Wer kennt das nicht, sehr viele Firmen sparen bei der Herstellung wo es nur geht und meist wird ein Teil davon in das Ausland ausgelagert oder es werden von dort billigere Materialien eingekauft.
Jetzt hat es mich wieder mal betroffen. Gute und teure In Ear Kopfhörer von Bose. Ich kaufte meine wohl gg. 2014. Noch sehr gut erhalten - siehe schwarzes Kabel. 2 Jahre später kaufte ich für meine Frau dieselben - siehe weißes Kabel. Nachdem sie eine Weile in der Ecke gelegen haben holte ich sie wieder hervor. Das Kabel klebt über die gesamte Länge und stellenweise hat es sich schon verflüchtigt.
Es ist ein Graus.
Geplante Obsoleszenz, in meinen Augen ist es Betrug. Ich bin mir da ziemlich sicher, das hat nichts mit Einsparung zu tun, die Zusammensetzung des Kunststoffs wurde bewußt so gewählt, daß dieser sich nach einigen Jahren selbst zerstört. Bei anderen Plastikprodukten ist mir sowie Bekannten schon ähnliches begegnet (speziell Klebrigkeit), aber nicht in so extremer Form wie hier.
Ich hatte vor 25 Jahren einen Leichtbügelkopfhörer von Koss, bei dem löste sich die Ummantelung der Leitungen auch plötzlich nach 10 Jahren auf. Alles Mist, das war früher wirklich anders.
Und noch besser: Da hatte ich zu meiner Wander-DJ-Zeit professionelle Strahlergehäuse von Steinigke, als ich die jetzt nach fünf Jahren noch einmal brauchte, war die Zuleitung bei allen aufgebrochen, wohl der Weichmacher entfleucht. Auf Nachfrage ist sowas natürlich noch nie passiert.
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Servo-Sound Mixer 2002 + 2003, SP 70, 4 x SL 20, 2 x SL 60/D
Ich muss gerade an Soft-Touch-Oberflächen denken. Ob Autoverkleidungen, USB-Sticks oder ganze Kameras damit ummantelt werden, nach spätestens zehn Jahren ist klebriger Glibber daraus geworden.
...ich sage nur "Riemenpest" bei Philips 4414-4511, oder das selbe bei einem gerade eben von mir reparierten Fisher Plattenspieler, einem Sony Tapedeck...
Oder: die komplette Gehäuse-Kunststoffbeschichtung einer ehemals "schweineteueren" analogen Nikon Spiegelreflexkamera (DM 2000 in den Neunzigerjahren) wurde im Lauf der Jahrzehnte weich-klebrig-schwarz-schmierig und war schließlich mit dem Fingernagel abzukratzen. Da glaube ich nicht mal an Sparen oder geplante Obsoleszenz, sondern an "unerwartete" chemische Vorgänge im Kunststoff - vielleicht natürlich auch "billigend in Kauf genommen"............
Was hat Nextel damit zu tun?
Das wurde vielleicht nach einigen Jahrzehnten (nicht Jahren!) klebrig und braucht lediglich eine Behandlung in der Spülmaschine um wieder ansehnlich zu werden.
(22.11.2025, 22:09)BandWolf schrieb: Da glaube ich nicht mal an Sparen oder geplante Obsoleszenz, sondern an "unerwartete" chemische Vorgänge im Kunststoff - vielleicht natürlich auch "billigend in Kauf genommen"............
So ist es. Ich hatte mal bei Aldi so einen hübschen, kleinen analogen Wecker gekauft, hauptsächlich deshalb, weil er Funk und schleichende Sekunde hatte. Der war jahrelang originalverpackt, ich hatte ihn nie probiert.
Außer vor ein paar Monaten und den kannst Du nicht mehr anfassen, diese Oberfläche ist so etwas von grottig klebrig. Da werden Sachen rausgehauen, ohne sie vorher richtig getestet zu haben.
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(22.11.2025, 22:39)Baruse schrieb: Was hat Nextel damit zu tun?
Das wurde vielleicht nach einigen Jahrzehnten (nicht Jahren!) klebrig und braucht lediglich eine Behandlung in der Spülmaschine um wieder ansehnlich zu werden.
Ich habe keine Spülmaschine....
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Autoschlüssel von Volvo aus den späten 90ern. Die werden nicht nur klebrig, sondern es löst sich der komplette Kopf nach und nach in seine Bestandteile auf. Die Schlüsseldienste winken alle ab, sie könnten zwar das Schlüsselblatt kopieren, aber nicht den eingegossenen Chip, so daß der nachgefertigte Schlüssel höchstens zum Öffnen der Türen taugt.
Ersatzschlüssel gibt es mit Glück noch beim Hersteller - für einen Preis, der den Zeitwert der Karre übersteigt. Also Klebeband drum herum wickeln und hoffen, daß es die Bestandteile irgendwie zusammenhält...
22.11.2025, 23:11 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.11.2025, 23:12 von RalfR.)
(22.11.2025, 22:46)Kirunavaara schrieb: Autoschlüssel von Volvo aus den späten 90ern. Die werden nicht nur klebrig, sondern es löst sich der komplette Kopf nach und nach in seine Bestandteile auf. Die Schlüsseldienste winken alle ab, sie könnten zwar das Schlüsselblatt kopieren, aber nicht den eingegossenen Chip, so daß der nachgefertigte Schlüssel höchstens zum Öffnen der Türen taugt.
Das reicht doch aber nicht, die Deaktivierung der Wegfahrsperre wird doch auch über den Chip im Schlüssel realisiert, oder?
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22.11.2025, 23:11 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.11.2025, 23:16 von Analoghoerer.)
(22.11.2025, 22:09)BandWolf schrieb: ...ich sage nur "Riemenpest" bei Philips 4414-4511, oder das selbe bei einem gerade eben von mir reparierten Fisher Plattenspieler, einem Sony Tapedeck...
Oder: die komplette Gehäuse-Kunststoffbeschichtung einer ehemals "schweineteueren" analogen Nikon Spiegelreflexkamera (DM 2000 in den Neunzigerjahren) wurde im Lauf der Jahrzehnte weich-klebrig-schwarz-schmierig und war schließlich mit dem Fingernagel abzukratzen. Da glaube ich nicht mal an Sparen oder geplante Obsoleszenz, sondern an "unerwartete" chemische Vorgänge im Kunststoff - vielleicht natürlich auch "billigend in Kauf genommen"............
Gruß
BandWolf
Bei der Philipsschen Riemen- oder Grundigschen Zahnradpest waren diese Zersetzungsvorgänge natürlich unbeabsichtigt, es fehlte damals einfach die Erfahrung zum Langzeitverhalten der betreffenden Materialmischungen, die man seinerzeit im Interesse der Schmiegsamkeit sowie Verhinderung statischer Aufladung der Riemen bzw. der Gewährleistung eines besonders leisen Laufs der Zahnräder entwickelt hatte. Bei der Kamera könnte das auch noch so gewesen sein, gerade diese soft grip Oberflächen sind da ja anfällig. Spätestens seit den 2000ern sollte das aber bekannt gewesen sein und da liegt es auf der Hand, dass man, statt das Material zu verbessern, dessen negative Eigenschaften bewusst zur Lebensdauerbegrenzung ausgenutzt hat und dies auch immer noch tut. Es ist halt so, daß einen Vorsatz niemand nachweisen kann, insofern sind die Hersteller trotz ihrer möglichen Sauereien immer auf der sicheren Seite.
22.11.2025, 23:52 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.11.2025, 00:18 von mincom.)
Im Blick auf Riemenpest weiß ich nicht, was der chemische Vorgang ist. Hinsichtlich der tollen Nextel- und ähnlichen Kunstsoffbeschichtungen ist Polyurethan im Spiel (siehe auch die Griffbeschichtung einer wohlbekannten elektrischen Zahnbürste). Und Polyurethan ist uns auch als Binder in Schmierbändern wohlbekannt. Trotz allem wird dieser Dreck von der Industrie ungeniert weiter eingesetzt und ungehemmt / kritiklos verbreitet.
Ich erinnere mich an die Feintäschner-Manufaktur meines in 2004 verstorbenen Vaters. Der verarbeitete neben Echtleder in den 1980er Jahren auch Kunstleder verschiedener Hersteller. Der besonderen Haptik wegen verarbeitete er auch ein Kunstleder eines bestimmten italienischen Herstellers, dessen Name hier ungenannt bleiben soll. Die daraus hergestellten Etuis wurden im Zuge eines Abrufauftrages eines großen Solinger Stahlwarenherstellers zu 20 oder 40 Stück gepackt auf Lager produziert. Nach 1/2 Jahr Lagerzeit (definierte Bedingungen) waren die Etuis in den Paketen untereinander verschweißt und nicht mehr voneinander zu trennen: Polyurethan als Oberflächenbeschichtung! Der Schaden stellte sich bei Auslieferung des ersten Loses beim Kunden heraus. In Folge der Nichterfüllbarkeit des zugrundeliegenden Auftrages und der Unmöglichkeit einer Ersatzlieferung betrug der Schaden knapp 100 tsd. DM und war mit ein Sargnagel zum Ende der Firma meines Vaters. Die Sache hatte ein gerichtliches Nachspiel, der Schaden wurde aber nicht annähernd ersetzt: übriges Material und Arbeitszeit waren verloren.
Seither gehört Polyurethan zu meinen absoluten "Lieblingskunststoffen". Es ist ein verdammtes Dreckszeug - zu nichts zu gebrauchen! Die diesen Stoff produzierende Industrie halte ich für absolut verantwortungslos!
(22.11.2025, 23:11)RalfR schrieb: Das reicht doch aber nicht, die Deaktivierung der Wegfahrsperre wird doch auch über den Chip im Schlüssel realisiert, oder?
Genau das ist ja der Knackpunkt: Man bekommt zwar einen nachgefertigten Schlüssel mit nicht klebendem Griff. Der kann dann aber nur die Tür öffnen, nicht das Auto starten.
Bei einem der Originalschlüssel ist der Kunststoff-Kopf so weit zerfallen, daß ich meine, den darin eingegossenen Chip gefunden zu haben. Habe einen Rohling besorgt, bei dem man den Chip selbst einsetzen kann. Vielleicht läßt sich damit was machen. Ist zum Glück nicht mein Auto...
(23.11.2025, 08:15)Kirunavaara schrieb: Genau das ist ja der Knackpunkt: Man bekommt zwar einen nachgefertigten Schlüssel mit nicht klebendem Griff. Der kann dann aber nur die Tür öffnen, nicht das Auto starten.
Das muss aber auch noch anders funktionieren: Ich habe bei meinem Fiat 500L den üblichen Klappschlüssel mit Batterie und einen "normalen" Schlüssel ohne Batterie. Aber auch mit dem kann ich den Wagen starten. Scheinbar kann man die Wegfahrsperre auch anders deaktivieren?
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Hallo,
die Schlüsselfunktion und die Wegfahrsperre sind zwei unterschiedliche Systeme.
Der "Chip" im Schlüssel (also die Platine mit den Tasten) ist für die Zentralverriegelung zuständig.
Die Wegfahrsperre wird über einen zweiten, im Schlüssel verbauten kleinen Baustein (Transmitter) deaktiviert, der auch ohne Batterie funktioniert.
Sonst wäre es bei einer leeren Schlüssel-Batterie ja nicht möglich, das Auto zu bewegen.
Auch Fahrzeuge mit 'Keyless-Access' und wie die ganzen 'Helferleins' auch heißen, haben (immer?) noch eine mehr oder weniger versteckte Möglichkeit, die Türen auch ohne Strom zu öffnen.
Gruß,
Klaus
Mal was konstruktives zur Rettung pappender Geräteoberlächen.
Nachdem mein Zoom H6 Recorder begann an diese wiederwerdigen Hauterkrankung zu leiden, hatte ich das Ding zunächst mit Talkum gepudert. Das war aber auf Dauer nichts. Der heilende Durchbruch war dann das Gehäuse mit vergälltem Ethanol von der Pappe zu befreien, hatte anfangs die Befürchtung die Beschriftungen würden dies nicht überstehen, dem war aber nicht so, der Zoom ist wieder schön u. die Griffigkeit trotzdem nicht schlechter als zuvor.
(22.11.2025, 23:52)mincom schrieb: Seither gehört Polyurethan zu meinen absoluten "Lieblingskunststoffen". Es ist ein verdammtes Dreckszeug - zu nichts zu gebrauchen! Die diesen Stoff produzierende Industrie halte ich für absolut verantwortungslos!
Martin
Eine interessante Aussage; damit meine ich den zweiten Satz. Polyurethan beschreibt grob eine Kunststoffart, von er es sehr viele, unterschiedliche Unterarten gibt.
Du würdest dich wundern, was es ohne PU bzw. PUR nicht gäbe.
(23.11.2025, 10:40)Tonschreiber schrieb: Mal was konstruktives zur Rettung pappender Geräteoberlächen.
Nachdem mein Zoom H6 Recorder begann an diese wiederwerdigen Hauterkrankung zu leiden, hatte ich das Ding zunächst mit Talkum gepudert. Das war aber auf Dauer nichts. Der heilende Durchbruch war dann das Gehäuse mit vergälltem Ethanol von der Pappe zu befreien, hatte anfangs die Befürchtung die Beschriftungen würden dies nicht überstehen, dem war aber nicht so, der Zoom ist wieder schön u. die Griffigkeit trotzdem nicht schlechter als zuvor.
V.G.
Jo
Ja mein H5 hatte das auch aber das putzen mit vergälltem Ethanol hat sich bei den vielen Ecken und Kanten schwierig gestaltet!!! Geholfen hat es jedenfalls und die Beschriftung ist wirklich super.
(22.11.2025, 23:52)mincom schrieb: Seither gehört Polyurethan zu meinen absoluten "Lieblingskunststoffen". Es ist ein verdammtes Dreckszeug - zu nichts zu gebrauchen! Die diesen Stoff produzierende Industrie halte ich für absolut verantwortungslos!
Martin
Eine interessante Aussage; damit meine ich den zweiten Satz. Polyurethan beschreibt grob eine Kunststoffart, von er es sehr viele, unterschiedliche Unterarten gibt.
Du würdest dich wundern, was es ohne PU bzw. PUR nicht gäbe.
Das sehe ich auch so.
Unsere Firma baut PU-Anlagen.
Allerdings ist PU im Verhältnis zu anderen Kunststoffen verhältnismäßig teuer und aufwändig herzustellen. Es ist aber nahezu unverwüstlich und ohne Alterung. Nur durch UV-Licht und mechanisch kann es zerstört werden. Es ist der einzige absolut lebensmittelechte Kunststoff, und könnte auch bedenkenlos verschluckt werden. PU braucht keinen Weichmacher.
Wir müssten dann wohl wieder Barfuss laufen, und Räder für Rollschuhe oder Skateboards und dergleichen gäbe es auch nicht. Die Liste für PU-Verwendung ist wirklich lang.
Meine bevorzugten Zitate:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher" (Albert Einstein)
"Planung ist das Ersetzen des Zufalls durch den Irrtum" (Mehrere mögliche Quellen, unbekannt)
"Wenn man sein Gewicht halten will, dann muss man auch 'mal essen können, wann man keinen Hunger hat" (unbekannt)