Drehzahlregelung Revox A77 - Dreht zu schnell
#1
Hallo,
habe eine MkIII erworben. Hier von jemandem aus dem Forum, zum Restaurieren. Ein echt schönes Gerät, aber ich habe beim Herumprobieren bemerkt, dass sie immer mal "jault", also die Drehzahlregelung immer mal plötzlich nicht so gut regelt.

Der Trimmer (altersschwach) und einige Elkos auf der Drehzahlregelungsplatine wurden getauscht.

Ich wollte dann die Regelung zur genaueren Analyse des Problems außerhalb des Geräts betreiben, und habe dabei leider die +21V/0V Leitungen vertauscht. Mein Labornetzteil war auf 300mA Strombegrenzung eingestellt, und ich habe die Verpolung innerhalb von ein paar Sekunden gemerkt und sofort unterbrochen, kann sein dass aber trotzdem was gelitten hat.

Auf jeden Fall regelt die Drehzahlregelung nun garnicht mehr. Der Motor scheint immer auf Vollgas zu stehen.

Bei mir sieht der Versuchsaufbau so aus:

Ich habe die Regelung auf dem Tisch an den ausgebauten Motor und den Tachosensor angeschlossen. Die 21 Volt kommen vom Labornetzteil. Von einem regelbaren AC-Netzteil kommt die Wechselspannung, ich gebe nur soviel auf den Motor wie er zum Laufen mit mehr als der Solldrehzahl  braucht. Das sind etwa 60 Volt AC. Dann rennt der Motor schon mit bis zu 2500Hz Tachosignal. Ein passender Motorkondensator ist auch angeschlossen.

Der Sensor gibt eine Frequenz je nach anliegender AC-Spannung ab, da sehe ich kein Problem.

Der Pin AE1, mit dem man zwischen 9.5 und 19 cm/s umschalten können soll, hat keine Auswirkung auf die Drehzahl. Es wird offensichtlich nichts geregelt.

Im Schaltbild sieht man ein Oszillogramm am Kollektor vom Transistor Q205. Eine Rechteckspannung mit -10/+10 Volt Amplitude. Das sieht bei mir auch genauso aus, die Verstärkung des Sensorsignals funktioniert also noch.

An der Basis von Q206, nach dem Diskriminator, habe ich immer ca. 650mV, völlig unabhängig von der Drehzahl.  Das müsste sich doch mit der Drehzahl ändern, oder? Ich kann den Motor von Hand leicht bremsen, das hat definitiv keine Auswirkung auf die Spannung an Basis von Q206.

C209 und C210 (Schiffchen) hatte ich schon getauscht, die neuen Kondensatoren wurden vor dem Einsetzen mit einem LCR-Meßgerät ok geprüft.

Am Punkt (B) des Schaltplans habe ich ca. 7,2 Volt. Das deutet gemäß Tabelle auf "Anlauf" Phase hin,

Ich verstehe die Schaltung ab dem Diskriminator nicht wirklich. Eigentlich müsste sich doch die Spannung an Basis von Q206 ändern, wenn sich die Drehzahl ändert, oder?

Grüße,
Dennis
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Tonbandgeräte: AKAI GX-260D, Revox A77 Mk IV, UHER Variocord 263
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Kofferradio: Grundig C9000
Kopfhörer: für Audio: Sennheiser HD 414, im Office zum Arbeiten: Plantronics Voyager Focus UC
Sonstige: Denon PMA-925R, Panasonic SA-PMX84, Douk EQ5-PRO, Dynavox CS-PA1, Onkyo TX-11
Waren auch mal da: AKAI GX-215D, Philips N4504, Toshiba PT862
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#2
Ohne jetzt näher auf die Funktionsweise der Schaltung einzugehen, würde ich vermuten, daß du durch die Verpolung irgendwelche Bauteile gehimmelt hast.
Ist das schon die Version mit dem NE555 oder der Vorgänger?
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#3
Es ist die alte Version, komplett mit Transistoren.
Ja, kann was kaputtgegangen sein. Sind ja immerhin 7 Watt, die da kurz reingingen.

Ich habe mittlerweile versucht, die Schaltung besser zu verstehen und auch den Text vom Servicemanual gelesen. Man lernt ja mit den Aufgaben :-)

Ich werde mal mit dem Signalgenerator Frequenzen um die 800/1600 Hz Sollfrequenz eingeben und sehen was der Diskriminator so macht. Und alle aktiven Bauteile schon mal oberflächlich durchmessen (Diodenstrecken).
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#4
Dennis,

ich würde mal an den Emittern von Q204 u. Q205 messen, ob da die +11 V etwa anstehen. Die Verpolung könnte auch den Elkos geschadet haben.

Gruß
Dieter
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#5
Hat hier mal jemand den Schaltplan der alten Regelung? In meinen Unterlagen ist überall nur die neue Version drin.
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#6
   

Gruß Ulrich
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#7
Hier von 1968-04 und 1969-09.
VG Jürgen


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#8
Danke!
Ich sehe da jetzt zwischen den beiden Versionen auf Anhieb allerdings keinen Unterschied, außer daß der Leistungstransistor ein anderer ist.
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#9
(10.07.2025, 17:30)janbunke schrieb: Danke!
Ich sehe da jetzt zwischen den beiden Versionen auf Anhieb allerdings keinen Unterschied, außer daß der Leistungstransistor ein anderer ist.

Jupp.

Die alte Version ist für den alten Capstan-Motor (glattes, kantiges Design) und 80W-Netzteil (MkI)
Die neuere für den neuen Capstan-Motor (rundere Glocke) und 100W Netzteil (MkII-IV)
Der einzige Unterschied ist der andere Leistungstransistor.

Dennis, falls Du ne neue Regelung brauchst schick ne PN. Du kennst ja jetzt meine Haufen-Lagerung Rolleyes
Gruß
Oliver
Mist! Angry Man sollte nix vor dem zweiten Kaffee posten. Man blamiert sich nur.. Confused

Das Avatar-Maschinchen war mein erstes Bandlaufwerk -  Philips N2213
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#10
Die Drehzahlregelung regelt wieder! Woran lag es?

Wahrscheinlich nicht an der falschen Polung der Betriebsspannung (wobei man das nicht 100% ausschliessen kann).

Ich habe aus meiner Krimskrams-Schachtel einen 220µF Kondensator genommen, der bereits gebraucht war. Das war das Problem.

Wie in meiner Jugendzeit, als ich mir vom Taschengeld keine neuen Bauteile leisten konnte, löte ich auch heute immer mal Bauteile aus alten Geräten aus, bei denen ich glaube, dass ich sie wiederverwenden kann. Ich mache das nur bei Geräten, bei denen ich weiß dass sie funktioniert haben, und dachte da bin ich auf der sicheren Seite.

War aber hier nicht so. Der Kondensator wird mit einem DE-5000 LCR-Meter als unverdächtig getestet, aber ein Test mit einem einfachen Ohmmeter zeigt einen Widerstand von ~10 Ohm an. Damit wird die Basis von Q206 fast auf 0 Volt gelegt, das Ausgangssignal des Diskriminators auch, und daher kann der DC Verstärker auch nichts verstärken. Mit einem anderen Kondensator eingelötet wird wieder geregelt...

Ich beobachte das morgen mal über einen längeren Zeitraum, der ursprüngliche Fehler trat ja nur sporadisch auf. Kann sein, dass das ursprüngliche Jaulen an dem brüchigen Trimmer lag und jetzt behoben ist.

Danke schon mal an alle, die sich dazu Gedanken gemacht haben.

Grüße,
Dennis

Im Bild die 800 Hz (0.800 KHz) für 9.5cm/s. Es springt auch mal auf 799 oder 801, mehr Schwankung hat's aber nicht.

[Bild: 20250710_190457.jpg]
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#11
Für die investierte Arbeitszeit hättest du sehr viele neue Kondensatoren kaufen können...  Wink
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#12
Da hast du vollkommen recht Michael thumbup
Viele Grüße
Jörg
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#13
Habe ich ja auch geschrieben: Elkos könnten Schaden genommen haben.

Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern an: Der Arbeitsaufwand groß (kompletter Ausbau) und keine Investition in neue Elkos ...

Dieter
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#14
Aber Lehrgeld gezahlt in Form von Zeit und Arbeitsaufwand.
VG
Wolfgang
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#15
Dieter, danke für den Input, der hat bewirkt dass ich mir als erstes verschiedene Bauteile um den Q206 genau angesehen habe, wo ja auch der Elko lag.

Jetzt macht mich nicht platt wegen des alten Elkos. Klar habt ihr recht. Ich weiß jetzt aber zumindest ein bisschen, wie die Drehzahlregelung funktioniert, da hatte ich keinen Schimmer von. Und ich habe gelernt, wie man die Drehzahlregelung außerhalb des Geräts testen kann... wer weiß wann ich das wieder brauchen kann  Smile

Grüße,
Dennis
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#16
Ich kann Dich beruhigen Dennis ... ich hab in meiner Schulzeit vor round about 45 Jahren meinen Bedarf an Bauteilen auch durch Schlachten von allerlei Geräten vom Sperrmüll befriedigt.
Das ist bis heute mein Fundus und ich habe keine Skrupel die auch einzusetzen. Zunächst mal viel zeitsparender als die Sucherei und Bestellerei im Internet,

Einziger Unterschied in der Methodik:
- Ich checke das Bauteil mit einem Komponententester kurz vor dem Einbau
- Ich teste die Gerätefunktion nach Tausch
- Ich mache grundsätzlich keine bulk Tauschaktionen in irgendwelchen Geräten und wenn, dann würde ich mir neue War ekaufen weil ich dann ja nicht nach jedem eingebauten Teil testen kann und will

Heart  ... 100% nachhaltig Big Grin Big Grin Big Grin Big Grin
Gruß, Kuni
..............................

http://kuni.bplaced.net/
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