RR 517. Drum lese dies mein Freund und wisse...
#1
Tabak löst sich nicht in Pi**e.

So stand es geschrieben auf einer Wand vor einem Pinkelbecken eines weniger feinen Lokals, Hinweis des Wirtes oder des Toilettenreinigungspersonals. Bäh! Irgendwann in den frühen 80ern.
War aber zu Raucherszeiten so, dass die Kippen immer ins Pinkelbecken geworfen wurden. Nur die Filter schwabberten dann noch vor sich hin und warteten, vom nächsten Müssenden weggestrahlt zu werden.

Wie kommt er darauf?
Nun, durch einen Kauf.
Welchen Kauf?
Philips Radiorecorder RR 517 von 1972.
Hatte ich als Bastelknabe mal von meinem Onkel geerbt, kaputtgefummelt, er war sauer deswegen gewesen.
Nun ist der Onkel hochbetagt von uns gegangen und ich habe in Erinnerungen gekramt, stimmt, er hatte diesen Radiorecorder gehabt, wo man die Tasten für Cassette nach hinten drücken musste. Und es stand auf der Skala für die 3 Wellenbereiche FM, PO und OC. Hatte mich damals immer gefragt, was das wohl bedeuten würde.
Nahgeforscht, aha, der 517 war es. Angel in der Bucht ausgeworfen...Ih! Fündig geworden. Was ist das denn?
"Nun lese dies mein Freund und wisse..." schoss mir durch den Kopf, einfach so. Ein Tabakklotz, Ernte 27 mindestens und Jagdglück Fehlfarben Zigarren, 40 Jahre lang volle Dröhnung in Oppas Kämmerlein.
Aber: Billig und auf den ersten Blick komplett (sogar die Antenne noch heil), allerdings unten vermackelt.
Her damit, irgendwo müssten auf dem Speicher noch gute Teile des vermurksten 517 von damals liegen, aus 2 mach 1.
   

   

   

   

Mist, das Hintertürchen fehlt, vielleicht hab ich es noch. Wäre aber auch nicht ganz so schlimm, wenn nicht.

   

Der 517 soll eher nur zu Forschungszwecken dienen, nicht zum Schönfinden.

Er stinkt! Wir hatten mal einen Deutschlehrer mit Vollbart, 70er Jahre, Lederkutte, Pfeifenraucher. Wenn der in die Nähe kam zu Diktat besehen und korrigieren, tauchte genau dieser Geruch auf, puuh! Cordhose, fettige lange Haare und Hornbrille obendrein.
Na gut, Stecker rein...
spielt! Krachende Potis natürlich, aber er spielt (Radioteil), klar und deutlich. Sehr schön.
Cassettentaste "Wiedergabe". Nix. Kein Schnurren, kein Bewegen. Hatte ich auch nicht erwartet.

Gerät geöffnet (vergessen Fotos zu machen, kommt noch ggf.) Der unvermeidliche Philipsgummiriemenschleim.
Dreht der Motor? Nein. Rolle völlig von Lakritze eingelullt. Bisschen geprokelt....schnurr! Aha, geht.
Cassette rein und etwas von Hand am Schwungrad gedreht..."Muauum" oder so ähnlich, heißt, er würde spielen, wenn er einen Riemen hätte.
Auf die Klebe habe ich aber heute keine Lust mehr, daher: Fortsetzung folgt
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#2
Wieder mal ganz allerliebst, Peter....außer dem an Masochismus grenzenden Hardcore-Gilb... Tongue
Was hat es denn mit PO und OC auf sich? MW und LW auf Eindhovener Niederländisch?
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#3
In einer Berliner Kneipe hing folgendes Schild auf der Herrentoilette:
Bitte werft die Kippen auf den Boden, die Putzfrau ist billiger wie der Klempner
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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#4
Ich habe gespickt, es sind französische Bezeichnungen:

PO = Ondes moyennes= Mittelwelle

OC = Ondes courts = Kurzwelle.

GO gibt es noch für Grandes Ondes longues, also wohl Langwelle.

VBA  gibt es auch noch, das ist die Abkürzung für Vieille boîte malodorante, jedenfalls laut Übersetzungsprogramm.
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#5
(07.03.2025, 19:55)PSMS schrieb: Philips Radiorecorder RR 517 von 1972.
[...]
Mist, das Hintertürchen fehlt, vielleicht hab ich es noch. Wäre aber auch nicht ganz so schlimm, wenn nicht.
[...]
Der 517 soll eher nur zu Forschungszwecken dienen, nicht zum Schönfinden.
Moin,
sollte das Hintertürchen bei Dir nicht mehr auftauchen gib mal die Abmessungen durch.
Ich habe jüngst eine Handvoll dieser Philips-Kisten aussortiert und entsorgt, aber i.d.R. die Knöpfe, Deckel und Antennen zurückbehalten.
Viele Grüße, Bernd
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#6
Ein wirklich netterzu lesender Beitrag über das Nikotingilbchen - Danke dafür. Bin gespannt auf die Fortsetzung!
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#7
(07.03.2025, 20:47)PSMS schrieb: ....

GO gibt es noch für Grandes Ondes longues, also wohl Langwelle.

...

Verdammt, jetzt habe ich "Das Leben des Brian" im Kopf...Purche !  Big Grin Big Grin
SCNR


Netter Bericht zu dem Gerät !
Freundliche Grüße
Jens
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#8
hast du da etwa "Schwanzus Longus" und "wirf den Purchen zu Poden" im Hinterkopf?

Einer der genialsten Monty Python Filme.
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#9
So isses !
Big Grin
"chleudert den Purchen zu Poden!"

Ich glaube, ich krame heute Abend 'mal die Video2000-Cassette ausm Archiv...
Freundliche Grüße
Jens
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#10
....wird bestimmt noch lustiger.....
M.f.G.
justus



 Onkyo TX8050; TA2760; Philips N4520;  2x Grundig TS1000; TK19;24;27 ; 2x Pioneer RL1011L; Telefunken M3000;  M3002L;  Uher 4000 Report L; Report 4400; Report Monitor 4200;  Tesla B41; Mikro Seiki DQ44; Heco Victa 601 

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#11
Wenn der Videorecorder beim Abspielen Zicken machen sollte, darfst Du ihn als Viderporst bezeichnen.

Martin
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#12
Eiei, da isse ja...
   

Film ab...läuft  Big Grin
   

So, nun aber genug OT...
Freundliche Grüße
Jens
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#13
Schaut, so kann doch ein hässliches, stinkendes Entlein ein wenig Freude verbreiten.

Ich werde das Ding reparieren und dann 100x draufsprechen: "Du sollst nicht chtinken!"

Das Türchen-Angebot ist super, werde gern ggf. darauf zukommen.

Eigentlich müsste ich aber zuerst den Opa vom 517 reparieren, den habe ich schon länger in der Warteschleife:

   

Dann geht es schon wieder los, der jüngere Bruder hat auch Probleme:

   

Und der ältere größere jüngere Bruder auch:

   

Da verphilipst man sich wieder gleich, mal sehen, ob ich Zeit habe.
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#14
"Always look on the bright side of life !"

And now for something completely different...
Freundliche Grüße
Jens
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#15
Moin,

also diese Philipse stehen noch bei mir herum und warten auf den Prinzen der sie wachküsst  Big Grin
Wer sich ihrer annehmen möchte darf sich gerne melden ?

   

   

   

   

   
Viele Grüße, Bernd
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#16
Es geht weiter.

Aber: NIE WIEDER repariere ich einen 517. So ein verbauter Mist! Andere Philipsrecorder, nehmen wir beispielsweise den RR 522, die alte Plastikkrücke, lassen sich eleganter warten. Beim 517 hängt alles zusammen wie Katzendreck.
Dieses Exemplar riecht auch noch nach Zoo und Verderbnis.
Jetzt weiß ich auch, warum ich als Knabe den Kasten zwar zerpflückt hatte, aber nicht wieder zusammengesetzt.
Konnte ich damals wohl noch nicht. Wohl aber, den ganzen Klump in einen Karton zu packen und auf dem Speicher zu versenken. Normalerweise müsste er dort in der Grenzschicht Bastelperm-Basteltrias zu finden sein. Ich werde in Bälde nachsehen, komme die Tage erst zum Außenlager.

Jetzt die Bilderchen:
Rückwand ab: Klar, die Batterien waren mal ausgelaufen gewesen. Schaden wäre aber behebbar, wenn man das wollen würde. Ich mag aber nicht wollen würden, auch nicht mal wollen.

   

Ei, ein Transistor. Immerhin ein recht dicker, auf extra Kühlblech. Ohne seinen Komplementärkumpel allerdings.

   

Die vordere Maske abzunehmen ist ein widerlicher Pfriemelkram, es hakt überall hie und da, kleine Drähtchen spannen
da und dort, vooorsichtig. Unter dem Elend sieht es gar nicht so übel aus, dass die Andruckrolle ebenfalls dem Lakritztod entgegensieht, war auf den ersten Blick nicht zu sehen. Jetzt ist eine neue drin. Die anderen Laufringe sind alle noch ok, erstaunlich.

   

Der unvermeidliche Riemenschleim, da haben wir ihn

   

   

   

Immer gut, noch ein Flascherl Original Philipsgummiriemenschleim-Teufel aufgehoben gehabt zu haben:

   

Fleißig geputzt, ich hatte mir mit Absicht für so einen Mist Zeit genommen, um etwas Stressabbau betreiben zu können, insofern hat sich das ganze Projekt gelohnt. Ich muss jetzt in der Bucht keinen Stress mehr machen, um einen zu fischen, weil ich weiß, dass er schei** ist. Ich muss das so deutlich sagen. Natürlich gibt es Geräte aus der Spätzeit der Radiorecorder, die noch viel schei**er sind als der alte 517, der eigentlich wohl doch zu seiner Zeit bestimmt auch ganz ok war.
Neue Riemen rein, Tonköpfe und Laufwerk gereinigt, Motor gesinterlagerölt und ab.

   

   

Tatsächlich, er funktioniert. Radio, Cassette, Aufnahme und Wiedergabe.
Sehr erfreulich. Die Teerkruste bekommt man nicht wirklich ab, ich lass es so.
Wie gesahgt, er sollte nur der Erkenntnis dienen. Hat er.
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#17
Gut gemacht. 
In der Lehre hab ich sowas im Service auch repariert.
Ich hab meinen 22RR482 vom Konfirmationsgeld 1970 gekauft auch noch.
Einen 22RR522 hab ich auch noch.

Gruß Mani
Besonders gerne repariere ich meine Philips, Braun, Akai und TEAC Geräte Big Grin
Keine Hilfe bei fehlender Rückmeldung
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#18
Ein toller Bericht, mit vielen interessanten Einblicken. Vielen Dank dafür, Peter!

Für alle die kein "Flascherl Original Philipsgummiriemenschleim-Teufel" in der Werkstatt haben, hier mein ultimativer Tipp zum Reinigen von Riemen-Pampe:

"Bref Power gegen Fett und Eingebranntes". Das löst ganz hervorragend jegliche Art von Riemenresten. 


Wichtig ist, das Ihr nicht das Bref gegen Kalk nehmt, außer Ihr wollt Euch mal im Bad nützlich machen  Big Grin
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#19
Vielleicht kann ich noch etwas zum Verständnis der französischen Bezeichnungen für Wellenbereiche beitragen.

In den Anfangstagen des Rundfunks, also vor etwa 100 Jahren, nutzte man für den öffentlichen Rundfunk zwei Wellenbereiche,

- den Bereich 2000 bis 1000 m, also 150 bis 300 kHz; etwa das, was wir heute Langwelle nennen und im Französischen als Grandes Ondes (GO), große Wellen, bezeichnet wurde,

- den Bereich 600 bis 200 m, also 500 bis 1500 kHz; etwa das, was wir heute Mittelwelle nennen und im Französischen als Petites Ondes (PO), kleine Wellen, bezeichnet wurde.

Der Bereich dazwischen war für andere Dienste reserviert.

Hier der Wellenbereichsschalter eines Philips-Empfängers Typ 2514 von 1929, bei dem die kleinen Wellen überlappend in zwei Teilbereiche aufgespalten sind.

   

   

Die Kurzwelle hielt man damals noch für Fernmeldezwecke uninteressant. Man wußte noch nichts von der Existenz einer Raumwelle, nutzte nur die Bodenwelle, die mit abnehmender Wellenlänge an Bedeutung verliert. Die Kurzwellen überließ man den Funkamateuren in der Ansicht, da könnten sie keinen Schaden anrichten. Es waren dann die Amateure, die die Existenz einer Raumwelle und deren Bedeutung für Fernverbindungen entdeckten.

Danach (in den dreißiger Jahren) wurden diese kurzen Wellen auch für andere Dienste, wie z. B. öffentlichen Rundfunk, genutzt und im Französischen als Ondes Courtes (OC) bezeichnet.

So, genug der Klugscheißerei, zurück zum Thema.  Wink

Gruß
TSF
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#20
Ist aber sehr interessant!
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#21
Hallo Peter,
ich hatte Dir zum fehlenden Deckel und zum 722 eine PN geschrieben, ist die angekommen?
Viele Grüße, Bernd
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