Verlieren Producer das Gefühl für authentisches Soundesign?
#1
Thumbs Down 
Hallo, 

Ich habe eben einen Ausschnitt aus der Serie Babylon Berlin gesehen. Da ist eine Frau im Plattenladen und sucht nach einem Song. Die Verkäuferin spielt ihr Schellackplatten vor, bis sie das Stück gefunden hat. Die gespielte Musik hat so einen typischen Max Raabe Sound. Man hört es sind einfach nur die Bässe raus gedreht, damit es nach Grammophon klingt, das Lied hat bis auf die Instrumentierung und die Art des Gesangs aber so gar nichts von einer 20er Jahre Produktion ich hab’s mir nicht genau angehört, möglicherweise ist in den Vocals aber sogar Autotune drüber. Da frag ich mich warum man nicht einfach irgendwelche originalen Songs aus der Zeit nimmt. Für mich macht das die sonst recht authentische Athmosphäre kaputt. Allein dieses Mambo Nr. 5 mäßige Intro… die Drums sind viel zu laut
Und zu Groovy gespielt. 

https://m.youtube.com/shorts/E3EVcexfy-M?ra=m

Das ist mir auch bei Ku’damm bitter aufgestoßen. Ich finde Sonja Gerhardt ist eine tolle Schauspielerin aber wie die da so Silbermond artig mit Autotune drauf singt hat halt sonst gar nix von einem 50er Jahre Rock n Roll Schlager und das löst in mir leider meist echte Fremdscham aus. 

Mir fällt dann immer wieder Henry Valentino mit „Ich hab dein Knie geseh‘n“ ein. Ich dachte lange Zeit man hätte tatsächlich eine originale Schellackplatte genommen und um den Refrain quasi ein neues Lied gebaut. Klar ist das noch 100% analog produziert aber ja auch schon über 60 Jahre neuer, als die Ära aus der das stammen soll. 

Mir kann Keiner erzählen, es läge an den technischen Mitteln. In jeder DAW gibt es unzählige Plugins die immer authentischer den originalen Sound bestimmter Instrumente, Mikrofone, Mischer etc. nachbauen können und viele Künstler bekommen das auch extrem gut hin. Ich frage mich eh warum seit den frühen 00ern irgendwie grundsätzlich überall Autotune drauf sein und die Vocals oft so komisch Plastik mäßig hervorgehoben sein muss, während das Playback total kraftlos komprimiert im Hintergrund liegt und das auch Alles seit 30 Jahren gleich klingt, aber ich bin ja kein Profi…
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#2
Das ist halt so beim Film, da geht es nicht um Authentizität wie in einer Doku. Da ist die mittelalterliche Bekleidung aus Kunstfaser, die Waffen sind aus Plastik, die Burgen aus angemaltem Styropor, Explosionen werden mit Druckluft und buntem Licht simuliert und die Mucke kommt halt aus dem Computer und wird mehr oder weniger gut an die gewünschte Zeit angepasst. Das hat vor allem mit Zeit und Geld zu tun, letzteres ist beim deutschen Film besonders knapp.

Die Personen selbst sind ja auch nicht echt, sondern Schauspieler, die nur so tun als ob. Warum sollte das bei der Kulisse anders sein?  Wink
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#3
(15.09.2026, 09:18).DOSORDIE schrieb: Das ist mir auch bei Ku’damm bitter aufgestoßen. Ich finde Sonja Gerhardt ist eine tolle Schauspielerin aber wie die da so Silbermond artig mit Autotune drauf singt hat halt sonst gar nix von einem 50er Jahre Rock n Roll Schlager und das löst in mir leider meist echte Fremdscham aus. 

Die Serie spielt in den 20er und 30er Jahren, nicht in den 50ern. Ich habe mir alles dazu angesehen, auch die Dokus.
Es wurde bewusst ein moderner Stil gewählt um ein modernes Puplikum mitzureisen. Alte Musik hätte nicht den gleichen Effekt.
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#4
Das mit den 50ern ist auf Ku’damm bezogen. In Babylon Berlin spielt ja auch Sonja Gerhardt nicht mit. Aber da ist es musikmässig halt ähnlich.
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#5
Moin,
Filmemacher sind ganz allgemein offenbar bei allem Nichtoptischen schlicht und einfach schlampig. 
Mich stören diese Dinge auch, umso mehr freue ich mich über solche Filme, die sich da mindestens Mühe geben. 
Was mich besonders an deutschen Versionen amerikanischer Filme stört, sind die Unfähigkeit, Silizium (silicon) von Silikon (silicone) zu unterscheiden, was schon Arnie im ersten Terminator sagen lässt, er habe „Chips aus Silikon“. Es gibt auch kein gefährliches „Sodium“ in der deutschen Sprache, Natrium ist schlimm genug, wenn jemand Wasser drüberschüttet …
Dass Worte eine Meinung haben können, weil „meaning“ so schön ähnlich klingt, kann ich auch  mal mindestens schwer nachvollziehen. 
Redewendungen wie „guter Job“ oder das in die Politikersprache übergegangene „in“ vor Jahreszahlen oder falsches Verwenden reflexiver Verben („Ich erinnere das nicht“) geben mir den Rest. 

Sie kennen und können es halt nicht besser, mit allem Anderen außerhalb ihres Spezialgebietes - wie auch Musik und Stil - geht es halt genauso. 
Einen Vorteil hat es aber gegebenenfalls:
An Western aus den 70ern erfährt man zwar wenig von der Zeit, in der er spielen soll, aber eine Menge über Bartmode der 70er ?

Martin (alternder Korinthenkacker)
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#6
(15.09.2026, 09:28)Sunlion schrieb: Explosionen werden mit Druckluft und buntem Licht simuliert

Och, bei "Raumpatrouille" hat man das aber ganz gut hinbekommen. Vermutlich werden heute keine Erbsen und Kaffeebohnen mehr verwendet.

Big Grin
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Servo-Sound Mixer 2002 + 2003, SP 70, 4 x SL 20, 2 x SL 60/D
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#7
Ich habe mich neulich hinreißen lassen einen Film auf Amazon mit den Elevator Boys zu schauen, weil er „Back to the 90s“ hieß. Das war ein ziemlicher Fiebertraum. Die sind dann im Fahrstuhl hängen geblieben und 1995 raus gekommen. Irgendwie waren sie an einer ganz komischen Uni, die zwar in Deutschland war aber lauter amerikanische Klischees bediente. Ich weiß nicht ob das Konzept dadurch internationaler wirken sollte um im Streaming auch in anderen Ländern erfolgreich zu sein oder ob es einfach um eine Ästhetik ging. Die gesamte 1995 über (also einen Großteil des Films), war da auch so ein ekliger Daily Soap Oversaturated Traum Filter drauf, was schwer auszuhalten war.

Dann waren da noch lauter Anachronismen, sämtliche Stereoanlagen, Walkmans, Ghettoblaster waren aus den 80ern. In meiner Kindheit standen solche Geräte noch bei Großeltern und in der Verwandtschaft rum, aber allein durch die starke Verbreitung der CD hatte eigentlich Niemand den ich in meinem Alter kannte noch ein Gerät, das älter als die letzten paar Jahre war, außer Eltern hatten ihren Kindern ihre alte Stereoanlage vermacht.

Wir hatten echt ausnahmslos alle diese hässlichen runden CD Radiorecorder oder Kompaktanlagen. In dem Film lief dann ein Typ mit langen Haaren, der eher nach Metalhead aussah mit einem großen 80er Ghettoblaster vorbei und hatte die Backstreet Boys voll aufgedreht.

Große Ghettoblaster in der Öffentlichkeit waren zu der Zeit eigentlich total out, weil Alle Walkmans oder Discmans hatten. Zumindest war das meine Realtität. Eine Protagonistin hatte dann auch einen Song und ein Demotape. Die Cassette sah aus wie eine „Type 0“ Billig Cassette aus den frühen 80ern. Für sowas Wichtiges wie ein Demo hätte man sich doch mindestens eine TDK SA gegönnt und die hatte 1995 schon den Bogen.

Dann war da noch so ne Uniparty mit einem „Philharmonic“ Bausteinsystem (das war glaub ich Nordmende oder?). So Late 70s Silber und Zappelzeiger. Klar. Solides System und nicht jeder hat ja direkt ne neue Anlage gekauft und grad in einem Studentenwohnheim oder einem Mehrzweckraum haben Leute ja auch gern mal alte Geräte zum Allgemeinwohl gespendet, aber wenn dann Eurodance Party ist passt das irgendwie gar nicht zu den Bildern, die halt eher suggerieren „70s Classic Rock“. Die Zeiger zeigten eh nie das an, was grad an Musik lief, wurden aber ständig gefilmt und auch die Walkmans, die die Alle hatten waren aus den 80ern, ich kannte damals Niemanden, der noch so ein Gerät hatte. Die sind meist alle paar Jahre ersetzt worden weil die im Jugendlichen Leichtsinn meistens nicht lange hielten.

Da hab ich schon das Gefühl da haben einfach 20 Jährige irgendwelche Klischees aneinander gereiht, die nicht zusammen passen und das macht dann nixht sl richtig Spaß.
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#8
(15.09.2026, 10:06)MartinM schrieb: Moin,
Filmemacher sind ganz allgemein offenbar bei allem Nichtoptischen schlicht und einfach schlampig. 
.......
Martin (alternder Korinthenkacker)

Oh man, so ein Bullshit.  Angry

Sorry, aber verschafft euch erst mal einen richtigen Einblick in die Dinge, bevor ihr sowas schreibt......aber das ist hier ja bei allen Themen üblich.

Die Professionellen sind ja alle Idioten und können nix.
Man man man.....80 Millionen Bundestrainer, Virusexperten, Tonmeister, Filmemacher, ...... you Name IT.
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
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#9
Ganz allgemein muss ich sagen dass sehr viele Abmischungen, im Bild wie auch im Ton teilweise sehr laienhaft durchgeführt wurden/werden.
Speziell beim Ton überwiegt oft die Geräuschkulisse und der gesprochene Text wird unterdrückt.
Ich kenne das noch aus meiner Zeit wo wir Industrievideos hergestellt haben: man kennt den Text auswendig, hat ihn ja selbst geschrieben, den Sprecher zig mal gehört und ins Bild gesetzt. Aber für einen Außenstehenden sieht das ganz anders aus: da ist die Zeit zu kurz zum Verstehen des Textes und die Lautstärke ist auch zu gering.
Wirklich oft nervig...

Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Technics RS AZ7; Mirano Echo Chamber T-4;
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#10
Ich sage dazu dann:
Weil der Text nichts taugt, will man ja gerade, dass der nicht verstanden wird...
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#11
Wer mal wirklich bis ins kleinste Detail eine zur Story authentische Umsetzung sehen möchte, dem sei die US Serie "Mad Man" im Original empfohlen. Dort passt alles.
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#12
(15.09.2026, 11:12)DOSORDIE schrieb: Dann waren da noch lauter Anachronismen, sämtliche Stereoanlagen, Walkmans, Ghettoblaster waren aus den 80ern. In meiner Kindheit standen solche Geräte noch bei Großeltern und in der Verwandtschaft rum, aber allein durch die starke Verbreitung der CD hatte eigentlich Niemand den ich in meinem Alter kannte noch ein Gerät, das älter als die letzten paar Jahre war, außer Eltern hatten ihren Kindern ihre alte Stereoanlage vermacht.

[...]

Wir hatten echt ausnahmslos alle diese hässlichen runden CD Radiorecorder oder Kompaktanlagen. In dem Film lief dann ein Typ mit langen Haaren, der eher nach Metalhead aussah mit einem großen 80er Ghettoblaster vorbei und hatte die Backstreet Boys voll aufgedreht.

[...]

Dann war da noch so ne Uniparty mit einem „Philharmonic“ Bausteinsystem (das war glaub ich Nordmende oder?). So Late 70s Silber und Zappelzeiger. Klar. Solides System und nicht jeder hat ja direkt ne neue Anlage gekauft und grad in einem Studentenwohnheim oder einem Mehrzweckraum haben Leute ja auch gern mal alte Geräte zum Allgemeinwohl gespendet, aber wenn dann Eurodance Party ist passt das irgendwie gar nicht zu den Bildern, die halt eher suggerieren „70s Classic Rock“. Die Zeiger zeigten eh nie das an, was grad an Musik lief, wurden aber ständig gefilmt und auch die Walkmans, die die Alle hatten waren aus den 80ern, ich kannte damals Niemanden, der noch so ein Gerät hatte. Die sind meist alle paar Jahre ersetzt worden weil die im Jugendlichen Leichtsinn meistens nicht lange hielten.

Da hab ich schon das Gefühl da haben einfach 20 Jährige irgendwelche Klischees aneinander gereiht, die nicht zusammen passen und das macht dann nixht sl richtig Spaß.


Wir sind mittlerweile einfach schon in einer Zeit, wo das Produktionsteam aus Leuten besteht, die selbst die 90er nicht mehr richtig erlebt haben und dabei kommt dann immer sowas heraus.

Ein weiterer Punkt ist auch, dass Gegenstände die als Requisiten dienen oder Immobilien und Schauplätze aus diesen Zeiten immer weniger werden. Einen Film oder eine Serie mit Handlung in den 90ern, kann man aktuell noch recht gut umsetzten, weil aus der Zeit noch viel existiert, auch wenn es schon weniger wird. Bei den 80ern wird es mittlerweile schon schwer, vor 10 Jahren war das da auch noch kein Problem. Und alles was noch länger her ist, wird heute kaum noch authentisch umgesetzt, weil vieles davon nicht mehr existiert, schwer aufzutreiben ist und Häuser/Gebäude usw. schon mehrfach renoviert wurden und nicht mehr im Originalzustand existieren. Solche Produktionsfirmen können auch nicht ewig Zeit aufbringen passende Requisiten oder Schauplätze zu finden. So tauchen heutzutage oft 90er Röhrenglotzen in Produktionen auf, die in den 80er oder 70er Jahren handeln. Solche Geräte sind bleischwer, wurden jahrelang bedenkenlos weggeworfen und sind demensprechend heute Mangelware. Keiner wird über Wochen ein passendes Gerät suchen, sondern einfach das nehmen, was in einem Requisitenlager steht.

Auch gehen Leute, die in diesen Epochen ihre "Sturm- und Drangzeit" hatten, mittlerweile in Rente oder sind es schon und können ihre Sichtweise dazu nicht mehr einbringen.
Dann ist, wie man eine bestimmte Zeit erlebt hat, sehr individuell. Wenn ich an meine Kindheit in der ersten Hälte der 90er denke, dann war das zu großen Strecken mehr 60er und 70er als 90er: Wir lebten in einem Haus aus den 60ern ohne Zentralheizung, wenn man es warm wollte musst man erst Kohle oder Öl aus dem Keller holen und wenn man duschen wollte, erst mal den Badeofen mit Holz anschüren. Außerhalb der Küche war es im Winter meist eiskalt. Der Großteil der Einrichtung war aus den 60ern oder 70ern, die meisten fuhren alte Kisten aus den 70ern, nur der Fernseher war tatsächlich neu. Bei meiner Großmutter im Mietshaus gab es sogar noch Gemeinschaftsbäder. So würde heute kein Mensch die 90er Jahre darstellen, es war zu dieser Zeit aber für sehr viele Menschen in Deutschland noch der Alltag.
Natürlich hatte ich einen Discman und hörte aktuelle Musik und auch modisch waren alle einigermaßen "up to date".

Werden heutzutage Produktionen in diesen Zeiten angesiedelt, werden oft einfach Dinge eingebaut, die als typisch dafür gelten, ohne sich wirklich um die Authenzität zu sorgen. Eine Sache die z.B. mir auch immer wieder auffällt, sind solche Dinge, wie ein Protagonist sagt, er hätte was auf VHS aufgenommen oder nimmt etwas auf VHS auf. Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sowas damals nie jemand gesagt hat. Bei uns wurde gesagt "ich nehme was auf Videokassette auf" oder "ich nehme was mit dem Videorekorder auf". Das genaue Format zu benennen war völlig unüblich. Auch der Begriff "Vinyl" für eine Schallplatte war total ungebräuchlich, es war einfach eine Schallplatte.

Auf solche Details achtet heute niemand mehr. Man muss aber auch der Wahrheit ins Auge sehen, dass man selbst auch nicht mehr die Zielgruppe solcher Produktionen ist.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
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#13
(16.09.2026, 07:03)The_Wayne schrieb: Wir lebten in einem Haus aus den 60ern ohne Zentralheizung, wenn man es warm wollte musst man erst Kohle oder Öl aus dem Keller holen und wenn man duschen wollte, erst mal den Badeofen mit Holz anschüren. Außerhalb der Küche war es im Winter meist eiskalt. Der Großteil der Einrichtung war aus den 60ern oder 70ern, die meisten fuhren alte Kisten aus den 70ern, nur der Fernseher war tatsächlich neu.

Wir lebten in einem Mietshaus der BW, Erstbezug 1962, jeder Raum hatte einen Kohleofen, der im Schlafzimmer und Kinderzimmer wurde nie benutzt. Ab Mitte der 60er wurde dann der Kohleofen im Wohnzimmer durch einen "modernen" Ölofen ersetzt. Das Öl und die vorherige Kohle durfte ich immer aus dem Keller holen, der immer ein Angstraum war.

Warmes Wasser im Bad gab es auch nur samstags, dann wurde der mannshohe Boiler im Bad durch eine Öffnung im Flur mit Kohle angeheizt. In der Küche stand neben dem Kohleherd (der mit den Ringen) schon ein Elektroherd, erst Mitte der 60er kam dann die Scharpf Waschmaschine, ein Riesending mit zwei getrennten Stellen für Waschen und Schleudern. Da musste der Küchenschrank dann in den Flur weichen. Ende der 60er gab es dann einen ganz neuen Bosch-Kühlschrank mit separatem Drei-Sterne Fach (auch außen eine separate Tür dafür).

Aber immerhin hatten wir schon von Anfang an eine Kuba/Imperial Musiktruhe mit Fernseher und miracord 16 und ein Grundig TK 5.

Und jeder hatte Kinder, nur unsere direkten Nachbarn auf dem Flur nicht, was ich damals nicht verstanden hatte  Wink.
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#14
Wir lebten damals in einer Höhle in Ostberlin. In der Mitte brannte ein Lagerfeuer, um das wir im Winter kreisten. Wer zu langsam war, bekam den Platz am Höhleneingang und morgens Raureif auf den Augenbrauen. Warmes Wasser war Luxus. Samstags wurde ein Findling im Feuer erhitzt und ins Badebecken gerollt. Wer zuerst badete, wurde gekocht, wer zuletzt dran war, bekam wieder Eiswasser.

Wenn wir Hunger hatten, zog mein Vater mit Speer und Faustkeil in den Brosepark. Mammuts waren dort allerdings schon damals selten. Meist kam er mit einem Hasen, drei Kastanien und einer Verwarnung vom Abschnittsbevollmächtigten zurück.

Die Wäsche wurde unten an der Panke gewaschen, geschleudert hat man sie anschließend über dem Kopf. Wer kräftig genug schleuderte, konnte sich das Aufhängen sparen.

Fernsehen gab es natürlich noch nicht. Abends malte mein Vater mit Holzkohle Bilder an die Höhlenwand und bewegte davor eine Fackel. Unser erstes Farbprogramm kam 1967, als jemand roten Ocker auftreiben konnte.

Musik hatten wir aber schon früh: zwei Knochen, ein hohler Baumstamm und später sogar eine importierte Muschel mit erstaunlich gutem Empfang. Der Empfang von RIAS war allerdings wetterabhängig.

Ende der 60er kam dann endlich der Fortschritt: Wir bekamen ein Rad. Das stand zunächst nur dekorativ im Flur, weil noch keiner wusste, wofür es gut war.

Und jeder hatte Kinder. Nur die Neandertaler nebenan nicht. Das habe ich damals nicht verstanden.
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#15
Nur so nebenbei: Das Lied " Ich hab', ich bin, ich wär' ", das in dem o.g. Ausschnitt angespielt wird, ist in der Tat aus den 1920er Jahren und wurde von Curt Bois interpretiert...
Und 'groovy' konnte man m.E. auch schon damals!

Gruß, Klaus
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#16
(16.09.2026, 08:24)Sunlion schrieb: Wir lebten damals in einer Höhle in Ostberlin. In der Mitte brannte ein Lagerfeuer, um das wir im Winter kreisten. Wer zu langsam war, bekam den Platz am Höhleneingang und morgens Raureif auf den Augenbrauen. Warmes Wasser war Luxus. Samstags wurde ein Findling im Feuer erhitzt und ins Badebecken gerollt. Wer zuerst badete, wurde gekocht, wer zuletzt dran war, bekam wieder Eiswasser.

Wenn wir Hunger hatten, zog mein Vater mit Speer und Faustkeil in den Brosepark. Mammuts waren dort allerdings schon damals selten. Meist kam er mit einem Hasen, drei Kastanien und einer Verwarnung vom Abschnittsbevollmächtigten zurück.

Die Wäsche wurde unten an der Panke gewaschen, geschleudert hat man sie anschließend über dem Kopf. Wer kräftig genug schleuderte, konnte sich das Aufhängen sparen.

Fernsehen gab es natürlich noch nicht. Abends malte mein Vater mit Holzkohle Bilder an die Höhlenwand und bewegte davor eine Fackel. Unser erstes Farbprogramm kam 1967, als jemand roten Ocker auftreiben konnte.

Musik hatten wir aber schon früh: zwei Knochen, ein hohler Baumstamm und später sogar eine importierte Muschel mit erstaunlich gutem Empfang. Der Empfang von RIAS war allerdings wetterabhängig.

Ende der 60er kam dann endlich der Fortschritt: Wir bekamen ein Rad. Das stand zunächst nur dekorativ im Flur, weil noch keiner wusste, wofür es gut war.

Und jeder hatte Kinder. Nur die Neandertaler nebenan nicht. Das habe ich damals nicht verstanden.

Sag mal @Sunlion,

soll Dein Beitrag witzig sein, oder was soll so etwas?


PS: Das Fullqoute ist übrigens Absicht.
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#17
Ja, soll witzig sein, trifft aber anscheinend nicht Deinen Geschmack. Aber das macht nichts, dem einen gefällt's, dem anderen nicht, so ist halt das Leben.
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#18
(16.09.2026, 09:35)Sunlion schrieb: Ja, soll witzig sein, trifft aber anscheinend nicht Deinen Geschmack. Aber das macht nichts, dem einen gefällt's, dem anderen nicht, so ist halt das Leben.

Das ist weder witzig, noch bringt es die Diskussion weiter.
Über so etwas lacht vielleicht ne KI ...
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#19
(16.09.2026, 09:39)96k schrieb: Über so etwas lacht vielleicht ne KI ...

Die hat vielleicht mehr Humor als Du.
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#20
Also ich fand das schon lustig.

@MrBean. Naja so richtig groovy find ich das jetzt nicht und dieser Mambo Nr. 5 Groove, der ja wahrscheinlich an so einen Chicago mäßigen 30er Jahre Sound angelehnt ist, ist hier auch nicht zu erkennen. Und man muss auch ganz klar amerikanische Produktionen von Deutschen unterscheiden. Diese Rock’n’Roll Schlager - speziell auch deutsche Versionen von amerikanischen Originalen klingen doch auch deutlich steifer. Wenn ich da an Sugar Baby von Peter Kraus denke oder auch Blue Moon (keine Ahnung wer das auf Deutsch gesungen hat), aber es ist definitiv die Version von den Marcels… die Deutschen kamen da alle noch aus dem Volkslied und der Operette. Das klingt dagegen Alles stock steif, selbst in der Instrumentierung. Ein Schwarzer, der aus dem Blues kommt und dann Rock‘n‘Roll macht hat ein ganz Anderes Empfinden für Rhythmus.

Dementsprechend ist das Remake für mich in seiner Produktion nicht ansatzweise mit dem Original vergleichbar.

Wenn du Timbaland don‘t You want me von human league gibst wird der das auch komplett umkrempeln, auch wenn die Harmonien gleich bleiben und das Lied im Kern das selbe ist es halt doch ein anderes Producing, das zu seiner Zeit nicht möglich gewesen wäre. Das heisst ja nicht dass die Musik oder die Produktion deshalb schlecht ist. Trotzdem macht es die Ästhetik eines Films halt kaputt, auch wenn das Lied selbst aus der Zeit stammt.

RTL hat sich übrigens mal ein bisschen Mühe gegeben. Ich bin zwar kein Freund von einem Großteil von deren Content, aber die Serie über Arno Funke wollte ich doch gern sehen und sie hat mir auch ganz gut gefallen. Bis auf dass es 1988 noch kein Tutti Frutti gab haben die sich sogar die Mühe gemacht, das alte RTL Plus corner Logo in altem Bildmaterial einzubauen. Auch wenn das ab 89 nicht mehr bunt eingeblendet wurde und ab Mitte 92 eigentlich das Kastenlogo folgte, habe ich mich darüber sehr gefreut. Auch der Elektronikfachmarkt war gut zurecht gemacht. Das geht also schon Alles, wenn man will. Stranger things ist auch ein sehr positives Beispiel, oder wenn wir schon bei RTL sind: Deutschland 83 und spätere Staffeln. Zwar kauft er da einen Walkman DD III, den es erst 1987 gab, aber das kann ich verzeihen. Der erste DD wäre stilechter gewesen.
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#21
(15.09.2026, 19:32)proso schrieb:
(15.09.2026, 10:06)MartinM schrieb: Moin,
Filmemacher sind ganz allgemein offenbar bei allem Nichtoptischen schlicht und einfach schlampig. 
.......
Martin (alternder Korinthenkacker)

Oh man, so ein Bullshit.  Angry

Sorry, aber verschafft euch erst mal einen richtigen Einblick in die Dinge, bevor ihr sowas schreibt......aber das ist hier ja bei allen Themen üblich.

Die Professionellen sind ja alle Idioten und können nix.
Man man man.....80 Millionen Bundestrainer, Virusexperten, Tonmeister, Filmemacher, ...... you Name IT.

Rrrruhig Brauner Wink
Martin wollte das bestimmt nicht als Angriff platzieren - er schrieb ja "...offenbar..."
Das suggeriert doch, daß es sich um seine Meinung handelt und die darf er doch haben
Du kannst natürlich auch das Gegenteil beweisen, da hat sicher niemand was dagegen

Aber jetzt so pauschal draufhauen find ich auch nicht OK
Viele Grüße
Jörg
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#22
@RalfR, so ähnlich lebte eine Freundin in einem Mietshaus auch noch in den späten 00ern. Sie musste regelmäßig Holz aus dem Wald holen gehen, damit der Ofen warm blieb, wenn im Keller der Vorrat aufgebraucht war. Einmal bin ich auch mit ihr los gezogen. Für mich, der in einem Haus mit Zentralheizung aufgewachsen war, war das damals bereits schon unvorstellbar.
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#23
In den 60ern hatten wir im Bad noch einen Holzofen mit einem 100 Liter Wassertank um heißes Wasser zu erzeugen und
und jeden Samstag.....

achso, es ging ja um Sound-Designs....  Blush
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#24
thumbsup thumbsup
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#25
Bad Designs sind auch ok ;-) . Wir hatten bis 2005 oder so ein ganz hässlichen Blaues Bad mit Fliesen aus den 70ern. Wenn ich darüber nachdenke war das Mega unwohnlich, aber wir hatten ein Doppelwaschbecken. Meine Schwester hatte in ihrer ersten Wohnung noch so einen Spülkasten, der fast unter der Decke hing, man musste dann mit einer Kette daran ziehen.
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#26
"Für mich macht das die sonst recht authentische Athmosphäre kaputt." Das geht mir genauso!
Drummer machen Fehler, die meistens laut sind. www.stompology.org
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