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Wer kennt das nicht: da fällt der PC aus und man kämpft rund einen Tag bis eine Woche, um wieder so halbwegs die alten Zustände herzustellen! Manch einer drückt sich mit Schaudern vor dem Neuerwerb eines Computers, weil er doch seinen so schön eingerichtet hat und sich noch gut erinnern kann, welch Kampf es war, die Treiber für dieses oder jenes Gerät zum Laufen zu bringen. Und natürlich machen Privatleute auch keine Datensicherungen, schon gar nicht Plattenspiegelungen o.ä.
Seit bestimmt schon 10 Jahren gibt es ein Produkt, das mittlerweile seine Reife erreicht hat: VMWare (Workstation 5.5). Es handelt sich hierbei um eine Software, die ganze PCs unter Windows simulieren kann - und dies ganz hervorragend. Man stelle sich vor: Man startet Windows mit dem nötigsten und dann die VMWare. Dort hat man sich bereits mehrere virtuelle PCs eingerichtet: z.B. einen für Linux, einen für das geliebte Windows 98, einen für XP usw. Man wählt z.B. Windows 2000 aus und selbiges wird innerhalb des eigentlichen Windows als Fenster(!) gestartet.
Dahinter stecken ein paar Dateien, die sich leicht sichern lassen. Wählt man beim Einrichten so einer 'virtuellen Maschine' die Festplattenkomprimierung, ist es sogar manches mal möglich, ein komplettes Betriebssystem mit virtuellem PC auf eine DVD zu sichern.
Während der Arbeit innerhalb so einer Maschine kann viel Unbill widerfahren. Es ist möglich, den Anfangszustand der Maschine auf Knopfdruck wiederherstellen zu lassen. Es ist auch möglich, jederzeit einen sog. 'Snapshot' zu fertigen, also einen Zustand zu sichern, auf den später zurückgegriffen werden kann.
Es können mehrere Maschinen gleichzeitig laufen, schließlich sind es ja Fenster unter Windows. Man kann untereinander über 'Shared Folder' Datenaustausch betreiben und dennoch arbeiten die Maschinen hinreichend autark, d.h. Virenangriffe verseuchen (bis jetzt zumindest  ) nur die Maschine, nicht den Host, also den realen PC.
Je mehr mit den Maschinen experimentiert wird, desto mehr baut man sich seine Welt virtueller PCs aus. Ich habe z.B. etliche Seuchenprogramme, die ich nur mit größtem Widerwillen auf meine PCs gebracht habe, jedoch musste, weil nur sie die Daten verarbeiten können, um die es mir ging. Heute habe ich eine Maschine eingerichtet, wo diese Programme perfekt installiert sind.
Die virtuellen Maschinen lassen sich sogar fast immer problemlos auf verschiedensten PCs ohne Änderungen vorzunehmen weiterverwenden. Hat der Host also nur ein minimal aufgesetztes Betriebssystem und fällt aus, so dürfte die Inbetriebnahme des neuen bzw. reparierten PCs wenig Zeitaufwand mit sich bringen: Betriebssystem mit ein paar Treibern reicht, der Rest lagert idealerweise in den virtuellen Maschinen, die man zurückholt. Der Host-PC sollte gut bestückt sein, also um die 3 GHz mit mind. 1 GB RAM. Die VMWare Workstation 5.5 kostet derzeit beim Hersteller 189$ (hab's gerade für 137 Euro gesehen). Eine wie ich finde kleine Investition in das m.E. beste Programm der letzten 10 Jahre...
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Eine ganz nette freie Alternative ist übrigens Bochs.
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Microsoft hat da ja auch etwas im Köcher, so langsam kommen einige zusammen. Allerdings würde ich mich bei einer so wichtigen Angelegenheit auf keinen Fall für ein 'freies' Produkt entscheiden. Die Thematik ist derart komplex und schwierig, VMWare brauchte wie gesagt rund 10 Jahre, um ein stabiles Laufen und eine perfekte Installation zu ermöglichen
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"Virtual PC" von Microsoft nutzen wir hier in der Firma. Funktioniert auch gut, hat aber den Nachteil, daß es nur eine begrenze Zahl von Hostplattformen (MS Windows und OS X?) gibt. Übrigens ist es nicht wesentlich jünger als zehn Jahre - es existierte ja schon vor der "Adoption" durch MS eine ganze Weile als Produkt bei Connectix.
Bochs ist VMWare sicher (noch) nicht ebenbürtig, aber es funktioniert stabil und reicht für viele Anwendungen aus.
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Zitat:timo postete
Bochs ist VMWare sicher (noch) nicht ebenbürtig, aber es funktioniert stabil und reicht für viele Anwendungen aus.
Das ist genau der Punkt: gerade bei einer solchen Sache, will ich das beste rausholen und mich nicht mit neuen Fehlern abplacken.
Bei MS habe ich den Verdacht, dass man dort bewusst wieder irgendwas einschränkt, einerseits um eigene Geheimnisse nicht preiszugeben, andererseits um anderen Plattformen zu schaden.
Bei mir zu Hause laufen in jeweils neuester Version: FreeBSD, Debian, Suse, RealOS, Ubuntu und Fedora problemlos und auch die Installation war ein Zuckerlecken  Außerdem konnte ich all meine Windoofs installieren, mit MS DOS 6.22 und W3.11 angefangen bis Vista Beta. In der Firma haben wir unter W2K und XP sogar ganze Oracle-Server laufen...
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Zitat:highlander postete
Das ist genau der Punkt: gerade bei einer solchen Sache, will ich das beste rausholen und mich nicht mit neuen Fehlern abplacken.
Mit Fehlern hatte ich bei Bochs noch keine Probleme. Er ist nur noch nicht so komfortabel und auch nicht ganz so schnell wie VMWare.
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Zitat:timo posteteMit Fehlern hatte ich bei Bochs noch keine Probleme.
Warum nur kommt mir dieser Spruch so bekannt vor? Als Betatester bin ich mir mittlerweile zu schade, es ist nur leider so, dass ich offenbar der allereinzige Mensch auf der Welt bin, der zielstrebig die Fehler in den 'Frickel'-Programmen findet. Ich denke nur an die gelöschten Seiten, die mir gestern das OpenOffice ausdruckte, als wären sie nie gelöscht worden
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Zitat:highlander postete
dass ich offenbar der allereinzige Mensch auf der Welt bin, der zielstrebig die Fehler in den 'Frickel'-Programmen findet.
Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Das ist ein bekanntes und längst erforschtes Phänomen, das nicht nur in der Softwarewelt auftritt.
- Man kauft eine Pizza einer scheinbar dubiosen Billigmarke, bereitet sie zu und stellt fest: Schmeckt grauenhaft. Also: Schund gekauft, nie wieder.
- Man kauft eine Pizza der angesehen Marke Dr. O., bereitet sie zu und stellt fest: Schmeckt grauenhaft. Wie kann das sein, ist doch Qualitätsware? Man geht der Sache auf den Grund und stellt bei der Lektüre der Zubereitungshinweise auf der Verpackung fest, daß diese Pizza gar nicht in gewohnter Weise 10 Minuten bei 200 Grad, sondern 25 Minuten bei 150 Grad gebacken werden muß. Also eigener Fehler. Die Pizza kaufen wir nächste Woche noch mal und bereiten sie dann richtig zu.
Der gleiche Hinweis stand übrigens auch auf der Verpackung der ersten Pizza (die von der Firma Dr. O. für eine Handelsmarke hergestellt wurde und völlig identisch zur zweiten ist). :-)
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Das ist ein schönes Beispiel mit Tiefgang! Aber so einfach mache ich mir das nicht. Man sollte einmal herausphilosophieren, ob ein gewinnorietiertes und straff geführtes Unternehmen im Regelfall zu besseren Ergebnissen gelangt, als ein Verbund gfs. sogar wechselnder Projektteilnehmer, die bar jeden Chefs nur über Internet verbunden in ihrer Freizeit an Einzelbereichen arbeiten.
Interessant wäre es sicher auch zu klären, ob die Betaphasen nicht grundsätzlich untauglich ist, weil vielleicht dort die falschen Leute teilnehmen?
Ich habe da meine Bedenken in alle Richtigungen und setze dennoch immer mehr 'Open Source' ein
Zitat:highlander postete
Warum nur kommt mir dieser Spruch so bekannt vor? Als Betatester bin ich mir mittlerweile zu schade, es ist nur leider so, dass ich offenbar der allereinzige Mensch auf der Welt bin, der zielstrebig die Fehler in den 'Frickel'-Programmen findet. Ich denke nur an die gelöschten Seiten, die mir gestern das OpenOffice ausdruckte, als wären sie nie gelöscht worden 
Hmm
Bugs, Software-Fehler und Workarounds sind aber genauso häufig auch bei kommerzieller Software zu finden. Eigentlich kann man nicht davon ausgehen, man hätte irgendwelche Vorteile hinsichtlich Support oder Bugarmut, wenn man kommerzielle Software benutzt. Oder umgekehrt.
Einfaches Beispiel, daß immer wieder zur allgemeinen Erheiterung beiträgt, aber mehr als nur eine Spur Wahrheit in sich birgt.
"Wieeeee, Diplomarbeit mit MS Word geschrieben? ..." (weils eben immer schief geht)
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Zitat:highlander postete
Man sollte einmal herausphilosophieren, ob ein gewinnorietiertes und straff geführtes Unternehmen im Regelfall zu besseren Ergebnissen gelangt, als ein Verbund gfs. sogar wechselnder Projektteilnehmer, die bar jeden Chefs nur über Internet verbunden in ihrer Freizeit an Einzelbereichen arbeiten.
Den Regelfall gibt es m.E. zumindest bei allgemeiner Betrachtung nicht. Freie Software wird normalerweise "von Freaks für Freaks" entwickelt, weshalb Bedienbarkeit und Dokumentation oft stiefmütterlich behandelt werden. Ein hohes Qualitätsniveau erreicht die Software vor allem in "technischen" Bereichen (Musterbeispiele: der Linux-Kernel, Apache oder die GNU-Werkzeuge), während Programme, die anwenderseitig vom typischen OS-Entwickler eher gemieden werden (z.B. Office-Produkte oder kaufmännische Software), qualitativ nicht selten schwächeln.
Durch die zunehmende Verzahnung von kommerzieller und freier Entwicklung haben diese Nachteile zumindest bei größeren Projekten einen Teil ihres Schreckens verloren. Was GNU und Linux in Sachen Usability und Wartbarkeit nicht vermögen, wird z.B. häufig durch die Linux-Distributoren hinzugefügt.
Bei kommerzieller Software kann man eigentlich (anders als bei der OS) davon ausgehen, daß sie fast grundsätzlich ein insgesamt markttaugliches Qualitätsniveau besitzt. Wirklich schlechte Produkte verschwinden normalerweise so schnell wieder aus den Regalen, daß man kaum Gelegenheit hat, sie zu kaufen. Viel mehr als Pflichterfüllung darf man dann aber auch wieder nicht erwarten, denn letzendlich schwebt ja über allem die Prämisse, daß Entwicklungsaufwand und Marktvorteile in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen müssen.
Letztendlich halte ich eine generelle Klassifizierung von OS als "Frickelsoftware" genau so unsinnig wie die Unterstellung, proprietäre Software sei aus irgendwelchen Gründen per se schlechter als freie. VMWare ist, um den Bogen zurück zum Threadanfang zu schlagen, ein gutes Beispiel für ein kommerzielles Produkt, zu dem es noch keine in allen Belangen gleichwertige freie Alternative gibt, und ich hoffe für den Anbieter, daß viele Leute die Vorteile zu schätzen wissen und sich eine Lizenz kaufen. Andererseits verstehe ich jeden, der zum freien Programm greift, weil die Investition in keinem Verhältnis zur Anwendungshäufigkeit oder -intensität bei ihm stehen würde (mache ich genau aus diesem Grund ja auch). Genau deshalb auch mein Hinweis auf Bochs als Alternative zu VMWare.
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Genau die Anwendungshäufigkeit ist es, die ich ja steigere. Ich habe einige Monate des Experimentierens mit VMWare hinter mir und mein Konzept für die nächste Host-Betriebssysteminstallation lautet: der PC bekommt nur noch das nötigste, um eben VMWare zu starten.
Dort wird es ein W2K geben mit diversen Grafikprogrammen, eines für das Internet, eines mit allem für Video- und Musikbearbeitung, für ältere Softwareprodukte usw. - eine lange Liste. Das neu Aufsetzen eines PCs wird dann vielleicht noch 1 Stunde dauern.
Die VMs befinden sich auf externen Platten, zus. auf DVD. Streikt ein VM-Windowssystem, kickt man es einfach weg und läd den Urzustand zurück.
Die Alternative wäre Wechselplattensysteme einzusetzen, aber das war für mich nie diskutabel, die Ausfallquote bei unseren Kunden war zu hoch. Oder man kauft sich 30 oder 40 PCs und den passenden Raum drumherum
Somit hätte die VMWare einen ganz anderen Stellenwert, sie wird praktisch selbst zu einer Art Betriebssystem und für rund 140 Euro würde man etliche sehr kompakte PCs als Gegenleistung zu erhalten, das finde ich nicht teuer. Die Leute schmeissen 999 Euro für einen Aldi-PC zum Fenster raus und nutzen kaum die Hälfte der Features. Kauft man einen PC für 300 bis 400 Euro und legt (einmalig) die 140 Euro obendrauf, hat man immer noch ein viel Luft zu den 999 Euro - davon lassen sich einige externe Platten kaufen
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Zitat:highlander postete
Und natürlich machen Privatleute auch keine Datensicherungen, schon gar nicht Plattenspiegelungen o.ä. 
... ich habe auch noch nie eine gemacht. Gibt es was unwichtigeres als Computerdaten?
Zitat:highlander postete
Die Leute schmeissen 999 Euro für einen Aldi-PC zum Fenster raus und nutzen kaum die Hälfte der Features. Kauft man einen PC für 300 bis 400 Euro und legt (einmalig) die 140 Euro obendrauf, hat man immer noch ein viel Luft zu den 999 Euro - davon lassen sich einige externe Platten kaufen 
Stimmt schon, aber der Aldi PC Käufer braucht VM Ware nun wirklich nicht. Das Produkt ist zweifellos gut, aber hier haben wir es mit einer ganz anderen Zielgruppe zu tun ;-)
Gruß
Michael K.
Gruß
Michael
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Zitat:highlander postete
...
Als Betatester bin ich mir mittlerweile zu schade, es ist nur leider so, dass ich offenbar der allereinzige Mensch auf der Welt bin, der zielstrebig die Fehler in den 'Frickel'-Programmen findet.
...
Hihihi, ich sehe Highlander schon als Troll im Heise-forum vor mir.
Gruß,
Michael/SH
Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu (Ö v. Horvath)
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Die Leute aus der Reserve zu locken, macht doch Spass  Aber im ernst: Software wie Apache oder Samba ist schon sehr ausgereift und erste Sahne. Und da gibt es sicher noch viel mehr. Aber einen PC zu simulieren erfordert neben enormen fachlichen Qualitäten/Kenntnissen auch extrem viele Tests.
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