Wir wissen ja, dass die Magnetbandaufzeichnung so ihre Tücken hat.
Beispielsweise dass der Frequenzgang bei 0dB Aussteuerung ziemlich unbrauchbar wäre.
Deswegen wird er ja bei -20dB gemessen.
Nun versuche ich einem Jugendlichen zu erklären, warum es trotzdem wohlklingende Aufnahmen geben kann.
Dazu wäre es schön, wenn ich Frequenzgänge von Orchester, Pop-Musik o.ä. vorzeigen könnte.
Hat jemand so etwas schon mal gesehen und evtl. gespeichert?
VG Jürgen
P.S. Im Anhang ein Beispiel eines Kassettendecks, bei dem der Jugendliche fragt, warum er auf 0dB aussteuern darf...
Ich hatte mich das vor Zeiten auch mal gefragt, wieso die Messung bei -20dB gemacht wird.
Die Antwort liegt darin, daß wenn man weißes Rauschen mit 0dB (also alle Frequenzen mit gleichem Pegel im Rauschen verteilt) spektral darstellt, jede einzelne Frequenz einen Pegel von -20dB hat.
Anders herum formuliert: Um ein 0dB "lautes" Summensignal zu generieren, müssen die Einzelfrequenzen mit -20dB aufsummiert werden.
Die Unterscheidung des "0dB" und "-20dB " Szenarios liegt also darin, ob man die (1) Gesamtheit der Frequenzen betrachtet oder (2) nur Teile davon.
Bei dem was wir aufzeichnen, reden wir immer von Michfrequenzen, daher zieht das Szenario (1) und damit sind wir dann bei den 0dB die dann ok sind.
Wie Du das nun Deinem Jugendlichen weiter verhakstückst bleibt Dir überlassen
Etwas anders formuliert, die hohen Frequenzen sind in der Musik deutlich leiser, als die Frequenzen im Bereich der Grundtöne. Daher kann man das Gesamtsignal auf 0 dB aussteuern und die hohen Töne werden immer noch im Originalpegel aufgezeichnet. Für das Ultraschallorchester der Fledermäuse könnte man die 0 dB Einstellung nicht verwenden, da dort nur hohe Töne wären, die nicht mit 0 dB aufgezeichnet werden könnten. M.W. sind die -20 dB auch eine willkürliche Festlegung, manche Firmen geben auch -30 dB an.
(16.07.2025, 12:02)AKRETA schrieb: sind die -20 dB auch eine willkürliche Festlegung, manche Firmen geben auch -30 dB an.
mWn kommt alles was kleiner -20dB ist daher, daß die Hersteller da getrickst haben, weil die FG zu niedrigen Pegeln hin besser werden.
Macht sich dann besser in den technischen Daten.
(16.07.2025, 12:02)AKRETA schrieb: Etwas anders formuliert, die hohen Frequenzen sind in der Musik deutlich leiser, als die Frequenzen im Bereich der Grundtöne. Daher kann man das Gesamtsignal auf 0 dB aussteuern und die hohen Töne werden immer noch im Originalpegel aufgezeichnet.
...
Genau dahingehend richtet sich meine Frage.
Wie 'deutlich leiser' sind die hohen Frequenzen bei bspw. Klassik-Orchester?
Gibt es keine Frequenz-Spektren? Ggf. von einzelnen Instrumenten?
Um die -20dB geht es mir eher nicht...
VG Jürgen
Bei hohen Frequenzen kann das Band nur in geringerem Maße magnetisiert werden, als bei mittleren und tiefen. In der oben erwähnten Spektrumsdarstellung erkennt man aber, dass in Sprache und Musik die kritischen hohen Frequenzen meistens nur mit verminderter Amplitude auftreten (Amplitudenstatistik). Der für die Bandaufzeichnung genormte Bandflussverlauf über die Frequenz ist unter Brücksichtigung dieser Tatsache genormt. Die Aussteuerungsanzeige wird daher vor allem von mittleren und tiefen Frequenzen, die auf dem Band höher aussteuerbar sind, dominiert, so dass auf Anzeige 0dB ausgesteuert werden kann, da gemäß Amplitudenstatistik die hohen Freqenzen mit entsprechend geringerem Pegel auftreten, so dass sie noch nicht übersteuert werden.
Bei starkem Hervortreten bestimmter Laute (s- oder Zischlaute) sowie Instrumente (zB. Triangel) stimmt die Amplitudenstatistik allerdings nicht mehr, da kommt es bei "Standardaussteuerung" zu Verzerrungen, so dass man mit dem Gesamtpegel so weit herunter gehen muss, dass die kritischen Passagen sauber aufgezeichnet werden, was besonders bei geringer Bandgeschwindigkeit (Cassettenaufnahmen) wegen der starken Höhenentzerrung problematisch werden kann. Absenken der kritischen Frequenzen mittels EQ ist für eine gute Aufnahme aber auch keine Lösung, da hierdurch das Klangbild verfälscht wird.
Hier steht auch noch was darüber: https://www.pievox.de/Der_theoretische_Hintergrund.htm
Zum Thema Amplitudenstatistik gab es auch bei diyaudio.com etliche Diskussionen und es wurden auch etliche Materialien zitiert. Habe die passenden Links gerade nicht parat.
Bezüglich der Aufnahme selbst gilt es noch zu beachten, ob die Instrumente und Gesangsstimmen (!) direkt mikrofoniert werden, oder ob der gesamte Klangkörper in einer Hördistanz aufgenommen wird. In letzterem Fall sind die Obertöne schon natürlich gedämpft, und eine Überladung des Bandes ist unwahrscheinlich.
Gesangsstimmen können aber ein Band deutlich hörbar überladen (ich habe solche Beispiele auf bei Konzerten live aufgenommenen Schallplatten).
Danke für die Hinweise.
Das Stichwort 'Amplitudenstatistik' ergibt weiteres 'pädagogisches Material', bspw. bei Sengpiel.
Und auch hier im Forum.
VG Jürgen