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Hallo zusammen,
inzwischen hat es sich ja langsam herumgesprochen, das es Probleme mit Chromdioxid Bandmaterial gibt.
Hier im Forum nimmt die Anzahl von Einträgen die die dieses Thema beinhalten ab 2012 zu.
In alten Hifi Zeitschriften (die späten 70er) ist oft zu lesen, das Chromdioxid nicht Hitzestabil ist und die Kassetten nicht ins Auto gehören oder in den Backofen ;-)
Oft ist ebenfalls in Forenthemen, das einige wenige Chromdioxidkassetten die Zeit wohl ziemlich unbeeindruckt überstanden haben.
Ich habe z.B. eine 1977er BASF Chromdioxid 60 mit dem weißen Beschriftungsfeld, die sich hervorragend mit meinem TC-K870 einmessen und bespielen lässt.
Ich habe aber auch ein paar 1994er BASF CM II 60 in OVP die leider nur noch als Deko taugen.
Chromedioxid beschichtetes Bandmaterial wurde aber auch für 1/4" Band benutzt, 1/2" Videoband und bestimmt noch einiges mehr...
Wie sieht es denn mit den Videokassetten (VHS, VCR, Video 2000) die Chromdioxidband haben aus. Ich habe in meinem Fundus keine Echtchrome Videokassetten (VHS und alles was ich V2000 hatte habe ich vor 6 Jahren verkauft) und kann da leider nicht zu sagen.
Was sorgt denn genau für die Degradation des Chromdioxidpigment? Es scheint ja einen großen unterschied zu machen, je nach Lagerort und das Raumklima.
LG Oliver
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(29.11.2025, 08:43)Olivinyl schrieb: Wie sieht es denn mit den Videokassetten (VHS, VCR, Video 2000) die Chromdioxidband haben aus. Ich habe in meinem Fundus keine Echtchrome Videokassetten (VHS und alles was ich V2000 hatte habe ich vor 6 Jahren verkauft) und kann da leider nicht zu sagen.
Ob die High-Grade Kassetten von BASF oder Scotch CrO2 waren, kann ich nicht sagen. Ich hatte mir in den 80ern einen damals sündhaft teuren VHS-Recorder von JVC gekauft, mit allem Pipapo, hauptsächlich des HiFi-Tones und der manuellen Tonaussteuerung wegen.
Von dem HiFi-Ton ist aber zwischenzeitlich (fast) nichts mehr übrig geblieben, nur noch der Magnetton klappt reibungslos, der glücklicherweise sehr gut ist. Das könnte auch am CrO2-Band liegen. Ich habe mal gelesen, dass der HiFi-Ton stärker magnetisiert wurde als die Bildinformation und das scheint ja über die Jahre nachgelassen zu haben.
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29.11.2025, 11:41
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.11.2025, 14:43 von bitbrain2101.)
Die Ursache für fehlenden Hifi-Ton bei VHS-Recordern sind meist die abgenutzten Köpfe für den Hifi-Ton. Die Hifi-Ton Spuren auf dem Band sind nur 35µm breit, die Videospuren sind 49µm breit. Genauso verhält es sich mit der Breite der Köpfe, die Hifiton-Köpfe sind schmaler und nutzen sich daher schneller ab. Im Kopierwerk unter optimalen Bedingungen war bei 3500 Stunden Betrieb Ende mit Hifiton, Video liess sich aber noch mit voller Qualität aufzeichnen.
MfG, Tobias
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VHS-Bänder waren bei den allermeisten Herstellern mit FeCo beschichtet. Ausnahmen sind BASF, die Philips/PDM-Gruppe und später SK/MPO (also der ganze Oosterhout-Komplex), da war es so gut wie immer Chromdioxid. Ein paar frühe Agfa vielleicht noch.
Natürlich gab es da wieder jede Menge OEM-Geschichten in beide Richtungen, so daß man nicht immer von der aufgedruckten Marke ausgehen kann. Gehäuse und darauf befindliche Stempel und Prägungen können weiterhelfen, aber im Zweifel bleiben nur Nase und Taschenlampe zur Identifikation der Chromdioxid-Bänder. Für die E-300 kauften z.B. fast alle Hersteller das Band von BASF und spulten es teilweise in eigene Gehäuse ein. Umgekehrt wurden bisweilen auch Saehan-und Raks-Videocassetten unter BASF-Flagge verkauft.
Ja, die Lagerungsbedingungen entscheiden über die Geschwindigkeit des Zerfalls der CrO2-Moleküle in andere, nicht magnetische Verbindungen. Dafür braucht es ein paar O-Atome, die der Luftfeuchtigkeit entzogen werden, und Wärme. Genaueres kann sicher jemand mit besseren Kenntnissen in Chemie erklären. Je nach Qualität und Alterungsverhalten des Lacks, in den das magnetische Material eingegossen ist, geht der Zerfall auch langsamer oder schneller.
Was für Chromdioxid-Bänder auf jeden Fall lebensverlängernd wirkt ist, sie möglichst stramm und glatt aufgewickelt (also nach dem Abspielen oder Aufnehmen nicht umspulen) zu lagern, was bei Videobändern eigentlich gegen die empfohlene Praxis geht, bei Audiocassetten aber normalerweise kein Problem darstellt. Dann bei Zimmertemperatur in der Wohnung aufbewahren, am besten in Räumen, die sich im Sommer nicht besonders aufheizen.
Viele Grüße,
Martin
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29.11.2025, 18:36
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.11.2025, 18:53 von 2245.)
Zitat:Was sorgt denn genau für die Degradation des Chromdioxidpigment? Es scheint ja einen großen unterschied zu machen, je nach Lagerort und das Raumklima.
In erster Linie ist das H2O, sprich Wasser aus der Luft, aber auch von den in der Beschichtung verwendeten Polymerbindemitteln wird das CrO2 angegriffen.
Umso höher die Umgebungstemperatur umso stärker kann die Luftfeuchtigkeit das CrO2 angreifen.
Ich bin auch kein Chemiker, habe mich aber mal damit (nicht mit Chemie, sonderm dem CrO2 Magnetband) etwas beschäftigt. Meine Formulierung wird fachlich wohl nicht korrekt sein, aber im Groben sollte das hinkommen.
Chromdioxid kommt in der Natur nicht vor. CrO2 wird unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen aus Chrom(III)-oxid, Cr2O3 und Chrom(VI)-oxid (CrO3) hergestellt.
Unter Einfluss von Feuchtigkeit kehrt sich die Herstellungsroute wieder um und es enstehen wieder das nicht magnetische Cr2O3 und Chromationen wie Chrom(VI), diese sind nicht nur hochtoxisch sodern auch hoch oxidativ und födern den weiteren Zerfall zudem greifen sie die Bindemittelmittel an die dann den Zerfallsprozess des CrO2 noch weiter beschleunigen.
Für die Anwendung als Magnetband relevant ist dabei... Die eizelnen Nadelförmigen CrO2 Pigmente in der Bandbeschichtung wandeln sich von der Oberfläche beginnend in nichtmagnetisches Cr2O3 um.
Untersuchungen von DuPont in den 1980er Jahren zeigten dass etwa 10-20% des CrO2 schon in den ersten beiden Jahren nach Produktion verloren gingen.
Da das neugebildete Chrom(III) auf der Oberfläche wie eine Passivierung wirkt, verlangsamt sich der Prozess stetig kommt aber nie zu Stillstand... bis kein Cro2 mehr vorhanden ist. Das werden wir aber nicht mehr erleben.
Zitat:Je nach Qualität und Alterungsverhalten des Lacks, in den das magnetische Material eingegossen ist, geht der Zerfall auch langsamer oder schneller.
Je nach Herstellungsverfahren wurde mit verschiedesten Kombinationen von Zusatzstoffen (Antimon, Tellur Eisenverbindungen, Oxide) und Nachbehandlungen wie Waschungen, Tempern, Behandeln mit verschiedenen Lösungen unter allen möglichen Bedingungen und Modifizierunegn des Bindersystems versucht das CrO2 zu stabilisieren. Letztlich wohl ohne durchschlagenden Effekt auf die Langzeitstabilität.
Zitat:Oft ist ebenfalls in Forenthemen, das einige wenige Chromdioxidkassetten die Zeit wohl ziemlich unbeeindruckt überstanden haben.
Nicht wirklich.... ja, es gibt stark und weniger stark "gealterte" CrO2 Bänder, "ziemlich unbeeindruckt" überstanden haben die es aber alle nicht.
Zitat:Hier im Forum nimmt die Anzahl von Einträgen die die dieses Thema beinhalten ab 2012 zu.
Woran das liegt weiß ich nicht, aber die Bänder waren auch vor 15 Jahren schon fast genauso stark gealtert wie jetzt.
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29.11.2025, 19:43
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.11.2025, 18:08 von Olivinyl.)
(29.11.2025, 14:29)Kirunavaara schrieb: VHS-Bänder waren bei den allermeisten Herstellern mit FeCo beschichtet. Ausnahmen sind BASF, die Philips/PDM-Gruppe und später SK/MPO (also der ganze Oosterhout-Komplex), da war es so gut wie immer Chromdioxid. Ein paar frühe Agfa vielleicht noch.
Viele Grüße,
Martin
Ich weiß von meinem Onkel der in Leverkusen bei AGFA-Gevaert in der Foto & Filmbeschichtung ewig gearbeitet hat und Fühler in andere Abteilungen hatte, dass die AGFA in Leverkusen TDK Bandmaterial in die VHS-Kassetten gefüllt hat, bzw. in frühen Jahren die VHS-Kassetten komplett als Bulkware von TDK kamen und nur umverpackt wurden.
LG Oliver
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Das mit TDK und Agfa war mir auch schon aufgefallen - diese hier zum Beispiel wurde am 9. Januar 1981 im US-Werk von TDK hergestellt:
https://vhsmester.com/wp-content/uploads...nfo&w=1716
Es gibt aber noch ältere, die hießen Agfa Video_chrom_ statt Video_cassette_. Was mir bisher nicht bewußt war: Daß selbst in den späteren, mit Made in Germany beschrifteten Serien, die auch spezifische Agfa-Gehäuse hatten, TDK-Bänder steckten. Danke für die Info!
Viele Grüße,
Martin
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Also was mich immer wieder wundert ist, dass die Erfahrungen mit gleichen Baureihen bei mir ziemlich deckend sind. Ich hab zwar nie gemessen, aber die gleiche Cassette verhält sich unabhängig von ihrer Herkunft und Lagerung bei mir doch auch ziemlich gleich.
Bei einer Chromdixoid Super II oder CR-SII aus den 80ern weiß ich z.B. ziemlich genau, wie ich die aussteuern kann und es ist bisher noch nie passiert, dass merklich abgewichen ist und speziell von BASF habe ich aus fast allen Baujahren ne ganze Menge. Bei AGFA verhält sich das bei mir ähnlich. Die Stereochrom oder auch die CRX lässt sich - wenn sie sich nicht aufgelöst hat - immer ähnlich wie BASF Chromdioxid II und CR-E Einmessen und aussteuern und wenn man vorsichtig ist klingt die dann auch noch richtig gut. Die späteren AGFAs ähneln dann sehr den Chromdioxid Super II/CR-SII/Chrome Super II von BASF. Ich hab auch noch ganz alte BASF Chromdioxid der ersten Generation mit den bunten Streifen, selbst die klingen noch erstaunlich gut und was mir bei Echtchrom - zumindest von BASF - immer auffällt: Wenn die nicht zurück gespult sind entstehen an der Stelle wo das Band frei lag scheinbar keine Dropouts, was ja bei FeCo Bändern der Fall ist.
Die Berichte aus den Foren sind aber absolut nicht deckungsgleich. Es scheint innerhalb einer Serie - je nach Lagerung - frappierende Unterschiede in der Alterung zu geben, die ich so bisher selber noch nicht erlebt habe, zumindest nicht wissentlich. Aber ich denke schon dass ich das beim Einmessen und Einpegeln merken würde, wenn MOL und SOL untereinander stark abweichen würden.
Relativ mies sind übrigens ORWO Chromdioxid, wenn man die ohne große Verzerrungen bespielen will, muss man schon sehr leise aufnehmen und dann ist das Rauschen so laut, dass jede Standard Ferro besser ist. Allerdings verhalten sich Echtchrom BASF Cassetten mit Überläge ziemlich ähnlich dazu. Die CR-E 120 muss ich auf -8 dB oder niedriger aussteuern, während ich bei den allermeisten CR-E 60 und 90 auf -4 oder -6 dB aussteuern kann und je nach Musik sogar bis etwa -2. Die CR-S oder M kommt dann durchaus noch auf -1 oder 0 dB. Bestimmtes Musikmaterial kann man sogar "rot"aussteuern aber ab +2 dB unterscheidet sich der Pegel dann vom Hinterband und es tritt ein Kompressoreffekt ein, selbst wenn man das nicht direkt hören kann. Wenn das passiert drehe ich immer so weit zurück bis die Werte vor und Hinterband identisch sind, dann klingen die Aufnahmen auch nach wie vor gut. Mir wäre auch nicht aufgefallen, dass sich irgendeine Echtchrom Cassette, unabhängig vom Alter, die ich in den letzten 20 Jahren bespielt habe noch mal hörbar verschlechtert hatte. Der Zerfall scheint nach den ersten Jahren nahezu stagniert zu sein und wenn man es schafft die Cassetten einzumessen ist Dolby auch kein Problem.
Manchmal denke ich, dass Chromdioxid vielleicht in naher Zukunft sogar langzeitstabiler als FeCo sein könnte, denn es passiert mir immer häufiger, dass japanische Cassetten sich nicht mehr vollständig löschen lassen, das zieht sich bei mir mittlerweile bis in die frühen 90er und scheint sich mit fortschreitender Alterung auch auf neuere Bänder auszubreiten. FeCo wird dann also irgendwann nur noch optimal nutzbar sein, wenn man unbespielte Cassetten benutzt, die man dann auch nur einmal bespielt. Chromdioxid scheint mit den Nachteilen der Alterung nach dem Neubespielen stabil zu bleiben.
Ich hab schon eine besondere Liebe zu BASF, deshalb sind mir die Cassetten auch besonders ans Herz gewachsen. Die waren in meiner Kindheit einfach überall. Die Coolen Jüngeren hatten meistens TDK, Maxell oder Sony, Bei meinen Eltern stank das Cassettenregal, wenn man den Schrank aufmachte nach Echtchrom. Mit den Chrome Super II aus der 88er Serie und den Folgemodellen habe ich meine ersten Aufnahmeversuche gemacht, das Z Design hat sich durch meine gesamte Kindheit und frühe Jugend gezogen, das war prägend. Die gabs ja auch an jeder Supermarkt Kasse. Deshalb bin ich speziell auch dir, Martin, wahnsinnig dankbar für dein ganzes BASF Wissen. Aber ich find auch die Geschichten von WernerO (wenn sie auch gern angezweifelt werden, was ich nicht beurteilen kann) mega unterhaltsam. Sein Bericht über den Kampf zwischen AGFA und BASF in den USA liest sich fast wie ein Krimi.
Man liest immer wieder (unabhängig davon), dass AGFA wohl die Nase im Ferro Bereich vorn hatte und auch die Duplizierbänder besser gewesen sein sollen, als das LH-D. Ich finde die alten AGFA Superferro auch richtig gut, mir wäre aber nicht aufgefallen, dass sie den BASF LH super aus der gleichen Zeit weit überlegen gewesen wären. Um die LH super ist es jetzt sehr schade, bei mir quietschen die leider Alle bis hin zur 89er Ferro Extra, da liefen zuletzt noch Einige, jetzt leider gar keine mehr. Ich hatte schon in eine Ferro Extra 100 das Band einer späteren FE I gefüllt um das schöne Gehäuse mit der gelben 100 weiter nutzen zu können. Historisch war es mir auch wichtig, da welche von zu haben, weil es ja die Ersten waren.
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Dank dem Denon von Gyrator habe ich jetzt mal so einige "alte" BASF getestet, die Anfang der 80er auf einem Sharp RT 10 ohne Dolby aufgenommen wurden. Die Kassetten sind CrO2 mit großem, breiten Fenster, schwarzem Gehäuse und dürften aus der gleich Zeit sein
Die Aufnahmen sind immer noch einwandfrei und klar mit schönen Höhen und 0dB. Zumindest mit denen habe ich da keinen Verlust. Neuaufnnahmen kann ich natürlich nicht beurteilen.
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Das ist ein Thema, dass mir in letzter Zeit ziemlich Sorgen bereitet.
Da ich erst wieder mit dem Hobby angefangen habe, fische ich mir momentan meine Cassetten aus verschiedenen Plattformen zusammen.
Ich hatte einfach gar keine mehr hier.
Da die Preise teilweise ganz schön Saftig sind, hofft man natürlich wenigstens gepflegte und gut gelagerte Cassetten zu bekommen. Aber da kann man sich eigentlich selten wirklich sicher sein.
Irgendwie bleibt es immer ein wenig Glücksspiel.
Gibt es da Anhaltspunkte worauf man achten könnte?
Bis jetzt hatte ich Gott sei Dank noch keinen Ausreißer, aber mein Bestand ist auch leider noch sehr überschaubar.
Beste Grüße
Max
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Mit originalverpackten Maxell XL II habe ich bislang noch nie Probleme gehabt. Aber vielleicht waren die auch nur sorgfältig gelagert.
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Der Verfall ist ja großenteils auf Einwirkung von Luftfeuchtigkeit zurückzuführen, solange die Bänder noch in Folie eingeschweißt sind, kommt diese ja dort nicht heran, der destruktive Alterungsprozess beginnt deshalb vermutlich erst nach dem Auspacken.
Gruß Holger
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Könnte man meinen, aber erfahrungsgemäß machen gerade solche Exemplare gerne Probleme, die erst nach Jahrzehnten aus ihrer Verpackungsfolie befreit werden. Das sieht man teilweise schon an den sich bräunlich färbenden Wickelkernen und Einlegern. Am wenigsten betroffen sind Exemplare, die ziemlich schnell nach der Produktion ausgepackt und bespielt wurden, und dann im Wohnzimmer in den Schrank gelegt und vergessen wurden. Woran das liegt, können wir nur mutmaßen: Entweder es dringt doch Feuchtigkeit durch die Folie ein, die sich dann sammelt. Oder die zerfallenden Lösungsmittel im Band und auch im Klebstoff der Etiketten greifen die Chromdioxid-Partikel viel mehr an, als wenn das Lösungsmittel bei ausgepackten Exemplaren ausdünsten kann.
XL II sind ja reine FeCo-Bänder und damit überhaupt nicht von der Chromdioxid-Alterung betroffen.
Viele Grüße,
Martin
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(01.12.2025, 19:47)Kirunavaara schrieb: XL II sind ja reine FeCo-Bänder und damit überhaupt nicht von der Chromdioxid-Alterung betroffen.
Ah ja, deshalb
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.12.2025, 12:23 von janbunke.)
(01.12.2025, 16:27)Analoghoerer schrieb: Der Verfall ist ja großenteils auf Einwirkung von Luftfeuchtigkeit zurückzuführen
So wird es sein.
Ich habe leider den Fehler begangen, meine Cassettensammlung jahrelang in meinem feuchten Keller aufzubewahren.
Danach waren alle BASF Chrom-Cassetten massiv von Pegelverlust betroffen. Wegen High-Com sind die Aufnahmen nun unbrauchbar.
Da werden aus -4dB mal eben -8dB.
Zum Glück habe ich zum größten Teil nur TDK, Maxell und Sony Cassetten verwendet. Die sind alle noch Top.
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(01.12.2025, 19:47)Kirunavaara schrieb: Könnte man meinen, aber erfahrungsgemäß machen gerade solche Exemplare gerne Probleme, die erst nach Jahrzehnten aus ihrer Verpackungsfolie befreit werden.
Ja das ist tatsächlich so. Die meisten Kunststoffe sind für Feuchtigkeit nahezu kein Hindernis, auch gegen hohen Überdruck. Einzig PTFE (Teflon) ist einigermaßen diffusionsdicht.
Die Dampfdiffusion bei PTFE ist ca. 1/10000 gegenüber PE. Und dann wäre noch der Weichmacher der Folie, der sich ungehindert in der Cassette breitmachen kann.
Meine bevorzugten Zitate:
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Ich mag die BASF Echtchrombänder auch. Zum Glück geht mit der Alterung auch das Grundrauschen zurück. Kann jemand einschätzen, in welchem Verhältnis der Rückgang des Grundrauschens zum Pegelverlust steht?
So lassen sich, auch bei geringerem Aussteuerungspegel (ich gehe auf max. -1dB bei meinen BASF Chrome Maxima II aus 1989) sehr gute Aufnahmen realisieren. Insgesamt rauschen die Aufnahmen dann sogar noch weniger, als eine Aufnahme mit einer Typ I TDK D.
Das Revox B 215 misst meine Echtchrombänder einwandfrei ein. Damit sind sogar Dolby-C Aufnahmen möglich weil der Pegel entsprechend hochgezogen wird.
Viele Grüße
Manfred
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Auf Audiochrome liegt die schlechteste bei 55,9 dB und die beste bei 62,5 dB. Wenn man bedenkt,
Dass die Älteste eine Chromdioxid von 1976 ist, ist sie zu dem Zeitpunkt eigentlich gleich auf mit den FeCo Typ II Bändern bis in die frühen 80er, hat bessere Höhen als die Superferros und die Besten sind kaum schlechter, als eine FeCo Standard Cassette aus den späten 80ern. Also eigentlich immer noch gut genug. Klar, wenn die Einmessung stimmt, geht auch Dolby. Das Problem ist eben meistens, dass die Decks die gesunkene Empfindlichkeit nicht mehr ausgleichen können und dann „Offset“ sind. Wenn man nicht bis zu dem Punkt aussteuert, wo die Sättigung komprimiert, arbeitet Dolby auch sauber. Bei den Doppelschicht Chrom Bändern ist das Problem, dass sie nicht linear verlaufen, wodurch man den dritten Messpunkt braucht, sonst ist Dolby halt auch ein Problem, aber das kennt man ja auch von anderen Doppelschicht Cassetten.
Sie sind jedenfalls immer noch besser nutzbar, als ihr Ruf. Man sollte aber auf jeden Fall nicht vergessen, dass durch sinkendes Rauschen und fallenden Maximalpegel auch das Talkthrough lauter wird, das kann im Walkman schon mal störend sein!
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Aufgrund der ganzen Diskussion, hatte ich mich letztens mal dran gemacht und eine vom meinen lieblings BASF die CR-S II (1986-87) mit dem AS3000 bespielt.
Bis 0db performt die immernoch sehr gut. Geringeres Rauschen konnte ich jetzt aber nicht feststellen.
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20.12.2025, 20:54
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.12.2025, 20:55 von Olivinyl.)
Hallo zusammen,
noch mal zurück zu den CrO² Videobändern für den Heimbedarf (VCR, V2000, Beta & VHS). Bei der magnetischen Bildaufzeichnung wird ja in einem ganz anderem Frequenzbereich das Bandmaterial "Magnetisiert".
Das als erstes der HiFi-Ton bei VHS und Beta nicht mehr lesbar ist und die Degradation von CrO² die Schuld trägt ist, ist wohl dann eher auf das verschlissene Kopfpaar für den HiFi-Ton zurückzuführen (lt. Bitbrain 2101, der aus dem Arbeitsalltag mit Videogeräten berichtet).
Gibt es denn tatsächlich einen starken Rückgang der Bildqualität, die nicht auf das Wiedergabegerät zu schieben ist?
Ich habe selbst noch einen Sony SLV-825 der noch voll funktionstüchtig ist. Die Bildqualität nun subjektiv zu beurteilen ist natürlich schwer möglich, da man oder Frau ja mindesten HD gewohnt ist und das VHS Bild im direkten vergleich eher Lächerlich daher kommt.
Ich kann aus der Vergangenheit nur sagen das das Gerät eine wirklich sehr gute Bildwidergabe hat (oder hatte). Mein Onkel hatte zu dem Zeitpunkt einen ähnlich komplexen VHS-HiFi Trümmer von Akai. Wenn er mir früher mal einen Film von Premiere aufgenommen hat und mir die Kassette gegeben hat, dann war die Bildqualität sogar noch besser als bei meinen Eigenaufnahmen. Da er bei Agfa in Lev. gearbeitet hatte, nutze der natürlich AGFA VHS Kassetten (also TDK)
LG Oliver
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Von Akai gab es VHS-Rekorder, bei denen man die Kassette vorher einmessen konnte, meine Mutter hatte so einen. Die Qualität war wirklich sehr gut.
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(20.12.2025, 20:54)Olivinyl schrieb: Hallo zusammen,
noch mal zurück zu den CrO² Videobändern für den Heimbedarf (VCR, V2000, Beta & VHS). Bei der magnetischen Bildaufzeichnung wird ja in einem ganz anderem Frequenzbereich das Bandmaterial "Magnetisiert".
Ein Magnetband "sieht" immer nur Wellenlängen, keine Frequenzen.
Für solche Vergleiche muß die Wellenlänge ausgerechnet werden.
Aber ja, trotz der Geschwindigkeit von mehreren Metern je Sekunde sind die Anforderungen bei Video sehr hoch.
(20.12.2025, 22:03)RalfR schrieb: Von Akai gab es VHS-Rekorder, bei denen man die Kassette vorher einmessen konnte, meine Mutter hatte so einen. Die Qualität war wirklich sehr gut.
Echt? Bringt das bei der Bildaufzeichnung in FM wirklich etwas, oder war das nur für den Längsspurton?
Welche Parameter wurden dabei angepasst?
Viele Grüße
Joachim
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Also bei Videoaufzeichnungen würde ein Pegelverlust vermutlich einen höheren Rauschanteil im Bild (Grieß/Schnee) verursachen. Da hat sich mein Bauchgefühl damals nicht getäuscht, als ich einen großen Bogen um alles CrO² Material bei Audio- und Videoaufzeichnungen gemacht habe, ich bevorzuge die japanischen Substitute.
MfG, Tobias
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(21.12.2025, 13:41)96k schrieb: (20.12.2025, 22:03)RalfR schrieb: Von Akai gab es VHS-Rekorder, bei denen man die Kassette vorher einmessen konnte, meine Mutter hatte so einen. Die Qualität war wirklich sehr gut.
Echt? Bringt das bei der Bildaufzeichnung in FM wirklich etwas, oder war das nur für den Längsspurton?
Welche Parameter wurden dabei angepasst?
Das kann ich Dir leider nicht sagen, selbst den Typ Recorder weiß ich nicht (mehr). Ähnlich wie der Akai VS-F1000 EOG-VD, aber ohne Shuttlerad.
Ich weiß auch nur noch, wie das bei der Aufnahme funktioniert hatte: Kassette einschieben und zu REC noch einen weiteren Knopf drücken, Kassette lief fünf Sekunden und dann wieder zurück.
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Da gab es eine ganze Geräteserie mit dem sogenannten "I-HQ", das hatte aber mit dem klassischen Einmessen eines Tonbandgerätes nichts zu tun.
https://www.hifi-archiv.info/AKAI/1992-9...0TV/59.jpg
Gruß Ulrich
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(21.12.2025, 14:29)uk64 schrieb: Da gab es eine ganze Geräteserie mit dem sogenannten "I-HQ", das hatte aber mit dem klassischen Einmessen eines Tonbandgerätes nichts zu tun.
https://www.hifi-archiv.info/AKAI/1992-9...0TV/59.jpg
Gruß Ulrich
Also so wie OPC bei Sony? Wobei mir bei OPC auch nicht klar ist, was da genau gemacht wird.
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(21.12.2025, 14:29)uk64 schrieb: Da gab es eine ganze Geräteserie mit dem sogenannten "I-HQ", das hatte aber mit dem klassischen Einmessen eines Tonbandgerätes nichts zu tun.
Nun ja, aber irgendetwas wird das Gerät wohl getestet und eingestellt haben.
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Das hieß bei jedem Hersteller anders. Bei Panasonic gabs das auch. Es ging wohl auch darum die Kopfalterung zu umgehen, aber bei VHS Recordern ist die ja glaub ich minimal weil die ganze Trommel sich dreht, bei Beta bei vielen Geräten nur die Scheibe an sich.
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.12.2025, 16:26 von bitbrain2101.)
(21.12.2025, 15:40)DOSORDIE schrieb: Es ging wohl auch darum die Kopfalterung zu umgehen, aber bei VHS Recordern ist die ja glaub ich minimal weil die ganze Trommel sich dreht, bei Beta bei vielen Geräten nur die Scheibe an sich.
Egal ob Kopf- Trommel oder Scheibe, die Köpfe müssen das Band berühren. Die Videoköpfe haben einen Überstand über den "Rand/Umfang" der Kopftrommel von 35 - 40 µm, damit ein guter Band-Kopf Kontakt gewährleistet ist. Unterhalb von 20 µm wird es dann zunehmend kritisch wegen erhöhter DropOut Rate und schlechtem Rauschabstand. Dieser Kopfverschleiss bei Videorecordern ist stark abhängig von der Rauheit der Bandoberfläche. Man könnte Videobänder so glatt herstellen, dass kein Kopfverschleiss entsteht, aber die Köpfe würden dann ständig zuschmieren, weil der Selbstreinigungseffekt durch die Bandoberfläche nicht mehr gegeben ist. Ein Kunde im Kopierwerk wollte mal Videocassetten "Made in Turkey" anliefern, die haben wir glücklicherweise vorher getestet, das war teures Schleifpapier.
MfG, Tobias
P.S. Wir konnten diesen Kopfüberstand wirklich messen, die Messuhr hieß Head Protusion and Eccentricity Gauge von der Firma Tentel. https://archive.org/details/Tentel-HPG-1...l/mode/2up
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(21.12.2025, 15:59)bitbrain2101 schrieb: P.S. Wir konnten diesen Kopfüberstand wirklich messen, die Messuhr hieß Head Protusion and Eccentricity Gauge von der Firma Tentel. https://archive.org/details/Tentel-HPG-1...l/mode/2up
Danke für die interessante Anleitung...
Interessant ist auch das Beta- und VHS-Köpfe den gleichen Überstand im Neuzustand haben und das der "Betakopf" weiter abgenutzt werden kann, vor er als Verschlissen gilt.
LG Oliver
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Oh, waren die Videobänder von Raks wirklich so übel? Davon haben sich also zum Glück nur wenige in unseren Haushalt verirrt damals. Die gab es als Consumer-Leercassetten auch so gut wie nirgends in Deutschland zu kaufen. Am verbreitetsten dürften sie noch als OEM-Produkte für Intervision (Eingenmarke von Photo-Porst) gewesen sein, und irgendeiner der großen Hersteller (Maxell, TDK oder JVC?) hatte ganz am Ende der VHS-Ära auch mal vorübergehend Raks als Zulieferer.
Woher kam denn die Geschichte, daß in manchen Video-Kopierwerken gezielt abwechselnd Bandmaterial von 3M und BASF eingesetzt wurde, weil durch eben diese Kombination der verschiedenartigen Abrieb-Eigenschaften die Lebensdauer der Köpfe maximiert werden konnte? Also glatte 3M-FeCo-Bänder, die minimal schleifen, aber die Köpfe auf Dauer zuschmieren, und gleichmäßig rauhe BASF CrO2-Bänder, die zwischendrin den Putz-Job machen?
Viele Grüße,
Martin
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Hallo Martin,
das mit 3M und BASF könnte von mir stammen. Wir hatten einen Kunden, der seine Cassetten bei 3M in Italien kaufte. Leider war das Bandmaterial sehr weich und etwas schmierend. Wenn dann einen halben Tag lang nur 3M Cassetten geprüft wurden, kam es zu grieseligen Bildern, die durch Reinigung nicht zu beseitigen waren, aber durch neue Kopfscheiben. Das konnte aber auch nicht sein, weil die Köpfe der Prüfgeräte noch keine 500 Std. auf der Uhr hatten. Unter dem Mikroskop konnte man sehen, dass Bandabrieb regelrecht mit dem Kopf verklebt war. Das liess sich nur mit einem speziellen Mittel entfernen, dem Ampex Head Cleaner für die Ampex 1-Zoll MAZen. Ich hatte mal so einen Problemfall auf dem Tisch, als mir zufällig eine BASF VHS-Cassette auf dem Tisch eines Kollegen ins Auge fiel. Die habe ich in das Problemgerät gelegt und Aufnahme gestartet, ich habe dann eine Zigarettenpause gemacht. Nach der Pause die Aufnahme gestoppt und etwas zurück gespult, dann auf Wiedergabe. Kein Griesel mehr im Bild zu sehen, Gerät repariert. Diese "Reparatur" mit der BASF Cassette konnte ich etliche Male wiederholen.
MfG, Tobias
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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