Uher und die Bandführung
#1
Hallo Kollegen,
immer wieder grüble ich darüber, wie ich der Schwachstelle in den Uher Tonkopfleisten begegnen könnte.
Es sind hier bei mir gar nicht wenige V263 und RdL mit solchen Einschliffen. Das geht doch nicht. Angry
Beheben durch simples Weiterdrehen geht nicht, weil sich dann - das Messingdrehteil wird eingeschraubt und dann gekontert - die Einbauhöhe ändert. Da ich nicht annehme, der einzige mit diesem Problem zu sein, frage ich in die Runde: Was tun?
MfG Heinz
   
Zitieren
#2
Ich bin mit "ignorieren" ganz gut gefahren.

Welches Problem ergibt sich für dich daraus?

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
Zitieren
#3
Ich würde es nicht ignorieren. Das ist Mist!
Das Problem, welches sich daraus ergibt? Kein stabiler Bandlauf mehr.

Allerdings habe ich es noch nie so heftig gesehen. Vermutlich ist die Führung falsch justiert gewesen.
Das Teil hat oben ein Gewinde und ist mit einer Mutter gekontert.
Zitieren
#4
Der eingegrabene Schlitz ist z. T. mehr als einen halben Millimeter tief und messerscharf. Da fürchte ich um meine Bandkanten.
Und ich frage mich schon, wie der Schlitz überhaupt entstehen konnte. Vielleicht ist das häufige Wechseln des Trägers doch nicht so gut? Mal sehen, was noch kommt.
MfG Heinz
Zitieren
#5
(07.06.2025, 16:01)heinz schrieb: Der eingegrabene Schlitz ist z. T. mehr als einen halben Millimeter tief und messerscharf. 
Und ich frage mich schon, wie der Schlitz überhaupt entstehen konnte. 

Heinz,

wenn die Bandführung ursprünglich in der Höhe richtig justiert war und der Einschliff nachträglich entstand, dann läuft das Band jetzt am Kopf ja ebenfalls um den Betrag des Einschliffs zu hoch. Du solltest also den Bandlauf am Kopf prüfen. Oft kommt es durch Verschleiß der Andruckrolle oder falschen Aufwickelbandzug zum "Ausderspurlaufen" des Bandes am Capstan. Dies kann die weiche Messingführung nicht lange ausgleichen, ohne selbst zu verschleißen.
Wenn das Band aber am Kopf korrekt in der Höhe läuft, dann stand der Führungsbolzen zu tief und muß sowieso nach oben korrigiert werden, also kannst du ihn um die Einschlifftiefe (viertel bis halbe Umdrehung) eindrehen, dann hast du wieder "Fleisch" zur Bandführung.
Professionell wäre natürlich ein neuer Führungsbolzen. Ich verstehe nicht, warum man Messing als Material verwendet hat, es ist teurer und weicher als Stahl, lässt sich aber leichter bearbeiten und ist unmagnetisch.

Bernd
Zitieren
#6
Ah, Ok, habe eben nochmal genauer reingezoomt. Nein, so schlimm ist es bei keinem meiner Variocords oder RDLs.

Austauschbolzen aus anderem Kopfträger?

War der ursprüngliche Tonkopf falsch eingetaumelt?

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
Zitieren
#7
Diesen besonders schlechten Träger habe ich für mein Experiment mit dem Philipskopf ausgesucht. Die anderen sind nicht ganz so schlecht. Ich habe 1973 eine RdL neu gekauft, einmal einen zweiten neuen Kopfträger und hier im Forum zwei gebrauchte Kopfleisten, die allesamt in noch schönem Zustand sind. In den frühen Ebayzeiten habe ich mir dann eine Reihe von RdLs und V263 gekauft. Damals war es noch billig, aber die Köpfe waren halt manchmal schief oder wackelig montiert,  und was manch ein Vorbesitzer herumgeschraubt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Uher dümpelt jetzt eher weit unten herum, aber seitdem sich mein Junior für die Geräte interessiert, beschäftige ich mich wieder mehr damit. Ich wechsle keine Kopfleisten mehr, und wenn es doch einmal sein muss, dann wird der Bandlauf mit Lupe und Taschenlampe so lange kontrolliert, bis es passt. Nur mit dem schnellen Austausch ist es nicht getan, da war Uher zu optimistisch.
Gut, ich danke für die Hinweise und werde sie berücksichtigen. Ein paar Austauschbolzen sind vorhanden.
MfG
Heinz
Zitieren
#8
Der Abschliff an dem BF-Bolzen ist normal. Uher hatte es nicht verstanden, diese Bandführung als "Nur-Höhe-Führung" ohne Bandschichtberührung zu dimensionieren, so wie bei Revox z.B. Die Bandlauf-Geometrie der RdL, als auch der Variocord ist nicht optimal. Ich habe das bei meinen Kopfträgern mit der Drehbank korrigiert: Die verschlissene BF ausgebaut (vorher Position gemerkt) und den Kern dann  auf ca. 2,5mm abgedreht. Die Bandführung führt dann nur noch in der Höhe an den Bandkanten, sie macht jetzt aber keine Bandschichtberührung mehr. Bei korrekt eingestellten Bandzügen an der RdL ist der Bandlauf nach wie vor stabil. Mir war das wichtig, dass die einzigen Reibstellen auf der Schichtseite nur noch durch die Kopfspiegel gegeben sind (für die Wiedergabe von Problembändern). 

Martin

P.S.: Wenn die Uher bei Dir "untenrum dümpelt", ist das schade. Von den Einmotorern war die RdL m.M.n. dank ihrer elaborierten Bandzugregelung, vier Geschwindigkeiten und wechselbaren Kopfleisten inklusive Dia-Impulskopf wohl das einzige wirklich als universell zu bezeichnende Bandgerät auf dem deutschen Markt. Dank echtem Synchronmotor "stand" die Bandgeschwindigkeit zudem wie festgenagelt. Das hatten alle anderen Hersteller mit ihrem Riemengeleiere zu der Zeit nicht zu bieten. Der bedeutende Nachteil der RdL und anverwandten Laufwerke ist die Notwendigkeit penibelster Justage. Die wurde in der Massenproduktion bei Uher leider nicht immer hinreichend wahrgenommen.
"Früher war mehr Lametta!"
Zitieren
#9
Ja, eine Drehbank im Keller wäre schon etwas Feines, dafür beneide ich Dich.
Das mit dem Herumdümpeln klingt schlimmer als es ist. Ich habe mir damals einfach zu viele Gebrauchtgeräte gekauft und komme jetzt mit dem Instandhalten nicht mehr nach. Ich dachte halt, es müssten acht RdLs sein und ebensoviele Variocords, aber mit zwei neu gekauften RdLs wäre ich heute besser dran. Die RdLs gehen ja noch, aber die Variocords sind vergleichsweise rumpelig, da merkt man schon die Sparversion. Früher haben mich die Laufgeräusche nur wenig gestört, da habe ich die Musik viel lauter gehört als jetzt. Jetzt bin ich alt, höre nur noch leise Musik und bin von meinen Revoxgeräten verwöhnt. Aber für die 18er Spulen brauche ich die RdLs, das sieht auf den großen Maschinen einfach unvorteilhaft aus. Schön sind sie ja, die Münchnerinnen......... 
Weniger ist mehr - so werde ich es machen und nur noch meine zwei besterhaltenen RdLs so penibel justieren, wie es mir möglich ist. Die Köpfe können dann bleiben, wo sie sind - es sind nur noch Zweispuraufnahmen im Haus. Und ein großer Vorteil darf nicht übersehen werden: mit den Bandzugkomparatoren ist schonender Betrieb auch mit dünnsten Bändern möglich. Penibelste Justage vorausgesetzt.
Danke und Gruß
Heinz
Zitieren
#10
(08.06.2025, 04:21)heinz schrieb: Die RdLs gehen ja noch, aber die Variocords sind vergleichsweise rumpelig, da merkt man schon die Sparversion.

Die Mechanik ist doch bei beiden Geräten gleich. Die Sparversion bezieht sich auf die Elektronik, keine großen Sonderausstattungen, nur eine Aussteuerungsanzeige für beide Kanäle. Vom Sparen ist auch die RdL betroffen, wenn ich mich an die unsägliche Multi-Monitor-Buchse erinnere.

Die mechanische Bandkomparator-Regelung ist wirklich sehr frickelig einzustellen und hat oft nie richtig funktioniert. Ich erinnere mich an ein Physikexperiment an der Uni. Die Messungen an reibenden Flächen brachten Überraschungen mit großen Abweichungen. Da schlagen die Naturgesetze uns ein Schnippchen.

Ich hatte auch unter bestimmten Bedingungen Einstreuungen von Radiosendern. Nun will ich nicht zu viel meckern, denn meine V263 von 1970 hat mir gute Dienste geleistet und tut es heute noch. Die Eigenaufnahmen mit den Mikrofonen M534 (Hersteller AKG) brachten immer sehr gute Ergebnisse.
Zitieren
#11
Ach, ich wollte die Variocord keineswegs kritisieren. Bei Wiedergabe über die Stereoanlage klingt sie prima, keine Frage, aber der Antrieb hat gegenüber der RdL deutliche Defizite - anderer Motor, Plastik statt Metall z.B. beim Arm des Zwischenrads und solche Sachen. Die RdL ist laufruhiger, darauf wollte ich hinaus. Meckern wollte ich nicht. Wenn die Bremsgummis griffig sind und in die richtige Richtung blockieren, ist schon viel gewonnen auf dem Weg zum bandschonenden Funktionieren.
MfG Heinz
Zitieren
#12
Hallo Heinz,

ich hatte das gar nicht als meckern aufgefasst. Die Variocord ist trotz der Sparversion immer noch ein gutes Gerät.

Da hatte ich schon mehr zu kritisieren. Das klapprige Plastikgehäuse, in das ich die Lautsprecher festklemmen musste, damit es nicht allzu doll mitvibrierte, obwohl ich die selten benutzt habe.

Die Kritik am Bandzugkomparator ist wohl auch gerechtfertigt, wie man auf dieser Seite lesen kann.
http://www.tonbandmuseum.info/historie-uher.html

Nichtsdestotrotz
Grüße von Harry
Zitieren
#13
Sorry, aber das selbstverliebte und nervige Geschwafel des verantwortlichen Herrn von "tonbandmuseum.de" ist für mich überhaupt nicht ernst zu nehmen.
Das bezieht sich nicht nur auf dieses Uher Thema.
Die Seite ist für mich allerhöchstens eine Belustigung und keine seriöse Wissensquelle.

Zitat:
"AKAI sprach den kleinen Angeber unter den Hifi Freaks an. 
Viel Chrom mit wenig drinnen für wenig Geld. 
Das war wie später die Fiestas, Polos und Corsas, alles Autos mit dem GTI hinten drauf."

Ich glaube das spricht für sich...
Zitieren
#14
Tut es. Viel Lärm um nichts.

Grüße
Erhard
Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem. Karl Valentin
Zitieren
#15
Hallo Jan,

ja, die Formulierungen sind merkwürdig humorvoll, manchmal sarkastisch. Aber deshalb ist nicht alles grundsätzlich falsch. Der Autor beginnt jede Seite "zum Auffrischen und Schmunzeln".
Selbst einige Uher Mitarbeiter sollen wohl nicht sehr überzeugt von der Komparatorlösung gewesen sein (z.B. Anselm Rapp).
Tatsächlich sind die Reibflächen verschiedenen Einflüssen unterworfen wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Verschmutzungen und Abrieb, die den Reibfaktor sehr beeinflussen und deshalb die sehr geringen unter Idealbedingungen gemessenen Gleichlaufabweichungen auch zunichte machen können.

Viele Grüße
Harry
Zitieren
#16
Die Regeleigenschaften der RdL / Variocord-Komparatoren sind leider sehr progressiv, nicht wirklich definiert abgleichbar, stark von den Belägen abhängig und zeitlich instabil. Eine Silikonbedämfung fehlt (habe eine solche experimentell in meiner Opfer-RdL nachgerüstet: viel besseres Verhalten). Ferner eklatanter Konstruktionsfehler an Kupplung rechts, Kupplungsglocke (Kunststoff) kippelt, da Friktionsrad zur Übertragung des Aufwickel-Drehmomentes bei A/W nicht in Lagerebene angreift. Daher das instabile Start-Regelverhalten der Aufwickelseite. Auch das ist bis zu einem gewissen Grad korrigierbar (Sinterlager in der Kunstoffglocke, experimentell ebenfalls von mir erprobt).

Die Uher ist so wie sie ist: Ein damals wie heute hochinteressanter einmotoriger Kleinspuler, der die technische Kreativität anregt... . Es gab (und gibt) im Vergleich zur RdL nach wie vor bedeutend schlechtere Gerätekonzepte!

Martin
"Früher war mehr Lametta!"
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste