiel führt aber folgerichtig zu einem erheblichen Problem der Popularmusik, die für ihre Einzelbestandteile das Phänomen des natürlich Raumes weitgehend nicht kennt, sondern dessen -über vom Ohr über jahrtausendelange Traditionen- 'entwickelten' Einfluss künstlich zuschießen muss (und will). Dabei treten Probleme in der Wechselwirkung von musikalischem Satz, Instrumentierung, musikalischem Tun und musikalischem Gesamtergebnis auf, die elektronisch 'repariert' werden müssen, dem Klassikmann aber durch den Umgang mit dem Raum, in dem in der Regel alle Musiker gemeinsam agieren, frei Wandler/Speicher/Haus geliefert werden. Der Pop-Musikante steht alo vor dem Problem, wie er sein Opus aus Einzelstimmen adäquat so zusammenfließen lässt, dass es 'tut'.
Martin Fouqué sagte mir einmal vor vielen Jahren, man solle das Hauptmikrofon bitte nicht zu gering achten, denn das, was dieses Mikrofon aus dem Raum mitnähme, bekäme man in der Mischung einzelner Mikrofone nie in derselben Weise hin.
Auch wenn er sich nicht dezidiert darauf bezog, spricht er damit eines der wirklich großen Schwierigkeiten der Abmischung von sog. Popularmusik an, die eben kein Hauptmikrofon und keinen eindeutigen Raumeinfluss vom Schlage 'akustogenetischer (vs. elektrogenetischer) Musik kennt.
Da können dann tatsächlich ein technisch unzulängliches Mikrofon, ein minderwertiger (!) Verstärker, die Probleme des Magnetbandverfahrens, Übersteuerungen, zweifelhafte Effekte von einer Maschine soweit helfen, dass etwas zusammengeht, was vielleicht gar nicht zusammenwollte.
Beim Klassikmann haben dafür Komponist (die Werke liegen fest), Raum, Dirigent, erfahrenste Musiker, hochgradig fixierte Aufführungstraditionen und am Schluss ein Tonmeisterle gesorgt, ehe der Hörer entlang -überschaubarer- Hörgewohntheiten mit dem "Produkt" konfrontiert wird.
Die bezüglich der 'Pop-Art' oben angesprochenen Probleme sind damit aber eigentlich bereits soweit minimiert, dass man sie in den Griff bekommt, (auch seitens des Konsumenten) im Griff hat, wenn man alle Teilparameter einer solchen Aufnahme berücksichtigt.
Handwerkliche Stabilität war zumindest für geraume Zeit ein wesentliches Problem, ebenso die Gewährleistung einer minimalen Exemplarstreuung, die heute noch bei Mikrofonen gefordert werden muss (Lautsprecher sind insgesamt und prinzipiell zu mäßig, um hier auch gleichwertig genannt zu werden). Der ganze Rechnerkrempel muss hartwarenseitig sowieso "zertifiert" nach den Prinzipien der Gaussschen Normalverteilung (Gruß nach Göttingen) gefertigt werden, weil sonst in dieser hyperkomplexen Technik nichts funktionieren würde.
Im Auge muss bleiben, dass innerhalb der analogen Technik Gewinne an einer bestimmten Stelle, die durch Verluste an einer anderen Stelle maskiert werden, für die Katz' sind, einmal abgesehen davon, dass die Physik recht eindeutig sagt, wo die Grenzen von Fremdspannungsabständen prinzipiell verlaufen. Ob die Rauschzahl nun zwei, vier oder sechs dB beträgt, ist solange zweitrangig, als ich Mikrofone einsetze, die eine Nachverstärkung erfordern, die das thermische Widerstandsrauschen in den Bereich des Hörbaren holen müssen. Auf der Lineebene stellt sich das angesprochene Verstärkerproblem dann ja ohnehin nicht.
Hans-Joachim
liebe Mitleser,
Jörg wird es mir sicher verzeihen, wenn ich an seiner Aussage entlang vorgehend, die einschlägigen Vorhaltungen einmal ein wenig auseinandernehme:
Zitat:joerg721 posteteGrundsätzöich gehe ich -auch und gerade im pschologisierenden Rahmen der frühen zitierten Sätze, weil auch ich gerade dort die dramatischsten Handicaps ausmache- weitgehend einig mit dem voranstehenden Äußerungen. Ich bin aber mit all jenem vorsichtig, was einem 'gesagt wurde', was man 'gehört hat', was aus 'Buschfunk' und '19"-Gespräch' herauszudestillieren ist.
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Besonders unangenehm wird das dann, wenn die Benutzer von Billigkram Kritik an ihrer technischen Ausstattung als Kritik an ihrer Musik oder gar ihrer Person auffassen.
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Es ist fast unmöglich, allgemeine Aussagen zu treffen. Inwiefern man dem Endergebnis die Verwendung billigen Equpments anhört, hängt von zu vielen Faktoren ab.
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und die sollen - so hörte ich - so grottenschlecht gewesen sein, dass sich ihr Einsatz auch im simpelsten Heimstudio verboten hat. Behringer kann man aber i.d.R. durchaus verwenden, auch wenn es von Firmen wie Yamaha oder Alesis meistens Alternativen gibt, die nur wenig teurer, aber besser sind.
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Bei meinem Behringer Mischpult klingen z.B. die EQs so übel, dass ich sie nie benutze. Ich brauche sie allerdings dort auch nicht, für sensible Sachen habe ich ein anderes Pult.
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Alles muss bei technischem Gerät auf den Prüfstand:
Was ist mit der Aussage gesagt, was impliziert das an Ungesagtem, wo liegen Ursachen für solcherart technologische Beobachtungen etc. pp. Sind die nicht auszumachen, sind die Aussagen weniger als nichts wert, weil man sich "nichts herunterschneiden kann". Ein Problem, das mir zu vermeiden versagt ist, kann ich nicht vermeiden. Also brauche ich eigentlich auch nicht darüber zu reden.
Diese Ebene sehe ich bei den 'schlecht klingenden' oder 'unmusikalischen' Filtern erreicht, da es auf der analogen Ebene nur recht wenige Schaltungskonzepte gibt, die dann von den Herstellern durch die Bank identisch (!) angewendet werden. Nachdem solche Konzepte heute auschließlich mit Operationsverstärkern durchwegs identischer Herkunft auf der Ebene des Line-Pegels realisiert werden, spielen deren Restrauschen und Frequenzgangverhalten keine Rolle, was man bei diskret aufgebauten transistorisierten (oder solchen mit Röhren, auch so ein Kapitel) Schaltungen nicht unbedingt sagen konnte.
Was indes eine Rolle spielt, ist die Frequenzbandaufteilung der Filter und dabei insbesondere die festgelegte Kreisgüte eines etwa vorhandenen Mittenfilters, sofern die Güte (der Q-Wert) nicht einstellbar gemacht wurde. Das hat nicht unerhebliche Einflüsse auf die Verwendbarkeit solcher Filter für eine jeweils moderne Musikrichtung. Die Filtertypen aber sind von Hersteller zu Hersteller identisch, was bedeutet, dass sich bei Behringer und Studer 169 oder 961 jene FIlter nur durch die Sicht der jeweiligen Konstrukteure unterscheiden und nicht in der prinzipiellen Qualität, sieht man von Streuungen von Kanal zu Kanal ab, die aber auch beim 169 (bzw. 269 in meinem Falle) respektable Größenordnungen erreichen konnten/können. Am Klang des 169 (oder seines Nachfolgers 961) hat aber noch niemand gezweifelt.
Außerdem:
Nicht Filter oder Verstärker machen Musik, sondern Musiker. Es wäre in meinen Augen vermessen, einer Maschine, einem Schaltungsarray musikalische Kompetenzen zuzubilligen.
Jörgs Ausgae oben zu meinem Mikrofonierungsbeispiel führt aber folgerichtig zu einem erheblichen Problem der Popularmusik, die für ihre Einzelbestandteile das Phänomen des natürlich Raumes weitgehend nicht kennt, sondern dessen -über vom Ohr über jahrtausendelange Traditionen- 'entwickelten' Einfluss künstlich zuschießen muss (und will). Dabei treten Probleme in der Wechselwirkung von musikalischem Satz, Instrumentierung, musikalischem Tun und musikalischem Gesamtergebnis auf, die elektronisch 'repariert' werden müssen, dem Klassikmann aber durch den Umgang mit dem Raum, in dem in der Regel alle Musiker gemeinsam agieren, frei Wandler/Speicher/Haus geliefert werden. Der Pop-Musikante steht alo vor dem Problem, wie er sein Opus aus Einzelstimmen adäquat so zusammenfließen lässt, dass es 'tut'.
Martin Fouqué sagte mir einmal vor vielen Jahren, man solle das Hauptmikrofon bitte nicht zu gering achten, denn das, was dieses Mikrofon aus dem Raum mitnähme, bekäme man in der Mischung einzelner Mikrofone nie in derselben Weise hin.
Auch wenn er sich nicht dezidiert darauf bezog, spricht er damit eines der wirklich großen Schwierigkeiten der Abmischung von sog. Popularmusik an, die eben kein Hauptmikrofon und keinen eindeutigen Raumeinfluss vom Schlage 'akustogenetischer (vs. elektrogenetischer) Musik kennt.
Da können dann tatsächlich ein technisch unzulängliches Mikrofon, ein minderwertiger (!) Verstärker, die Probleme des Magnetbandverfahrens, Übersteuerungen, zweifelhafte Effekte von einer Maschine soweit helfen, dass etwas zusammengeht, was vielleicht gar nicht zusammenwollte.
Beim Klassikmann haben dafür Komponist (die Werke liegen fest), Raum, Dirigent, erfahrenste Musiker, hochgradig fixierte Aufführungstraditionen und am Schluss ein Tonmeisterle gesorgt, ehe der Hörer entlang -überschaubarer- Hörgewohntheiten mit dem "Produkt" konfrontiert wird.
Die bezüglich der 'Pop-Art' oben angesprochenen Probleme sind damit aber eigentlich bereits soweit minimiert, dass man sie in den Griff bekommt, (auch seitens des Konsumenten) im Griff hat, wenn man alle Teilparameter einer solchen Aufnahme berücksichtigt.
Handwerkliche Stabilität war zumindest für geraume Zeit ein wesentliches Problem, ebenso die Gewährleistung einer minimalen Exemplarstreuung, die heute noch bei Mikrofonen gefordert werden muss (Lautsprecher sind insgesamt und prinzipiell zu mäßig, um hier auch gleichwertig genannt zu werden). Der ganze Rechnerkrempel muss hartwarenseitig sowieso "zertifiert" nach den Prinzipien der Gaussschen Normalverteilung (Gruß nach Göttingen) gefertigt werden, weil sonst in dieser hyperkomplexen Technik nichts funktionieren würde.
Im Auge muss bleiben, dass innerhalb der analogen Technik Gewinne an einer bestimmten Stelle, die durch Verluste an einer anderen Stelle maskiert werden, für die Katz' sind, einmal abgesehen davon, dass die Physik recht eindeutig sagt, wo die Grenzen von Fremdspannungsabständen prinzipiell verlaufen. Ob die Rauschzahl nun zwei, vier oder sechs dB beträgt, ist solange zweitrangig, als ich Mikrofone einsetze, die eine Nachverstärkung erfordern, die das thermische Widerstandsrauschen in den Bereich des Hörbaren holen müssen. Auf der Lineebene stellt sich das angesprochene Verstärkerproblem dann ja ohnehin nicht.
Hans-Joachim

