Dolby C und Pegelaussteuerung
#1
Question 
Ich habe gelesen, dass man bei aktivem Dolby © den Pegel bis zum Doppel-D-Symbol aussteuern soll. Wie wichtig ist diese "Regel" zu nehmen? Bei +2dB finde ich den Klang jetzt nicht wirklich schlecht. Habe ich etwas überhört?
Liebe Grüße,
Mega
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#2
Das hängt ganz vom verwendeten Bandmaterial ab. Etliche gute Cassetten vertragen auch deutlich höhere Pegel, Typ IV teilweise bis +6 dB über Dolbypunkt.

Hast Du Hinterbandkontrolle? Dann taste Dich doch einfach per Gehör an den maximalen Pegel ran, bei dem noch keine Verzerrungen hörbar sind. Probeaufnahme machen und mit Kopfhörer mithören, dabei immer wieder mal zwischen Source und Tape hin- und herschalten.

Viele Grüße,
Martin
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#3
Am Dolby Symbol ist lediglich der Dolby Referenzpegel nach 400 Hz Messcassette erreicht. Das bedeutet außerdem, dass das System oberhalb des Symbols nicht mehr in das Audiosignal eingreift, weil dort die Musik so laut ist, dass das Rauschen vollständig überdeckt wird. Will man den Zugewinn an Dynamik durch Dolby komplett ausnutzen, muss man den Pegel genau so aussteuern, wie als ob man ohne aufnehmen würde. Ich lese zwar immer wieder davon, dass Dolby einen Übersteuerungsschutz integriert hat, aber scheinbar kommt dem die Bandsättigung zuvor, denn wenn ich wirklich „hot“ aussteuere, hab ich mit eingeschaltetem Dolby auch nicht weniger Verzerrung. Ich neige sogar dazu die Aufnahme ohne Dolby korrekt einzupegeln und erst dann Dolby einzuschalten.

Ich denke die Empfehlung zur Dolby Marke auszusteuern kommt daher, dass das die Höhenaussteuerbarkeit verbessert. Während die oberen Frequenzen im roten Bereich schon im Falldown sind, hat man auf der Dolby Marke noch Headroom. Die Dynamik ist dann zwar nicht voll ausgenutzt, aber immer noch höher als ohne Dolby…
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#4
(05.08.2025, 04:40)Megafoot schrieb: Ich habe gelesen, dass man bei aktivem Dolby © den Pegel bis zum Doppel-D-Symbol aussteuern soll. Wie wichtig ist diese "Regel" zu nehmen? Bei +2dB finde ich den Klang jetzt nicht wirklich schlecht. Habe ich etwas überhört?

Wär interessant, wo dieses Gerücht her stammt, denn das Dolby Logo in der Aussteuerungsanzeige dient nur einem Anhaltspunkt der Einmessung bei geöffnetem Gerät und sollte vom Endkunden nicht weiter beachtet werden. Dass an der Sache nichts dran ist kann man schon daran erkennen, dass etliche Decks mit Dolby C über kein solches Logo bei der Aussteuerung verfügen...
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#5
Christian_Mueller schrieb:
Megafoot schrieb:Ich habe gelesen, dass man bei aktivem Dolby © den Pegel bis zum Doppel-D-Symbol aussteuern soll. Wie wichtig ist diese "Regel" zu nehmen? Bei +2dB finde ich den Klang jetzt nicht wirklich schlecht. Habe ich etwas überhört?

Wär interessant, wo dieses Gerücht her stammt, denn das Dolby Logo in der Aussteuerungsanzeige dient nur einem Anhaltspunkt der Einmessung bei geöffnetem Gerät und sollte vom Endkunden nicht weiter beachtet werden. Dass an der Sache nichts dran ist kann man schon daran erkennen, dass etliche Decks mit Dolby C über kein solches Logo bei der Aussteuerung verfügen...

Das ist mir noch gar nicht aufgefallen...
Ist es dann nicht so, dass bei diesen Recordern die Dolby-Marke stets
der 0dB-Marke entspricht?

Und, es gibt ja auch Decks mit einer Aussteuerungsanzeige 0dB = 250 nWb/m. Da befindet sich das Dolby-Symbol ja bei ca. -2dB und eine Aussteuerung nur bis dort wäre tatsächlich sehr konservativ.
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#6
(05.08.2025, 14:57)kesselsweier schrieb: Das ist mir noch gar nicht aufgefallen...
Ist es dann nicht so, dass bei diesen Recordern die Dolby-Marke stets
der 0dB-Marke entspricht?

Und, es gibt ja auch Decks mit einer Aussteuerungsanzeige 0dB = 250 nWb/m. Da befindet sich das Dolby-Symbol ja bei ca. -2dB und eine Aussteuerung nur bis dort wäre tatsächlich sehr konservativ.

Vergiß das Dolby Symbol in der Aussteuerungsanzeige, es sei denn Du mißt die Bezugspegel des Decks neu ein, wenn Du es geöffnet hast. Ohne diesem Symbol, welches z.B. bei Onkyo Decks kaum vorhanden ist, brauchst Du ohnehin das Service Manual, für eine Neueinmessung.

Ansonsten hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung des Decks bzw. in Datenblätter der jeweiligen Audiokassetten-Hersteller um eine halbwegs korrekte Aussteuerung einzuschätzen, wenn es keine Bandeinmessung gibt. Trotz all dem muss im Endeffekt das Gehör entscheiden, welcher Pegel der Korrekte ist. Genau das ist einer der spannenden Aspekte der analogen Audiokassette...
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#7
Danke Christian.

Das war mir alles bekannt, nur nicht das -bisweilen- fehlende Symbol.
Das Doppel-D haben alle meine CC-Aussteuerungsanzeigen, selbst TC-D5pro und WM-D6C.

Schöne Grüße
Frank
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#8
Vielen Dank für die zahlreichen Erklärungen. Das hat mir sehr geholfen.
Liebe Grüße,
Mega
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#9
Je nach Norm kann das Dolby Zeichen im Bereich von 0 dB VU liegen. Die Peak Anzeigen der Hersteller sind aber nicht fest gelegt und können sich unterscheiden. Es gibt Geräte, die gehen bis +12 dB Peak, wo man die Cassette bis +8 dB aussteuern kann, meinen tut das aber genau das Gleiche wie in anderen Decks +2 oder +4 dB. Andere Geräte haben VU Anzeigen, die sind normalerweise einheitlich. Es gibt aber unterschiedliche Messbänder mit unterschiedlichen Pegeln. Bei meinem Sharp GF9000 mit VU Instrumenten ist das Dolby Symbol bei +3 dB.
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#10
Mein GX95 hat das Dolby Symbol bei minus 2dB, (MA/MA-XG). Metallkassetten konnte man bis +9dB aussteuern. Beim KD-V6 von JVC ist kein Dolby Symbol vorhanden. Es gibt Hersteller bei denen man das Symbol immer findet und bei Anderen wie Onkyo, Nakamichi oder Kenwood ist dies eher selten der Fall...

Eventuell haben die Gerüchte der geringeren Aussteuerung bei Dolby C mit der mangelnden Kompatibilität zwischen Decks zu tun. Ob ich beim GX95 durch die geringere Aussteuerung kompatibel zu allen anderen Geräten gewesen wäre? Bei minus 2dB hätte ich bei allen Dolby C Aufnahmen bei Metallkassetten ganze 11 dB Headroom verschenkt, bei Chrom 7dB. Dann hätte man ja gleich bei Dolby B bleiben können... Wink
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#11
Es hat schon einen technischen Hintergrund, daß Aufnahmen mit vielen Rauschunterdrückungssystemen etwas geringer ausgesteuert werden müssen als ohne: Bei der Aufnahme hebt das System ja den Pegel der hohen Frequenzen an, um ihn dann bei Wiedergabe, zusammen mit dem hochfrequenten Rauschteppich, wieder abzusenken. Bei Dolby C ist diese Höhenanhebung stärker als bei Dolby B, der Effekt macht sich also deutlicher bemerkbar.

Es kann also pasieren, daß eine optimal ausgesteuerte Aufnahme ohne Dolby verzerrungsfrei klingt, und wenn man bei gleichem Pegel Dolby zuschaltet, werden mit B leichte Verzerrungen hörbar, mit C richtig störend.

Hier wird jetzt der sogenannte SOL-Wert des Bandmaterials interessant (Saturated Output Level, auch als Höhenaussteuerbarkeit bezeichnet). Eine Cassette kann zwar einen guten MOL-Wert haben (Maximum Output Level), der aber nur bei 315 oder 400 Hz gemessen wird, und gleichzeitig einen miesen SOL. Das ist grundsätzlich bei den meisten Typ-I-Bändern, und leider auch bei vielen FeCo Typ II der Fall. Wenn man bei denen mit Dolby den Pegel der hohen Frequenzen bei Aufnahme anhebt, fährt man sie leicht in die Sättigung.

Guten SOL gab es vor allem bei Chromdioxid- und Metallbändern, bei diesen Sorten muß man also den Pegel mit Dolby kaum oder gar nicht zurücknehmen. Für Chromdioxid gilt das allerdings nur noch eingeschränkt, weil das Material nach nunmehr 3-5 Jahrzehnten leider mehr oder weniger degeneriert und sich der Pegel schleichend senkt; damit paßt dann der Ausgangspegel nicht mehr zum Eingangspegel, was mit Dolby zwangsläufig unschön klingt.

Viele Grüße,
Martin
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#12
(06.08.2025, 12:08)Kirunavaara schrieb: Es hat schon einen technischen Hintergrund, daß Aufnahmen mit vielen Rauschunterdrückungssystemen etwas geringer ausgesteuert werden müssen als ohne: Bei der Aufnahme hebt das System ja den Pegel der hohen Frequenzen an, um ihn dann bei Wiedergabe, zusammen mit dem hochfrequenten Rauschteppich, wieder abzusenken. Bei Dolby C ist diese Höhenanhebung stärker als bei Dolby B, der Effekt macht sich also deutlicher bemerkbar.

Es kann also pasieren, daß eine optimal ausgesteuerte Aufnahme ohne Dolby verzerrungsfrei klingt, und wenn man bei gleichem Pegel Dolby zuschaltet, werden mit B leichte Verzerrungen hörbar, mit C richtig störend.

Kann mich nicht daran erinnern, dass eine Dolby C Aufnahme auf meinen Decks jemals eine geringere Aussteuerbarkeit, als die in den Anleitungen empfohlenen, erforderten. Das hätte man nach dem Einmessvorgang beim Umschalten der Hinterbandkontrolle sofort gehört. Es kann natürlich sein, dass dies bei anderen Decks anders war. Mit Sicherheit hatte man dies von Dolby bei der Implementierung in hochwertige Decks, in Bezug auf die Pegelempfehlungen, bereits berücksichtigt...
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#13
Also das klingt ja erst mal schon total sinnvoll. Aber was man nicht vergessen darf ist ja, dass Dolby oberhalb der Markierung nicht mehr anhebt oder komprimiert. Das würde also höchstens bei extrem heftiger Dynamik wo die Peaks deutlich stärker sind als der VU Wert passieren. Ich wüsste aber auch nicht, wann mir das mal begegnet wäre. Ich hab’s eher immer häufiger, dass ich der Peak Anzeige nicht mehr allzu viel Vertrauen schenke, weil der empfohlene Spitzenwert bei vielen Songs nicht erreicht wird, ohne dass es heftig zerrt. Wenig Dynamik = mehr VU, Peak und VU zeigen dann fast das Gleiche an. Wobei auch der VU gerade bei bassigen Aufnahmen überhaupt nicht mehr aussagekräftig sein muss, well man nie welss, wie die Sättigung vor Allem mit Tiefbass umgeht. Manchmal hilft es dann nur noch nach Gehör auszusteuern.
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#14
Meine Anmerkung war auch eher theoretischer Natur - in der Praxis habe ich Unterschiede in der Aussteuerbarkeit mit/ohne Dolby höchstens in Nuancen wahrgenommen, beim hin- und herschalten Dolby an/aus während der Hinterbandkontrolle. Macht also im Alltag wahrscheinlich nicht viel aus. Zumal, wie Du sagst, die Rauschunterdrückung sowieso nur uterhalb des Grenzpegels arbeitet. Wenn Du jetzt aber ein Band mit SOL 10 kHz im negativen dB-Bereich hast, was gar nicht so selten ist, dann macht sich das eben etwas bemerkbar, wenn man genau hinhört.

Viele Grüße,
Martin
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