Alternative Entwicklungsszenarien in der Medienindustrie
#1
Hallo zusammen,

ich habe mal der Google KI die Frage gestellt, was passiert wäre, wenn die Compact Disc nicht erfunden worden wäre. Die Ergebnisse waren interessant und überraschend. Natürlich musste ich auch durch Nachfragen und Korrekturen das Ergebnis verbessern, aber es hätte in der hier gedachten parallelen Zeitlinie unerwartete Entwicklung gegeben;

    
Hier ist die vollständige, jahrgenaue Chronologie unserer gemeinsam erarbeiteten alternativen Zeitlinie, detailliert aufgeschlüsselt für Deutschland und die USA/Silicon Valley.

? 1982
  • ?? Deutschland: Die Kohl-Wende: Helmut Kohl wird Bundeskanzler und stoppt den visionären Glasfaser-Ausbauplan seines Vorgängers Helmut Schmidt. Die politische Priorität liegt auf dem schnellen Ausbau von günstigen Kupfer-Koaxialkabeln, um das Privatfernsehen (für kommerzielle Sender) als medienpolitisches Gegengewicht zu den öffentlich-rechtlichen Sendern zu etablieren.
  • ?? USA / Silicon Valley: Der PC-Boom: Der IBM-PC und seine Klone erobern die Büros im Sturm. Erste große Risikokapital-Wellen (Venture Capital) fließen in reine Softwarehäuser an der Sand Hill Road im Silicon Valley.
  • ?️ Technologie & Medien: Die Compact Disc existiert nicht. Die analoge Musikkassette (MC) und die klobige 5,25-Zoll-Diskette sind weltweit die unangefochtenen Standard-Speichermedien im Consumer-Bereich.
? 1983
  • ?? Deutschland: Die Deutsche Bundespost optimiert unter Hochdruck das bestehende, analoge Kupfer-Telefonnetz. Der Bildschirmtext (Btx) startet bundesweit für die Masse, bleibt aber wegen hoher Gebühren und klobiger Bedienung ein teurer Nischen-Flop für Privatkunden.
  • ?? USA / Silicon Valley: Das Netzwerkprotokoll TCP/IP wird offiziell als Standard für das ARPANET festgelegt. Das universitäre Internet wächst im Hintergrund rasant, bleibt der breiten Öffentlichkeit aber noch verborgen.
  • ?️ Technologie & Medien: Die Softwareentwicklung ist von extremer Genügsamkeit geprägt. Da RAM und Diskettenplatz stark limitiert sind, optimieren Programmierer ihren Code in maschinennaher Sprache (Assembler) auf wenige Kilobyte.
? 1984
  • ?? Deutschland: Analog-Peak: Deutsche Hi-Fi-Riesen wie Grundig, Dual und Saba bringen hochentwickelte Kassettendecks mit Dolby C auf den Markt. Die Geräte verfügen über mikroprozessorgesteuerte Systeme zur automatischen Bandeinmessung (Auto-Bias).
  • ?? USA / Silicon Valley: Apple stellt den ersten Macintosh vor und etabliert die 3,5-Zoll-Diskette (frühe Version mit 400 KB) im Valley als neuen, handlichen Speicherstandard.
  • ?️ Technologie & Medien: Die analoge Kompaktkassette erreicht ihren ersten mechanischen und klanglichen Höhepunkt. Das gefürchtete Bandrauschen ist bei hochwertigen Aufnahmen für den Normalverbraucher kaum noch wahrnehmbar.
? 1985
  • ?? Deutschland: Der Dolby-S-Durchbruch: Durch den immensen Druck, die Kassette ohne digitale Konkurrenz zum ultimativen Musikmedium zu machen, kommt das Rauschunterdrückungssystem Dolby S zwei Jahre früher als in der Realität auf den deutschen Markt.
  • ?? USA / Silicon Valley: Steve Jobs verlässt Apple im Streit und gründet NeXT. Er investiert Millionen in die Erforschung von wiederbeschreibbaren, optischen Magneto-Optischen (MO) Laufwerken für professionelle Workstations.
  • ?️ Technologie & Medien: Die Halbleiterindustrie im Valley meldet enormen Bedarf an mehr Arbeitsspeicher (RAM), da die Benutzeroberflächen der Computer zunehmend grafischer und speicherhungriger werden.
? 1986
  • ?? Deutschland: Die Bundespost beginnt in Ballungsräumen mit ersten Feldversuchen für das digitale Telefonnetz ISDN (Integrated Services Digital Network) für Großkunden und Behörden.
  • ?? USA / Silicon Valley: Die Festplattenhersteller im Valley (wie Seagate und Quantum) erleben einen Produktionsboom. Interne Festplatten mit 20 Megabyte Kapazität werden für den normalen Consumer bezahlbar.
  • ?️ Technologie & Medien: Software gerät in eine erste Platzkrise. Komplexe Spiele wie [i]King’s Quest III[/i] müssen auf mehreren Disketten ausgeliefert werden. Große Enzyklopädie-Projekte scheitern in der Konzeptphase am Mangel eines billigen Massenspeichers.
? 1987
  • ?? Deutschland: Dolby S setzt sich im deutschen Hi-Fi-Mittelstand komplett durch. Das Mitschneiden von Musikcharts aus dem analogen UKW-Radio wird zum Volkssport einer ganzen Generation.
  • ?? USA / Silicon Valley: Die 3,5-Zoll-Diskette mit 1,44 MB (High Density) wird durch IBMs neue PS/2-Computerreihe als globaler Standard zementiert. Das Valley feiert den temporären Platzsegen.
  • ?️ Technologie & Medien: Softwarehersteller gehen dazu über, ihre Programme stark komprimiert auf Disketten auszuliefern. Datenkompressionstools (wie .zip und .arj) werden zu überlebenswichtigen Werkzeugen für PC-Nutzer.
? 1988
  • ?? Deutschland: Die Bundespost rollt ISDN bundesweit aus. Deutschland gilt damit telekommunikationstechnisch als weltweit führend, das System ist jedoch starr auf reine Sprach- und Faxübertragung ausgelegt.
  • ?? USA / Silicon Valley: NeXT stellt seine avantgardistische Workstation mit einem integrierten, wiederbeschreibbaren 256-MB-MO-Laufwerk vor. Das Valley erkennt das Potenzial dieses optischen Großspeichers.
  • ?️ Technologie & Medien: Die Musikindustrie optimiert die Chemie der Massenmedien: Hochwertige, zweischichtige Typ-II-Kassetten (Chromsubstitut/Ferro-Cobalt wie TDK SA oder Maxell XLII) werden durch enorme Skaleneffekte spottbillig und zum unangefochtenen Kaufkassetten-Standard. Die teuren, verschleißintensiven Typ-IV-Reineisenbänder bleiben eine unbedeutende Studio-Nische.
? 1989
  • ?? Deutschland: Der Fall der Berliner Mauer stellt die Bundespost vor eine historische Mammutaufgabe. Die völlig veraltete, analoge Telefoninfrastruktur der DDR muss im Eilverfahren modernisiert werden.
  • ?? USA / Silicon Valley: Tim Berners-Lee reicht seinen Vorschlag für das World Wide Web (WWW) ein. Im Silicon Valley formieren sich die weltweit ersten rein netzwerkbasierten Start-ups.
  • ?️ Technologie & Medien: Bürosoftware wie [i]WordPerfect 5.1[/i] und Simulationsspiele wie [i]SimCity[/i] dominieren den PC-Markt. Sie werden in großen Kartons, gefüllt mit Stapeln von 3,5-Zoll-Disketten, verkauft.
? 1990
  • ?? Deutschland: Die Kupfer-Falle im Osten: Um Millionen Bürgern im Osten der Republik in Rekordzeit Telefonanschlüsse zu garantieren, verlegt die Bundespost im Rahmen von "Aufbau Ost" eilig Kupfer- statt moderner Glasfaserleitungen.
  • ?? USA / Silicon Valley: Das Multimedia-Dilemma: Erste dedizierte 3D-Grafikkarten fordern fotorealistische Texturen. Diese Datenmengen passen beim besten Willen nicht mehr auf eine Diskette. Das Valley schlägt Alarm.
  • ?️ Technologie & Medien: Die schallplattengroße LaserDisc (LD) etabliert sich in den USA als unangefochtener Premium-Standard für Heimkino. Zum Ende der Ära hin liefert sie ein fast DVD-nahes analoges Bild und verfügt über einen vollkommen digitalen PCM-Tonkanal.
? 1991
  • ?? Deutschland: Die DCC-Ankündigung: Der niederländische Riese Philips präsentiert im Verbund mit Matsushita den Prototyp der Digital Compact Cassette (DCC). Deutsche Musiklabels fordern sofort strikte Kopiersperren.
  • ?? USA / Silicon Valley: Silicon Valley verlangt von Philips eine Computer-Variante des neuen Mediums. Schwergewichte wie HP und Apple beginnen Verhandlungen über ein standardisiertes PC-Laufwerk.
  • ?️ Technologie & Medien: Um digitale Raubkopiererei im Keim zu ersticken, einigt sich die weltweite Musikindustrie auf ein "Play-Only"-Diktat: Die Consumer-Hi-Fi-DCC-Decks können digitale Kauf-DCCs in perfekter CD-Qualität abspielen, besitzen aber keine digitalen Ausgänge und können digital nicht aufnehmen (Aufnahmen auf den Geräten sind rein analog beschränkt).
? 1992
  • ?? Deutschland: Die DCC kommt in den deutschen Handel. Musikliebhaber schätzen die Abwärtskompatibilität: Die neuen Decks spielen die digitalen Kauf-DCCs ab, bespielen normale Kassetten im selben Schacht aber weiterhin analog via Dolby S/C, da das analoge Radio als Quelle völlig ausreicht.
  • ?? USA / Silicon Valley: Der Data-DCC-Schacht: Compaq, Dell und Gateway verbauen die ersten Data-DCC-Laufwerke (~300 MB Kapazität) serienmäßig anstelle des Diskettenlaufwerks in ihren PCs. Die 1,44-MB-Diskette stirbt im Valley einen schnellen Tod.
  • ?️ Technologie & Medien: Spieleentwickler atmen auf: Das Daten-Magnetband der Data-DCC bietet endlich genug Speicherplatz, um komplexe 3D-Geometrien und orchestralen Digitalsound in PC-Spielen unterzubringen. Als Bandmaterial nutzt die DCC die bewährte, bandschonende und spottbillige Chromdioxid-Formulierung (CrO2) aus der VHS-Videoband-Massenproduktion.
? 1993
  • ?? Deutschland: PC-Käufer in Deutschland adaptieren das neue Kassettenlaufwerk in ihren PCs. Die "Data-DCC" setzt sich flächendeckend als primäres Software-Liefermedium durch.
  • ?? USA / Silicon Valley: Das Adventure Myst erscheint in den USA auf Data-DCC und wird zum weltweiten Phänomen. Es revolutioniert das Valley durch vorgerenderte 3D-Grafiken, die komplett von der Kassette geladen werden.
  • ?️ Technologie & Medien: Die US-Regierung unter Clinton und Al Gore verkündet den milliardenschweren Plan des Information Superhighway. Breitband-Infrastrukturen werden massiv subventioniert, um das Valley digital zu entlasten.
? 1994
  • ?? Deutschland: Der Infrastruktur-Schock: Deutsche Softwareentwickler geraten in eine Sackgasse. Ohne den billigen Cent-Speicher einer CD-ROM können sie datenhungrige Multimedia-Titel kaum noch wirtschaftlich per Post vertreiben. Das starre ISDN-Netz ist für Daten-Downloads viel zu langsam.
  • ?? USA / Silicon Valley: Die Data-VHS (D-VHS): JVC und ein Valley-Konsortium ziehen die digitale Data-VHS (D-VHS) um zwei Jahre vor. Als teures, externes SCSI-Laufwerk für Profis und Server speichert eine einzige Videokassette gigantische 50 Gigabyte.
  • ?️ Technologie & Medien: Microsoft liefert die ersten großen Beta-Versionen von Windows 95 an US-Entwickler auf einer einzigen Data-DCC aus. In Deutschland droht dem Massenmarkt mangels PC-Laufwerken ein logistischer Albtraum in Form von 40er-Disketten-Boxen.
? 1995
  • ?? Deutschland: Post-Privatisierung: Die Deutsche Bundespost wird privatisiert und zur Deutschen Telekom AG. Das Management stellt unter extremem Druck fest, dass Kohls Kupfer-Politik die Wirtschaft ausbremst. Es beginnt eine panische Suche nach Techniken, um mehr Daten durch Kupfer zu pressen (ADSL-Entwicklung).
  • ?? USA / Silicon Valley: Windows 95 Release: Das neue Betriebssystem erscheint in den USA standardmäßig auf einer einzigen Data-DCC. Die Halbleiterforschung im Valley erlebt einen historischen Boom: Da optische Billigmedien fehlen, fließt das gesamte Risikokapital in die Flash-Speicher-Miniaturisierung.
  • ?️ Technologie & Medien: Die Geburtsstunde der digitalen Musikpiraterie: Erste Internet-Tauschbörsen entstehen im Umfeld von US-Universitäten. Da DCC-Decks keine Digitalausgänge haben, nutzen Tech-Nerds die exzellenten analogen Ausgänge der Decks und überspielen die Songs über rauschfreie High-End-Soundkarten in Echtzeit verlustfrei auf den PC. Da die Musik auf DCC bereits als komprimierter PASC-Stream (384 kbps) vorliegt, wird dieser Datenstrom 1:1 kopiert. Das Fraunhofer-Institut muss sein MP3-Format für den PC kaum pushen. Das zeitintensive Rippen in Echtzeit (z. B. 60 Minuten für ein Album) verhindert jedoch ein Massenphänomen und hält die Szene elitär auf IRC und FTP beschränkt.
? 1996
  • ?? Deutschland: Die Telekom treibt den Online-Dienst "T-Online" voran. Die analogen Modems der Bürger glühen, doch der Download von einfachen 10-Megabyte-Softwarepatches dauert in Deutschland oft mehrere Stunden.
  • ?? USA / Silicon Valley: Apple stellt den Prototyp einer neuen Computer-Reihe vor, die über den schnellen FireWire-Anschluss verfügt. Das PC-Kassettenlaufwerk wird zur Hi-Data-DCC aufgerüstet, die durch feinere Partikelstrukturen und präzisere Magnetköpfe beachtliche 550 MB Kapazität bietet.
  • ?️ Technologie & Medien: SanDisk und Toshiba bringen die ersten SD-Karten (mit bis zu 64 MB Speicher) auf den US-Massenmarkt – rund fünf Jahre früher als in der echten Zeitlinie. Der USB-Stick wird als Diskettenersatz patentiert.
? 1997
  • ?? Deutschland: Die deutsche Wirtschaft leidet unter der Trägheit der sequenziellen Hi-Data-DCCs am PC (Spulzeiten beim Laden). Die Telekom beginnt in ausgewählten Großstädten mit ersten, zögerlichen Tests für die T-DSL-Infrastruktur.
  • ?? USA / Silicon Valley: Breitband-Explosion: US-Kabelnetzbetreiber rüsten das Fernsehnetz auf und bieten flächendeckend Kabelinternet mit stabilen 1 Mbit/s für Privathaushalte an. Das Silicon Valley setzt strategisch voll auf den kommenden reinen Netzwerkvertrieb von Daten.
  • ?️ Technologie & Medien: Durch den extremen Druck der lokalen Datenhaltung und den Verzicht auf optische Medien knacken PC-Festplatten im Consumer-Bereich dank des neuen [i]Ultra-DMA[/i]-Standards mühelos die 10-Gigabyte-Grenze und bieten Schreibgeschwindigkeiten von über 5 MB/s. Digitalkameras nutzen im Valley bereits ausschließlich erschwingliche Flash-Speicherkarten.
? 1998
  • ?? Deutschland: Regierungswechsel: Die Ära Kohl endet, Gerhard Schröder wird Bundeskanzler. Die neue rot-grüne Regierung erkennt das digitale Kupfer-Dilemma der 80er-Jahre-Politik als massiven Standortnachteil und fordert eine sofortige Breitband-Offensive.
  • ?? USA / Silicon Valley: Im Silicon Valley werden erste digitale Vertriebsplattformen (Vorläufer von Steam) gegründet. Große Spiele-Demos werden von amerikanischen Jugendlichen nicht mehr auf Kassetten im Laden gekauft, sondern nachts automatisiert über die Kabelmodems geladen.
  • ?️ Technologie & Medien: Dank der Hi-Data-DCC (550 MB) als günstiges Alltagsmedium können Privatanwender weltweit den Einbau der klobigen und teuren D-VHS-Laufwerke im PC erfolgreich überspringen. D-VHS bleibt ein reines Medium für Server-Backups und professionelle TV-Archive.
? 1999
  • ?? Deutschland: Die T-DSL-Offensive: Die Deutsche Telekom startet unter gewaltigem politischen Druck den bundesweiten, panischen Ausbau von T-DSL (768 kbps), um den technologischen Anschluss an die USA nicht komplett zu verlieren.
  • ?? USA / Silicon Valley: Der "Flash-Nokia"-Boom: Mobiltelefon-Giganten wie Nokia und Motorola verbauen serienmäßig SD-Kartenslots und digitale Decoder-Chips in ihren Handys. Musik-Alben werden im US-Handel zunehmend direkt auf winzigen Speicherkarten verkauft. Der historische Umweg über separate MP3-Player (wie den iPod) wird komplett übersprungen; das Handy ist sofort das primäre Musikabspielgerät der Menschheit.
  • ?️ Technologie & Medien: Die durchschnittliche Netzgeschwindigkeit im Silicon Valley erreicht stabile 3 Mbit/s in den Haushalten. Physische Software-Kassetten im US-Handel werden zu einem Auslaufmodell.
? 2000
  • ?? Deutschland: DSL verbreitet sich rasant in deutschen Städten. Die Hi-Data-DCC verliert rapide an Bedeutung. Der deutsche Online-Download-Markt für Software erwacht zögerlich aus dem Dornröschenschlaf.
  • ?? USA / Silicon Valley: Die weltweite Dotcom-Blase platzt. Zurück bleibt im Silicon Valley und den US-Metropolen jedoch eine perfekt ausgebaute, private Glasfaser-Infrastruktur, die nun ungenutzt auf Daten wartet.
  • ?️ Technologie & Medien: Die Cloud-Wende: Das Prinzip [i]Software as a Service (SaaS)[/i] wird im Silicon Valley zum wichtigsten Investment-Standard für Venture Capitalists. Physische Installationsmedien am PC sterben in den USA offiziell aus.
? 2001
  • ?? Deutschland: Deutschland schließt die Breitband-Lücke in den Ballungsräumen vollständig. Der USB-Stick (Flash-Basis) schwappt über den Atlantik und ersetzt die restlichen Datendisketten und Hi-Data-DCCs im Büroalltag schlagartig.
  • ?? USA / Silicon Valley: Da es in dieser Zeitlinie mangels CD nie eine DVD gab, arbeiten die kreativen Köpfe im Valley bereits an frühen Prototypen für rein cloudbasierte Video-Streaming-Dienste, um Filme direkt auf die Rechner zu übertragen.
  • ?️ Technologie & Medien: Die D-VHS zieht sich vollständig aus dem Consumer- und Computersegment in rein professionelle Filmstudios und wissenschaftliche Langzeitarchive zurück.
? 2002
  • ?? Deutschland: Der Zusammenbruch des physischen Software-Handels: Klassische PC-Spiele und Programme verschwinden aus den Regalen der Elektronikmärkte. Flächendeckendes DSL macht den physischen Datenträger in Deutschland endgültig überflüssig.
  • ?? USA / Silicon Valley: US-Haushalte verfügen standardmäßig über Internetleitungen von 4 bis 6 Mbit/s. Der Download einer kompletten 500-Megabyte-Software dauert nur noch komfortable 11 bis 16 Minuten (eine gemütliche Kaffeepause).
  • ?️ Technologie & Medien: Die Cloud hat endgültig gesiegt. Die Menschheit ist vollständig im modernen, kabellosen Flash- und Streaming-Zeitalter angekommen. Die Ära der optischen Scheiben (CD, DVD, Blu-ray) hat in dieser Welt nie stattgefunden und existiert ausschließlich als theoretische Fußnote in den Geschichtsbüchern der Halbleiterphysik.

Gibt es einen bestimmten Moment in diesem verfeinerten Zeitstrahl – zum Beispiel den großen Mobiltelefon-Boom im Jahr 1999 –, den du noch mit weiteren Details untermauern möchtest?
Gruß
Lorenz
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#2
Da sind noch ein paar Fehler drin, Dolby S kam ja nicht 1987 in echt sondern wesentlich später, ab 1990/1991. Ich hatte es aber für das Szenario auf 1985 gesetzt. Man müsste hier und da auch nochmal an Details Feinschliff machen.

Auch der Aspekt, welchen Einfluss das auf die DDR gehabt hätte, wäre eine Analyse Wert.
Gruß
Lorenz
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#3
Nachschlag DCC in den 90ern:

Das ist absolut zwingend und schließt die Lücke im Consumer-Markt perfekt! Wenn die Musik-DCC ab 1992 die digitale Nachfolge der Kassette antritt, müssen Sony und Philips sofort tragbare Player und Autoradios liefern, um den legendären „Walkman-Effekt“ der 1980er-Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Ein reines Wohnzimmer-Medium wäre in dieser Ära sofort totgewesen.
Das führt zu einer extrem profitablen, goldenen Ära für Sony, bevor der digitale Hammer im Jahr 1997 fällt.
## ? Sonys goldene DCC-Ära (1992–1997)
Sony nutzt seine unangefochtene Dominanz bei tragbaren Audiogeräten und überrennt den Markt mit Hochtechnologie:

* Der DCC-Walkman (1992/1993): Sony bringt den ersten digitalen Walkman auf den Markt. Die Geräte sind anfangs noch etwas klobig und teuer (ca. 600 bis 800 DM), aber sie bieten ein Killer-Feature, das sie in Europa und Deutschland zum Megaseller macht: Sie sind abwärtskompatibel. Der DCC-Walkman spielt die neuen, digitalen Kaufkassetten in perfekter CD-Qualität ab, nimmt aber im Fitnessstudio oder in der Bahn auch die alten, analogen Kassetten (mit Dolby C) klagellos entgegen.
* Der Standard im Auto: Ab 1993/1994 werden DCC-Autoradios zum absoluten Statussymbol in Neuwagen. Da das Magnetband im Auto unempfindlich gegen Schlaglöcher ist (während CDs in unserer Realität anfangs ständig einsprangen), ist die DCC das perfekte mobile Medium. Die Musikindustrie verdient sich dumm und dämlich an den digitalen Kaufkassetten im Plastik-Inlay.
* 5 Jahre pure Profitabilität: In diesen knapp fünf Jahren (1992 bis Anfang 1997) scheffelt Sony gigantische Gewinne. Es gibt keine nennenswerte digitale Konkurrenz für unterwegs, und da die Consumer-Geräte Play-Only sind (keine digitalen Kopien erlauben), läuft das Geschäft mit den Kaufkassetten absolut ungestört.

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## ? Der brutale Schock im Jahr 1997
Anfang 1997 bricht dieses hochprofitable Imperium für Sony von heute auf morgen in sich zusammen. Zwei Ereignisse treffen Sony zeitgleich wie ein Vorschlaghammer:

1. Januar/Februar 1997: Die 300-MB-Secure-Flashkarte kommt auf den Markt und ist preislich konkurrenzfähig.
2. Mitte 1997: In den USA bricht das Breitband-Streaming durch.

Als Apple kurz darauf seinen extrem dünnen, kartenbasierten Flash-iPod ankündigt, der keine mechanischen Verschleißteile mehr hat und Musik ohne Spulzeiten abspielt, brennt bei Sony das Dach.
## ? Wie reagiert Sony auf den Flash-iPod?
Sony hat 1997 ein riesiges Problem: Sie hängen psychologisch und industriell an ihren massiven Fabriken für Bandmechanik.

* Der verzweifelte "Hi-DCC"-Versuch (1997): Sony versucht anfangs, die Audio-DCC künstlich am Leben zu erhalten, indem sie eine Audio-Variante der Hi-Data-DCC (550 MB) fordern, um mehr Musik auf ein Band zu quetschen. Doch der Markt will keine Spulzeiten mehr, wenn man lautlosen Flash-Speicher haben kann.
* Der radikale Schwenk zu "Memory Stick": Da Sony im Alternativszenario durch den extremen Fokus auf die Halbleiterentwicklung (weg von der CD) ohnehin weltführend in der Flash-Chip-Herstellung ist, werfen sie die DCC-Mechanik ab 1998 panisch über Bord. Sie erfinden ihren eigenen Speicher-Standard (den Memory Stick) mit integriertem Kopierschutz und akustischem Wasserzeichen-Scanner.

Es kommt ab 1998 zum ultimativen Lifestyle-Krieg der Jahrtausendwende: Apple iPod (mit Secure-Flash) gegen den Sony Flash-Walkman (mit Memory Stick). Beide nutzen das von der Industrie geforderte, unknackbare Wasserzeichen-DRM, aber sie kämpfen verbissen um die Design-Krone auf dem Markt.
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Damit haben wir die gesamte Kette vom analogen Höhepunkt 1984 über den DCC-Boom bis hin zum totalen Solid-State-Streaming-Sieg im Jahr 2000 absolut lückenlos und logisch hergeleitet!
Gibt es noch einen blinden Fleck in dieser Zeitlinie, den wir beleuchten sollten, oder möchtest du zu der Frage zurückkehren, wie das visuelle Webdesign oder die Gründung von Firmen wie Google und Amazon durch diese verfrühte Breitband-Infrastruktur im Jahr 2000 beeinflusst worden wäre?
Gruß
Lorenz
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#4
Das ist ganz interessant. In der DDR gab es aber eh nur im Intershop CDs. Eterna hat zwar selbst CDs produziert, aber der erste Player wurde erst zur Frühjahrsmesse 1989 als Prototyp vorgestellt und kam nie auf den Markt. In Tschechien und Polen hat man wohl in Zusammenarbeit mit Philips Geräte auf den Markt gebracht.

Insofern denke ich dass der Einfluss höchstens nach der Wende anders gewesen wäre….
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#5
Interessant ist die mehrfache Erwähnung von "perfekter CD Qualität", obwohl die CD hier ja gar nicht entwickelt wurde. Sony hätte DCC Walkmen vermutlich auch mit Dolby S herausgebracht, allerdings natürlich nur wenn es auch DAT niemals gegeben hätte... Hätte, hätte, Fahrradkette... Wink
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#6
Sowieso einige Ungereimtheiten… Warum sollte es keine DAT Cassette und PCM Prozessoren gegeben haben? Vielleicht wäre die DAT Cassette ja sogar mehr in den Konsumermarkt eingedrungen und billiger geworden. Es gab ja außerdem auch Trotzdem Video 8 mit PCM Ton etc. Das taucht da Alles nicht auf.
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#7
Vielleicht denken wir hier viel zu magnetbandfixiert - was ja in einem Tonbandforum nicht weiter verwunderlich ist. Auch wenn mir Audioformate auf Basis der CVC- oder auch Video-8-Cassetten mit Längsspuraufzeichnung sehr gefallen hätten, so dachten sowohl die Industrie als auch die meisten Kunden bei Musik zuallererst an Scheiben. Die haben ja unbestreitbare Vorteile, vor allem was die Zugriffszeiten angeht, allein die Menge der speicherbaren Informationen konnte lange Zeit nicht mit Bandformaten mithalten.

Ohne CD denke ich hätte die Entwicklung eher in Richtung magnetischer Aufzeichnung von Musik auf Scheiben geführt, zunächst analog, später digital. Vielleicht erstmal auf den bekannten Diskettenformaten, allerdings mit auf den Anwendungszweck optimierter und immer weiter verbesserter Beschichtung, so daß irgendwann auch die berühmten 74 Minuten* auf eine 3,5"-Diskette gepaßt hätten.

Viele Grüße,
Martin

*
Edith: Beethovens 9. im Karajan-Schnarch-Tempo?
Käthe: Ach komm, die Bestimmung der CD-Spielzeit durch einen Dirigenten ist doch nur eine Legende!
Edith: Aber eine schöne!
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#8
Martin, du sprichst öfter von einem CVC based Audioformat. Ist das nur ein persönlicher Wunsch oder gab es solche Pläne? In Verbindung mit dem PCM Ton für Video 2000 wäre es ja schon naheliegend und ich habe mal gehört dass für Schweden und Skandinavien sogar ein Autoreverse Video 2000 Gerät angedacht war, was aber ebenfalls verworfen wurde.

Vielleicht weißt du mehr?
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#9
Digitale Magnetsysteme hatten immer den Nachteil das bespielte Medien recht Aufwendig und teuer zu Vervielfältigen sind. Die Schallplatte und auch die CD konnte einfach, günstig und schnell vervielfältigt werden. Ein Massenmedium muss relativ günstig sein.

Hätte es die CD als digitalen Tonträger nicht gegeben hätte es halt einen anderen digitalen Tonträger gegeben. Wenn auch nicht unbedingt so was wie die Telefunken Mini-Disk.
Die Digitaltechnik war nicht aufzuhalten.

Gruß Ulrich
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#10
Immer wenn man denkt man hätte Alles gesehen kommt doch noch was.
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#11
Ich habe DAT mit Absicht nicht beachtet, da es sich ja in der Realität im Privatbereich kaum durchgesetzt hatte. Ich habe dann man eine Geschichte um ein paar IT-Admins erfinden lassen, klar es gibt immer noch Fehler und Feinheiten die nicht passen, aber im großen und ganzen Finde ich das Ergebnis gut.

Hier mal zwei kleine Ausschnitte:

1986

In einem miefenden, holzvertäfelten West-Berliner Büro im Herbst 1986 läuft die Kaffeemaschine auf Hochtouren, während unter den Kollegen die analoge Revolution ausgerufen wird. Der neue, heiße Scheiß steht seit Kurzem im Wohnzimmer von Abteilungsleiter Jörg: Ein dreiköpfiges Kassettendeck mit dem brandneuen Dolby S-Schaltkreis, den er stolz den technikbegeisterten Kollegen anpreist. Wo früher Dolby B (1969) dumpf klang und Dolby C (1980) bei Fehlern pumpte, herrscht jetzt CD-ähnliche, absolut rauschfreie Stille.
In der Mittagspause fachsimpeln die jüngeren Mitarbeiter auf dem Flur über das perfekte Tape. Die Fronten sind geklärt: Das sündhaft teure Reineisenband (Typ IV) stirbt im Laden gerade aus, weil die computergestützte Bandeinmessung und die automatische Aussteuerung des Musiksignals bei den neuen High-End-Decks selbst aus dem Standard Chromdioxidband (Typ II) ein klangliches Maximum herausholen, das Typ IV überflüssig macht. Ironischerweise fluchen die jüngeren Azubis zeitgleich auf dem Schulhof über das Taschengeld-Dilemma: Weil die Industrie fast nur noch Typ II presst, werden die einfachen Ferro-Kassetten (Typ I) als Nischenware plötzlich immer teurer.
Nach Feierabend sitzt Jörg in seinem Sessel und nimmt eine importierte US-Schallplatte für seinen Walkman auf. Er drückt die Starttaste, das Deck misst den Vormagnetisierungsstrom des Typ-II-Bandes vollautomatisch per Mikroprozessor ein, regelt den Pegel perfekt knapp unter die Verzerrungsgrenze und bannt die Musik völlig rauschfrei auf das Magnetband. Es ist der absolute, analoge Meilenstein einer Welt, die niemals eine Silberscheibe vermissen wird.
Gruß
Lorenz
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#12
1996

Der Jahreswechsel von Ende 1996 zu Anfang 1997 markiert den endgültigen Verlust der digitalen Unschuld im Netz, reißt aber gleichzeitig die technologischen Schranken für das Webdesign komplett ein. In Johns Kleinstadt-Betrieb in North Carolina und in Jörgs Berliner Büro herrscht helle Aufregung: Die 1995 im Handumdrehen zusammengezimmerten Websites wirken im Vergleich zu den rasant aufkommenden, kommerziellen Portalen bereits veraltet. Die Werbebranche ist Ende 1996 mit gigantischen Budgets ins Internet eingestiegen, und das unbarmherzige Tracking der NextStep-System-IDs über Cookies und Server-Logs hat gerade begonnen [A]. Wer im Netz überleben will, muss Professionalität ausstrahlen. Höher auflösende Produktbilder und ein dynamischeres Layout müssen her – und zwar sofort.
Das größte Problem bei dieser Modernisierungswelle ist der immense Datenhunger der neuen Grafiken. Ein unkomprimiertes Foto der neuesten 1-Megapixel-Consumer-Kameras, die pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 1996 die Läden überschwemmen, frisst wertvolle Megabytes auf den PC-Festplatten. Hier schlägt die Geburtsstunde von Philips’ neuester High-Tech-Waffe, die Jörg und John sofort für ihre Firmen-PCs ordern: Die Hi-Data-DCC mit satten 550 MB Kapazität kommt auf den Markt. Das digitale Magnetband-Laufwerk wird im Handumdrehen zum ultimativen Rettungsanker für den Web-Schnitt. John und Jörg nutzen die gigantischen Kassetten als eine Art „digitales Zwischenlager“ (Streamer): Sie jagen die hochauflösenden Produktfotos von den Flash-Karten direkt auf die Hi-Data-DCC, um den kostbaren lokalen Festplattenspeicher der Computer nicht zu blockieren, und schneiden die Webseiten direkt vom Band weg.
Dank des Januar/Februar 1997 durchbrechenden Meilensteins, bei dem tragbare Flash-Speicherkarten die 300-MB-Grenze knacken, wird auch das Fotografieren im improvisierten Studio vor der weißen Papierwand zum reinsten Vergnügen. Die neuen 1-Megapixel-Knipsen speichern dank des hocheffizienten, hardwarebasierten JPEG-Standards gestochen scharfe Bilder, die im Vergleich zu den verpixelten 1995er-Prototypen wie Hochglanzmagazin-Aufnahmen wirken. John und Jörg ziehen die modernisierten Produktgalerien über das bewährte, visuelle Web-Design-Werkzeug von NextStep in das System [A]. Sie binden das neu verabschiedete Progressive-JPEG-Verfahren von 1996 tief in den Code ein.
Die Schere zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Realität klappt bei der Veröffentlichung der neuen Webseiten Anfang 1997 jedoch brutal auseinander:
In den USA surft Johns Kundschaft bereits über die frisch installierten, stabilen Breitband-Knotenpunkte (frühes DSL mit 0,76 Mbps). Als John die modernisierte Seite auf den Server lädt, fließen die dicken, hochauflösenden JPEGs in Sekundenschnelle und absolut flüssig auf die Bildschirme der Kunden. In Jörgs Berliner Büro hingegen schlägt Helmut Kohls Kupfer-Politik erbarmungslos zu. Das deutsche Netz kriecht selbst mit gebündeltem ISDN bei mageren 0,12 Mbps am absoluten Limit. Jörg muss die Bilder obsessiv darauf optimieren, wie sie im „unscharfen“ Zustand des Progressive-Verfahrens wirken: Wenn ein deutscher Kunde die Seite aufruft, erscheint sofort eine grobe, verpixelte Silhouette des Werkzeugs, die sich über quälende 10 bis 15 Sekunden hinweg langsam scharfstellt.
Während die schicken, neuen Webseiten online gehen, bemerken beide Admins im Serverraum die düstere Kehrseite des Fortschritts. Beim Blick in die Log-Dateien ihrer Netscape-Server stellen John und Jörg fest, dass fremde Werbe-Bots im Sekundentakt die System-IDs ihrer Rechner abgreifen. Das Netz des Jahres 1997 ist kein freier Spielplatz mehr – es ist zu einer lückenlos überwachten Verkaufsmaschine geworden, in der jedes geladene Bild und jeder Klick registriert wird.
Gruß
Lorenz
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#13
@Tobi: Nein, das ist nur so eine Spinnerei von mir. Idee dahinter: Wie kann ich die Compact Cassette mit einem neuen Format ersetzen, das die Geburtsfehler der CC vermeidet, die Qualität verbessert, aber gleichzeitig keinen der Vorteile aufgibt? Wenn man diesen Gedanken verfolgt, landet man fast zwangsläufig bei einem der kleinen Videocassetten-Formate.

Beide bieten gegenüber der CC folgende Vorteile: Geräteseitige Bandführung, besser gegen Eindringen von Staub geschützt, automatische Wickel-Arretierung, breiteres Band.

Der besondere Reiz der CVC liegt noch darin, daß sie fast exakt die gleichen Maße hat wie eine CC, sehr ähnlich aussieht, und durch ihr 1/4"-Band wären auch nette Projekte im Austausch mit Spulentonbandgeräten denkbar, passende Spurlage vorausgesetzt.

Die DCC war dann ja gar nicht so verkehrt, behielt aber wegen der Abwärtskompatibilität das schmale Band und die gehäuseseitige Bandführung bei.

VHS-C habe ich bewußt außen vor gelassen. Das System hat wegen seiner Adapter-Kompatibilität mit VHS den Nachteil, daß relativ wenig Band hineinpaßt (großer Innendurchmesser der Wickel); und 1/2" Bandbreite wäre für Längsspur-Audio in Stereo dann doch Overkill.

Viele Grüße,
Martin
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#14
Was mir bei der Entwicklung fehlt, ist der Bezug zu den MPEG-Komprimierungsverfahren. PASC der DCC wäre ohne MPEG (europäisch/deutsch -> IRT) gar nicht geboren worden... oder vielleicht anders. Die MPEG-Verfahren haben erst Zappelbilder bei schmalen Bandbreiten ermöglicht.

Auf der anderen Seite, wäre uns das deutsche HDTV-Debakel vllt auch erspart geblieben, HDMac setzt sich gegen D2Mac (Lobby-Politk unter Kohl) durch und die BOSCH Fernseh GmbH würde noch exisiteren und heute Weltmarktfüher in der digitalen Studiotechnik sein. Das KI-Szenario offenbart wirtschaftspolitschen Sprengstoff - nur so nebenbei.

Viele Grüße
Sebastian
Ob analog oder digital, es rauscht überall. ~:-9~

Gerätepark in Revision und Veränderung:
Philips 800er Serie: Philips DFA 888 | FC-870 | FC-880 | CD-834 | FT-880 | FT-980 Big Grin  ● Schwestermodelle: marantz SD-62
Philips 900er Serie: FA 950 | CD 931 | FC-950 | FT-930 | DCC-951 | DCC-930 
Grundig Fine Arts: DAT-9000 | Grundig CT-905
Grundig Fine Arts - Performing Arts: FineArts V11 | CD2 | CD3 | CF4 | T11
Telefunken - letzte Hifi-Serie  Confused HA 880 | HT990 | HC990 | DP1000 | DA1000 

Mobil: marantz CP-430 | Sony TCD-05 Pro | AIWA HD-S 200 | Roland EDIROL R-09 HR

Nicht zugeordnet:
Pioneer D-05 | Philips DCC 600 | Sony JE 530 ● Philips CDR 870 | CDR 880 | CDR 950 | CDR 777 |  marantz DR 6050 | Pioneer PDR-509 | harman kardon CDR 30 ● Telefunken IR-310 (DAB+)
Blaupunkt RC-1950 (Yamaha K-640) | Technics RS-BX701 | Grundig M100 CF |  Yamaha KX-670 
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#15
Moin,

zum wirtschaftspolitischen Sprengstoff nur so viel, dass wir in Deutschland eine falsche Industriepolitik betreiben: Anstatt in Zukunftsfähiges ("rising star", das, was mit etwas Anschub der heiße Scheiß von morgen werden kann) zu investieren, fördern wir mit öffentlichem Geld entweder "cash cows" (was sich ohnehin gerade gut verkauft) oder sogar "lame dogs" (Ladenhüter, die ohne Subvention gar nicht mehr gekauft würden). Hat auch mit guter Lobbyarbeit und Beziehungen zu tun, Kohl-Kirch wurde schon geschrieben, nicht nur aus Proporzgründen seien aber auch Schröder-Maschmeyer genannt.
Die ohne eine Forderung oder auch nur einen Anreiz von Transformation in die Kohle-, Stahl- und Elektroindustrie geflossenen Gelder haben diese Zweige weder gerettet, noch an ihrer Stelle Neues entstehen lassen. Tatsächlich haben sie sogar alle möglichen Alternativen und Entwicklungen verhindert: War ja nicht nötig, gab ja noch (Steuer-)Geld. Was dunnemals dem Ruhrgebiet und dem Raum Nürnberg/Fürth passiert ist, wird gerade für Wolfsburg und Stuttgart wiederholt ...

Was mir aber in der bisherigen Betrachtung überhaupt fehlt, ist die Auswirkung auf die Inhalte (hier: Kultur) sowohl für die sog. Kulturschaffenden als auch für ihre Konsumenten. Technik und Kultur beeinflussen sich bzw. sind Seiten der selben Medaille, oder wie - ich glaube es war - Arthur C. Clarke sagte: Es dampfmaschint, wenn die Zeit der Dampfmaschine gekommen ist. 
Wenn ich ab jetzt im wesentlichen auf Musik eingehe, verzeiht das einem Menschen, der außer im Tonbandforum zu schreiben sich auch als Musiker versteht.

Die von der CD gestartete Dgitalisierung und ihr Speichervolumen bedienen und fördern (!) eine offensichtlich tief in der Evolution liegende Unfähigkeit, "viel" und "gut" zu unterscheiden:
  • Die Auswirkungen der Möglichkeit, schneller als in Echtzeit zu aquirieren und zu kopieren, sind immens und prägen das Verhältnis zu den Inhalten massiv: Jeder mit Smartphone weiß, dass er mehr Fotos hat, als er jemals wirklich und bewusst ansehen kann oder gar wird, sie stören sogar beim Suchen wirklich interessanter und gerade benötigter Information. Selbst bei uns Dinosauriern aus der Echtzeit-Ära mal Hand aufs Herz: Wie viele eurer digital vorhandenen Bilder/Filme/Bücher/Musik nutzt ihr, habt ihr genutzt und werdet ihr wirklich noch nutzen?  
  • Die Musik-CD war außerdem auch ein Einschnitt für Komponisten und Interpreten eigener Musik: Während in der sog. Klassik vorher (von Opern abgesehen) abendfüllende Konzerte i.a. mit mehreren einzelnen Stücken oft auch mehrerer Komponisten stattfanden und Musiker aus Jazz, Rock, KLassik und Pop auf LP gut 30 bis maximal knapp 50 Minuten veröffenlichten, musste nun pro Veröffentlichung fast das Doppelte gefüllt werden. Das blieb nicht ohne Konsequenz für den Gehalt und überfordert(e) m.E. die Musiker ebenso wie die Hörer. CDs förderten daher auch sog. Sampler wie Bravo Hits etc. und ebneten den Weg für Streaming-Dienste, so dass inzwischen Viele die gesamte im Internet zugänglich Musik als ihren persönlichen Musikschrank ansehen. Natürlich kommt dabei auch was hoch, was sonst keine Chance hätte, aber meistenteils gilt doch die Smartphone-Foto-Analogie und die Vorherrschaft des am feistesten Werbenden.  
Als Ergebns unterteilt sich die Hörerschaft immer mehr in Konsumenten auf finanziellen Erfolg ausgelegter Zentralheizungs-Musik (man bemerkt sie nur, wenn sie ausfällt) und kinnrubbelnden Kunstmusik-Connaisseuren. Der dazwischen liegende Bereich ist notleidend. Ist jedenfalls die Grantelei von 

Martin

dem ein Lichtblick bleibt: Ich bemerke immer mehr auch junge Leute, die bei zufällig mitbekommener Livemusik stehenbleiben oder sogar aktiv hingehen. Womöglich kommt über eine Kombination aus Übersättigung und dem Bewusstsein bisheriger Nur-Aus-Zweiter-Hand-Erfahrung Musik wieder dahin, wo sie herkam: Kunst in der Zeit anstatt aus der Konserve ...
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