15 Jahre später, wieder ein UHER 724
#1
Hallo zusammen,    

vor 15 Jahren hatte ich mich zum letzten Mal dieser Geräte gewidmet, eine kleine Ausnahme war zwischendurch mal der Erwerb eines 722 Transistor „für Teile“.
Das Laufwerk des 724 Stereo existiert im Prinzip schon seit den 50ern, wurde dann weiterentwickelt und basierte dann seit ca. 1965 auf dem bis zuletzt verwendeten Gussrahmen. Die letzte Mutation war dann das Umrüsten auf Senkrechtbetrieb.
Die früheren Modelle hatten ja Drucktasten für die Laufwerksfunktionen, die den Senkrechtbetrieb hätten schwierig werden lassen. Man stelle sich vor, man hätte, um sich einen lauschigen Abend mit einer 1,5 l Bombe Lambrusco machen zu können, ein älteres 724 L auf die Balkonbrüstung einer Wohnung im 4.Stock gestellt. Alles ok, aber dann „Start“ gedrückt...zack..weg isses. Einundzwanzig, Zweiundzwanzig...ah, da ist es wieder.
Aufgrund dieser Nutzungseinschränkung kam man bei UHER auf die Idee, die Drucktasten durch Knebel zu ersetzen, deren Wirkrichtung um 90 Grad versetzt ist.
Das Design dieser Geräte entsprach wohl dem Zeitgeschmack der anvisierten Käuferschicht, grauweiße Farbspielereien und ein Gehäuse in Schleiflack-Optik.
Sein solides Inneres lässt sich von außen kaum erahnen. Sollte vielleicht auch gar nicht, denn diese Geräte waren ja seit Aufkommen der RdLs und Variocords UHER-Einsteigerklasse. Es gab das 724 Stereo, Viertelspur, 9,5 und 19 cm/s, 2 eingebaute Lautsprecher und das 714, Viertelspur-mono, nur 9,5 cm/s und nur 1 Lautsprecher.
Zuletzt noch das SG 510 Stereomatic, das ein 724 mit dem schwarzen aufgeplusterten Gehäuse ähnlich dem des SG 560 oder Variocord SG 520 ist.
Mein erstes 724 habe ich in den 80ern von einem Kumpel bekommen, der auf Cassette umgestiegen war, es funktionierte, war aber recht benutzt. Dann kam wohl von irgendeinem Flohmarkt ein 714, das ich für mich ungeeignet empfunden und sofort auf den Speicher verbannt hatte (liegt da heute noch). Später nochmal ein 724 und 510 vom Flohmarkt vor mindestens 25 Jahren. Gut damit.
Nun kam es 2025 zu gleich zwei Aktionen hier im Forum, wo solche Geräte zu haben waren, das Interesse war gleich Null. Bei mir allerdings nicht so ganz. Im Frühjahr die erste Fuhre geholt, 1x 510 und 1x 724, dann neulich die „Verschenke UHER 724 Stereo“ Aktion von einem netten Forumsmitglied. Niemand wollte, zunächst ich auch nicht, dann aber doch. Hopp, in die Nachbarstadt gefahren, kurzes, aber nettes Gespräch mit dem Schenkenden (heißt doch jetzt so, oder?) geführt und ab nach Hause, das Gerät auf den OP-Küchentsch gelegt.
Jetzt geht es los:
Äußerlich sieht das Gerät noch sehr gut aus, keine Macken, keine abgegrabbelte Schrift, keine Schleifspuren von Spulen etc.

   

Im Gegensatz zu sonst wollte ich vor dem Einschalten erst mal hineinschauen, da bei einem so alten Gerät, das so wenig benutzt zu sein schien, bestimmt die Antriebsriemen
kaputt waren und sich ein Einschalten und sehen, was passiert, von Vornherein erübrigen würde.

   

So war es dann auch, alle Riemen gerissen. Gut nur, dass es kein Philips 724 war mit seinem Riemenlakritz.
Ich habe zwar viele Riemen, aber den vom Motor zur Schwungscheibe nicht. Zunächst erst mal schauen, ob das Ding mit Riemen überhaupt spielen würde und sich die Reparatur lohnt. Also Band drauf und Einschalten...der Motor läuft ruhig, keine Schnarre, das Anzeigeinstrument leuchtet und aus den Lautsprechern rauscht es, fein.
Um irgendetwas hören zu können, musste ich die Schwungscheibe anschubsen, tatsächlich kam etwas Gewobbel raus, auf beiden Seiten. Fazit: Es würde spielen, hätte es denn neue Riemen. Bestellen, warten.
Da ist der Hauptriemen im Postkasten, die anderen habe ich noch.
Zum Einbau muss man sich etwas überlegen, oder in die Serviceunterlagen schauen, da steht, wie es gemacht wird. Winkelchen, Federchen, ein paar Schrauben ab und man hat die Kopfträgerplatte samt Schwungscheibe in der Hand (deren Achse man gleich ölen kann). Durchaus solide und präzise gebaut, wie man sieht. Unter der Achse kann man mit so vielen Fingern wie möglich den Riemen um die Schwungscheibe werfen und hoffen, dass er auch dort bleibt.

   

   

   

Seitenansicht:

   

Jetzt die anderen Riemen drauf, zunächst provisorisch, denn die rechte Rutschkupplung ist verrutscht, repariere ich noch.

   

Was noch auffällt, ist der Zustand der Laufringe der beiden großen Zwischenrollen, der ist nämlich käse:

   

Trotzdem, Probelauf:

https://youtu.be/xNhdIJT1TWw?si=Owdoskg7yTD2YJLk

Au weia, was für ein Gerappel. Die Laufringe sind hin, 1 Paar hatte ich noch.
Aber auch das Ersetzen der Ringe brachte keine wirkliche Ruhe, die linke Rolle klapperte weiter. 
Aus dem Fundus eine gute, alte Rolle aus Druckguss gezaubert, die die eierige spätere Plastikversion ersetzt:

   

Und los:

https://youtu.be/3q6EVoZflRw?si=8DYaeOXT92dzF-ug

Aha! sehr schön.

Nun kurz mal auf den Kopf gestellt, um das Innere besehen zu können:

   

   

   

Sieht gut aus.

Eben noch die Köpfe inspiziert:

   

Warte mal, ich habe doch eine Nikon-Kamera mit Makroobjektiv, kurz mal an den Köpfen testen:

   

   

Sieht trotz allen Abriebs nach wenig Abnutzung aus.

Jetzt kommt aber ein Probelauf, mit Aufnahmetest.

https://youtu.be/e8_fdVOuKhQ?si=Q5XHJEwFP6WWO5X6

Na?

Das 724 ist zwar kein Top-Gerät, schon aufgrund des Anzeigezyklopen und es Summenreglers für Aufnahme, der fehlenden Bandzugregelung und der Zweiköpfigkeit. Aber als schlecht würde ich es bestimmt nicht bezeichnen, zudem es über 50 Jahre alt ist und reparabel, keine schwierigen Teile, keine Custom-Chips. Nur das Gehäuse ist wenig erbaulich.
Ich bedanke mich nochmals und werde das 724 mal nett nebenbei laufenlassen.

Gruß
Peter S.
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#2
Hallo Peter,

sehr schön dein Bericht. Da bin ich doch froh, daß ich es an den richtigen abgegeben habe.
War an der Elektronik überhaupt nichts defekt?

Gruß,Jan
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#3
Nein, anscheinend nicht.
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#4
N'Abend Peter!

Na, da haste ja mal wieder nen Klops ausgegraben. Freut mich, dass das Teil wiederbelebt werden konnte!

Allzeit guten Klang!
Tristan
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#5
Hallo Peter,

jetzt habe ich richtig Lust bekommen, mein Schmuckstück auch mal aufzuschrauben.
Vor einiger Zeit kam eine liebe Freundin damit unter dem Arm vorbei und stellte es mir
samt einem Karton Bänder auf den Tisch.
"Das Gerät ist noch von meinem Vater. Er hat es immer pfleglich behandelt. Jetzt sollst du es haben" meinte sie.
Ich habe mich natürlich als UHER-Fan nicht gewehrt und nun steht es da.....

   

Na, schaun mer mal.

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

http://www.sender-zitrone.de/
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#6
Oh, wirklich gut erhalten. Hat bestimmt immer unten im Kleiderschrank gestanden "damit da keiner bei geht".
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#7
Danke für den Bericht ! Das war mein allererstes TB- Gerät. Hatte ich mir sauer verdient bei der Ferienarbeit bei einem Fliesenleger.

Manni
3 Dreher und ca. 38 Tonbandgeräte an drei Anlagen ............  Rolleyes
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#8
Ein sehr schöner Bericht, endlich mal etwas spannendes zum Lesen hier im Forum.
Danke Peter dafür.

Gruß Jan
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#9
Danke auch, es soll ja schließlich Freude machen, das Hobby. Beim Fliesenleger...ich glaube, das 724 wäre kaum aufgefallen, wenn man es in eine gekachelte Wand mit eingearbeitet hätte. Man hätte aus Versehen Waschlappen daran aufgehängt oder den Bedienhebel für einen Wasserkran gehalten.
Beim 724 ist es auch so, dass es heute noch klingt, die älteren 724-L und das erste 724 von 1964, sowie die anderen ähnlichen Modelle tun es bei mir nicht mehr, vielleicht wegen ihrer Germaniumtransistorentechnik. Die röcheln leider nur noch oder sind zu leise und rauschen wie die Pest. Elko-Kur hat auch nicht viel gebracht.
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#10
(28.09.2025, 01:04)PSMS schrieb: Oh, wirklich gut erhalten. Hat bestimmt immer unten im Kleiderschrank gestanden "damit da keiner bei geht".

Der Vater war Beamter und von daher könnte das stimmen.

Er hat seine Aufnahmen penibel dokumentiert.
Bin leider noch nicht dazu gekommen, mich da reinzuhören.

Im Karton lagen übrigens noch zwei originalverpackte BASF-Bänder und eine nagelneue UHER Metallspule.
War eine tolle Zugabe.

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

http://www.sender-zitrone.de/
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