Sony TC-K870ES - Dolby Probleme
#1
Hallo zusammen,

Am Wochenende hatte ich die Zeit mich um mein Sony 870ES zu kümmern. Das Problem waren leichte hörbare Verzerrungen auf dem rechten Kanal bei Aufnahmen und ein Pegelunterschied zum linken Kanal. Die Wiedergabe war ok. 
Als das Gerät auf dem Tisch lag und ich mich mit dem Abgleich nach SM beschäftigt habe, habe ich das Problem im Aufnahmeweg recht schnell gefunden, es war der Biastrimmer/Oszillatorspule T301, der sich mechanisch im inneren aufgelöst hatte. Der Feritkern hatte sich von der Schraubkappe gelöst. Passenden Ersatz hatte ich noch von einer 870ES Schlachtplatine.
Beim kompletten neu Abgleich habe ich mich an das SM gehalten.

Frequenzgangmessung mit BASF Chrome Extra II 60 (1991 - graues Z-Gehäuse mit den Z-Fenstern)

Messung ohne HX-Pro
   

Messung mit HX-Pro
   

Aus Jux eine 1978er BASF Chromdioxid Super 60 eingemessen und Frequenzgang gemessen
   

Soweit so gut.
Dann habe ich ein paar Probeaufnehmen gemacht und festgestellt, das das Dolby nicht richtig arbeitet.
Unabhängig von Kassetten von Type I II IV arbeitet die NR richtig schlecht. Es pumpt richtig stark bereits bei der Hinterbandkontrolle.
Bei leisen Passagen unter -5 dB eine totale dumpfe Pumperei. Selbst bei 0 dB arbeitet das Dolby B nicht richtig, Dolby C arbeitet noch schlechter. (Auf beiden Kanälen)

Fremdaufnahmen oder alte Aufnahmen mit Dolby B werden aber absolut einwandfrei wiedergegeben.
Ich habe trotzdem am Dolbychip CX 20188 am PIN 21 & 22 die Spannung gemessen (IC502). Hierzu habe ich die 400 Hz 200nWb/m Dolbypegelkassette von HPR benutzt und habe 265 mV gemessen. Habe den Pegel auf 245 mV runtergeregelt. Nun steht die Pegelanzeige nicht mehr auf dem Dolby-Logo im Display, sondern auf 0dB - also ein Digit niedriger. Das habe ich als unwichtig angesehen. Habe dann nochmal mit der 315 Hz 250 nWb/m Kassette die Spannung am Ausgang gemessen und war leicht unter der Werksvorgabe von 0,42-0,46 V (0,39 V). Die Pegelanzeige steht jetzt auf dem Dolby-Logo.

Vorhandene alte Dolbyaufnahme eingelegt und Wiedergabe mit Dolby B ohne Probleme. Also eine Kassette eingelegt Bias und Level abgepasst und eine Aufnahme ohne Dolby gemacht - Perfekt. Eine Aufnahme mit Dolby B gemacht und absolut unhörbar und mit Dolby C noch viel schlimmer.

Also nicht lange überlegt und den Dolbychip CX20118 im Aufnahmekreis aufgelötet und ersetzt. Es hat sich nichts geändert.
Habe nochmals den Dolbypegel am Chip im Wiedergabekreis auf 265mV geändert und probegehört und keine Veränderung bei der Wiedergabe von Dolby B Kassetten (das funktioniert einwandfrei), aber die Aufnahme funktioniert mit Dolby B nicht einwandfrei.

Mir ist aufgefallen, wenn ich einen Sinus z.B 400 Hz Einspeise und den im Monitor auf zum Beispiel -10 dB  Eingangspegel und auf Hinterband umschalte habe ich -10 dB, schalte ich Dolby B hinzu fällt der Pegel um -1 dB ab. 
Wo kann ich im Aufnahmekreis nach dem Problem suchen? Auf der Platine befinden sich zwei Trimmer (LPF 301/401) rechts neben von dem Dolby IC (IC552) - Die habe ich nicht angetastet, da diese im SM nicht erwähnt werden.


LG Oliver



EDIT:
So sieht der Frequenzgang bei -20 dB mit Dolby B aus (unter gleichen Voraussetzungen wie die oberen 3 Messungen):

BASF CEII60 mit HX-Pro & Dolby B

   


BASF CEII60 ohne HX-Pro & Dolby B
   
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#2
Du schreibst, daß Fremdaufnahmen und alte Aufnahmen mit Dolby B einwandfrei wiedergegeben werden:

- Insofern ist der Dolby-Weg in Ordnung. Für mich klingt das eher nach einem Problem beim Bandtransport, durch den minimale Azimuth-Abweichungen erzeugt werden, und die machen sich dann in schlechter Dolby-Wiedergabe bemerkbar.

Die Kopfjustage ist einwandfrei? (Aufnahme- und Wiedergabekopf sind ja eine Einheit).

Wie alt sind die Andruckrollen? Noch die ersten? Die machen bei dieser Serie im Alter immer Probleme und sollten getauscht werden.
Hast Du eine Möglichkeit, den Gleichlauf zu messen?
Wenn diese Doppelcapstan-Laufwerke nicht ideal laufen, haben die Tonköpfe keinen guten Kontakt und eine schwankende Spurlage.
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
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#3
Hallo,

die Bandandruckrollen sind in Ordnung, da diese bereits ersetzt habe. Der Azimut passt, ebenso der Bandlauf (überprüft mit Spiegelkassette).
Wenn ich mit 10kHz im Line In auf Aufnahme oder Wiedergabe, ist die Lissajous Figur schnell stabil. Ebenso mit dem 10k Testtape von HPR.
Ebenso kann ich die linke Andruckrolle im Betrieb abheben ohne das sich etwas verändert, also behaupte ich das der Bandlauf passt.
Die Gleichlaufschwankungen sind innerhalb der Werksangaben, der Antriebsriemen für den linken Capstan ist i.O.

LG Oliver
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#4
Kann es sein, daß da ein Signalbestandteil im zweistelligen kHz-Bereich sein Unwesen treibt und den Dolby-Aufnahmekreis verwirrt? Versuche mal, was passiert, wenn Du den MPX-Filter einschaltest. Der war ja eigentlich dazu gedacht, den Pilotton von Stereo-UKW zu unterdrücken, weil der zwar für die allermeisten Ohren nicht mehr wahrnehmbar ist, aber die Dolby-Codierung außer Takt bringen kann. Bei den heutigen Zuspielgeräten hast Du vielleicht auch durch schlecht geschirmte Netzteile oder dergleichen irgendwelche Signalbestandteile im analogen Ausgang, die dort eigentlich nicht hingehören.

Ansonsten hätte ich noch auf Chromdioxid-Alterung getippt, aber wenn das Problem bei Typ I und IV genauso auftritt, kann es daran alleine kaum liegen.

Viele Grüße,
Martin
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#5
Nachtrag und Auflösung:

Wer viel misst, misst viel Mist oder never Change a running system!


Was ist passiert? Ich habe nach dem letzten Beitag noch mal die Anlage angeschmissen eine CD eingelegt und eine Kassette zur Probe aufgenommen (ohne Dolby).
Habe am Dolby Schalter rumgeschaltet und - hääääääääää - kein Dolbypumpen mehr? Verstehe ich nicht. Kopfhörer auf, ein Echt-Chromeband eingemessen und bis Maximal -5 dB Vorband Ausgesteuert und auf Hinterband umgeschaltet. Ohne Dolby - Mit B - mit C - kein Pumpen mehr!

Was ist wenn das Deck im kalten Zustand funktioniert und wenn es warm ist nicht mehr. Um es zu beschleunigen mal den Haarfön hinzugezogen und die Platine erwärmt. 
Nix, keine Veränderung, kein Dolbyfehler!

Laptop angeschlossen. Frequenzgangmessung ohne Dolby gemacht und alles gut. Ein paar Musikstücke vom Laptop auf Band gebannt und kein Problem! Dolby eingeschaltet und Fehler wieder da. Genauso wie gehabt. Häääääää, die zweite.

CD-Player ans Deck angeschlossen und Fehler weg. Laptop angeschlossen - Fehler mit Dolby wieder da!
PC angeschlossen (via SPIF optisch über den MD-JB930 als AD-DA Wandler) und kein Dolby Problem fehler mehr.

Wieder das Laptop mit der USB-Soundkarte in Betrieb genommen. Fehler wieder da! USB-Soundkarte am PC angeschlossen, Dolbyfehler auch wieder da!
Aus Spaß und Dollerei mal den MPX-Filter in Verbindung mit Dolby verwendet und Problem weg!

Das Problem war die Behringer UCA222 USB-Soundkarte. Die modelliert irgendetwas mit in den Line-out oberhalb von 18kHz, was das Dolby aus dem Takt bringt!
Ich habe vorher am Laptop mit einer Terratec Aureon USB-Soundkarte gearbeitet und am PC über eine Soundblaster ZX. Mit den beiden Karten hatte ich das Problem nicht.
Ich habe zum ersten mal mit der Behringer Karte gearbeitet und die hast das Problem verursacht.

LG Oliver
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#6
Das MPX-Filter ist aber nur ein 19kHz Notch- (Kerb-) Filter, kein Tiefpass !

MfG, Tobias
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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#7
(13.10.2025, 09:55)Kirunavaara schrieb: Kann es sein, daß da ein Signalbestandteil im zweistelligen kHz-Bereich sein Unwesen treibt und den Dolby-Aufnahmekreis verwirrt? Versuche mal, was passiert, wenn Du den MPX-Filter einschaltest. Der war ja eigentlich dazu gedacht, den Pilotton von Stereo-UKW zu unterdrücken, weil der zwar für die allermeisten Ohren nicht mehr wahrnehmbar ist, aber die Dolby-Codierung außer Takt bringen kann. Bei den heutigen Zuspielgeräten hast Du vielleicht auch durch schlecht geschirmte Netzteile oder dergleichen irgendwelche Signalbestandteile im analogen Ausgang, die dort eigentlich nicht hingehören.

Ansonsten hätte ich noch auf Chromdioxid-Alterung getippt, aber wenn das Problem bei Typ I und IV genauso auftritt, kann es daran alleine kaum liegen.

Viele Grüße,
Martin

...und wie richtig du liegst!

Am Samstag habe ich das Kenwood KX-3010 von meinem Sohn revidiert, da es Kassetten gefressen hat. Das hat eine neu Andruckrolle und einen frischen Riemen bekommen und danach eine neue Kalibrierung. Da habe ich auch über die Behringer Soundkarte Musik eingespielt und diese mit Dolby aufgenommen. Das Kenwood KX-3010 Dolby hat auf diese Signale nicht reagiert. Ich gehe davon aus das bei diesem Deck MPX immer aktiviert ist oder ggf. das Gerät über 18kHz im Eingang gefiltert ist oder es gar nicht kann!

LG Oliver
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#8
(13.10.2025, 10:09)Olivinyl schrieb: Nachtrag und Auflösung:


Das Problem war die Behringer UCA222 USB-Soundkarte. Die modelliert irgendetwas mit in den Line-out oberhalb von 18kHz, was das Dolby aus dem Takt bringt!
Ich habe vorher am Laptop mit einer Terratec Aureon USB-Soundkarte gearbeitet und am PC über eine Soundblaster ZX. Mit den beiden Karten hatte ich das Problem nicht.
Ich habe zum ersten mal mit der Behringer Karte gearbeitet und die hast das Problem verursacht.

LG Oliver

Ah, ja, dieses Problem hatte ich ebenfalls mal vor längerer Zeit. 

Übeltäter war da eine Onboard-Soundkarte in einem mittlerweile verschrotteten PC.
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#9
Wenn auf dem Audioausgang des Rechners eine Störfrequenz ausserhalb des Hörbereiches drauf ist, müsste man das eigentlich an der Pegelanzeige des Cassettendecks sehen, die dann auch ohne Audiosignal mehr oder weniger weit ausschlägt. Das sind dann Einstreuungen aus dem Rechner, bei einer externen Soundkarte sollte sowas nicht vorkommen (das ist ja einer der Gründe, weshalb man für hochwertige Übertragungen externe (USB) Soundkarten verwendet). Ich vermute mal, dass die vorliegende (Behringer) einen Defekt hat.

Gruß Holger
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#10
Ich meine, schon öfter von Störeinstreuungen in Zusammenhang mit diesen Behringer-Interfaces gehört zu haben...
Viele Grüße
Alex

We Sold our Souls to Rock 'N' Roll!
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#11
Dann haben die Teile aber einen grundlegenden Designfehler. Ich frag mich da immer, wie es sein kann, dass sowas nicht mal bei einer Kontrollmessung an einer Stichprobe auffällt. Wobei die Hardware natürlich auch völlig unschuldig sein kann und das Ganze durch einen vermurksten Treiber verursacht wird, das sollte sich dann aber durch ein Update fixen lassen.
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