ich hab' mal wieder einen Pflegefall hier. Es handelt sich um einen Pioneer A-445 Stereo-Vollverstärker von 1989/1990, welcher bisher regelmäßig bei einem Nachbarn im Einsatz war. Vor Kurzem hat er sich während des Betriebs verabscheidet und seither schaltet das Relais nicht mehr zwischen Endstufentransistoren und Lautsprecherausgängen durch.
Aber zuerst mal ein paar Bilder vom Gerät und seinem Innenleben:
Und hier sieht man das, was mich besorgt: An einem der beiden oberen, von den anderen vieren weiter entfernten, Kontakte des Schutzschaltungsrelais messe ich ca. 45 Volt Gleichspannung. Das Relais, ein DEC DH2TU, ist allerdings mit 24 Volt beschriftet und daher vermutlich auch nur dafür ausgelegt.
Dort liegt also ungefähr eine doppelt so hohe Spannung an, wie vorgesehen. Gemessen habe ich gegen Gehäusemasse.
Messe ich den Widerstand zwischen den beiden abgelegenen Kontakten des Relais, welche die Spulenkontakte sind, werden mir ca. 15 Megaohm angezeigt. Ist das nicht zu hoch? Wenn ja, dann wurde die Spule vermutlich durch die zu hohe Spannung zerstört.
Liegen an einem der Spulenkontakte gegen Masse diese 45 Volt an, liegen gleichzeitig am anderen Spulenkontakt immer noch 0 V an.
Übrigens - ganz nett von Pioneer, dass man hier an eine Serviceklappe an der Gehäuseunterseite gedacht hat
Viele Grüße
Alex
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31.07.2025, 16:19 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31.07.2025, 16:26 von al3x135.)
A-443_sch.pdf (Größe: 1.31 MB / Downloads: 10)
(Übrigens ist der A-443 baugleich mit dem A-445, was die Technik betrifft, daher nutzen beide den selben Schaltplan)
Hier noch der Ausschnitt aus dem Servicemanual und den Schaltplan im Anhang.
Viele Grüße
Alex
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Du misst die (zu) hohe Spannung, weil das Relais defekt ist. Davor sitzen ja Widerstände, über die mit unterbrochenem Relais keine Spannung mehr abfällt.
wenn das Relais nich durchschaltet hat das Gerät vermutlich einen Endstufenschaden.
Die Schutzschaltung verhindert das Durchschalten weil vermutlich an einem der beiden Endstufenausgängen eine zu hohe DC Spannung anliegt.
Mess mal die Kontakte des Relaisschalter also die Kontakte auf der anderen Seite des Relais, aber immer nur einen Kontakt nach dem anderen gegen Masse messen sonst rauchts.
Da könnte man mehr zu sagen, wenn der Schalplan verlinkt wäre und nicht das Platinenlayout. Es ist schon merkwürdig, dass die Spule des Relais defekt ist.
Alles klar, danke für eure Hilfe soweit! Das hilft mir schon mal deutlich weiter.
Und nein, Gleichspannung konnte ich an keinem der anderen vier Relais-Pins messen, an welchen ja die zwei Endstufenkanäle durchgeschalten werden, somit dürften die Endstufen in Ordnung sein und nur das Relais defekt.
Was empfehlt ihr mir da als Ersatz? NOS oder gibt es etwas aktuelles in Produktion, das vom Pin-Layout her passt?
Viele Grüße
Alex
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09.08.2025, 11:24 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.08.2025, 11:27 von al3x135.)
Hallo sonydoc, danke für den Link. Hat jemand mit dem Hersteller oder diesen Nachbauten Erfahrung hinsichtlich Haltbarkeit und Qualität?
Und gäbe es evtl. einen Weg, zu prüfen, ob die Stromversorgung für das Relais intakt ist und diese gemessene Überspannung von >40 Volt tatsächlich nur daher rührt, dass aktuell kein Verbaucher (Relaisspule) im Stromkreis ist?
Viele Grüße
Alex
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09.08.2025, 11:46 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.08.2025, 11:48 von Kuni.)
Du könntest anstatt des Relais einen Widerstand circa in Größe des Widerstands der Relaisspule einlöten.
Spannungsmesser dran, einschalten und schauen. Ggf gleich wieder ausschalten wenn die 40V immer noch anliegen.
Vielleicht ein wenig brute force, aber es sollte nicht mehr kaputt gehen als eh schon ist, wenn überhaupt was außer dem Relais kaputt ist.
Widerstände hab ich leider nicht als Einzelbauteile da, da müsste ich erst mal in einem Schlachtgerät auf Suche gehen. Das neue Relais ist auf jeden Fall eingetroffen und das alte sieht so aus:
Hier ist mEn. klar die durchgebrannte Stelle zu sehen. Etwas weiter an der Seite gibt es eine zweite solche Stelle.
Viele Grüße
Alex
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Solange die Spule keinen Strom zieht, solange bleiben die 45 V, weil diese aus nem Widerstand kreis kommen.
Brücke mal den zweiten Spulenanschluss kurz zur Masse, dann sollte sie anziehen und sich die 24V einstellen.
Das ist genauso, als wenn du ein volles Bierglas anschaust, davon geht der Durst nicht weg, du musst es trinken, dann stellt sich der Erfolg auch ein.....
17.08.2025, 16:23 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.08.2025, 16:24 von al3x135.)
Stimmt, also liegen die 45V gegen Masse dauerhaft an und ich muss natürlich erst die Einschaltverzögerung abwarten, denke ich.
Pin 2 wird dann erst nach der Verzögerung durchgeschalten und dann müsste sich die Spannung auf ihr Soll setzen?
Viele Grüße
Alex
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Kommen wir also zum Abschluss - so sieht das neue Relais von PAP Audio Parts nun verbaut aus:
Das neue Relais hatte allerdings 2 Pins mehr, als das Original, die musste ich abknipsen. Das stand so auch auf dem Beipackzettel mit Skizzen beschrieben, der im Lieferumfang war. Das neue Relais schaltet sauber durch und wie oben schon geschrieben, liegen nun durch die Spule als Abnehmer und durch den geschlossenen Schaltkreis wieder ca. 24 V DC an. Die gemessenen 45 V DC waren also nur zu hoch, da die Spule als Verbraucher gefehlt hat.
Allerdings bin ich schon etwas verwundert darüber, dass man online - egal ob man nach Pioneer oder allgemein sucht - nichts zu kaputten Relaisspulen in Audioverstärkern findet. Scheint wohl ein recht seltener Fehler zu sein, auch wenn das original verbaute DEC DH2TU Relais in diversen Verstärkern aus dieser Zeit anzutreffen sein sollte.