Hallo Jürgen,
den Funkschau-Artikel kenne ich nicht - aber grundsätzlich ist es so, dass die relevanten Wellenlängen bei kleinerer Bandgeschwindigkeit kürzer sind. Dadurch muss die mechanische Genauigkeit des Bandlaufs besser sein, um gleiche Stabilität von Pegel und Phase zu bekommen. Das ist ja das Grundproblem der CompactCassette, und ein großer Vorteil von Halbspur 19 cm/s.
Bei 10 kHz kann man die Wellenlängen im Kopf umrechnen - es ist einfach die gleiche Zahl mit anderer Einheit:
- 10 kHz bei 38 cm/s ≙ 38 µm Wellenlänge
- 10 kHz bei 19 cm/s ≙ 19 µm Wellenlänge
- 10 kHz bei 9,5 cm/s ≙ 9,5 µm Wellenlänge
- 10 kHz bei 4,75 cm/s ≙ 4,75 µm Wellenlänge
Die Phasenlage zwischen beiden Kanälen ist dann konstant, wenn mechanisch alles präzise gleich läuft. Kleine Unregelmäßigkeiten wirken sich umso stärker aus, je kürzer die Wellenlänge ist.
Die Spaltfunktion zeigt letztlich auf, wie sehr kurze Wellenlängen (die fast so kurz wie der Spalt des Wiedergabeskopfes sind) gedämpft werden. Die Grafik ist aus dem AGFA-Büchlein "Die Entzerrung in der magnetischen Schallaufzeichnung" von Peter van Bommel. Markiert habe ich
für eine willkürlich angenommene Spaltbreite von 3 µm die Punkte für 10 kHz bei den vier genannten Bandgeschwindigkeiten (rot = langsam, blau = schnell).
Jede Ungenaugkeit zwischen den Kanälen schlägt also umso hörbarer durch (hier durch größere Dämpfung), je näher die Wellenlänge an der Spaltbreite ist. Bei weniger Geschwindigkeit werden die Wellenlängen kürzer. Für eine saubere Stereo-Widergabe ich ein konstantes Intensitäts- und Phasenverhältnis zwischen den Kanälen sehr wichtig - sonst "wandert" die gehörte Position des Signals hin und her.
Viele Grüße
Andreas