12.03.2006, 12:58
mk1967 spricht eines der Hauptprobleme der digitalen Technik an.
In der analogen Technik war es üblich, zuerst zu entwickeln und dann zu verkaufen. Zwar kamen auch hier unausgereifte Produkte auf den Markt, diese Unausgereiftheit beschränkte sich jedoch auf einzelne Produkte einzelner Hersteller. Das Bananenprinzip - beim Kunden reifen lassen - ist ein wesentliches Merkmal der Softwareentwicklung und der digitalen Technik die ja zu einem großen Teil auf Softwarelösungen basiert.
Fortschritte in der Analogtechnik wurden behutsam gemacht. Man versuchte, den alten Stand zu retten und zu erhalten. Es wurden keine Brücken abgerissen. Wer kein UKW wollte, der kann bis heute noch mit einem Mittelwelle-Dampfradio Mittelwelle hören, und er konnte das viele Jahre mit einem guten Programmangebot tun. Wer keinen Farbfernseher kaufen wollte, blieb bei Schwarz-Weiss. Wer kein Stereo wollte, blieb bei Mono. Der Kunde wurde nicht gezwungen, etwas neues zu kaufen, er durfte es tun, wenn er den Fortschritt wollte, er durfte auch warten, ohne etwas zu verlieren. Der Fortschritt war logisch und ersichtsich, Vor- und Nachteile überschaubar. Es gab somit eine Basis, auf der man seine Überlegungen anstellen und Entscheiden konnte.
Kennzeichnend war ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Fortschritt und Bestandssicherung / Planungsicherheit für den Anwender.
Das hat sich bei der Einführung der Digitaltechnik geändert. Die CD wurde noch "klassisch-bewährt" eingeführt. Die ersten Geräte sind auch heute noch nutzbar. Nicht ganz so geglückt war die Einführung des Mediums selber. Daß man erst ab Reissue 3 oder 4 einen Tonträger in den Händen hatte, die die Vinylplatte nicht mehr herbeischrie, war keine Meisterleistung und fällt in die Rubrik Abzocke ohne Rücksicht auf den Kunden. Das begrenzte sich immerhin auf die ersten Jahre nach Markteinführung und ist heute gegessen, wenn auch m. M. nach noch mitverantwortlich für manche Digital-Phobie.
Themen wie DAT, DCC, MD sowiel den Wirrwarr an diversen Formaten und Technologien für die PC-Anwendung braucht man sich nicht weiter auszuslassen. Den interessierten Experten macht es Spaß, in die Wirrungen einzudringen, die User, die keine andere Wahl haben, benutzen die neuen Techniken rudimentär, wenden an ohne zu verstehen und ohne zu überblicken. Die Aussage "die Digitaltechnik hat sich durchgesetzt" kann man vor diesem Hintergrund (nicht vor dem kommerziellen) mit recht in Zweifel ziehen. Durchgesetzt auf dem Markt gewiss, in den Köpfen noch lange nicht. Das, was man bei der Audiotechnik beobachtet, findet man in z. T. stärkeren Ausmaß auch in den Nicht-Audiotechniken (Telekommunikation).
Zwar sollte man die Technik an sich nicht für Versäumnisse in der Anwendung verurteileln - die Digitaltechnik kann schließlich nichts dafür, wenn die Wirtschaft sich nicht auf einen Standard einigen kann und die Technik auch sonst nicht gebacken bekommt - aber gewisse Ärgerlichkeiten haben eben durch und mit der Digitaltechnik zugenommen.
Um zum Eingangsposting zurück zu kommen: Die scheinbar gute, alte Analogzeit zu verklären ist in meinen Augen nicht gerade die richtige, aber eine sehr verständliche Reaktion mancher Analog-Vinyl-Verfechter. Ich habe damit kein Problem, solange es nicht "aus Prinzip und ohne weitere Überlegung" erfolgt. Ansonsten sehe ich beide Technologien durchaus als Ergänzung, die von Fall zu Fall bevorzugt werden. Beispiele, daß eine veraltete, längst abgelöste Technik im konkreten Einzelfall Vorteile hat gibt es genug, in der Audiotechnik wie auch ausserhalb.
In der analogen Technik war es üblich, zuerst zu entwickeln und dann zu verkaufen. Zwar kamen auch hier unausgereifte Produkte auf den Markt, diese Unausgereiftheit beschränkte sich jedoch auf einzelne Produkte einzelner Hersteller. Das Bananenprinzip - beim Kunden reifen lassen - ist ein wesentliches Merkmal der Softwareentwicklung und der digitalen Technik die ja zu einem großen Teil auf Softwarelösungen basiert.
Fortschritte in der Analogtechnik wurden behutsam gemacht. Man versuchte, den alten Stand zu retten und zu erhalten. Es wurden keine Brücken abgerissen. Wer kein UKW wollte, der kann bis heute noch mit einem Mittelwelle-Dampfradio Mittelwelle hören, und er konnte das viele Jahre mit einem guten Programmangebot tun. Wer keinen Farbfernseher kaufen wollte, blieb bei Schwarz-Weiss. Wer kein Stereo wollte, blieb bei Mono. Der Kunde wurde nicht gezwungen, etwas neues zu kaufen, er durfte es tun, wenn er den Fortschritt wollte, er durfte auch warten, ohne etwas zu verlieren. Der Fortschritt war logisch und ersichtsich, Vor- und Nachteile überschaubar. Es gab somit eine Basis, auf der man seine Überlegungen anstellen und Entscheiden konnte.
Kennzeichnend war ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Fortschritt und Bestandssicherung / Planungsicherheit für den Anwender.
Das hat sich bei der Einführung der Digitaltechnik geändert. Die CD wurde noch "klassisch-bewährt" eingeführt. Die ersten Geräte sind auch heute noch nutzbar. Nicht ganz so geglückt war die Einführung des Mediums selber. Daß man erst ab Reissue 3 oder 4 einen Tonträger in den Händen hatte, die die Vinylplatte nicht mehr herbeischrie, war keine Meisterleistung und fällt in die Rubrik Abzocke ohne Rücksicht auf den Kunden. Das begrenzte sich immerhin auf die ersten Jahre nach Markteinführung und ist heute gegessen, wenn auch m. M. nach noch mitverantwortlich für manche Digital-Phobie.
Themen wie DAT, DCC, MD sowiel den Wirrwarr an diversen Formaten und Technologien für die PC-Anwendung braucht man sich nicht weiter auszuslassen. Den interessierten Experten macht es Spaß, in die Wirrungen einzudringen, die User, die keine andere Wahl haben, benutzen die neuen Techniken rudimentär, wenden an ohne zu verstehen und ohne zu überblicken. Die Aussage "die Digitaltechnik hat sich durchgesetzt" kann man vor diesem Hintergrund (nicht vor dem kommerziellen) mit recht in Zweifel ziehen. Durchgesetzt auf dem Markt gewiss, in den Köpfen noch lange nicht. Das, was man bei der Audiotechnik beobachtet, findet man in z. T. stärkeren Ausmaß auch in den Nicht-Audiotechniken (Telekommunikation).
Zwar sollte man die Technik an sich nicht für Versäumnisse in der Anwendung verurteileln - die Digitaltechnik kann schließlich nichts dafür, wenn die Wirtschaft sich nicht auf einen Standard einigen kann und die Technik auch sonst nicht gebacken bekommt - aber gewisse Ärgerlichkeiten haben eben durch und mit der Digitaltechnik zugenommen.
Um zum Eingangsposting zurück zu kommen: Die scheinbar gute, alte Analogzeit zu verklären ist in meinen Augen nicht gerade die richtige, aber eine sehr verständliche Reaktion mancher Analog-Vinyl-Verfechter. Ich habe damit kein Problem, solange es nicht "aus Prinzip und ohne weitere Überlegung" erfolgt. Ansonsten sehe ich beide Technologien durchaus als Ergänzung, die von Fall zu Fall bevorzugt werden. Beispiele, daß eine veraltete, längst abgelöste Technik im konkreten Einzelfall Vorteile hat gibt es genug, in der Audiotechnik wie auch ausserhalb.
Michael(F)
