01.06.2006, 12:10
Bei Interesse kann ich die bei meinen Aktivitäten entstandenen Files (is' Bach, ich weiß...) gerne in Auszügen zur Verfügug stellen, auch wenn die phasentreue Übermittlung mehrkanaliger Formate bei Sender und Empfänger voraussetzt, dass beide dieselbe Software eingesetzen... Als Ausweg lassen sich drei Files anbieten: Original, datenreduziert, Differenzsignal. Darunter ist auch eine Amteuraufnahme, so dass man im vorliegenden Spezialfall sähe, wie sich begrenztere Mittel unter MP3 auswirken.
Übrigens kamen mir schon früher einmal en passant Cassettengesprächsmitschnitte mit erheblichen Aufzeichnungsstörungen unter die Finger/Ohren, die schlecht zu kodieren waren, weil der Koder mit diesem Typ von Aufzeichnungsstörung schlecht umgehen konnte. Ich habe das damals nur wegen eines einzelnen Satzes betrieben, den ich einem Mail anschließen wollte, weshalb weitere Analysen unterblieben. Vielleicht sollte ich mich damit noch einmal befassen, um die eigenen Erfahrungen zu aktualisieren.
Die Serie der Hörtests in der Sache der Datenreduktion jedoch ist seit den 1980er Jahren nie abgerissen, es geht heute nicht ohne. Prof. Detlef Krahé (heute Wuppertal) pflasterte mit einschlägigen, teilweise überaus instruktiven Untersuchungen seinen Eintritt in die universitäre Landschaft: In den 1980ern!
Ansonsten ergaben spätere Hörtests, dass MP3 gehörsbehinderten Zeitgenossen eher auffällt als weitgehend normalhörigen (was ist das in unserer heutigen Zeit allerdings noch), weil bei das geschädigte Gehör die Maskierungen nicht mehr in der Weise vornimmt, wie das normalereise der Fall ist. Diese Betroffenen hören dann etwas, was für den anderen nicht existiert, nicht zu existieren scheint. Und Gehörsschäden sind heute normaler als je zuvor, denn wie mir ein am Berliner Tonmeisterinstitut tätiger Kollege schon vor Jahren am tonmeisterlichen Kaffeetisch sagte, sind heute Bewerber für die Aufnahmeprüfung zum Tonmeisterstudium ohne Gehörsschäden die krasse Ausnahme. Noch vor 20 Jahren hätte man das heutige Normalbewerberfeld zum Ohrenarzt geschickt.
Prof. Armin Kohlrausch aus Eindhoven hat auf einer AES-Convention in München (2002??) einen schönen Vortrag -für seine AES-fellows, also Fachleute, bitte- gehalten, der mit wunderbaren Tonbeispielen 'garniert' war. Deren ständiger Lacherfolg bei der Zuhörerschaft belegte schlagend, wie wenig selbst Fachleuten aus der täglichen Tretmühle bewusst ist, wie rasant das Gehör mit ihnen Schlitten fährt.
Andererseits: Musiker wissen seit Jahrhunderten, dass das, was man nicht hört, eben nicht da ist, man also getrost darauf verzichten kann. Erst das 19. Jahrhundert, das die Naturwissenschaften überallhin zu tragen bemüht ist, bringt in diese Diskussion den Touch des Prinzipialistischen hinein: "Es mss doch, es kann doch nicht, das gibt's nicht", etc. Das Jahrhundert, das die Instrumentationskunst apokalyptisch (?), na ja, intellektualistisch überhöht (Wagner), ja vergöttert. Und Instrumentation funktioniert halt nur mit der Maskierung durch das Gehör, die auch MP3 gerissen nützt.
Das Problem liegt -wie oben beschrieben- im nachträglichen Herumfummeln oder Herumfummelnmüssen an bestehenden Aufnahmen, heute Files (Pop im weitesten Sinne kann man ohne Vielkanalproduktion selbst bei bestem Willen nicht am Stück produzieren, die Musik hat sich mit der Technologie entwickelt), das eben zunächst ungehörte (also -zunächst- unhörbare) Fallgruben öffnet, die möglicherweise schlecht durch anderes zu füllen sind.
Ein weiteres Problem besteht im Zusammenhang mit in der bedenkenlosen Anwendung der Datenreduktion, gerade weil die erzielbare Qualität so hoch ist. Nachträgliche Analysen -ich erinnere an meine vor geraumer Zeit beschriebene Erfahrung mit der Bukarester Opernaufnahme von 1959, die unmittelbare Hinweise auf RRG-Apparaturen enthielt- werden durch die Eingriffe von MP3 in die Signalstruktur unmöglich gemacht. Man hört zwar keinen Unterschied, erkennt aber bei einer weitergehenden Analyse die Trittsiegel der Schüller-Westpfahl-Durcretet-etc.-pp.-GmbH & Co. KG eben nicht mehr.
Darüber muss man sich klar werden, gerade wenn es -wie derzeit allüberall- auch um die Aufgabe traditioneller Archive geht.
MP3 ist für mich kein Untergang, kein Problem per se, sondern eher eine Chance, die sinnvoll und kundig eingesetzt eigentlich nur Vorteile hat. Um den Erwerb dieser Kundigkeit, um eine über die eigenen Grenzen hinausreichende Übersicht, die im Zuge der Rechnernutzung soweit aus unserem Blickfeld gerückt ist, geht es, selbst wenn 'alles' nur einen Knopfdruck entfernt erscheint.
Es ist weiter weg, was nicht zuletzt die analoge Speichertechnik immer deutlich machte; sie fordert wie selbstverständlich Wissen, andernfalls scheitert man an den Engpässen. Kennt man sich da aber aus, fragt man sich ernsthaft, ob es eigentlich 'noch mehr braucht'.
(Nun ja, die LP maskiert die Charakteristika der erwähnten Bukarester Aufnahme auch, da hätte ich auch nichts gemerkt.... Und die Platte gilt ja nun auch in Archivkreisen als sehr stabiler Speicher, dem man so leicht nicht beikommt.)
Hans-Joachim
Übrigens kamen mir schon früher einmal en passant Cassettengesprächsmitschnitte mit erheblichen Aufzeichnungsstörungen unter die Finger/Ohren, die schlecht zu kodieren waren, weil der Koder mit diesem Typ von Aufzeichnungsstörung schlecht umgehen konnte. Ich habe das damals nur wegen eines einzelnen Satzes betrieben, den ich einem Mail anschließen wollte, weshalb weitere Analysen unterblieben. Vielleicht sollte ich mich damit noch einmal befassen, um die eigenen Erfahrungen zu aktualisieren.
Die Serie der Hörtests in der Sache der Datenreduktion jedoch ist seit den 1980er Jahren nie abgerissen, es geht heute nicht ohne. Prof. Detlef Krahé (heute Wuppertal) pflasterte mit einschlägigen, teilweise überaus instruktiven Untersuchungen seinen Eintritt in die universitäre Landschaft: In den 1980ern!
Ansonsten ergaben spätere Hörtests, dass MP3 gehörsbehinderten Zeitgenossen eher auffällt als weitgehend normalhörigen (was ist das in unserer heutigen Zeit allerdings noch), weil bei das geschädigte Gehör die Maskierungen nicht mehr in der Weise vornimmt, wie das normalereise der Fall ist. Diese Betroffenen hören dann etwas, was für den anderen nicht existiert, nicht zu existieren scheint. Und Gehörsschäden sind heute normaler als je zuvor, denn wie mir ein am Berliner Tonmeisterinstitut tätiger Kollege schon vor Jahren am tonmeisterlichen Kaffeetisch sagte, sind heute Bewerber für die Aufnahmeprüfung zum Tonmeisterstudium ohne Gehörsschäden die krasse Ausnahme. Noch vor 20 Jahren hätte man das heutige Normalbewerberfeld zum Ohrenarzt geschickt.
Prof. Armin Kohlrausch aus Eindhoven hat auf einer AES-Convention in München (2002??) einen schönen Vortrag -für seine AES-fellows, also Fachleute, bitte- gehalten, der mit wunderbaren Tonbeispielen 'garniert' war. Deren ständiger Lacherfolg bei der Zuhörerschaft belegte schlagend, wie wenig selbst Fachleuten aus der täglichen Tretmühle bewusst ist, wie rasant das Gehör mit ihnen Schlitten fährt.
Andererseits: Musiker wissen seit Jahrhunderten, dass das, was man nicht hört, eben nicht da ist, man also getrost darauf verzichten kann. Erst das 19. Jahrhundert, das die Naturwissenschaften überallhin zu tragen bemüht ist, bringt in diese Diskussion den Touch des Prinzipialistischen hinein: "Es mss doch, es kann doch nicht, das gibt's nicht", etc. Das Jahrhundert, das die Instrumentationskunst apokalyptisch (?), na ja, intellektualistisch überhöht (Wagner), ja vergöttert. Und Instrumentation funktioniert halt nur mit der Maskierung durch das Gehör, die auch MP3 gerissen nützt.
Das Problem liegt -wie oben beschrieben- im nachträglichen Herumfummeln oder Herumfummelnmüssen an bestehenden Aufnahmen, heute Files (Pop im weitesten Sinne kann man ohne Vielkanalproduktion selbst bei bestem Willen nicht am Stück produzieren, die Musik hat sich mit der Technologie entwickelt), das eben zunächst ungehörte (also -zunächst- unhörbare) Fallgruben öffnet, die möglicherweise schlecht durch anderes zu füllen sind.
Ein weiteres Problem besteht im Zusammenhang mit in der bedenkenlosen Anwendung der Datenreduktion, gerade weil die erzielbare Qualität so hoch ist. Nachträgliche Analysen -ich erinnere an meine vor geraumer Zeit beschriebene Erfahrung mit der Bukarester Opernaufnahme von 1959, die unmittelbare Hinweise auf RRG-Apparaturen enthielt- werden durch die Eingriffe von MP3 in die Signalstruktur unmöglich gemacht. Man hört zwar keinen Unterschied, erkennt aber bei einer weitergehenden Analyse die Trittsiegel der Schüller-Westpfahl-Durcretet-etc.-pp.-GmbH & Co. KG eben nicht mehr.
Darüber muss man sich klar werden, gerade wenn es -wie derzeit allüberall- auch um die Aufgabe traditioneller Archive geht.
MP3 ist für mich kein Untergang, kein Problem per se, sondern eher eine Chance, die sinnvoll und kundig eingesetzt eigentlich nur Vorteile hat. Um den Erwerb dieser Kundigkeit, um eine über die eigenen Grenzen hinausreichende Übersicht, die im Zuge der Rechnernutzung soweit aus unserem Blickfeld gerückt ist, geht es, selbst wenn 'alles' nur einen Knopfdruck entfernt erscheint.
Es ist weiter weg, was nicht zuletzt die analoge Speichertechnik immer deutlich machte; sie fordert wie selbstverständlich Wissen, andernfalls scheitert man an den Engpässen. Kennt man sich da aber aus, fragt man sich ernsthaft, ob es eigentlich 'noch mehr braucht'.
(Nun ja, die LP maskiert die Charakteristika der erwähnten Bukarester Aufnahme auch, da hätte ich auch nichts gemerkt.... Und die Platte gilt ja nun auch in Archivkreisen als sehr stabiler Speicher, dem man so leicht nicht beikommt.)
Hans-Joachim
