schon seit ich mich erinnern kann stehen bei meinem Eltern drei Röhrenradios warm und trocken:
Ein Nordmende "Tannhäuser", nach Abgleich mit diversen Bildern im Netz wohl ein E330 (ich habe gerade kein Bild von der Rückseite zur Hand),
ein Philips 1002 BD583,
und ein AEG 6057 WD, ein etwas kleineres Mono-Radio.
Nun stehen sie im Weg... also muss ich mich wohl entscheiden. Eigentlich habe ich für Röhrenradios erstmal nicht viel Begeisterung übrig - mich faszinieren sonst eher spätere Epochen. Andererseits ist leider bei näherer Beschäftigung damit eigentlich irgendwann jede Geräte-Gattung irgendwie für sich interessant... was aber durch Platz und Zeit begrenzt ist.
Kurz gesagt, ich würde wohl eins davon aufheben, überholen, vielleicht verwenden (naja... zumindest gelegentlich), und die anderen beiden abgeben. Aber welches?
Philips und Nordmende sind große Stereo-Geräte, das AEG deutlich kompakter und mono. Nur das AEG habe ich funktionsfähig kennengelernt (es war in meiner Kindheit hin und wieder in Betrieb, aber schon damals nicht mehr "produktiv" sondern eher "aus Spaß daran"), die beiden anderen waren schon immer "kaputt" - ich habe sie auch nie ans Stromnetz angeschlossen, um keine weiteren Schäden auszulösen.
Optisch geben sie sich nicht viel - ich weiß nichtmal, ob mir eins davon optisch besser gefällt als die anderen... vielleicht am ehesten das von Nordmende? Schwierig. Von der Ausstattung her erscheinen sie mir (außer Mono vs. Stereo) auch sehr ähnlich - inzwischen ist ja auf Mittel- und Langwelle auch nichts mehr los. Gibt es technische Unterschiede, die interessant / wichtig / selten / kurios sind? "Eisenlose Endstufe" beim Philips, "Raumklang-Lautsprecher" beim AEG... und nun?
Bei Bandgeräten ist es ja "ganz einfach": Drei Köpfe? Drei Motoren? Halbspur? Großspuler? Bei Röhrenradios kenne ich mich nicht aus - mir fehlt der Kompass, um sie einzuordnen und mich zu orientieren.
Könnt Ihr dabei helfen? Welches der drei sticht positiv heraus, ist besonders faszinierend, und warum?
Ohne zusätzliche Kriterien würde ich zum AEG tendieren: Es ist zwar Mono, aber kleiner, vermutlich (?) technisch überschaubarer (ob ich Freude an Röhrenschaltungen und den zugehörigen Verdrahtungen ohne Leiterplatte habe, muss ich erst selbst noch herausfinden, ich zweifle noch). Ich habe es noch in Betrieb erlebt (was aber auch nicht so stark wiegt).
Vielleicht noch ein Punkt: Inzwischen stehen hier mehrere Telefunken M75/M76 und auch ein M85, die auf ihre Wiederbelebung warten. "Passt" das nicht stilistisch auch gut zum AEG-Radio? Oder eher "M75 im Tischgehäuse zum kleinen AEG, M85 zum großen Stereo-Radio"?
Sachdienliche Hinweise, Meinungen oder Vorlieben willkommen. Und wer die anderen beiden gerne haben möchte, bitte gerne melden.
16.01.2026, 23:55 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.2026, 00:04 von Micha94.)
Meine Wahl würde auf das Nordmende fallen. Das hat die größte NF-Leistung und die beste HF-Leistung aller drei Geräte.
Es ist auch das einzige Gerät was NF-Stereo kann. Alle Geräte sind HF-Mono und das Philips sowie das AEG auch NF-Mono.
Das Philips hat eine eisenlose Mono-Gegentaktendstufe und ist somit technisch schon etwas besonderes.
Das Nordmende war damals ein Spitzengerät und sehr teuer. Das AEG stellt eher die Einstiegsklasse dar.
Was für mich auch für das Nordmende spricht, ist dass diese Gerät bereits eine AFC.
Bei anderen Geräten "wandert" gerne der Sender, wenn sich das Gerät aufheizt.
Wenn man etwas basteln will, lässt sich hier auch ein Stereodecoder nachrüsten.
In der Regel klingen die Geräte aber auch im UKW Mono Betrieb sehr gut.
17.01.2026, 10:58 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.2026, 10:59 von EQ80.)
Hallo Andreas,
den Philips 1002 durfte ich einmal für einen Bekannten reparieren. Der Klang war dank eisenloser Endstufen phänomenal, wenn auch nur in Mono. Die Reparatur steht und fällt mit dem Zustand der hochohmigen Lautsprecher. Sind die durch, wird Ersatz schwierig. Also mal durchmessen. Undichte Elkos in der Endstufe sind hier Lautsprecherkiller.
Nur der Nordmende kann NF-Stereo. Die Endröhren sind eher anfällig und teurer aber noch gut zu bekommen. Wenn es Stereo sein soll, dieses Gerät nehmen. Passt auch am besten zum Telefunken M85. Kondensatoren (Ero100) dürften zahlreich zu tauschen sein.
Empfangstechnisch sollten sich Philips und Nordmende nicht viel nehmen.
AFC wäre für mich kein Kriterium. Wenn der UKW-Tiner i.O. ist, sollte da auch ohne kein Sender wandern.
Der AEG ist nur "Mittelklasse" aber sicher am einfachsten zu reparieren da weniger komplex.
(17.01.2026, 10:58)EQ80 schrieb: Die Endröhren sind eher anfällig und teurer aber noch gut zu bekommen.
Die ELL80 geht eigentlich preislich noch, hätte notfalls auch noch einige NOS Exemplare da und könnte preislich fair aushelfen.
Problematischer und auch deutlich anfälliger wird es bei der ECLL80. Hier habe ich schon lange keine mehr unter 50 € gesehen.
Zum Wandern des Senders. Es kommt auch etwas auf die konstruktion des UKW Tuner an sich an. Bei Saba Geräten hatte ich nie Probleme.
Beim Siemens Klangmeister 2 und Nordmende Parsifal Stereo hab ich das nie in den Griff bekommen. Es lag nicht an der ECC85.
17.01.2026, 12:10 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.2026, 12:11 von eudatux23.)
Die ELL80 kann man durch eine Adapterplatine, die in den Sockel kommt, auch auf zwei EL95-Röhren ersetzen, die deutlich besser zu bekommen sind und genau dem entsprechen, was sich in der ELL80 befindet: Zwei EL95-Systeme. Bei der ECLL800 sieht das anders aus, da ist Ersatz leider teuer.
Ich persönlich würde an deiner Stelle dem AEG den Vorzug geben. Mit Nordmende habe ich die Erfahrung gemacht, dass die leider je nach Modell iecht blöd zu warten und verbaut sind. Vielleicht ist das bei deinem Modell aber besser.
Generell gilt bei jedem dieser alten Röhrenradios: Die Papierkondensatoren (ERO100, Wima Tropydur und co) sind über die Zeit allesamt hinüber und müssen ersetzt werden. Dazu nimmt man am besten moderne Folienkondensatoren. Besonders beim Koppelkondensator der Endstufenröhre ist das verdammt wichtig, da diese sonst eine positive Gitterspannung abbekommen und daran krepieren kann.
Wenn die Papierkondensatoren einmal ersetzt sind, kann man noch Elkos und Gleichrichter prüfen. Die Elkos sind oft (aber längst nicht immer!) noch gut, muss man testen.
Der Gleichrichter ist dann ein Wechselkandidat, wenn die Spannungen (insbesondere Anodenspannung) zu niedrig sind. Beim Ersatz des Gleichrichters durch einen modernen Siliziumgleichrichter muss man dann noch darauf achten, dass man einen entsprechenden Last-Vorwiderstand davor setzt, da die Siliziumgleichrichter einen besseren Wirkungsgrad bieten als die alten Selengleichrichter. Den Wert des Last-Widerstands (ca 20 W Belastbarkeit am besten nehmen, um Luft zu haben)muss man durch ausprobieren finden. Ein bewährter Startwert für die Tests sind aus meiner Erfahrung 150 Ohm. Aber oft sind diese Gleichrichter noch wunderbar, dann braucht man sie auch nicht tauschen.
Ich wünsche dir auf jeden Fall, welches Gerät es auch wird, viel Erfolg bei der Entstandsetzung des Gerätes. Danach machen diese Geräte allesamt Spaß. Zumindest die Papierkondensatoren muss man auf jeden Fall tauschen, damit das Gerät betriebssicher ist.
EDIT: Kurz gegoogled, das Tannhäuser ist genau so ein verbauter Mist wie das was ich damals hatte. Tu dir selbst den Gefallen und nehm dir lieber eines der anderen beiden vor, deine Nerven werden es dir danken!
(16.01.2026, 23:39)andreas42 schrieb: Sachdienliche Hinweise, Meinungen oder Vorlieben willkommen. Und wer die anderen beiden gerne haben möchte, bitte gerne melden.
Mir wäre eine drehbare interne Mittelwellenantenne wichtig.
Wenn Du Zusatzgeräte anschließen möchtest, auch ein echter Trafo mit Isolationsprüfung. Also kein Gerät mit dem Hinweis, nur Lautsprecher und Tonabnehmer nach DIN verwenden.
Ich selbst füttere meine Röhrenradios mit einem FM-Modulator, die sind aber aus 1955 und 1958/59, da möchte ich nichts direkt anschließen.
Mir würde vermutlich das Tannhäuser am besten gefallen, trotz der berechtigten Einwände von Alexander.
Mit dem heutigen UKW-Soundprocessing haben die alle etwas Probleme, je nach Modell mehr oder weniger.
Habe gerade auch einen Nordmende "Tannhäuser" Stereo D330 auf dem Tisch. Ganze 41 Kondensatoren und 2 Widerstände mussten ersetzt werden. Und das schlimme dabei, um an die Kandidaten heranzukommen, glaubt man sich die Finger brechen zu müssen, weil total verbaut. Hut ab vor den Frauen, die früher jedes Bauteil ins Chassis einfädeln und verlöten mussten.
Nen Kondensatoren Wechsel an diesem Chassis mache ich garantiert kein zweites mal.
Nach dieser Arbeit aber glaubt man kaum, welch fantastischer Klang aus nem Röhrenradio kommen kann.
17.01.2026, 20:57 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.2026, 21:00 von eudatux23.)
(17.01.2026, 19:13)Justus schrieb: Habe gerade auch einen Nordmende "Tannhäuser" Stereo D330 auf dem Tisch. Ganze 41 Kondensatoren und 2 Widerstände mussten ersetzt werden. Und das schlimme dabei, um an die Kandidaten heranzukommen, glaubt man sich die Finger brechen zu müssen, weil total verbaut. Hut ab vor den Frauen, die früher jedes Bauteil ins Chassis einfädeln und verlöten mussten.
Nen Kondensatoren Wechsel an diesem Chassis mache ich garantiert kein zweites mal.
Nach dieser Arbeit aber glaubt man kaum, welch fantastischer Klang aus nem Röhrenradio kommen kann.
Ah, noch ein Leidensgenosse. Ja, das Tannhäuser ist echt eine absolute Zumutung und hat den Ruf der Firma Nordmende bei mir nachhaltig versaut. Die meisten anderen Röhrenradios sind zum Glück NICHT so servicefeindlich. Anbei ein Foto von einem kleinen Teil dieses Chaos-Gerätes, das ich damals bei der Reparatur gemacht habe...
Mein Rat: Schau mal bei allen dreien rein, welche Chassis am besten wartbar aussieht, wo man am besten an Bauteile ran kommt und entscheide dich dann für DAS Gerät.
17.01.2026, 21:25 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.2026, 21:25 von Micha94.)
Ich denke man kann wie folgt zusammenfassen:
Möchtest du ein einfaches Einsteigerprojekt ohne große Hürden? Dann nimm das AEG.
Willst du ein Mono Spitzengerät mit exzelllentem Klang? Dann nimm das Philips
Willst du ein alltagstaugliches Oberklassegerät mit sehr gutem Klang? Dann nimm das Nordmende
Ich denke jeder hat unterschiedliche Prioritäten, was Ihm an einem Gerät wichtig ist.
Für mich wären es gute Empfangseigenschaften und Alltagstauglichkeit.
Und noch ein Tipp für verbaute Chassis: Die Papierkondensatoren bündig abzwicken und mit einer speziellen Ösenzange entsprechende Ösen biegen.
Dort dann einfach die Beinchen der neuen Kondensatoren durchstecken, verlöten und den Überstand abzwicken. Deutlich einfacher als an die Lötösen zu gehen.
meine bescheide Meinung hierzu:
wenn es keine klaren Versorgungsengpässe bei der Röhrenbestückung gibt würde ich das komplexeste Gerät erhalten.
Ein weiteres Butter-und-Brot-Dampfradio wie den AEG (so schön es auch sein mag) gibt es immer wieder auf dem Trödelmarkt, bei Haushaltsauflösungen und auch sonst immer mal wieder.
Solch edle Geräte wie den Philips oder gar den Nordmende habe ich noch keinen einzigen in "freier Wildbahn" gesehen, nicht einmal bei Sammlern.
Wenn auch die Reparaturaktion kein Zuckerschlecken sein wird: das wird einmal gemacht und hält dann nochmal zig Jahre. Gerade, wenn Du wirklich entscheiden und aussortieren musst, sollte es doch etwas gediegenes sein.
Ein Grundig TK14 ist zwar schön, aber wenn daneben eine große Bandmaschine von Tandberg/Revox/Otari/Sony/Tascam usw. steht, so ist die Wahl doch für mich und bestimmt die allermeisten hier sehr klar.
VG
Andreas
Festina lente!
Motto der SN-Sammler: Irgendwann haben wir sie alle...
(17.01.2026, 23:55)bitbrain2101 schrieb: In meiner Lehrzeit hieß es immer "Lass die Hände von Nordmende"
Hats geraucht und hats gestunken, wars bestimmt von Telefunken
Ja, und Telefunken war ja auch AEG.
Bleibt also das Philips übrig, was ja auch sehr hochwertig ist. Was mir bei so uralten Philipsen allerdings nicht gefällt, sind die mit Teer getränkten Netztrafos, im Falle einer Überhitzung können die sich leicht entzünden. Deshalb unbedingt auf 240V einstellen, nie unbeaufsichtigt laufen lassen und darauf achten, daß wirklich die Sicherungen drin sind, die reingehören und nicht etwa stärkere. Hab bei letzterem schon die dollsten Sachen erlebt, da wundert man sich, daß da nicht mehr passiert ist.
Danke Euch allen für die vielen guten Anregungen - damit werden die Unterschiede schon deutlich klarer.
Micha,
(16.01.2026, 23:55)Micha94 schrieb: Es ist auch das einzige Gerät was NF-Stereo kann. Alle Geräte sind HF-Mono und das Philips sowie das AEG auch NF-Mono.
danke, das ist natürlich ein entscheidender Hinweis... es war auch etwas naiv von mir, "2 Lautsprecher muss wohl Stereo sein" anzunehmen. Das macht natürlich das Nordmende schon interessant.
(16.01.2026, 23:55)Micha94 schrieb: Wenn man etwas basteln will, lässt sich hier auch ein Stereodecoder nachrüsten.
Auch das ist eine verlockende Idee - aber auch der unveränderte Originalzustand hat für mich seinen Reiz. Wenn dieser Damm aber mal gebrochen ist, würde mich auch sowas faszinieren: DAB+ auf der ZF.
Frank,
(17.01.2026, 10:58)EQ80 schrieb: den Philips 1002 durfte ich einmal für einen Bekannten reparieren. Der Klang war dank eisenloser Endstufen phänomenal, wenn auch nur in Mono. Die Reparatur steht und fällt mit dem Zustand der hochohmigen Lautsprecher. Sind die durch, wird Ersatz schwierig. Also mal durchmessen.
Ah, das Vermeiden des Übertragers hat klangliche Vorteile, braucht aber hochohmige Lautsprecher? Gut.
Um hier keinen unbedachten Schaden anzurichten - "Durchmessen" ganz einfach gleichstrommäßig mit Multimeter im kΩ-Messbereich? Vermutlich kann ich die hochohmigen Chassis dann auch nicht testweise mit einem "normalen" (Transistor-)Verstärker verbinden?
(17.01.2026, 10:58)EQ80 schrieb: Nordmende kann NF-Stereo
...
Wenn es Stereo sein soll, dieses Gerät nehmen. Passt auch am besten zum Telefunken M85.
Ich weiß nicht, ob Stereo wirklich das ausschlaggebende Kriterium ist - auch wenn es sicher seine eigene Faszination hat. Für praktischen Nutzen und "guten Klang" habe ich ja alle modern(er)en Möglichkeiten, es geht hier ja eher um Fazination einer vorigen Technik-Generation.
(17.01.2026, 10:58)EQ80 schrieb: Der AEG ist nur "Mittelklasse" aber sicher am einfachsten zu reparieren da weniger komplex.
Die geringere Komplexität und das kompakte Format sind für mich bisher die beiden Hauptvorteile des AEG. Irgendwie ist es aber auch "ein wenig langweilig" dadurch.
Alexander,
(17.01.2026, 12:10)eudatux23 schrieb: Mit Nordmende habe ich die Erfahrung gemacht, dass die leider je nach Modell iecht blöd zu warten und verbaut sind.
...
Kurz gegoogled, das Tannhäuser ist genau so ein verbauter Mist wie das was ich damals hatte. Tu dir selbst den Gefallen und nehm dir lieber eines der anderen beiden vor, deine Nerven werden es dir danken!
danke für die deutliche Ansage - genau das ist nämlich auch meine Befürchtung. Was nützt mir das Oberklasse-Radio, wenn ich beim der Überholung unterwegs aufgebe, weil es eine Nummer zu hoch gegriffen war?
(17.01.2026, 12:10)eudatux23 schrieb: Die Papierkondensatoren (ERO100, Wima Tropydur und co) sind über die Zeit allesamt hinüber und müssen ersetzt werden.
Bei der grundsätzlichen Vorgehensweise bei Röhrengeräten habe ich mich vor ein paar Jahren schonmal beschäftigt - also viel in den einschlägigen Foren gelesen, und auch Material für die Vorschalt-Glühbirne etc. besorgt, als ich damals mit der Reparatur der M76 beginnen wollte.
Allerdings habe ich vor der Freiluft-Verdrahtung von Röhrensockel zu Röhrensockel großen Respekt... und ich weiß nicht, wie erfolgreich ich mich da "durchs Unterholz wühlen" kann und will. Unwillkürlich denke ich dann immer darüber nach, ob man nicht lieber "schnell" eine Platine entwerfen und ins historische Gerät einpassen kann, um den Aufbau zu Vereinfachen - was natürlich Unfug ist.
Justus,
(17.01.2026, 19:13)Justus schrieb: Habe gerade auch einen Nordmende "Tannhäuser" Stereo D330 auf dem Tisch. Ganze 41 Kondensatoren und 2 Widerstände mussten ersetzt werden. Und das schlimme dabei, um an die Kandidaten heranzukommen, glaubt man sich die Finger brechen zu müssen, weil total verbaut.
...
Nen Kondensatoren Wechsel an diesem Chassis mache ich garantiert kein zweites mal.
das bestätigt natürlich meine Sorge - ich befürchte schlicht, die Lust zu verlieren, bevor die Baustelle fertig ist. Als Einstieg (oder vielleicht einziges Röhren-Projekt) ist dann natürlich ein Radio, dass alle mit Erfahrung mindestens als "schwierig" beschrieben, nicht die beste Idee...
(17.01.2026, 21:25)Micha94 schrieb: Und noch ein Tipp für verbaute Chassis: Die Papierkondensatoren bündig abzwicken und mit einer speziellen Ösenzange entsprechende Ösen biegen.
Dort dann einfach die Beinchen der neuen Kondensatoren durchstecken, verlöten und den Überstand abzwicken. Deutlich einfacher als an die Lötösen zu gehen.
danke für den Tipp - vielleicht ist es damit ja doch nicht so schlimm, wie ich es mir bisher ausgemalt habe
Andreas,
(17.01.2026, 22:14)UHER-Report-Fan schrieb: wenn es keine klaren Versorgungsengpässe bei der Röhrenbestückung gibt würde ich das komplexeste Gerät erhalten.
Ein weiteres Butter-und-Brot-Dampfradio wie den AEG (so schön es auch sein mag) gibt es immer wieder auf dem Trödelmarkt, bei Haushaltsauflösungen und auch sonst immer mal wieder.
Solch edle Geräte wie den Philips oder gar den Nordmende habe ich noch keinen einzigen in "freier Wildbahn" gesehen, nicht einmal bei Sammlern.
auch das ist sehr bedenkenswert. Wie häufig oder selten die Modelle sind, dafür habe ich natürlich überhaupt kein Gefühl.
Gleichzeitig erhöht das auch meine Hemmschwelle, gleich eins davon zu verbasteln - und lässt mich eher darüber nachdenken, sie jemandem weiterzugeben, der damit auch angemessen umgehen kann...
(17.01.2026, 19:13)Justus schrieb: Nach dieser Arbeit aber glaubt man kaum, welch fantastischer Klang aus nem Röhrenradio kommen kann.
Ja, genau...
Also, ich glaube, die grundsätzlichen Linien sind klar. Ich muss sie wohl alle drei öffnen, anschauen, und mal überhaupt auf Vollständigkeit prüfen. Bisher nehme ich an, dass sie sämtlich unberührt, oder zumindest unverbastelt sind. Vielleicht habe ich ja dann schon eine bessere Einschätzung, was ich mir zutraue und was nicht. Die Revox- und ASC-Geräte, mit denen ich bisher meist gearbeitet habe, sind natürlich überhaupt kein Maßstab für die Komplexität hier.
Vielleicht noch ein anderer Aspekt: Früher (also in den 1990ern) habe ich gerne auch mit moderneren Radios auf der Mittel- und Langewelle gesucht, was so zu hören ist, und im Camping-Urlaub auch mal den Weltempfänger mit der Wäscheleine verbunden und versucht, auf der Kurzwelle was interessantes zu finden. Ist meine Annahme richtig, dass von allen AM-Bändern hier (im Südwesten) allenfalls auf der Kurzwelle noch was zu finden ist? Das wäre dann nämlich noch ein Grund gegen das AEG, dort gibt es neben UKW nur Mittel- und Langwelle, wenn ich richtig sehe.
Du solltest vielleicht noch berücksichtigen, daß das UKW-Band zu Beginn nur bis 100MHz ging und später bis 104 und dann 108MHz erweitert wurde. Je nach Alter decken Röhrenradios nicht immer den ganzen Bereich ab.
Umfummeln geht zwar meistens, aber dann paßt die Skala nicht mehr. Und etwas tiefergehende Kenntnisse sind auch nötig.
Ja, das stimmt, das dürfte bei allen genannten Geräten der Fall sein. Soweit ich das im Kopf habe, wurde erst in den 60er Jahren auf 104 MHz erweitert und noch später dann auf 108.
Langwelle kann man zumindest hier voll vergessen. Da sind nur noch Störgeräusche von DLAN und Schaltnetzteilen zu hören.
Mittelwelle und Kurzwelle geht am Abend sehr gut. Kurzwelle manchmal auch am Tag mit einem hochwertigen Empfänger.
Ja, mit Einbruch der Dunkelheit "erwacht" der (ausländische) AM Rundfunk auch hierzulande, da findet man noch einiges, sogar mein kleines Mittelwellen Taschenradio von 1968 meldet sich dann lautstark zu Wort. Wenn ich den Läppi aufklappe, ist allerdings Schluß mit Lustig, dann gibts über das gesamte MW Spektrum nur noch Prasseln, Schnarren, Rauschen, in ein paar Metern Abstand gehts dann aber wieder. Leider gibt es viel ärgere Störer, als die (recht gut geschirmten) Computer, vor allem billige China-Elektronik (Schaltnetzteile, LED Lampen, Microcontroller in allen möglich Geräten, PLC und diverses andere). Besonders haben die KW Funkamateure darunter zu leiden.
wenn Du das Radio, wie im ersten Post erwähnt, nur gelegentlich verwenden möchtest, würde ich an deiner Stelle das AEG behalten und die anderen beiden abgeben. Die Chancen stehen dafür um einiges besser als für das "Standard"-AEG, welches man höchstens für einen Freundschaftspreis los wird. Dabei dürfte das 6057 mit seinen drei Lautsprechern auch schon recht gut klingen und einen vernünftigen Empfang bieten. Abgesehen davon, dass eine Reparatur um einiges einfacher ist als bei den anderen beiden.
Da die Tonbandkoffer M75/76/85 eh Mono sind, wäre das Tannhäuser dafür auch "überqualifiziert". Das lohnt sich nur beim Anschluss einer Stereo-Quelle und Zusatzboxen, wenn man für einen hörbaren Stereo-Effekt nicht direkt vor dem Radio hocken möchte.
ja... sie stehen alle drei noch, da ist der Handlungsdruck also erstmal wieder gesunken
Mein Plan nach diesem Thread: AEG reparieren, Nordmende weiter für später aufheben (je nachdem, wieviel Gefallen ich an der Sache finde), Philips hergeben. Wenn jemand Interesse hat - man wird sich sicher einig...
Letztendlich wirst Du es selbst entscheiden müssen. Ich kann nur erzählen wie ich es bisher hielt: Bis auf eine
SIEMENS "KAMMERMUSIKSCHATULLE" habe ich nur unser Familienradio AEG 5056 WD aufgehoben, mit dem mich
zwei kleine Begebenheiten verbinden.
Zum einen, dass das schöne Radio via Preisauschreiben (heute Gewinnspiel genannt), eines namhaften, frankfurter, Funk&Fernsehgeschäfts zu uns gelangte.
Zum anderen hat sich mir ein saftiger Stromschlag unauslöschlich eingeprägt. Als reiferer Schüler stellte ich mir die Frage
was die Ursach für die geringe Lautstärke der seitlichen, 3D Lautsprecher sein könnte. Also in einem unbeobachteten Augenblick Rückwand ab um irritiert zu erkennen, was sich mir da bot, hatte mit Lautsprechern die mir bis dato unterkamen, so gar nichts gemein. Schnell mal so ein Ding von der Gehäuseseitenwand gelöst. Wie stand es so schön auf der Rückwand: " Vor Nässe zu schützen" und "Vor Öffnen, Netzstecker ziehen". Für mich galt dies jetzt gerade nicht, Spielverderber aber auch!
Radio an und das abgenommene Gebilde in Händen konnte ich überascht noch sehr gut die enorm gerichtete Schallausbreitung wahrnehmen und bevor ich dieses Phänomen noch recht genießen konnte, machte ein schmerzhafter Stromschlag dem ersten Forschungsansatz ein Ende. Jetzt war klar das beruht auf einem völlig anderen Wandlerprinzip - so eine Art umgekehrtes Kondensatormikrofon. Schnell konnte der Begriff ELEKTOSTAT eruiert werden.
Seit dem ist dieses Radiogerät mit der trocknen Typenbezeichnung 5056 WD in meinem Ansehen, ganz vorne auf der Bühne.
Erhalt 'das Glück in Deiner Eh' durch ein Gerät von AEG!
Ja, an so einen Elektrostaten kann ich mich aus meiner Kindheit auch noch erinnern, den hatte unser damaliges Wohnzimmerradio (Rema 1200) auch, der war direkt hinter der Stoffbespannung auf der Frontseite vor dem großen Breitbänder angeordnet. Irgendwann fing es im Radio immer an zu knistern, sobald dieses "etwas" lauter spielte, Ursache waren wohl Spannungsüberschläge in ebendiesem Lautsprecher. Mein Vater baute ihn daraufhin aus, die "gute Stube" sollte schließlich nicht abbrennen.
So ein Elektrostatlautsprecher ist in der Regel direkt an die Anode der Endröhre angeschlossen, Fingerkontakt ist daher nicht zu empfehlen.
darf man fragen welche Kammermusikschatulle Du dein eigen nennst? In der Serie gab es ja richtige große Brummer mit gewaltigen Lautsprechern. Schwer zu finden, und schon gar nicht zu annehmbaren Preisen. Hören würde ich so ein Gerät aber gerne einmal.
Welche Kammermusik Schatulle?
Es ist das Modell 95 W
War mir völlig entfallen, dass SIEMENS diesen Modellnamen wohl noch für eine Reihe von "Großsupergeräte" auch nach dem WK ll nutzte.
Im 95 W sind zwei e - dynam. Lautsprecher, eine sehr großer mittig und ein kleinerer (hinter einem Türchen) verbaut.
Wie Du schon richtig bemerktest, das Radio ist ein bemerkenswertes Representationsobjekt und seiner Zeit nichts für den Durch-
schnittsverdiener gewesen.
Ja und hören würde ich ihn auch mal gerne, nur er schweigt seit ewigen Zeiten. Mein Radio bastelnder Bruder hatte ihn ins Haus gebracht um enttäuscht festzustellen, dass angebl. der Netztrafo defekt sei. Anfängliche Versuche einen aufzutreiben blieben wohl erfolglos und so geriet das wirklich eindrucksvolle Radio langsam in Vergessenheit und so steht es noch immer bei mir. Heute ist mir das 24,5 kg Monstrum für irgend welche diagnose/rep. Aktivitäten einfach zu unhandlich.
V.G.
Jo
ps
Die hübsche Kammermusikschatulle wäre vielleicht was für ein Museum...
vielleicht bekommt man noch zumindest technisch passende Ersatztrafos, die Fa. Engel hatte so etwas noch vor ca. 20 Jahren im Angebot. Wäre ja schade wenn so ein Stück stumm bliebe.
28.06.2026, 13:18 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.06.2026, 13:18 von Stereo_Record.)
Hallo Wolfgang,
"spielbereit nach der Restauration" - ich glaube, da müsste ich mal wieder im Museum vorbeischauen. So ein Körting dürfte als eines der ersten HiFi-Geräte durchgehen. Wie führt ihr solche AM-Radios vor, mit Heimsender oder mit zeitgenössischem Plattenspieler / Tonabnehmer (z. B. Telefunken TO 1001)?
Es wäre verlockend, so ein Siemens 95 W zu präsentieren.
Zumal wir zwei der kleineren Schatulle besitzen (57 W).
Aus der Vorkriegszeit haben wir diesen Boliden in die
Jetztzeit gerettet - ein Körting Ultramar SB7361 W.
Fundzustand:
und spielbereit nach der Restauration:
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang!
Gut das Du Dich angesprochen fühlst und das kannst Du auch.
Ich wäre bereit das Gerät an "Dein" HiFi-Museum gerne (unrepariert) abzugeben.
Nach Abklingen dieser Hitzewelle (hier nahe 40° ) könnten wir das gerne mal besprechen.
28.06.2026, 17:27 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.06.2026, 17:29 von cisumgolana.)
Hallo Jo!
Das wäre wirklich wunderbar, wenn wir zusammen
kommen würden. Dazu zu gegebener Zeit mehr per
PN.
Gruß
Wolfgang
-----
Hallo Bernd!
Wir betreiben zur Zeit einen VE301W über einen kleinen MW-Sender.
Der, oder ein Zweiter, könnte auch den Körting zum Tönen bringen.
Alternative wäre natürlich ein Grammophon mit elektrischem TA an-
zu schließen.
Und ja, es lohnt sich auch in diesem Jahr das Museum zu besuchen.
Unsere diesjährige Sonderausstellung dreht sich ausschließlich um
Röhrenradios und deren Vorgänger (Detektor-Empfänger)...
das stimmt! Hier im Nordwesten kann man nach Einbruch der Dunkelheit z. B. sehr gut BBC Radio Scotland auf 810 kHz empfangen, eine gute Antenne natürlich vorausgesetzt. Bei einem Gerät mit variabler Bandbreite kommt da schon fast eine UKW-nahe Qualität 'rüber. Es hängt aber stark vom Sender ab, viele schaffen das natürlich nicht. Aber mit einem Haussender kann man schon vorführen wozu die MW in der Lage ist.
(28.06.2026, 18:03)Stereo_Record schrieb: Hier im Nordwesten kann man nach Einbruch der Dunkelheit z. B. sehr gut BBC Radio Scotland auf 810 kHz empfangen, eine gute Antenne natürlich vorausgesetzt.
Ah, Du kennst ihn, toll. Ich schweife zwar hier im Hauptthema ab, aber ich bin großer MW/KW Fan. Dann schönes Schummerlicht und man kann sich wunderbar konzentrieren.
Abschweif Ende
___________________________________________________
Servo-Sound Mixer 2002 + 2003, SP 70, 4 x SL 20, 2 x SL 60/D
28.06.2026, 19:39 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.06.2026, 19:44 von Stereo_Record.)
Na ja, völlig weg vom Ausgangsthema sind wir doch nicht :-). Die drei Röhrenradios von Andreas sind ja auch ideal für solche Zwecke, stammen sie doch aus einer Zeit in der UKW sich zwar bereits etabliert hat, der AM-Empfang aber noch eine wichtige Rolle spielte.