Qietschende Bänder schädlich?
#13
Das Quietschen verweist auf einen Resonanzvorgang relativ hoher Frequenz, die ihrerseits recht dünnes Band voraussetzt, damit das Band hörbar schwingen kann, denn dessen Schwingung vermittelt uns das Geräusch. Die kritische Stärke setze ich nach meinen Erfahrungen mal auf Langspielbandstärke und darunter an.

Mir beispielsweise ist zwar schmierendes 468 und dergleichen Pyral-Zeugs untergekommen, das dann aber nicht quietschte, sondern eigentlich normal ablief, sieht man von den freundlichen Geschenken an Tonköpfe und Bandführungen nach der Wiedergabe ab. Quietschendes 525 oder noch älteres 50 µ-Material (z.B. BASF L oder L extra, AGFA-Wolfen) habe ich nie erlebt. Noch älteres Material (also RRG und 1940er) kenne ich im Original nicht aus 'neuzeitlichen' Wiedergaben unter meinen Augen. Dem Vernehmen nach bricht das Bandmaterial aber lieber, weil die Weichmacher ausgedünstet sind, die damals so nötig waren wie heute.
Klassisch 'raues' Material, das Andreas in seiner Replik anspricht, gehört also vermutlich nicht in unsere Problemgruppe.

Umso intensiver habe ich im Freundeskreis Revox 631 kennen gelernt, das zunächst vernehmlich quietschte und am Ende so klebte, dass das Band stehen blieb und von der Maschine (B77) abgerissen wurde. Weiterhin kenne ich die Quietscherei von Cassetten und Videocassetten. Dr. Ulrich H. von der BASF in Willstätt leitete meines Wissens (ich habe die Texte) ein recht umfängliches Projekt zum Quietschen des Cassettenbandes und seinen Ursachen sowie dem Einfluss auf die Wiedergabe- bzw. Aufnahmeverhältnisse, die durch diese Mikro-Bewegungen des Bandes ja eine zustätzliche Modulation erfahren, die bleibenden Einfluss auf die aufgenommenen Signale ausüben.

Zur obigen Resonanzbedingung tragen der Reibungsbeiwert µ von Band und dessen Gleitbeschichtung, der Bandzug, Orte und Einzwängungskräfte der Andruckrolle(n), Stärke der Tonwelle, die spezifische Masse und die Biegesteifigkeit des Bandes, die Bandgeschwindigkeit, die Kopfträgereigenschaften (mit Kopfspiegelform), bei Cassetten auch die Andruckfilzbeschaffenheit etc. pp. (Mechanikeigenschaften der Cassette!) bei.

Aus der hohen Frequenz schließe ich, dass schwerere und steifere Bänder -das sind ja die -historisch gesehen- rauen Typen- das komplexe Bedingungsgeflecht ungern erfüllen und deshalb kaum oder nicht mit dem in Erscheinung treten, was wir Quietschen nennen. Ob sie das im niedrigeren, damit schlecht hörbaren, weil vom schwingenden Band schlecht abgestrahlten Frequenzbereich dennoch tun, müsste in der Literatur nachgeforscht werden. Ich denke, dass derlei Erscheinungen dann unter 'Kopfträgereigenschaften' oder 'Bandinkompatiblilität mit bestimmten Gerätetypen' abgelegt wurden.

Nachdem der Reibungsbeiwert etwas mit Rauigkeit zu tun hat, müsste Andreas' Frage enerseits mit "Ja!" beantwortet werden. Nachdem es aber gerade moderne Bänder mit geringer Rauigkeit (und großer Schmiegsamkeit/Klebrigkeit) betrifft, gälte andererseits als Antwort "Nein, es ist genau anders herum, denn eine bestimmte Glätte ist eine der vielen Voraussetzungen für die Quietscherei!". Dafür hat Michael oben wohl schon in die zutreffende Richtung argumentiert.

In meinem Erfahrungsbereich klebten alle quietschenden Bänder und begannen schließlich auch zu schmieren; gleichgültig, ob dies durch die erhöhten mechanischen Kräfte bedingt war oder Teil des chemisch-physikalischen Zerfallsprozesses der von Friedrich ja beschriebenen Oberflächenbeschaffenheit eines Bandes aus Pigment und Schmiermittel. Meistens allerdings klebten die Bänder aber schon vor dem Schmieren so stark, dass sie deshalb nicht mehr wiederzugeben waren.

Anzumerken ist vielleicht, dass ich aus dem Bereich der Amateurbänder bereits vor gut 30 Jahren ausschied, die schlimmsten Entwicklungen also nur 'nachrichtlich' mitbekommen habe.

Hans-Joachim
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