02.06.2006, 09:28
Zitat:Gunther posteteTja,lieber Gunther,
...wie sich die Zeiten bei Euch doch ändern...
als altgedientes Mitglied der Tonszene kennst du ja die Gültigkeit des Spruches: "Sage mir, womit du hörst, und ich sage dir, welches Glaubensbekenntnis du sprichst..."
Das gilt hier im Angesichte des Glaubenbekenntnisses "Datrenreduktion ja oder nein" natürlich in besonderer Weise, für die objektivierbare Kriterien nur peripher zählen. Ich nehme mich -immer Parteigänger/Verteidiger Karlheinz Brandenburgs- da nicht aus, denn die Ergebnisse der oben geschilderten Tests überraschten mich dann doch, scheinen aber forenweit kaum Bedürfnisse auszulösen, die beschriebenen Prozeduren mit eigenen Geräten nachzuvollziehen.
Die oben erwähnten Einschränkungen gelten aber, wenn man produktionstechnisch auf der sicheren Seite bleiben will. Geht man dabei bewusst Risiken ein und verzichtet auf nachträgliches Jammern (das man dann natürlich "der Datenreduktion" anlastet), kann man grundsätzlich datenreduziert produzieren. Vergessen wir nicht: Auch "jede analoge Informationssicherung durchläuft eine (analoge) Datenreduktion." Dass diese ähnlich der des menschlichen Gehöres funktioniert (schon da gibt es eine sehr einschneidende, lange vor digitalen Tagen beschriebene), ist das Glück jener analogen Techniken, sie wären sonst nämlich untergegangen.
Übrigens wird das unter Tonmeistern im Großen und Ganzen genauso gesehen. Krach gibt es zur Sache daher aber auch, was bis in die Öffentlichkeit einschlägiger Foren (TMI der UdK, Berlin) getragen werden kann....
In den entsprechenden Umgebungen werde ich auch nicht müde, mich dahingehend 'zu outen', dass mit 16 Bit/44/48 kHz tadellos zu arbeiten ist, wenn, ja wenn man das System adäquat ausreizt, so wie das beim analogen Verfahren selbstverständlich ist, denn das fahre ich bei gedankenlosem Einsatz 'mit links' an die Wand. Strebt man auf der Produktionsseite aber eine fast 'unfühlbare' Technik an ("alles wird zum linearen Vierpol"), explodieren natürlich die Ansprüche (auch) an (digitale) Bearbeitung und Speicherung, und man legt bei 28 Bit und 96 kHz an. Hören indes kann man das -ich bitte um Nachsicht- bei weitem nicht mehr, vor allem, als dies ja grundsätzlich mit Lautsprechern geschieht/geschehen müsste, deren Engpässe ja doch ohrenfällig genug sind. Aufnahmen in Kopfhörerstereofonie werden ja de facto nicht erstellt.
Die Professionalität einer Technik schöpft nicht aus dem getriebenen apparativen Aufwand, sondern aus der Umsicht des Mitteleinsatzes. Da hat sich in der 'Medienindustrie' seit "des Herren Frescobaldi Zeiten" (Ockeghem, Josquin gingen genauso durch) nichts geändert.
Dazu eine Anregung zum gestern hier aufgebotenen MichaelB-MP3 der DLF-Sendung; nicht zum Inhalt, der ja teilweise von erheblicher Problematik war (man lernt eben daraus, was "Experten" sind): Es spricht so manches dafür, dass sich die Kollegen vom Deutschlandradio mal ihrer Begrenzer oder Bearbeitungseinrichtungen annehmen sollten, sofern die Aufzeichnungsstrecke in Ordnung war. Denn das Ergebnis klingt/verhält sich stellenweise so, wie wenn man sich der Fortentwicklung des Marmoblockmikrofons E. Reiszs angenommen, aber auf den Einsatz des berühmten Hämmerchens (zur Minimierung des Gleichstromoffsets) vergessen hätte. Kurz: die Unsymmetrien des Sprechwechselstroms fallen klanglich und optisch recht deutlich auf. Oder sollte das das neueste 'Radio' sein, habe ich ('mal wieder) etwas verpasst? (Bei mir dauert alles immer lange...)
Hätte mir aber nicht ein Detmolder Kollege (Tonmeister Max Raabes...) vor eingen Jahren (sagte ich es nicht?) einmal eine CD mit vergleichenden Aufnahmen eines Reisz-Mikrofones, eines CM3 und eines MKH800 geschenkt, wo solcherart 'Normabweichungen' zu beobachten waren, hätte ich auch jetzt nicht zielsicher auf die Ursache geschlossen....
Jeder reduziert für sich die Daten eben so weit, bis er's kapiert. Es hat immer gedauert, bis ich's kapiert hatte. Serielle Datenreduktion, degressive Approximation....
Hans-Joachim
