12.06.2025, 08:21 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.06.2025, 08:25 von berndw.)
Hallo wertes Forum,
ich habe in einer Abendschicht die (potentiell) zu tauschen Bauteile aus der dicken Original-Serviceanleitung der ReVox A700 in eine EXCEL-Tabelle getippt, um eine saubere Übersicht für die Bestellung der Komponenten zu erhalten.
Dabei sind mir aber Spezifikationsdaten ins Auge gefallen, die ich so noch nie gesehen habe. Durchgehend bei allen Platinen in diesem Manual.
In der Annahme, dass sich die Schweizer Ingenieure nicht konsequent vertippt haben wollte ich mal nach Eurem Verständnis fragen.
Fall 1: nur negative Toleranzen, siehe hier bei Tantal-Kondensatoren mit -20%. Meine Annahme wäre, die Toleranz kann bis zu 20% betragen. Richtig oder falsch?
Fall 2: Elkos mit Toleranz von 100% Es kann ja wohl nicht Sinn der Sache sein, einen Kondensator von 0 bis 440µF einzubauen, oder?
Oder ist es bei dieser Anwendung (Siebung der Platinen-Versorgungsspannung) tatsächlich relativ egal?
Frage speziell an die A700-Bearbeiter: mit welchen Toleranzen habt Ihr die Maschinen neu bestückt?
Ich habe die Platinen noch nicht ausgebaut oder Bauteile ausgelötet, aus der Erfahrung anderer Maschinen (TS1000) habe ich, speziell auf Ta-Perlen, noch nie aufgedruckte Toleranzen gesehen da diese dafür üblicherweise zu klein sind ...
Bei den Elkos sollte man Typen mit 105°C und low ESR bevorzugen und ansonsten würde ich mich bei den Werten an die Vorgaben richten, bzw. Werte nehmen, die in unmittelbarer Nähe des Wertes liegen. Eine etwas höhre Spannungsfestigkeit als angegben kann ebenfalls nicht schaden.
Alte Elkos hatten teilweise werksmäßig eine angegebene Toleranz von -20% und +100%.
Für die Siebung oder Glättung der Betriebsspannung sind größere Kapazitäten von Vorteil.
12.06.2025, 11:34 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.06.2025, 11:51 von janbunke.)
In den allermeisten Anwendungsfällen ist es auch kein Problem, wenn Elkos mit höherer Kapazität verwendet werden.
Bei Koppelelkos über die das Audiosignal läuft, ist das fast immer von Vorteil wegen der besseren unteren Grenzfrequenz.
Und natürlich bei Elkos im Netzteil bzw. an der Spannungsversorgung, wie der andere Jan bereits im letzten Beitrag schrieb.
Da schadet ein größerer Wert ganz sicher nicht.
Ich habe z.B. noch eine riesige Menge an 22µF Elkos. Die setze ich gerne dort ein, wo ursprünglich ein 10µF Typ verbaut war..
Nur bei Schaltungen, wo R/C Glieder zeitlich kritische Abläufe steuern, sollte der exakte Wert verwendet werden.
Das ist aber eher selten.
Ein Beispiel wäre die Endabschaltung in meinem AKAI Cassettendeck über den Reed Kontakt am rotierenden Magneten des Zählwerks.
Ein gutes Beispiel für den Vorteil größerer Elko Kapazitäten ist das Telefunken CN 750 HighCom. Davon habe ich mehrere.
Dort sind an mehreren Stellen definitiv zu kleine Koppelelkos verbaut, was hörbar (und erst recht meßbar) die untere Grenzfrequenz beeinflußt.
Seitdem ich die Kondensatoren, wie im Schaltbild gekennzeichnet, durch höhere Werte getauscht habe, kommt auf jeden Fall mehr Bass rüber.
(12.06.2025, 11:34)janbunke schrieb: Ein gutes Beispiel für den Vorteil größerer Elko Kapazitäten ist das Telefunken CN 750 HighCom. Davon habe ich mehrere.
Dort sind an mehreren Stellen definitiv zu kleine Koppelelkos verbaut, was hörbar (und erst recht meßbar) die untere Grenzfrequenz beeinflußt.
Seitdem ich die Kondensatoren, wie im Schaltbild gekennzeichnet, durch höhere Werte getauscht habe, kommt auf jeden Fall mehr Bass rüber.
(12.06.2025, 09:24)egon schrieb: Bei den Elkos sollte man Typen mit 105°C und low ESR bevorzugen und ansonsten würde ich mich bei den Werten an die Vorgaben richten, bzw. Werte nehmen, die in unmittelbarer Nähe des Wertes liegen. Eine etwas höhre Spannungsfestigkeit als angegben kann ebenfalls nicht schaden.
Moin, ich hätte da noch eine Frage:
Nach meiner Zählung hat die A700 insgesamt 17x ein 1µF/35V Tantal verbaut. Auf der Laufwerk-Steuerung z.B. C20/C24.
C24 dient (meiner Ansicht nach) zur Glättung an der Basis vor Transistor Q18. Von dort geht es weiter zu den Wickelmotor-Steuerung.
C20 entkoppelt die +24V Versorgung vor Transistor Q19.
Was würdet Ihr empfehlen: 1µ aber mit wesentlich höherer Nennspannung (gefunden: 250V), alternativ 1,5µ mit 50V Nennspannung (darunter findet sich kaum etwas ...)
Gesucht habe ich bei meiner "Vorzugsquelle" Fa. Reichelt.
Hab die Schaltpläne der A700 nicht, aber diese 1uF Tantals werden ja meißt als Glättungs-C's zB an ICs eingesetzt - da ist das egal, ob 1uF oder 1,5uF.
Ich würde da nehmen was billiger ist und von der Bauform noch rein paßt.
(13.06.2025, 09:04)janbunke schrieb: Elkos und Tantals mit 1µF ersetze ich immer durch WIMA Folienkondensatoren.
Dann braucht man auch nicht auf die Polung achten.
Hallo Jan,
verwendest Du die Folien-C auch dort, wo die (gepolten) C als Glättung zwischen Spannungsversorgung oder Signal gegen Masse eingesetzt sind?
WIMA Folienkondensatoren würde ich im Audioteil oder bei frequenzbestimmenden Schaltungsteilen einsetzen, das macht auf jeden Fall Sinn, zur Glättung etc. reichen die 1,5µ Elkos aber auf jeden Fall.
(13.06.2025, 09:04)janbunke schrieb: Elkos und Tantals mit 1µF ersetze ich immer durch WIMA Folienkondensatoren.
Dann braucht man auch nicht auf die Polung achten.
Hallo Jan,
verwendest Du die Folien-C auch dort, wo die (gepolten) C als Glättung zwischen Spannungsversorgung oder Signal gegen Masse eingesetzt sind?
Wo wird denn für so einen Zweck eine so niedrige Kapazität von 1µF eingesetzt?
13.06.2025, 12:22 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 13.06.2025, 12:27 von berndw.)
(13.06.2025, 11:02)janbunke schrieb:
(13.06.2025, 10:31)berndw schrieb:
(13.06.2025, 09:04)janbunke schrieb: Elkos und Tantals mit 1µF ersetze ich immer durch WIMA Folienkondensatoren.
Dann braucht man auch nicht auf die Polung achten.
Hallo Jan,
verwendest Du die Folien-C auch dort, wo die (gepolten) C als Glättung zwischen Spannungsversorgung oder Signal gegen Masse eingesetzt sind?
Wo wird denn für so einen Zweck eine so niedrige Kapazität von 1µF eingesetzt?
Auf der A5 (Laufwerk Steuerung), C20.
C24 dient zur Entkopplung, oder?
Und weil ich die Kiste auch gerade in der Hand habe: Grundig "glättet" (?) mit einem 1µF Tantal eine wesentliche Versorgungsspannung ... oder was macht der kleine C dort?
Das sind für mich aber eher R/C Glieder, die zur Verzögerung dienen. Ich ging jetzt von simplen Pufferelkos aus, die direkt an der Betriebsspannung hängen.
Für die RC-Glieder reichen Elkos aus, in diesem Falle sind sie auch nicht so zeitkritisch, aber man sollte nicht übers Ziel hinaus schießen und inder Nähe der vorgegebenen Werte bleiben - 1,5µ sind dann ganz ok.
Wenn es auf keine genaue Einhaltung einer bestimmten Zeit ankommt (Anzugs- bzw. Abfallverzögerung von Relais, Glättung von Impulsen, Resetschaltung u.dgl.) sind Elkos ausreichend, wegen des Leckstroms aber nicht in hochohmigen Schaltungen.
Die 1my Elkos an den Netzteilausgängen sollen Impulsbelastungen der Spannungen abfangen und Regelschwingungen unterbinden (die 78er sind da manchmal anfällig, hängt auch von Layout und Verdrahtung ab), Tantals sind an dieser Stelle aber ungeeignet, die sterben da gerne mit Kurzschluss (Brandgefahr!), sie sollten durch Al-Elkos aus aktueller Produktion (die sind heute "niederohmiger" wie früher) oder Folien-Cs ersetzt werden.