ReVox B710 MKI - rechter Capstan läuft nicht von selber an
#1
Guten Abend

Mir ist bewusst, dass zur Problematik „ReVox B710 MKI - rechter Capstan läuft nicht selbstständig an“ bereits zahlreiche Beiträge existieren. Dennoch würde ich gerne eine zusätzliche fachliche Einschätzung einholen.

Ausgangslage
Mein ReVox B710 MKI stand über 20 Jahre unbenutzt im Rack. Im Geräteinneren hatte sich entsprechend viel feiner Staub angesammelt.

Fehlerbild
Der rechte Capstan läuft beim Einschalten gelegentlich nicht selbstständig an. Bereits ein leichter Impuls, beispielsweise durch kurzes Anschubsen oder leichtes Eindrücken der Capstanwelle, genügt, damit der Motor sauber anläuft und anschließend normal weiterläuft.

Bereits durchgeführte Arbeiten
  • Laufwerk ausgebaut und gründlich gereinigt
  • Beide Capstanwellen ausgebaut und die Sinterlager mit PDP65 sparsam nachgeölt
  • Andruckrollen (8.0 mm und 8.6 mm) ersetzt
  • Entstörkondensator („Knallfrosch“) ersetzt (hat nichts mit dem Problem zu tun)
  • Wow & Flutter gemessen; die Werte liegen unter den Prospektangaben
Aktueller Zustand
Nach der partiellen Revision=Reinigung funktioniert das Gerät grundsätzlich einwandfrei. Wird es jedoch mehrere Tage nicht benutzt, tritt das Anlaufproblem des rechten Capstans gelegentlich erneut auf. Ein leichter Schubs genügt dann wieder, um den Motor zu starten. Wurde das Gerät einmal betrieben, läuft der Capstan anschliessend zuverlässig an. Das Problem zeigt sich vor allem nach längeren Standzeiten.

Fragen
  • Ist die wahrscheinlichste Ursache weiterhin eine zu hohe Lagerreibung bzw. eine unzureichende Schmierung? Soll ich mehr schmieren?
  • Oder sollte ich eher in Richtung Elektronik suchen, beispielsweise:
    • Netzteilkondensatoren,
    • Treibertransistoren bzw. Hallsensoren des Capstanmotors,
    • Elektrolytkondensatoren auf der Laufwerksplatine,
    • andere bekannte Schwachstellen?
Vorerst möchte ich nicht auf Verdacht sämtliche Bauteile ersetzen. Eine umfassende Überholung der Elektronik wäre eher ein Projekt für den kommenden Winter.
Vielen Dank für eure Einschätzungen.

Gruss Marcel
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#2
Ich würde auf Lagerprobleme tippen.
Gruß, Kuni
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http://kuni.bplaced.net/
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#3
Hallo Marcel

Das Revox Service Dokument SI 106/87 (im Netz verfügbar) widmet sich unter anderem diesem Thema. Dort steht zum Beispiel folgendes:

[Bild: H02lOUgxUhGHAAAAAElFTkSuQmCC]
Gruss

Markus
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#4
Zum Schmieren der Capstanlager (beim B215/A721, ist aber ja hier egal) hat sich bei mir bewährt, die Sinterlager, also deren innere Oberfläche, mit einem Überschuss PDP65 zu versehen und so über Nacht stehen zu lassen, ohne die Wellen einzubauen. Eventuell das Öl nach ein paar Stunden noch einmal neu verteilen. Das war bisher immer erfolgreich. Wenn man nur leicht ölt und dann die Wellen gleich einbaut, verschwindet das Öl komplett im Lager und es kann sich kurz darauf kein Ölfilm mehr bilden, deshalb hat man die Anlaufprobleme dann gleich wieder.
Viele Grüße,
Hans-Volker
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#5
(02.06.2026, 15:11)havox schrieb: Zum Schmieren der Capstanlager (beim B215/A721, ist aber ja hier egal) hat sich bei mir bewährt, die Sinterlager, also deren innere Oberfläche, mit einem Überschuss PDP65 zu versehen und so über Nacht stehen zu lassen, ohne die Wellen einzubauen. Eventuell das Öl nach ein paar Stunden noch einmal neu verteilen. Das war bisher immer erfolgreich. Wenn man nur leicht ölt und dann die Wellen gleich einbaut, verschwindet das Öl komplett im Lager und es kann sich kurz darauf kein Ölfilm mehr bilden, deshalb hat man die Anlaufprobleme dann gleich wieder.

Danke! Die vier Lager sind offen und mit einer Spritze habe ich diesesmal genügend (deutlich mehr als beim ersten mal - beim ersten mal habe ich leider nur die Wellen leicht geölt  Angry ) PDP65 eingefüllt. Jetzt lasse ich es einwirken. Ich bin gespannt, ob es dann geht. Ist ja jedesmal eine ziemlich grosse Zerlegung.
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#6
(02.06.2026, 09:28)analogunterwegs schrieb: Hallo Marcel

Das Revox Service Dokument SI 106/87 (im Netz verfügbar) widmet sich unter anderem diesem Thema. Dort steht zum Beispiel folgendes:

[Bild: H02lOUgxUhGHAAAAAElFTkSuQmCC]
Gruss

Markus

Danke Markus!
Habe das Doku gefunden. Zuerst probiere ich die sanfte Methode mit Oelen (siehe unten).
Hat jemand Erfahrung mit diesem Umbau?
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#7
Kann man ja auch gefahrlos verlinken  Cool

https://www.reeltoreel.nl/studer/Public/...10_Mod.pdf
Viele Grüße,
Hans-Volker
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#8
Update I:

Ich habe die Capstanlager nun komplett zerlegt und diesmal deutlich grosszügiger mit PDP65 behandelt. Die Lager wurden sorgfältig getränkt und konnten ausreichend einwirken, bevor ich alles wieder montiert habe.

Nach dem sehr gewissenhaften Zusammenbau fällt bereits auf, dass die Lager spürbar leichtgängiger laufen als zuvor. Nach dem Einschalten liefen beide Capstanmotoren sofort und ohne jede Starthilfe an. Das ursprüngliche Fehlerbild konnte ich bislang (zum Glück) nicht mehr beobachten.

Ob die Massnahme auch langfristig stabil ist, lässt sich natürlich noch nicht beurteilen. Ich werde das Gerät nun einige Tage im normalen Betrieb beobachten und anschliessend ein weiteres Update zur Langzeitstabilität geben.

Vielen Dank nochmals für die hilfreichen Hinweise!

Marcel
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