29.01.2006, 22:42
Zitat:TBRheiner posteteDa reden wir immer noch aneinander vorbei: Den Kunden wird, dies ist unbestritten, unter anderem auch eine Digitaltechnik angeboten, die klanglich sehr unbefriedigend ist. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Digitaltechnik. Das, was als Digitaltechnik in Aufnahmestudios steht hatte sehr wohl die höchstmögliche Qualität als Ziel und nicht höchtmögliche Mobilität zu zu geringstmöglichem Preis. Das gleiche gilt für daraus resultierenden Medien und Geräte. Diese hochwertige Schiene wird dem Kunden auch angeboten und sie wird auch mit Erfolg genutzt, sowohl für den Konsum als auch beim Home-Recording. Warum also muss immer nur das mp3 als böser Bube herhalten, wenn man die Niederungen der Digitaltechnik aufzeigen will?
(...) sondern nur meinen Eindruck wiedergegeben, dass das was dem Kunden heute auf dieser technischen Basis angeboten wird nicht das ist, was diese Technik zu erreichen in der Lage wäre.
Zitat:TBRheiner posteteAuch hier bin ich nicht mit Dir einig. Es gab in der Analogtechnik sehr wohl das bestreben nach komfortabler, mobiler, kleiner und ganz wichtig: billiger. Schon der Compact-Cassette und auch dem Walkman hat man vorgeworfen, für einen Niedergang der Hörkultur zu sorgen. Bei der CD tat man das auch - nicht aus klanglichen Gründen sondern wegen der einfachen, simplen Handhabung. Es liegt wohl in der Natur der Sache, daß man alles für des Teufels erklärt, was eine Sache bequemer und leichter zugänglich macht, weil man um den Ernst fürchtet, mit dem die Leute der Sache begegnen. Kann mir gut vorstellen, daß die Platte bei ihrer Erfindung ähnlich kritisch begrüßt wurde, stellte sie doch doch den Konzertbesuch als "Original" in Frage.
Und darin unterscheidet sich die heutige Entwicklung von derjenigen, die die analoge Technik bis zu ihrem Fast-Ende genommen hatte.
Zitat:TBRheiner posteteDAT wurde als Medium und Format beerdigt - richtig. Der Nachfolger von DAT ist nicht mp3 sondern der Harddisc-Recorder bzw. der Musik-PC mit digitalem recording auf Hard-Disc. Das, was man mit DAT erreichen konnte, erreicht man heute besser, betriebssicherer, billiger. Nur ohne Cassetten, dafür mit CDs als Ausgabemedium. Auf ein solches braucht man nicht zu Verzichten.
(...) ein großer Fortschritt auf dem Übertragungsweg Musiker - Hörer. Ebenso wie auch die DAT-Technik, die leider viel zu früh beerdigt wurde.
Zitat:TBRheiner posteteWenn Du von einem üblichen Durchschnitts-mp3 redest, wie man es statistisch gesehen oft auf Consumer-PCs findet, dann gebe ich Dir recht. Aber "das mp3" gibt es nicht - statt dessen eine Vielfalt von Qualitätsstufen. Man hat ATRAC ab Version 3, erst recht ab Version 4.5 "HiFi-Qualität" zugebilligt. Wie ich aus eigener Erfahrung beurteilen kann, durchaus zu Recht. Mit mp3 sind, wenn man den Fachleuten glauben darf, und das tue ich, noch bessere Ergebnisse möglich als mit ATRAC. Es kommt eben darauf an, welches der verschiedenen mp3-Formate man verwendet, wobei es zu mp3 wiederum bessere Alternativen gibt.
3. MP3 halte ich dagegen nach wie vor für eine klangliche Notlösung, die sich allenfalls durch den Zweck "mobiles Hören" rechtfertigen mag. Sicher besser als der leiernde Kassetten-Walkman von früher, aber weit entfernt davon "wohnzimmertauglich" zu sein.
Das Problem, daß ich sehe, ist recht simpel:
- Man beurteilt die Digitaltechnik nach dem dem einfachsten und niedersten Stand, den man bei unengagierten Consumern vorfindet. Das ist eben "das mp3-file" aus irgendeiner dubiosen Tauschbörse, das möglichst noch über den PC direkt abgehört wird. Da ist's natürlich leicht gruseln.
- Die Analogtechnik findet auf diesem Level gar nicht mehr statt. Sie hat zwar stattgefunden (Kofferradio, Radiorecorder, Walkman, Mr. Hit), aber diese Schiene ist tot. Man könnte sagen. Also beurteilt man nach dem verbliebenen analogen Qualtitäts-HiFi.
Was bei diesem schiefen Vergleich herauskommen muss - und sicher oft herauskommen soll - ist klar. Man verklärt den jetzigen Stand der Analogtechnik, hochgehalten von durchaus qualitätsbewussten Enthusiasten, man vergisst, daß es in der Analogtechnik genausoviel flächendeckenden Murks aus genau den selben Beweggründen gab wie es ihn in der Digitaltechnik heute gibt und hängt diese an genau diesem Argument auf, ohne deren Qualitätsschiene zu berücksichtigen. Man könnte statt dessen auch zur Kenntniss nehmen, daß die digitale Technik die analoge Technik von deren ganzem Schrott befreit hat.
Was digital kann, ist zu beurteilen nach
- den hochauflösenden Aufnahmetechniken für die Produktion
- Der CD und ihren Mutationen als End-Medium für den Consumer
- dem Harddisc-Recording für den Consumer, der selber aufnehmen will.
- den komprimierenden Aufnahmetechniken - nicht unbedingt mp3 - für den mobilen Einsatz.
Die analogen Pendants:
- hochwertige Studio-Tonbandmaschinen
- Die Vinylplatte
- HiFi-Bandmaschinen und Cassettendecks
- Compact-Cassette und Walkman.
Vergleicht man die passenden Punkte, sieht das Bild anders aus. Leider werden die legitimen und tauglichen DAT-Nachfolger - und diese erst waren die tauglichen Nachfolger der analogen Bandmaschine - bei der Betrachtung ignoriert. MP3 ist halt der leichteste Gegner. Spricht nicht gerade für die Analogtechnik, daß man sich auf diesen beschränkt.
Michael(F)
