Mein Kampfzwerg ist angekommen - Fostex Modell 80
#1
Ich suche seit längerer Zeit nach einem kleinen Mehrspurtonbandgerät, eigentlich sollte es ein Fostex A4 werden. 
Diese Geräte scheinen sehr rar zu sein, ich war daher für Alternativen offen.

Als heute der DHL-Zusteller das erwartete Paket brachte war ich sehr erstaunt:
Er überreichte mir einen handlichen leichten Karton, den ich argwöhnisch betrachtete; da soll ein Mehrspurgerät drin sein? 
Der Karton hatte den Transport gut überstanden...

Nach dem Öffnen muss ich den Verkäufer ausdrücklich loben, das Gerät wurde sehr stoßsicher verpackt und auch das entsprechende Warnband war am Paket überall angebracht. Sehr vorbildlich.

Zum Vorschein kam dann tatsächlich ein kleineres Gerät, ein Fostex Modell 80.

       

Der Verkäufer schrieb, daß er nicht sicher sei ob alles funktioniere.
Zumindest was den Bandtransport und den Locator betrifft ist das Gerät in Ordnung.
Erstaunt war ich über das Antriebskonzept: 3 Gleichstrommotore (oder besser Motörchen...) die über Riemen auf den Antrieb wirken. 
Wenn die Motoren den Dienst versagen wird es schwierig mit Ersatz.

Für die Schwungmasse ein breiterer Flachriemen, pro Wickelmotor sind in meinem Gerät jeweils 2 Vierkantriemchen aufgezogen. Alle Riemen habe ich mit etwas Talkum versorgt, der Zustand ist in Ordnung.

           

Beim ersten Demontieren merkt man dann doch die Zielgruppe, für den professionellen Studiobetrieb ist das Gerätchen nicht unbedingt geeignet.
Das hatte ich aber auch nicht erwartet.
Um an das Chassis zu gelangen sind einige Verrenkungen über Schraubverbindungen in diversen Plastikteilen notwendig.

           

Die Mechanik ist einfach aufgebaut, 2 Magnete reichen für Gummiandruckrolle und Stillstandsbremse aus. Da kann wenig kaputtgehen.
Eine Bandzugsregelung habe ich nicht entdeckt. 

Nachdenklich stimmen mich die Plastikriemenscheiben, hier muss beim Zerbröseln dann Ersatz aus Aluminium rein.
Die zwei Scheiben der Wickelmotore zeigen bereits die ersten Risse, das ist unschön und eine bekannte Schwachstelle der preiswerten Fostex Geräte.

Nach dem Entfetten und neu Schmieren der Gestänge bzw. dem Ölen der Lager konnte ich mich einer kurzen Inspektion der Elektronik widmen.
Der grüne Glibber an den Gestängen ist übrigens Lithium Komplex Fett, bevor jemand fragt; etwas zu reichlich aufgetragen...

Es ist ein kombinierter Sprech-/Wiedergabekopf für 8 Spuren verbaut, notwendig für Simultanaufnahmen.
Hinterbandkontrolle ist nicht notwendig. 
Der optische Zustand der 2 Köpfe scheint für meine Zwecke ausreichen zu sein, den Bandabheberbolzen werde ich noch etwas nach hinten drehen damit der Einschliff verschwindet.

           

Gut gelöst ist für diese preiswerte Geräteklasse die Einstellmöglichkeiten des Aufnahme- und Wiedergabeverstärker für alle 8 Kanäle von der Geräteunterseite im Liegendbetrieb nach Entfernung der Gehäuseschale.

   

Allerdings sind auf den Leiterplatten alle Schaltkreise ohne Sockel direkt auf die Platinen gelötet. Das ist beispielsweise zwei Preisklassen höher bei Otari und Co anders gelöst.

               

Die Steuerung der Laufwerksfunktionen erfolgt über eine Programmsteuerung mittels CPU, im Fehlerfall wird es schwierig.
Der Locator kann zusätzlich zum 0-Punkt weitere 2 Punkte auf dem Band anfahren, das funktionierte bei mir mit 18cm Spule sehr gut, nur 4 cm Abweichung im Rückspulbetrieb nach kompletten Banddurchlauf.

Die Befestigung von Stromversorgungsleitungen auf der Gleichrichterplatine mit Heißkleber ist sehr speziell..

   

Es ist sehr viel Plastik an diesem kleinen Gerät verbaut, es wiegt gerade einmal 13 kg.

Soweit meine heutigen ersten Eindrücke vom Gerät. 

Mehrspuraufnahmen werde ich später testen; hierbei ist mir klar, daß bei 8 Spuren auf 1/4 Zoll Tonband bei 38cm/s Bandgeschwindigkeit bestimmte Grenzen gelten.

Gruß Jan
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#2
Hi Jan!

Danke für den Spannenden Beitrag zur Fostex und deren interessanten technischen Einblicke.

Beste Grüße

Thomas 

PS: an der Front sehe ich keine Option zur Bandtransportgeschwindigkeitswahl, ist die fest vorgegeben und wie wird ausgesteuert, über Mischpult?
Mein Motto "Zitat" »Opa Deldok«: »Früher war alles schlechter. !!!!

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#3
38cm/s als einzige feste Geschwindigkeit und Aussteuerung der Eingänge oder Mithören der bereits aufgenommenen Spuren am Mischpult.

Gruß Jan
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#4
Hallo Jan,

ja herzlichen Glückwunsch zu der kleinen Fostex thumbup

Hier werkelt seit geraumer Zeit die quasi kleine Schwester als 3-Track mini Master  Big Grin
Laufwerksseitig sowie Chassiseitig sind die Geräte exakt gleich. Und trotz des hohen Kunstoffanteils, funktioniert das aber alles sehr gut, auch mit dem Locator. Und genau das war für mich das Spannende: Welches Gerät biete schon bei 18er Spulen einen Locator..... Cool
Das Antriebspulley für den Capstan ist aber kein Kunstoff, das ist nur eine Abdeckung, die wohl ein Herunterrutschen des Riemens beim Anlaufen verhindern soll. Diese Abdeckung fehlt bei mir.

   

Meine Lütte hat zwei Geschwindigkeiten (19 und 38cm/s) und eben Halbspur plus Time Code Center Track.
   

Zum Einmessen kann die Maschine im Gehäuse bleiben, die Bodenplatte lässt sich separat entfernen. Bei der 20er sind dort eben nur 3 anstatt vier Audio Karten drin. Die eine Seite vom Steg ist Repro, die Andere Rec. Die Maschine hat LED Peak Pegelanzeigen. 0dB entsprechen dabei 514nWb/m bei den Audio Tracks, beim Cue Track 320.

Dann fehlt dir ja zu deinem Glück nur noch der Synchronizer 4030 plus das Steuerpult 4035  Big Grin

   

Edit: Das Band rechts von der Andruckrolle gehört aber oben über die Führung 
.gif   floet.gif (Größe: 2.25 KB / Downloads: 484)
Ist diese Führung bei dir starr?

Gruß
Thorsten
Eine solide Planung ist die Grundvoraussetzung einer gelungenen Improvisation
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#5
Hallo Jan,

da hast du ja wieder eine schöne Herausforderung.
Vor einiger Zeit wurde mir mal ein ähnliches Gerät angeboten, aber das sah aus, als wäre es beim Ausfegen einer staubigen Werkshalle
im Besen hängen geblieben. Ich habe dankend abgelehnt.
Irgendwie sind diese Geräte interessant und vor Jahren hätte ich gern eins gehabt, um Trickaufnahmen zu machen.
Zu diesem Zweck "braucht" man sowas heute ja nicht mehr, aber schön finde ich es trotzdem.
Toll, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Bei mir steht noch ein E-16, das bisher nur bei der Digitalisierung eines Bandes helfen durfte.
Falls mir mal zufällig ein 1/2" Band vor die Füße rollt, hätte ich schon eine Idee für eine Anwendung, aber da sind andere Dinge wichtiger.

Weiter viel Erfolg

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

http://www.sender-zitrone.de/
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#6
(04.09.2026, 19:27)gasmann schrieb: Edit: Das Band rechts von der Andruckrolle gehört aber oben über die Führung 
Ist diese Führung bei dir starr?

Hallo Thorsten,
du hast recht, das Band kommt über die rechte Führung.
Das ist bei mir eine bewegliche Kunststoffrolle.

Allerdings hatte ich mich schon zu früh gefreut.
Weder beim Aufnahme- noch im Wiedergabebetrieb funktioniert die Pegelanzeige.
Zuerst dachte ich ein elektrischer Fehler, dann stellte ich fest daß alle 8 Bargraph Anzeigemodule fehlen.
Das erkennt man durch die getönte Scheibe erst zu spät.
Schade daß das nicht in der Beschreibung stand.

Gruß Jan
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#7
(04.09.2026, 23:29)Ferrograph schrieb: Zuerst dachte ich ein elektrischer Fehler, dann stellte ich fest daß alle 8 Bargraph Anzeigemodule fehlen.

Das ist ja fies  Sad

Es gibt zwar Ersatz : https://www.ebay.de/itm/166739687297?_sk...R6zzpYuOaA

Aber zum Einen ist das bei 8 Stück ja schon eine preisliche Hausnummer, die wohl den Wert der Maschine sprengt, und zum Anderen hilft das nicht, wenn auch der Diffusor jeder Anzeige fehlt. Der muss nämlich umgebaut werden.
Bei meiner waren auch zwei Kanäle nicht mehr ok, da sind einzelne Segmente ausgefallen, was wohl eine Krankheit bei diesen Anzeigen ist.

Gruß
Thorsten
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#8
Cool Schöne Maschine - Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß bei den Mehrspuraufnahmen.
Wink  Der die Passion zur alten Recording Technik wiederentdeckt hat  Heart
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#9
(05.09.2026, 09:40)gasmann schrieb: ... Bei meiner waren auch zwei Kanäle nicht mehr ok, da sind einzelne Segmente ausgefallen, was wohl eine Krankheit bei diesen Anzeigen ist...

Ja, ist eigentlich kein Hexenwerk ein Anzeigemodul nachzubauen.
Allerdings sind 12 LED verbaut, die üblichen LED Treiber IC sind meist für 10 Ausgänge ausgelegt.
Wie ich das gesehen habe kann für jedes Modul extern die Referenzspannung festgelegt werden zusätzlich natürlich die Eingangsspannung vom Meßverstärker und 9V Betriebsspannung neben der Masse.

Leider finde ich nirgendwo einen Schaltplan für diese Bargraph Module, in meinem Fostex Service Manual sind die nicht abgebildet.
Die Nachbauten bei Ebay haben einen Rechnerschaltkreis auf der Platte um die originalen Module nachzubilden.

Wenn also jemand die Schaltung für die originalen Fostex-Anzeigemodule hat wäre mir sehr geholfen...

Gruß Jan
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#10
Beim Pollin gibts (noch) einen Bausatz mit Komparatoren und 12 LEDs:
https://www.pollin.de/p/bausatz-led-vu-m...1-0-810103

Die Schaltung ist recht flexibel, durch die Teilerkette kann man die Stufen selbst festlegen.

Wahrscheinlich passen aber keine 8 Stück davon in den Kampfzwerg...
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#11
(04.09.2026, 23:29)Ferrograph schrieb: ... dann stellte ich fest daß alle 8 Bargraph Anzeigemodule fehlen.

Gruß Jan

Na, das ist schon frech! Und um es klar auszusprechen, Betrug!

Grüße
Erhard
Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem. Karl Valentin
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#12
(05.09.2026, 20:35)Ferrograph schrieb: Ja, ist eigentlich kein Hexenwerk ein Anzeigemodul nachzubauen.
Allerdings sind 12 LED verbaut, die üblichen LED Treiber IC sind meist für 10 Ausgänge ausgelegt.
Der Schaltkreis A277D ist für 12 LED ausgelegt.
Grüßle,
Franz
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#13
(06.09.2026, 11:35)franzm schrieb: Der Schaltkreis A277D ist für 12 LED ausgelegt.

Stimmt, an diesen DDR Schaltkreis hatte ich gar nicht mehr gedacht. Früher oft damit gebastelt...
Im Original auf den Fostex VU-Bargraphen ist der Sanyo LB1412M in einer Version ohne externes Gehäuse in einer Epoxidperle verbaut. 
Das minimiert den notwendigen Einbauplatz.
Dieser IC bietet natürlich eine Menge Funktionen mehr wie zum Beispiel Spitzenspannungshaltung und ähnliches.

Da ich aber lediglich ein passendes in etwa logarithmisches Mäusekino einbauen möchte wäre der A277 eine Überlegung Wert. 
Wenn er noch ins Layout und in der Einbauhöhe und Länge (durch das DIL-Gehäuse) bei der Montage  passt...
Als LED`s würde ich die preiswerten rechteckigen Exemplare einsetzen.

Weiß jemand wie sich dieser 4-polige Leiterplatten-Steckverbinder nennt?

   

Gruß Jan
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#14
Das ist ein Molex KK Verbinder
https://www.reichelt.de/de/de/shop/produ...gKBvvD_BwE
Gruß, Kuni
..............................

http://kuni.bplaced.net/
..............................
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#15
(05.09.2026, 20:35)Ferrograph schrieb: Leider finde ich nirgendwo einen Schaltplan für diese Bargraph Module, in meinem Fostex Service Manual sind die nicht abgebildet.

Wenn also jemand die Schaltung für die originalen Fostex-Anzeigemodule hat wäre mir sehr geholfen...

Gruß Jan

Die Schaltung habe ich leider auch nicht.
Hilft es dir, wenn ich dir ein defektes Modul zu sende? Vermutlich sind ja eh nur die entsprechend ausgefallenen LEDs hin.

Gruß
Thorsten
Eine solide Planung ist die Grundvoraussetzung einer gelungenen Improvisation
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#16
(06.09.2026, 14:52)Kuni schrieb: Das ist ein Molex KK Verbinder
https://www.reichelt.de/de/de/shop/produ...gKBvvD_BwE

Danke Kuni.
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#17
(19.09.2026, 19:44)gasmann schrieb: Die Schaltung habe ich leider auch nicht.
Hilft es dir, wenn ich dir ein defektes Modul zu sende? Vermutlich sind ja eh nur die entsprechend ausgefallenen LEDs hin.

Das wäre super, Thorsten. Ich sende dir eine PN.

Gruß Jan
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#18
Bei meinem R8 sind LED drin. Das nutzt dir also nichts,

Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Technics RS AZ7; Mirano Echo Chamber T-4;
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