18.10.2025, 15:46 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.10.2025, 15:48 von David77.)
Wie ich gerade schon im "Was hört ihr" Thread schrub interessiere ich mich für den Betriebsfunk in VEB Betrieben.
Da ich grad aus Krankheitsgründen zu Hause hocke, dachte ich mir ich besorg mir ein paar Hundert HDPE Flachbeutel und tüte mal alle Bänder ordentlich ein. Dabei ist mir ein Stapel Orwo Studiobänder untergekommen, den ich schon fast vergessen hatte. Es handelt sich um 12 Bänder Typ 103/104 und 106, allesamt dem VEB WMW "Fritz Heckert" in Karl Marx Stadt zuzuordnen.
Darunter befinden sich Reportagen, ein paar Sendungen des Jugendmagazins "Steil", Musikbänder, Zusammenstellungem für Silvester- und Weihnachtsfeiern, Mitschnitte von Betriebsversammlungen.
Ich hab damals als ich die Bänder vor >20 Jahren gekauft habe schon mal versucht mehr zum Thema Betriebsfunk in VEB Betrieben zu erfahren. Leider konnte ich im Bekannten- und Kollegenkreis niemand finden der mir dazu was sagen konnte.
Vielleicht haben wir ja hier jemand unter uns der zu der Thematik was weis oder sogar bei so einer Einrichtung gearbeitet hat?
Wie muss man sich das technisch vorstellen? Wurde ja sicher nicht per Funk verbreitet, eher Drahtgebunden?
Personal? War sowas Ehrenamtlich besetzt und es gab jemand der sich Hauptberuflich um die Technik gekümmert hat? Oder doch anders?
Welche Arten von VEB's hatten sowas? War das von oben verordnet oder individuell? Nur größere VEB's nehme ich an?Sendestudio aus dem "Stammbetrieb"mit Übertragung in alle Betriebe des Kombinats? Wo hat man das in den Betrieben gehört? Dudelfunk im hintergrund in Kantine & Büros?
Bitte entschuldigt wenn ich die Begrifflichkeiten durcheinander würfle .
18.10.2025, 15:55 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.10.2025, 15:57 von Sunlion.)
In manchen Unternehmen, Kasernen und auch Schulen hing in manchen oder allen Räumen ein Breitbandlautsprecher im rechteckigen Holzgehäuse an der Wand, über den die frohen Botschaften der Partei- und Staatsführung in die Köpfe der Arbeiter und Bauern hineinpropagandiert werden konnte. Und mitunter (zum Beispiel in meiner Kaserne) erlaubten die zuständigen Direktoren/Offiziere auch Unterhaltung, produziert von Hobby-DJs unter den Angestellten/Soldaten/Schülern. Die meiste Zeit blieben die Osttröten aber stumm. Es gab also keinen festangestellten Bespaßungsmitarbeiter, der sich täglich darum kümmern musste.
Natürlich waren die Lautsprecher verkabelt. Die zugehörige Technik stand irgendwo in einem Raum. Was das im einzelnen war, weiß ich heute nicht mehr und hing sicherlich von den Umständen ab.
18.10.2025, 16:51 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.10.2025, 20:25 von Analoghoerer.
Bearbeitungsgrund: unzutreffende Aussage berichtigt, Fotos angefügt
)
In unserer kleinen Klitsche (Zweigwerk) gabs keinen Betriebs"funk", in der Kantine gabs eine Anlage, da dudelte manchmal das Radio, zu Feiern brachten die Leute ihre eigenen Cassetten mit. Mitbekommen hab ich den Betriebsfunk nur aus größeren Betrieben, uA. aus unserem Stammwerk. Das machte in der Regel aber niemand, der speziell dafür angestellt war, das lief als "gesellschaftliche Arbeit" nebenher. Die Beschallung erfolgte wohl hauptsächlich in Aufenthaltsräumen (Kantine etc.), am Arbeitsplatz eher nicht. Diese Lautsprecher hingen allerdings in allen Räumen, die wurden ja auch für wichtige Durchsagen, Feueralarm u.dgl. genutzt, manche konnte man aber auch leise stellen bzw. ausschalten. Technisch war das ein 100V Lautsprechernetz, das in mehrere entsprechend zusammenschaltbare Gruppen aufgeteilt war, die von einer Verstärkerzentrale (in den 80ern meist auf LV50 Verstärkern basierend) versorgt wurde. Dort war dann auch das Studio untergebracht, neben Durchsagen und der Wiedergabe von Tonkonserven konnten auch empfangene Rundfunkprogramme aufgeschaltet werden.
So sahen die Lautsprecher aus:
In das kleine Loch konnte bei Bedarf ein solides Drahtpoti zur Laustärkereduzierung eingesetzt werden. Gänzlich abschaltbar waren die Lautsprecher (entgegen meiner früheren Aussage) aber nicht.
Ich durfte "Betriebsfunk" in zwei Großbetrieben (>> 1000 Beschäftigte) erleben. Die Erinnerung hat Lücken aber so etwa war´s:
In jedem Zimmer hing eine einfache, stoffbespannte Holzbox, in Hallen mehrere. Drin war ein einfacher Lautsprecher, ein Übertrager für die 100V-Anpassung und ein Stufenschalter für die Lautstärke. Auf Null stellen ging nicht. Ursprünglich sicher hauptsächlich für Propaganda gedacht, wurde in den 80ern eigentlich nur Unterhaltung gebracht, so etwa 2 mal die Woche für eine Stunde. Häufig Geburtstagswünsche plus Wunschtitel. Dieses konnte durchaus auch ein Westschlager sein. Ich habe davon ein schweres Roger Whittaker Trauma erlitten.
Es gab ein Studio mit professioneller Technik. Industrieelle Verstärker mit 100V-Ausgang, Studio – Bandmaschinen. Jan (Ferrograph) hat wohl zum Teil dort RFZs erbeuten können.
Zum Personal kann ich nichts sicher sagen, aber es war keine Hobby-Truppe sondern angestellte Mitarbeiter. Ob sie dass Vollzeit oder nur teilweise machten, weiß ich nicht. Sicher unterstanden sie direkt der Betriebsparteileitung oder der FDJ.
VG Frank
In Rust We Trust! T e s l a B 1 1 6 (A.D.), R E V O X B 7 7
Ich kann mich Holger und Frank anschließen. Es war in den 70ern - in dem Großbetrieb wo ich gelernt habe sah das so aus: die Boxen hingen "nur" in den kleinen Werkstätten wie auch den Pausenräumen. Täglich zur Frühstückszeit gab es 20 min. Musik wie auch Gratulationen. In großen Hallen oder in den Küchen gab es keine "Beschallung".
Betrieben wurde der Betriebsfunk von einem Mitarbeiter um die 50 Jahre. Reportagen oder ähnliches gab es nicht. Das kleine Studio bekam ich leider nicht zu Gesicht. In den 80ern war es genau anders: da gab es die "Beschallung" nur zur Mittagszeit in den Küchen. Ein Studio in dem Sinne gab es nicht, der Kollege machte mit minimaler Ausstattung ein paar Ansagen zu aktuellen Problemen und spielte Musik im 60 zu 40 Modus.
20.10.2025, 09:38 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.10.2025, 17:48 von DropOut.)
In meinem Fall waren das das EisenhüttenKombinat Ost, das zu dieser Zeit um ein Stahlwerk erweitert wurde und damit etwa 8k Beschäftigte hatte (unverbindlich, aus der Erinnerung) und danach das Halbleiterwerk Frankfurt Oder mit 5k Beschäftigten. Die riesigen Beschäftigtenzahlen kamen u.a. zustande, da solche Kombinatsbetriebe ganze kleine Volkswirtschaften waren, in denen vieles selbst gemacht wurde, was eigentlich von externen Firmen hätte kommen müssen. Im HFO z.B. Fuhrpark, Tischlerei, Schlosserei, Elektroinstallation, Medien, großer Maschinen- und Gerätebau mit eigener Entwicklung, Konsumgüterproduktion, Instandhaltung sowie soziale Einrichtungen wie Kindergarten, Ärzte, Großküchen, Bibliothek ...
LG Frank
In Rust We Trust! T e s l a B 1 1 6 (A.D.), R E V O X B 7 7
Wenn eine (moderne) ELA verbaut war dann war es das 800er Systeme von Kölleda. Mit Programmgeberteil, Verstärkerteil (mehrfach, je nach Größe). Bis hin zu großen Tischpulten.
Mit dem 800er System konnte man 4 verschiedene Programme auf 4 Raumgruppen ausgeben:
- Kommandoempfang (Mikrodurchsagen mit Abschaltung des Pflichtempfangs und automatische Umschaltung auf volle Lautstärke, auch wenn die Lautsprecher örtlich leise gedreht sind)
- Pflichtempfang mit drei verschiedenen Programmen
Dazu gab es Unterzentralen die über Übertragungsleitungen angesteuert wurden, sprich abgesetzte Verstärkereinheiten.
Diese Anagen gabs nahezu überall. Natürlich auch in Bunkern. Siehe hier Bunker Wollenberg:
Den DVD/VHS Player hat da aber erst später einer reingebastelt, sowas gabs damals ja noch gar nicht und die CD kam in der DDR (oder sogar erst nach der Einheit) erst ab 1990.
Ja an die RK's kann ich mich auch noch erinnern.
Die restlichen Kölleda-Baugruppen gab es in unseren Braunkohlekraftwerken eher sparsam.
Ab ca '84 wurden dann für Beschallungen Vermona Anlagen beschafft. Damit wurde dann richtig Fasching gemacht und die Kraftwerkensambles ausgestattet.
Auch Görlitzer Anlagen kamen dazu. Und - man höre und staune - so manch eine Zeck Box, BK1 Mikrofone, und das eine oder andere Effekt-Gerät.
Schade, dass es sowas heute nicht mehr gibt. Das hat früher bestimmt Spaß gemacht da die Leute zu beschallen und mit seinem dummen Gesabbel zu beheligen.
Früher gab es sowas teils auch im Westen wie z. B. im Krankenhaus St. Vinzenz. Dort saßen dann Zivis am Mischpult. https://youtu.be/Us8Pv-pG0YY
@bb_magnetophon Du schreibst, dass das Leisedrehen der Lautsprecher umgangen wurde. Wie hat man das gemacht? War da noch eine zusätzliche Ader mitgeführt worden, die immer auf die Primärwicklung mit der höchsten Lautstärke gelegt wurde?
21.10.2025, 08:22 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.10.2025, 08:24 von DropOut.)
Leiser drehen ging aber nicht auf Null. Bei einem Poti/Stufenschalter legt man dazu einen Widerstand zwischen das untere Ende und Masse. Aber vielleicht hatte der 100V-Übertrager auch passende Anzapfungen. Bei uns war es definitiv ein Stufenschalter mit weniger als 10 Stufen. Ich habe da nie reingeschaut.
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Hier kann man es gut sehen: https://tonbandforum.de/attachment.php?aid=85358 , der Übertrager hat primärseitig 3 Anzapfungen (3.2K, 6.4K, 12.8K Ohm), die sich per Stufenschalter, wenn vorhanden, umschalten lassen. Bei 3.2K bringt der Lautsprecher die maximale Leistung (3.1W bei 100V = Maximalpegel). Es gab als zweite Version auch eine Einstellung (ohne Anzapfungen des Übertragers) mit Poti (Drahtpoti 10 KOhm/ 5W). Das war aber ungünstig, da hier viel Leistung sinnlos verheizt wurde, weshalb man (wenn nötig) später nur noch die in Stufen schaltbare Lautstärkereduzierung verwendete.
Wenn man für eine wichtige Durchsage oder einen Alarm zentral auf volle Lautstärke schalten will, muss man zu jedem umschaltbaren Lautsprecher eine Steuerleitung mitführen, die über ein Relais dann die Anzapfung für den Maximalpegel einschaltet. In solchen Anlagen hat man dann in der Regel auf die Möglichkeit der Lautstärkereduzierung an den Lautsprechern verzichtet.
Das hätte man doch einfach mit 2 Adern erledigen können, die zentral umgeschaltet werden. 1 Ader geht an den Umschalter für den Normalbetrieb, die andere an die Anzapfung für höchste Laustärke. Will man nun die höchste Lautstärke haben schaltet man einfach auf die alternative Ader, die direkt an den Übertrager geht.
Die 100V Anlagen gibt's doch heute auch noch, der Betrieb muss ja nicht mal so groß sein. Propaganda gibt's allerdings keine, wenn man mal vom übertragenen Radioprogramm absieht; und vielleicht einer Betriebsversammlung. Bei Schichtarbeit gibt's da die Schichtsignale und Durchsagen. Die kleinste Firmengröße, die ich mit einer solchen Anlage kennengelernt habe, waren ca. 250 Mitarbeiter. Das war aber in den gebrauchten Bundesländern, und eigentlich nicht die ursprüngliche Fragestellung.
(21.10.2025, 16:13)AKRETA schrieb: Das hätte man doch einfach mit 2 Adern erledigen können, die zentral umgeschaltet werden. 1 Ader geht an den Umschalter für den Normalbetrieb, die andere an die Anzapfung für höchste Laustärke. Will man nun die höchste Lautstärke haben schaltet man einfach auf die alternative Ader, die direkt an den Übertrager geht.
Hallo Akreta,
man bräuchte schon mal 3 Adern, die Masse muss ja auch irgendwo herkommen. Es würde auch nur funktionieren, wenn alle Stufenschalter die gleiche Stellung haben, ansonsten werden über die Leitung zu den Stufenschaltern unterschiedliche Anzapfungen miteinander verbunden, was einem Kurzschluss gleichkommt. Dann sterben entweder Übertrager oder der Verstärker. Es geht nicht ohne Relais, das den Stufenschalter trennt.
Gruß,
Karl
Meine bevorzugten Zitate:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher" (Albert Einstein)
"Planung ist das Ersetzen des Zufalls durch den Irrtum" (Mehrere mögliche Quellen, unbekannt)
"Wenn man sein Gewicht halten will, dann muss man auch 'mal essen können, wann man keinen Hunger hat" (unbekannt)
Natürlich braucht man noch die Masseleitung, das habe ich vorausgesetzt. Aber ansonsten hast du Recht, das hatte ich nicht bedacht, dass die Trafos ja auch noch untereinander verbunden sind.
Grüße Ingo
Wir waren kurz nach der Wende, 1991 oder 92, auf Klassenfahrt in Oberhof/Thüringen. Die Unterkunft war ein ehemaliges FDJ-Ferienlager, und auch dort gab es so eine Beschallungsanlage mit Lautsprecher in jedem Zimmer. Die haben wir für den morgendlichen Weckdienst genutzt, das eingebaute RFT-Deck spielte tadellos Metallica statt Propaganda, und auch das Mikro funktionierte noch. War schon eine Gaudi.
Eine Reihe Orwo K60 stand dort auch noch rum, größtenteils unbeschriftet. Neugierig habe ich mal in eine oder zwei reingehört, und was war drauf? Bibi Blocksberg! Wenn das der Erich wüßte... subversive Indoktrinierung der Jungpioniere durch westliche Hörspiele, die, bei allem Klamauk, doch immerhin eine gewisse Skepsis gegen Obrigkeiten und Befehle als Grundmotiv hatten...
Auwei. Das hat eure Entwicklung zu gefestigten sozialistischen Persönlichkeiten bestimmt eingeschränkt. Da war anschließend bestimmt viel AgitProp Material notwendig um das wieder einzuspuren ;-)
23.10.2025, 09:50 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.10.2025, 09:52 von Sunlion.)
(20.10.2025, 15:49)bb_magnetophon schrieb: Diese Anagen gabs nahezu überall. Natürlich auch in Bunkern. Siehe hier Bunker Wollenberg:
Dieses nüchterne Labor-Apparate-Design hat sich Revox übrigens als Vorbild genommen.
(20.10.2025, 21:29)luedre schrieb: Ab ca '84 wurden dann für Beschallungen Vermona Anlagen beschafft.
Mit dem Original Zerrmona-Zischpult?
Kleine Anekdote: Wir hatten bei der Armee im Aufenthaltsraum einen Farbfernseher, der nur Secam konnte, kein PAL, denn Westfernsehen war ohnehin verboten.
Die Sendereinstellknöpfe waren hinter einer Klappe verborgen, und diese Klappe war an der offenen Seite mit einem Siegelband verschlossen, damit kein Westsender eingestellt werden konnte.
Hat aber nix genützt. Wir haben die Klappe einfach auf der anderen Seite aus den Scharnieren ausgehängt und trotzdem Westfernsehen eingestellt.
Einmal hat der Schmierestehende nicht richtig aufgepasst, und ausgerechnet der Politoffizier, ein Major, betrat den Raum.
Und was tat er? Setze sich kommentarlos mit dazu und schaute Westfernsehen.
(23.10.2025, 11:27)David77 schrieb: 60/40 Ost- zu Westmucke war ja glaub ich überall angesagt, oder?
Ja, das war vorgeschrieben. Hat sich aber niemand dran gehalten. Die Ostbands hatten kaum etwas Brauchbares anzubieten, besonders in den Achtzigern, als Pop & Wave die Diskoszene beherrschten. Wenn man doch mal einen Song spielte, fror das Tanzgeschehen umgehend ein und taute erst wieder bei den Westhits auf.
23.10.2025, 12:17 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.10.2025, 13:01 von eudatux23.)
(23.10.2025, 12:05)Sunlion schrieb: Die Ostbands hatten kaum etwas Brauchbares anzubieten, besonders in den Achtzigern, als Pop & Wave die Diskoszene beherrschten. Wenn man doch mal einen Song spielte, fror das Tanzgeschehen umgehend ein und taute erst wieder bei den Westhits auf.
Das ist doch nun wirklich Quatsch, gerade in Sachen Synthiepop und NDW gab es doch EINIGE geile DDR-Produktionen.
Was mir spontan einfällt:
Casi Mosi - Schniegli Normali (deutschsprachiger Rap, geile Synthesizer, Scatching)
Christin D - Hungrige Augen (NDW pur!)
Data - Wie es immer ist (Absolut hammer Titel mit absolut geilem Musikvideo)
Delta Dreams - Stand Up (Auch englsichsprachig gab es geiles, hinter dem Projekt steht IC Falkenberg!)
Die Zöllner - Kopfschmerzen (Auch wieder deutschsprachiger Rap, der sehr geil gemacht ist)
HFB - Der Prenzlauer Berg (NDW)
IC - Go Rock (Synthie-Instrumental)
IC - Janine
Juckreiz - Ich esse deine Suppe nicht (mehr NDW geht nicht!)
Juckreiz - Zeck, Zoff, Trouble en Masse
Lotos - Domino
Lotos - Fräulein Frankenstein (mehr 80er kann ein Titel nicht sein, auch das Video dazu!)
P16 - P16
P16 - Sag mir wo du bist
Pankow - Rock n Roll im Stadtpark
Pankow - Wenn du willst
Silly - EKG (Auch extrem 80er, mit hammer Musikvideo!)
Speed - Nightfire
Thomas Lück - Kurschatten (extremst geiles NDW!)
Und das sind nur die, die mir jetzt spontan aus dem Kopf einfallen, es gab deutlich mehr sehr sehr geile Titel! Die 80er bestanden nicht nur aus den 08/15-West-Titeln die jeder kennt, es gab EINIGES gutes aus der DDR! Übrigens lohnt auch ein Blick in die weiteren RGW-Staaten die ja auch zu den 60% zählen. Zum Beispiel Neoton Familia aus Ungarn, wenn man Disco mag.
Und das sag ich, als 1990 geborener westdeutscher, der an der niederländischen Grenze wohnt. Also nicht irgendwie aus Ostalgie oder so, sondern wirklich mein Musikgeschmack. Der berühmte Blick über den Tellerrand lohnt da absolut!
Auch sehr geil sind die Musikvideos, da gibt es von den Sendungen Stop Rock und Bong bei Amazon entsprechende DVD-Boxen zu kaufen, die wirklich lohnen. DDR-typisch sind die Musikvideos randvoll mit abgedrehten Video-Effekten, die richtig Spaß machen.
Ich komme aus'm Osten und habe von den meisten auf Deiner Liste noch nie gehört. Bekannt sind mir nur IC Falkenberg, Die Zöllner, Pankow und Silly. Da frage ich mich, woher Du die kennst. Heimlich Ostfernsehen geguckt?
Na klar hatten die auch bekannte Songs. Aber an … sagen wir mal – Depeche Mode, Yazoo, FGTH, Nik Kershaw, NDW-Stars usw. haben die nicht rangereicht. Ich habe ab etwa 1983 bis 1990 in verschiedenen Berliner Jugendclubs „aufgelegt“, wie man heute so schön sagt, aber die Ostmucke war da nicht so gern gehört.
Die Besucher haben uns oft ihre Westplatten oder Kassetten mitgebracht, damit wir ihre Musik spielen konnten, denn – bei uns jabs ja nüscht!
23.10.2025, 13:16 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.10.2025, 13:17 von GDR 22.)
Sorry- aber nein.
Da die 80er ganz genau meine Disco- Zeit waren und wir im damaligen Bezirk Cottbus ohnehin nur SFB2 oder RIAS2 gehört haben, kann ich wirklich sagen: SOWAS haben die sich nicht getraut, bei uns zu spielen ! Damit meine ich nicht Sunlion, sondern Tread Nr. 32
Sunlion hat Recht: Das alles hab auch ich noch nie gehört !"
Das Maximum war Ute Freudenbergs "Jugendliebe" und noch einen Titel Namens "Verdammt" (und dann stehst Du im Regen). Damit hatte es sich. Punkt ! Keine Puhdys, kein Karat, nix ! Die damaligen, herumziehenden Dorf- DJs wußten genau: Wenn sie sowas auflegen, ist die Tanzfläche leer !!
Nix mit 60% Ost / 40% West. Das gab es wohl offiziell- bei uns hat sich aber niemand dran gehalten. Das mag in anderen Landesteilen anders gewesen sein.
Passend zum Betriebsfunk: Ich hatte vor ein paar Jahren ca. 100 Studiobänder aus einem ehem. Ferienlager der FDJ übernommen, ORWO Typ 100 und 103 / 104.
Alle fein säuberlich in 38er Geschwindigkeit bespielt, Vollspur. Typisch für die damalige Zeit.
Was ist drauf ? Ost- Musik ? Nee ! Fehlanzeige !
Alles Mögliche (Elvis, NDW, Schlager, Modern Talking und jede Menge Einheitsbrei, welcher aus der Feder von Bohlen, Stock, Aitken Waterman, etc. stammt.) Aber nix aussm Osten... Also: Es wurde lange nicht alles so gehandhabt, wie es offiziell vorgeschrieben war...
(23.10.2025, 13:16)GDR 22 schrieb: Verdammt" (und dann stehst Du im Regen)
Wolfgang Ziegler. Die längere LP-Fassung ist der Hammer! Kam aber auch erst 1988 zum Ende der DDR hin, als sich die Musikszene etwas zu lockern schien, es politisch aber längst zu spät war für Reformen.
Wolfgang Ziegler ! Stimmt, der war es. Danke ! Mir ist der Name nicht mehr eingefallen.
Läuft auch heute noch bei jeder Karnevalsveranstaltung, wo später am Abend der übliche Discofox dudelt...
Es scheint ja Interesse zu geben. Noch zwei Histörchen gefällig?
1. Schulfunk
Unsere Penne hatte Mitte der 70er einen sehr liberalen Direktor. Während anderenorts Schüler mit Westjeans und langen Haaren noch nach Hause geschickt wurden, war das bei uns kein Thema. Es gab eine genehmigte Raucherecke. Mit ein paar Regeln, die (bei Androhung der Abschaffung selbiger) auch eingehalten wurden. Sehr hoch rechne ich ihm bis heute folgendes an:
Es gab allgegenwärtig einen sehr hohen Druck, freiwillig 3 Jahre Armee zu machen, wenn man einen begehrteren Studienplatz haben wollte. Er jedoch rief alle Jungs des Abiturjahrgangs ins Lehrerzimmer und erklärte, dass alle, die Offizier werden wollten, natürlich sehr zu loben seien. Wer aber ein Medizin- oder Ingenieursstudium plane, solle seine Zeit nicht bei der Armee vergeuden, Fachleute würden dringend gebraucht.
An unserer Penne gab es einen Schulfunk, 3 Mann stark. Technik: Ein vom Physiklehrer gebauter Röhrenverstärker (2 x EL84) mit Mikro- und 2 Mischeingängen und 100V Ausgang. Mit offenem Chassis (!!!), der Gehäusebau war wohl nicht so sein Ding. Ein professionelles Mikro, zwei Druckkammer – Lautsprecher zum Pausenhof. Als Tonbandgerät eine klapprige Tesla – Gurke aus dem Sprachunterricht. Bei DEN Lautsprechern spielte die Qualität des TBG keine Rolle. Unser „Studio“ war in einem Kellerraum, der Weg zum linken Lautsprecher recht kurz und dieser angeschlossen. Um den rechten Lautsprecher anzuschließen, musste ich ein paar dutzend Meter Kabel im Kellergang verlegen. Außerdem fehlte dem Lautsprecher der 100V – Übertrager. Den habe ich irgendwie berechnet und von Hand gewickelt.
Die offizielle Aufgabe des Schulfunks war die Bereitstellung eines Mikros zu den (wenigen) Appellen. Allein dafür hätten sie wohl kaum Freiwillige gefunden. Was uns lockte, war die Möglichkeit, 2 mal die Woche Pausenmusik zu spielen. Das war dann Rock nach unserem Geschmack. Aber zum Kult wurde folgendes: Freitag nach der 4. Stunde, als so 90% ins Wochenende stürzten, erscholl „School´s Out“. Wir durften 5 Minuten vorher Schluss machen, um die Röhren anzuheizen!
LG Frank
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23.10.2025, 14:00 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.10.2025, 14:00 von Sunlion.)
Bei uns gab es auf dem Schulhof hin und wieder Appelle (mit politisch motivierten Ansprachen des Direktors). Zuvor mussten die Schüler in Pionier- oder FDJ-Uniform vor dem Schulgelände Aufstellung nehmen und dann nach Beethovens Yorkschem Marsch einmarschieren. Die Musik kam vom Tonband, und dieses wurde wohl mal geflickt, daher gab es eine Taktunterbrechung mittendrin, was natürlich die ganze müde Trampeltruppe aus dem Marschiertakt brachte.
Typisch DDR: Anstatt mal ein neues Tonband zu organisieren, die Schallplatte kostenlos in der Bibliothek auszuleihen und das Ganze neu aufzunehmen, kümmerte sich keiner drum. Nicht mal der fanatisch-kommunistische Schuldirektor. 'Ne große Klappe, aber keinerlei praktische Veranlagung. Also wurde weiter vor sich hingewurschtelt.
Histörchen 2: Lagerfunk
Das EKO hatte ein Kinderferienlager am Scharmützelsee. Ich fühlte mich als Absolvent in der Stahlforschung leicht fehlbesetzt. So ging ich zu meinem alten Klassenkumpel Lutze H., der inzwischen Ober - FDJnik im EKO war. Die FDJ stellte das Betreuungsteam des Ferienlagers und immer gesucht: ein Lagerfunker. Ich erklärte meine Bereitschaft für 4 Wochen und mein Abteilungsleiter konnte noch so schäumen, gegen die FDJ kam er nicht an.
So schnallte ich mein ZK140 auf einen Seitengepäckträger meines S50, auf den anderen meine Siebensachen und ein paar Bänder und fuhr nach Bad Saarow. Dort fand ich einen industrieellen Röhrenverstärker vor. Der Anschluss meines ZK140 (erdfreier Netzanschluss) verursachte eine Brummschleife, der ich nicht Herr wurde. Nur das Abklemmen des Schuko-Anschlusses des Verstärkers half.
Hauptaufgabe auch hier: Appell – Beschallung. Bin mir nicht mehr sicher, aber es gab wohl täglich Morgenappell. (Das unwichtige vergisst man halt.) Aber ansonsten Spiel, Spaß, Baden den ganzen Tag für die Kids. Dann gab´s noch eine kleine Freilichtbühne mit eigener Technik für kulturelle Zwecke.
In der Mittagspause spielte ich Musik, 100% West, was anderes hatte ich gar nicht. So richtig kindgerecht war das nicht, was ich hatte, so wird´s wohl oft ABBA gegeben haben. Und Abends als Signal zur Nachtruhe gab es noch einen Titel.
Der “wichtigste“ Mann im Ferienlager war der Parteisekretär. Da ich nicht eben gestresst war, half ich den Betreuer:innen (grrr…) überall, wo es sich anbot. Als mal so richtig Betrieb war, saß inmitten des Gewusels der Parteisekretär im Sessel und las das Parteiorgan „Neues Deutschland“. Als einer Betreuerin der Kragen platzte und sie ihn fragte, ob er nicht auch arbeiten wolle, kam die Antwort: „Ich arbeite doch.“ Na den hatte ich gefressen …
An meinem letzten Abend legte ich als Betthupferl Lindenbergs “Null Rhesus negativ“ auf. Ich wusste gar nicht, dass der Typ rennen konnte. Wie Ausschalten!!! geht, fiel mir nicht ein, solange der Titel lief.
LG Frank
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