Tonbandaufnahmen digital restaurieren
#1
Guten Abend,

ich habe letzte Woche ein Tonband BASF LP35 auf einer 18cm Spule geschenkt bekommen.
Die Aufnahmen sind allesamt Musik aus den 60er Jahren, British Invasion nannte man die Zeit wohl. Es sind allerdings auch die Rattles und die Lords dabei.
Einige Aufnahmen sind klar, andere klingen dumpf. Ich denke, dass es wohl eher an den Ankern Aufnahmen als am Band selber liegt.

Ich weiß, dass man kaum erwecken kann was nicht schon vorhanden ist. Andererseits wird doch sicher der eine oder andere Tonbandfreund seine Aufnahmen versucht haben, digital zu verbessern.

Wer kann einen oder mehrere Tipps geben hinsichtlich Software und Vorgehensweise.

Vielen lieben Dank
Hubert
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#2
Ankern Aufnahmen ??
Was heißt das ?
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#3
Audacity - da gibt es nichts, was es nicht gibt. Man kann damit digitalisieren und dann sich mit den Effekten austoben, z.B. mit dem Equalizer. Sehr paktisch ist die Vorhör-Funktion.
In Rust We Trust!
T e s l a  B 1 1 6 (A.D.),  R E V O X  B 7 7
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#4
Wenn es "gängige" Musik ist, dann lohnt sich der Aufwand sowieso nicht
Auf einer Streaming Plattform raussuchen und fertig
Viele Grüße
Jörg
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#5
(13.04.2025, 18:37)janbunke schrieb: Ankern Aufnahmen ??
Was heißt das ?

Sorry, da hat die IPhone Wortkorrektur zugeschlagen.
Bitte das Wort Ankern streichen/nicht beachten.
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#6
Ja, KI ist nunmal nicht wirklich intelligent, dashalb sollte man immer Korrekturlesen.
Bei den Streamingplattformen ist die Frage, ob man da wirklich die Originalversion bekommt oder nur irgendwelches remastertes, verschlimmbessertes Zeug. In den alten Bandaufnahmen fehlen Höhen ja oft nicht gänzlich, sie nur stärker gedämpft, was man bei Audacity mit dem EQ recht gut kompensieren kann, wobei Einstellungen nach Gehör natürlich immer subjektiv sind. Der Rauschpegel lässt sich meist auch auf ein annehmbares Maß reduzieren. 60er Jahre Musik ist nunmal kein High-End, kleine Unzulänglichkeiten gehören halt dazu und machen zT. auch den gewissen Charme der Musik aus.
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#7
ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll, dass es einerseits verständlich ist, ich andererseits von den Tontechnikern im Forum nicht gesteingt werde -ich versuche es mal:

Wenn Du eine Aufnahme digitalisierst, rasterst Du sie in eine bestimmte Zahl von Stufen, bei 16 Bit Auflösung wären es 65536 Stufen von Pegel minimum bis Pegel maximum, bei 8 Bit Auflösung sind es 256 Stufen. Wenn Du jetzt anfängst, mit virtuellen Filtern an den Aufnahmen zu arbeiten, verringerst Du zwangsläufig die Auflösung, und das führt relativ schnell zu diesem "Kloschüssel-Sound", der digital restaurierten Aufnahmen oft jeden Charme raubt. Gut erkennen kann man diesen Effekt, wenn man jpeg Bilder bearbeitet, und sie z.B. heller macht. Die Bilder werden nicht nur insgesamt heller, es saufen auch relativ schnell helle Details im weiß ab. Für Aufnahmen, die nachträglich bearbeitet werden sollen, ist daher eine sehr viel höhere Qualitätseinstellung erforderlich, als das Endprodukt haben muss. Solche Möglichkeiten bietet normales PC-Equipment aber meist nicht.

Ich habe vor einigen Jahren diverse Schellackplatten digitalisiert, und bin nach vielen Enttäuschungen mit Restaurierungs-Software zu einer Lösung gekommen, die Zeit spart, UND klanglich für mich das beste rausgeholt hat - eine Kombination aus analogem Equalizer/Vorverstärker und Audio-CD-Recorder. Mit dem Equalizer habe ich die Aufnahmen klanglich etwas aufgepäppelt, dann habe ich die Aufnahme mit ihren Störgeräuschen auf CDs überspielt. In den meisten Fällen reichte das aus, nur bei sehr lauten Störgeräuschen wie tiefen Kratzern auf Platten habe ich danach nochmal Audacity bemüht, hiervon aber nur den Audio Editor, um die lauten Knackser zu entfernen. Das analoge Aufpäppeln hat zwar auch seine Grenzen, ich habe aber das Gefühl, dass man mit dem Equalizer sehr viel brutaler eingreifen muss als mit Audacity, bevor es zu hörbarem Detailverlust kommt.

Programme wie Audacity wecken gerne die Erwartung, dass sie in der Lage sind, aus einer Vorkriegs Schellackplatte eine HiFi Aufnahme zu machen. Das können sie aber zum Einen nicht, und zum anderen würde sich das Ergebnis dann auch nicht mehr so anhören, wie man es erwartet. Von Glenn Miller gab es in den siebzigern mal Aufnahmen, die sogar nachträglich stereo gemacht wurden - klanglich waren die gar nicht so übel, wie man glauben mag, aber die Musik kam rüber wie von irgendeiner Swing Kapelle, die Atmosphäre der Glenn Miller musik war weg.

Gruß Frank
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#8
Hallo Hubert!

Für Audio-Restauration würde ich iZotpoe RX empfehlen. Die Spektralanzeige ist sehr genau. Damit kann man nach einiger Einarbeitungszeit intuitiv
erkennen, wo die Störungen im Signal sind. Man kann diese manuell oder mittels der automatischen Funktionen entfernen.

Ferner empfiehlt sich neben einer tippitoppi gewarteten Bandmaschine eine möglichst hohe Samplingfrequenz und Bittiefe während der Aufnahme. Kurz gesagt nervt
digitalisiertes Rauschen bei niedrigerer Samplingfrequenz mehr als bei hoher.

KI tools kann man auch mal probieren, aber ich mag nicht, wenn ich nicht weiß, was da im Hintergrund passiert. Für Sprache funktionieren die jedenfalls schon ganz gut.

Ansonsten stimme ich Frank zu, nur allzu schnell ist der Geist der alten Aufnahme pfutsch. Also Vorsicht beim entrauschen, entklicken etc.

Frohe Ostern!

Nigel
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#9
Es wurde schon viel dazu geschrieben...
Klar kann man mit den heutigen Plugins viel verbessern - wenn man sie richtig einsetzt.
Audacity gehört dabei in die Anfängerrubrik.
Wenn man viel Zeit, Lust und Geld investiert lässt sich schon einiges veranstalten. Dem Einen gefällt es, dem Anderen nicht.
Und wie schon bemerkt: man sollte den Charm der alten Aufnahmen nicht übertreiben.

Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Technics RS AZ7; Mirano Echo Chamber T-4;
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#10
Guten Morgen in die Runde.

Danke für die Tipps und Hinweise.

Nachdem ich jetzt mit Audacity hin- und her probiert habe, erscheint mir das Ergebnis nicht so schön wie erwartet. Nun, zumindest sind die Aufnahmen nun quasi verlustfrei gespeichert - ich hatte einzelne Abschnitte / Ausschnitte kopiert und dann mit verschiedenen Effekten und Filtern bearbeitet. Wo das Rauschen weg war, schwand auch der Dynamikumpfang. Dann habe ich einen Equalizer vorgeschaltet, was auch nur eine geringe Verbesserung brachte.

Tja, Tonstudio geht anscheinend wohl nicht einfach so.
Wobei Audacity schon einige Möglichkeiten bietet, aber was nicht da ist, pumpt es auch nicht hinein.

Es wäre schön gewesen, den doch etwas dumpfen (oder dumpf gewordenen) Klang etwas aufzuhellen. Und zwar ohne dass andere Frequenzen leiden und auch ohne „Frequenzbrei“ zu erzeugen.

Wäre RX11 Elements dafür ausreichend? Knapp 100 Euro kostet es zur Zeit wohl.
Oder hat jemand andere Erfahrungen und einen besseren Tipp.

Netten analogen Gruß
Hubert
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#11
ggf. könnte man mit Foobar2000 und den verfügbaren DSP-Filtern was machen.
Foobar bietet ja die Konvertierung in verschiedenste Audio-Formate, so auch z.B. "Flac" nach "Flac mit DSP-Tools". Da gibt es neben Equalizer auch ein Exiter-DSP, der bringt tatsächlich mehr Brillianz

Grüße

Frank
A77 MKIV 1/2-Spur, B77 MKII 1/4-Spur, PR99 1/2-Spur CCIR, B710-MKII, AKAI-GX 265D 1/4-Spur-AR
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#12
Hallo!

Ich nutze RX seit langem, habe die Vollversion und liebe das Produkt. Es ist sehr gut zu nutzen und hat eine Vielzahl professioneller Werkzeuge. Ich würde es von daher empfehlen, habe das Produkt schon sehr erfolgreich für die Bearbeitung von Bandaufnahmen und Plattenaufnahmen genutzt. Zugleich gestehe ich, dass ich bei weitem nicht alles nutze, es ist also ein wenig "over the top". Rund um Thanksgiving und Black Friday gibt es es von vielen Anbietern Feiertagsangebote, gff. hilft das weiter Geld zu sparen.

Viele Grüße
Linus
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#13
(17.04.2025, 12:55)Analoghoerer schrieb: Bei den Streamingplattformen ist die Frage, ob man da wirklich die Originalversion bekommt oder nur irgendwelches remastertes, verschlimmbessertes Zeug.

Bei HighRes Plattformen wie Tidal oder Qobuz kann ich mich bisher nicht beschweren. 
Es werden oft die verschiedensten Veröffentlichungen angeboten.

Da kann man sich dann raussuchen was schmeckt.. äh klingt.


Angehängte Dateien Thumbnail(s)
   
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#14
Ja Exiter ist ein gutes Stichwort, ich weiß aber nicht ob der im RX... drin ist.

Gruß Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Technics RS AZ7; Mirano Echo Chamber T-4;
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#15
Hallo Frank,

foobar, daran hatte ich tatsächlich früher auch schon mal dran gedacht. Ok, ich kann die WAV Dateien also nach Flac mit DSP-Filtern umwandeln? Mache ich mal; Versuch macht kluch.

Hallo Linus,
Danke für deinen Erfahrungsbericht über RX. Ja, muss mal schauen, wann welche Version im Angebot ist. Für einen nicht hardcore User, reicht da essentials oder eine ältere Version aus? Ich möchte die alten Aufnahmen nur etwas lebhafter machen. Die Kompositionen möchte ich so lassen.

Und wenn es dann geklappt hat, wie bringe ich es am besten mit der B77 aufs Tonband?
Sauber gelöschte und mechanisch einwandfreie Maxell Bänder habe ich.
Digitalisiert habe ich die über mein Steinberg UR22. Wie geht es umgekehrt?

Vielleicht blöde Fragen, aber ich habe bisher immer nur vom Radio aufs Band oder von Braun TG1000/4 auf Revox A77 bzw. B77 und umgekehrt aufgenommen.

Hubert
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#16
Hallo!

Ich möchte übrigens einigen Beiträgen hier beipflichten. Gute Wiedergabe auf gewarteter Maschine möglichst mit der richtigen Entzerrung (nicht immer einfach zu bestimmen) ist natürlich Pflicht . Eine möglichst hohe Samplingfrequenz mit 24bit auch, denn dann arbeiten die Tools etwas präziser, später rechnet man das dann runter. So mache ich es jedenfalls.

Es schwer zu sagen ob eine RX Essentials Version ausreicht oder nicht. Es gibt aber die Möglichkeit einer Testversion. Je nach Anwendungsfall kommen unterschiedliche Plugins in Frage.
Ein Exciter ist in RX nicht enthalten (aber in Ozon, deren Mastering Software), allerdings gibt es verschiedene Repair Assistenten die z.B. Hochtonanteile hervorheben, etc. Ich könnte es auch mal an einem Beispiel von Dir wagen.

Viele Grüße
Linus
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#17
Sind diese Aufnahmen tatsächlich nicht zu bekommen, so daß sich dieser Aufwand lohnt?
Sind das Live-Mitschnitte oder um welche Raritäten handelt es sich dabei?
Viele Grüße
Jörg
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#18
Mit dem alten Cool Edit, inzwischen als Adobe Audition auf dem Markt, lässt sich vom Rauschen auf umbespielten Bandabschnitten ein „Fingerbadruck“ nehmen, den man anschließend aus der Gesamtaufnahme rausrechnen lassen kann. Das funktioniert, je nach Einstellung, mal mehr, mal weniger gut.
Ansonsten möglichst hochauflösend digitalisieren: 24/32 Bit, 96 kHz oder höher. Denn je mehr Daten vorhanden sind, desto besser funktioniert das Entrauschen.
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#19
Ja Hubert, Linus hat da eine gute Idee: stell doch mal ein "Schnipsel" von deiner Audio-Datei hier rein wo wir uns dann dran abreagieren können. Das Beste Ergebnis kannst du dann beurteilen....

Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Technics RS AZ7; Mirano Echo Chamber T-4;
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#20
Hallo Linus,
Vielen Dank für dein Angebot. Vielleicht komme ich darauf zurück.
Ich werde mir wohl zunächst eine Testversion besorgen und dann mal schauen ob sich der Klang so entwickeln lässt wie ich mir das vorgestellt habe.

Zum Thema Aufnehmen: mehr als 24 Bit und 192kHz ist doch bei der Kombination Audacity und Steinberg UR22 nicht möglich. Meine Flacs zeigt mein alter Yamaha N30 immer mit 24 Bit an.
Es sind ja keine Masterbänder von Alan Parsons, da dürfte Audacity/Steinberg reichen. Oder womit digitalisiert Ihr?

Mir geht es halt darum, die Bänder von meinem Vater und meinem Onkel zu erhalten, ggf. Verluste an Klangqualität etwas auszugleichen und das ganze für meinen Sohn zu bewahren. Einer muss sich ja später mit meinem Plunder auseinandersetzen.

Die Frage, ob er sich nicht um die Digitalisierung kümmern könne, erscheint berechtigt. Aber ich will (erstmal) vermeiden, dass die Rattles und Lords zu Rap-Klängen umgemodelt werden.

MP3 „Verwöhnt“ ist er jedenfalls vom räumlichen 60er Jahre Klang schwer begeistert und so soll das auch bleiben.

Danke für Euer Mitdenken, das bringt mich weiter
Hubert
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#21
(29.10.2025, 14:40)hubert schrieb: Ich möchte die alten Aufnahmen nur etwas lebhafter machen. 
Vielleicht ist das VST Plugin Fresh Air genau das, was du suchst.
Kostenlos und einfach.
https://www.youtube.com/watch?v=SfsVQphyI-E&t=55s
Gruß Lois
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#22
Gibt es erste Erfahrungen über die möglichen Resultate bei einer Bearbeitung durch KI?

Martin
"Früher war mehr Lametta!"
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#23
Hallo,

ein paar Erkenntnisse/Erfahrungen von mir (kein Tontechniker; nur Hobbyist):

Das Abspielgerät und Bänder sollten möglichst top sein. Zumindest Köpfe/Führungen gründlich reinigen. Das Band ebenfalls über ein Tuch vorab durchlaufen lassen.

Der PC sollte über geeignete Eingänge verfügen. Ich benutze ein TASCAM US 1x2HR. Kein Mikro-Eingang nehmen, auch wenn er geregelt ist.

Als Bearbeitungsprogramme stehen mir MAGIX Audio Cleaning Lab 2016 und STEINBERG Wave Lab Elements zur Verfügung. Sie können beide in Echtzeit arbeiten. Man kann also live Bearbeitungsschritte mithören. Außerdem können Bearbeitungen schnell rückgängig gemacht werden. Das ist sehr praktisch.

Sie sollten über:
- Peakmeter
- Spektroscop
- Vektorskop
- Spectrogramm
verfügen. 

Damit kann man auch gleich das Ausgangsmaterial begutachten und sich die daraus ergebenen Grenzen festlegen. Wenn die Frequenz der Musik nur maximal 12kHz beträgt, wird man nach einer Bearbeitung mit meinen Programmen nicht audiophile Aufnahmen mit 21kHz erwarten können.

Trotzdem kann es sich gut anhören. Die älteren Tonbandgeräte gingen ja auch nicht so hoch - klangen jedoch hervorragend.
Ich versuche die Bearbeitung so hinzubekommen, dass beim fertigen Material Tonblenden der Abspieler mittig stehen.

Alle Limiter sollten ausgeschaltet sein.
Presets/Plugins sind immer "brutal" eingestellt, damit man deren Wirkung gleich deutlich erkennen kann. Ich gehe immer "vom Minimum in Richtung Maximum vor. Weniger ist mehr.

Man muss sich von der Vorstellung trennen, dass eine Bearbeitung von Tonmaterial schnell und mit ein paar Klicks beendet ist.

Beim überspielen keinen Ehrgeiz auf maximale Aussteuerung legen. Maximale Signalstärke von -10dB reicht völlig aus.
Alle eventuell vorhandene Klangfilter ausschalten. Reines Stereo. Alle Mixer im PC auf 50%
Falls am TB Klangregler den Ausgang beeinflussen: Mittelstellung
Beim Aufnahmeprogramm am PC: Pausenerkennung ausschalten. 

Das Band beim überspielen in einem Zuge durchlaufen lassen. Auch eine möglichst lange repräsentative Pause aufnehmen (kein zerknittertes Vorspannband aufnehmen)

Damit liegt die Datei schon mal im WAVE-Format auf dem PC. Die Datei komplett in WAVE sichern. Bei mir nenne ich sie xyz_Master.wave. ;-)

Mit einer Kopie weiter arbeiten. Das geht meiner Meinung nach mit guten Kopfhörern am besten.

Grundrauschen versuchen zu entfernen. Das kann unterschiedlich benannt werden. Bei mir gibt es zum Beispiel "Tonbandrauschen entfernen", "DeNoiser", "DeHisser"
Wie oben beschrieben vorgehen.
Kontrolle geht gut über die Pausenzeiten. Dabei unbedingt beachten, dass die Titel nicht "flach" werden. Kompromiss zwischen Höhe - Tiefen - Restrauschen eingehen.

Bei Schallplattenaufnahmen können nun Klicks und Knistern entfernt werden. Das kann automatisch oder auch per Hand gemacht werden. Bei Steinberg besteht die Möglichkeit den Zeitraum eines Klicks mit einem vom Programm errechneten "Inhalt zur umliegenden Musik" zu füllen. Bei meiner Version geht das nur per Hand. Der Aufwand ist groß. Ich mache es deshalb nur bei den wenigen deutlichen Aufsetzklicks.
Man bekommt nicht alles entfernt, weil das Tonmaterial dann auch nicht mehr gut klingt.

Titel per Hand trennen, benennen und unnötige Pausen entfernen, sowie Einzeltitel in Wave abspeichern.
Bis hier wird an der Amplitude des Signals nichts verändert. 

Nun können die einzelnen Titel bearbeitet, gemastert, werden.

Man sollte Plugins meiden, die fertige Sounds versprechen (großer Saal, Party-Sound, HiFi-Sound)
Weiter kommt man mit parametrischen EQ's (Bass - Mitten - Höhen leicht anheben)
Dynamik erhöhen
Stereo erweitern
MP3 auffrischen

Wichtig ist immer schrittweise vorzugehen, nichts zu überspitzen oder mehrere Plugins gleichzeitig zu benutzen. 
Zwischenspeichern mit fortlaufenden Namen.
Dabei keinesfalls übersteuern, Limiter helfen nicht - sie schneiden ab.

Verblüffend ist ein Freefilter: Man kann zum Beispiel eine CD des Künstlers einlesen und dem Freefilter sagen: Mach meine Vorlage wie die CD. Aber auch hier kann kein Programm eine schlechte Vorlage zu einer top CD umwandeln. 

Beim Mastering kann man sich austoben, man muss viel probieren, viel rückgängig machen und es ist bei fast jedem Titel anders.
Aber es ist keine Wissenschaft. Jedoch braucht man Übung.

Der letzte Schritt wäre dann:
Titel neu zusammen stellen, Überblendungen realisieren, gehörrichtig aussteuern. Speichern mit dem gewünschten Format. CD brennen.

Man kann sicherlich noch viel mehr darüber schreiben. Jeder geht auch anders an die Sache ran. Ich versuchte nur zu schildern wie ich das hier mache.

Viele Grüße von der Ostseeküste:    Erhard
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#24
Faszinierend, welche Mühe ihr euch da macht.
Weil es mich tatsächlich interessiert, frage ich nun zum dritten (aber auch letzten Mal):
um welche seltenen Aufnahmen, die man sonst scheinbar nicht bekommt, handelt es sich denn?
Viele Grüße
Jörg
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#25
Jörg um Deine Frage kurz aus meiner Sicht zu beantworten:
Ich mache das alles auch nur mit Unikaten, wenn die Aufnahme noch zu Wünschen Anlass gibt, was zumeist mit den suboptimalen, Amateurmöglichkeiten, räumlichkeiten Bedingungen und mangelhaften Kenntnissen zusammen hängt. Ich spreche da natürlich  von meinen eigenen Aufnahmen.
Ein Restaurieren im Sinne des Wortes ist das zwar nicht,
kann aber zu einer hörbaren Verbesserung führen. Sehr Hilfreich sind die digitalen Hilfsmittel zur Restaurierung von Sprach/Wortdokumentationen.
Dagegen bleiben bei mir Industrieprodukte oder Rundfunkmitschnitte von diesen "Machenschaften" unberührt.

V.G.
Jo
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#26
(29.10.2025, 15:36)Baruse schrieb: Sind diese Aufnahmen tatsächlich nicht zu bekommen, so daß sich dieser Aufwand lohnt?
Sind das Live-Mitschnitte oder um welche Raritäten handelt es sich dabei?

Hallo Jörg,

Vermutlich wäre es in der Tat einfacher die Musikstücke per Shazam zu identifizieren und sie von anderen Quellen herunterzuladen, aber darum geht's wohl nicht...
Es gibt Dinge, die sind komplett unvernünftig, aber die Herausforderung reizt einen aber trotzdem.  Wink
Im Prinzip zählt ja das ganze Tonbandhobby dazu.


Gruß, Jan
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#27
(30.10.2025, 10:23)janbunke schrieb:
(29.10.2025, 15:36)Baruse schrieb: Sind diese Aufnahmen tatsächlich nicht zu bekommen, so daß sich dieser Aufwand lohnt?
Sind das Live-Mitschnitte oder um welche Raritäten handelt es sich dabei?

Hallo Jörg,

Vermutlich wäre es in der Tat einfacher die Musikstücke per Shazam zu identifizieren und sie von anderen Quellen herunterzuladen, aber darum geht's wohl nicht...
Es gibt Dinge, die sind komplett unvernünftig, aber die Herausforderung reizt einen aber trotzdem.  Wink
Im Prinzip zählt ja das ganze Tonbandhobby dazu.


Gruß, Jan

Meine letzten Versuche in der Art waren allesamt unbefriedigend und extrem zeitraubend, deshalb meine Frage.
Ist allerdings auch schon ein paar Jährchen her.

Mir geht es eigentlich immer um die Musik, daher gehe ich an der Stelle den einfacheren Weg.
Technische Herausforderungen hab ich eh schon genug Big Grin
Viele Grüße
Jörg
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#28
Die Magix Dinger sind über die Jahre immer besser geworden. Ich habe noch eine 10 Jahre alte Restaurationssoftware, die z.B. einen exzellenten "De-Clicker" für Schallplattenaufnahmen hat. Da konnte Steinbergs "Clean" wahrlich nicht mehr mithalten.

Nervig ist nur, dass Magix bei jedem Start eine Netzverbindung haben will, um die Software zu prüfen, obwohl man sie mit Code ja schon installiert hatte.
___________________________________________________
Servo-Sound Mixer 2002 + 2003, SP 70, 4 x SL 20, 2 x SL 60/D
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#29
Ich versuche hier nicht seltene Tonbandaufnahmen zu digitalisieren, sondern aus kostenfreien allen möglichen digitalen Quellen (Internet) Livemitschnitte auf's Band zu bringen.
Also genau umgekehrt. Die Bearbeitung ist ja gleich.
Aus den Bereichen Rock/Pop/Blues

Tja, Sinn oder Unsinn......   das wird von jedem bestimmt anders beantwortet werden.

Die Titel, die es letztendlich auf's Band geschafft haben, kann man so nicht kaufen.
Life wird immer anders gespielt.
Darin liegt für mich der Reiz.

Grüße:    Erhard
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#30
(30.10.2025, 11:11)RalfR schrieb: Die Magix Dinger sind über die Jahre immer besser geworden. Ich habe noch eine 10 Jahre alte Restaurationssoftware, die z.B. einen exzellenten "De-Clicker" für Schallplattenaufnahmen hat. Da konnte Steinbergs "Clean" wahrlich nicht mehr mithalten.

Ich kann das nicht werten, man sucht sich halt immer das am besten Geeignete Plugin heraus.

Nervig ist nur, dass Magix bei jedem Start eine Netzverbindung haben will, um die Software zu prüfen, obwohl man sie mit Code ja schon installiert hatte.

Bei mir passiert das wohl im Hintergrund? Ich brauche mich nicht anmelden oder Ähnliches.
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#31
(30.10.2025, 11:41)zinker schrieb: Bei mir passiert das wohl im Hintergrund? Ich brauche mich nicht anmelden oder Ähnliches.

Nein, anmelden muss ich mich auch nicht, kommt eben (bei mir) immer ein Fenster, dass die Software auf Originalität überprüft wird.
___________________________________________________
Servo-Sound Mixer 2002 + 2003, SP 70, 4 x SL 20, 2 x SL 60/D
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#32
(30.10.2025, 11:04)Baruse schrieb:
(30.10.2025, 10:23)janbunke schrieb:
(29.10.2025, 15:36)Baruse schrieb: Sind diese Aufnahmen tatsächlich nicht zu bekommen, so daß sich dieser Aufwand lohnt?
Sind das Live-Mitschnitte oder um welche Raritäten handelt es sich dabei?

Hallo Jörg,

Vermutlich wäre es in der Tat einfacher die Musikstücke per Shazam zu identifizieren und sie von anderen Quellen herunterzuladen, aber darum geht's wohl nicht...
Es gibt Dinge, die sind komplett unvernünftig, aber die Herausforderung reizt einen aber trotzdem.  Wink
Im Prinzip zählt ja das ganze Tonbandhobby dazu.


Gruß, Jan

Meine letzten Versuche in der Art waren allesamt unbefriedigend und extrem zeitraubend, deshalb meine Frage.
Ist allerdings auch schon ein paar Jährchen her.

Mir geht es eigentlich immer um die Musik, daher gehe ich an der Stelle den einfacheren Weg.
Technische Herausforderungen hab ich eh schon genug  Big Grin

Stimmt, es ist anfänglich wirklich extrem zeitaufwändig um alles kennen zu lernen und auszuprobieren.
Im laufe der Zeit kommt dann die Routine und es fängt an Spaß zu machen.
Manche Tracks sind auch unbrauchbar. Da muss man sie loslassen können.
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#33
(30.10.2025, 08:56)Baruse schrieb: um welche seltenen Aufnahmen, die man sonst scheinbar nicht bekommt, handelt es sich denn?

Ich zum Beispiel habe eine Aufnahme, die mein Vater 1936 von seinem Vater gemacht hat, auf einer selbstgebauten Schneidemaschine. Dieses Unikum ist mit den Jahrzehnten stark degeneriert (Rauschen, Knacksen, Klangverfärbungen sowieso).
Nichts Weltbewegendes, aber für mich ein wichtiges Stück Familienerbe, zumal ich so ziemlich der letzte bin, der aus seine Ursprungsfamilie noch lebt.
Grüße
Peter


_____________________

Ich bin, wie ich bin.
Die einen kennen mich, die anderen können mich.
(Konrad Adenauer)
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#34
Ich habe gerade gehört dass "Fresh Air" wohl eine "tüchtige" Rauschfahne mitbringt und keineswegs an einen Exiter heran reicht.
Da das Teil aber kostenlos ist kann steht einem Versuch nichts im Weg.

Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Technics RS AZ7; Mirano Echo Chamber T-4;
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#35
Moin,

ich nutze das Fresh Air VST - in der nur wenig angepassten Werkseinstellung "Mix Polish" - in der Ableton Live Masterspur als letztes Glied in der Kette. Alle sonstigen Master-Effekte ("Raum") sind davor, direkt davor der Limiter, ist halt alles digital ... Dahinter kommen nur noch "Messgeräte".

Die entsprechenden Aufnahmen sind Proberaummitschnitte (m)eines Trios aus dr, b, guit. Insbesondere alles Blech des Schlagzeugs, und hier besonders die HiHat, profitiert ordentlich, aber auch der Rest macht süchtig. Das Plektrum der Gitarre und das Holz des (bundlosen) Basses haben es auch gerne: Weder ich noch meine Bandkollegen wollen es wieder abschalten bzw. aus der Kette nehmen. Auch in einer Final Virus Produktion - hier allerdings mit anderem Patch und in einer Einzelspur - wurde es schon eingesetzt.

Man hört es besonders - deutlich eigentlich nur - im direkten Vergleich, ansonsten ist es durchaus dezent. Ich mag es und kann keine wahrnehmbare oder gar störende Rauschfahne feststellen.

Martin
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