TB 63 Elektro-Akustik Leipzig
#1
Bug 
Ein freundliches Hallo an alle Tonbandfreunde,
ich habe eine TB 63 mit einem von mir bisher nicht lösbaren Problem. Wenn die Maschine (Maschine läuft sonst eigentlich fehlerfrei) aus der laufenden Wiedergabe gestoppt wird, gibt es ab und zu einen internen Kurzschluß und die 230 V Sicherung in der Stromzufuhr fliegt raus. An den Schaltkontakten des betroffenen Relais - 2. von Rechts im Foto "TB 63 HSF Studio" ( bin mir aber nicht sicher, habe das gerade nicht vor mir liegen) ist im Fehlerfall ein starker Funke und es sind schon Perlen vom Verschweißen vorhanden. Ich hatte als Ursache gedacht, die Kontakte würden hängen und nicht rechtzeitig öffnen. Ich habe daher die unbenutzen Kontakte vom Relais Z dort ("Relaiskontakte TB 63") eingebaut, aber der Funke bleibt.
Was auffällig ist, der Wickelmotor VM ist sehr leichtgängig. Drehe ich dessen Achse per Hand kräftig an, so dreht er viel länger nach, als es der baugleiche Rückwickelmotor 1090.3 und auch der Tonwellenmotor 1090.2 macht.
Hat jemand die Schaltung für mich, vor allem weil in der vom Radiomuseum stammenden die Kondensatoren und Widerstände meines Relaiseinschubs fehlen. Bei meinem TB 63 brennt nämlich auch noch immer einer der 12 100 Ohm Widerstande durch, den einen durchgeschlagenen 100 nF / 1 kV Kondensatoren habe ich schon ersetzt. Das passiert aber beim Umspulen.
Ich freue mich auf Eure Hilfe,
Rando


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#2
Bremst die Maschine mit Gleichstrom? Wenn ja, dann passt vielleicht das Timing zwischen abschalten der Wechselspannung und aufschalten der Gleichspannung nicht.....
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#3
Wenn schon einer der 110nF Kondonsatoren einen Fehler hatte, dann empfehle ich die alle zu tauschen. Vielleicht zündet da ein anderer auch schon sporadisch durch...
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#4
Ja, die bremst mit Gleichstrom. Wie das genau geschaltet wird, da blicke ich noch nicht durch.
Mit den Kondensatoren, das würde ich schon machen, aber ich würde gern wissen, was diese Reihenschaltung eigentlich machen soll. Wie gesagt, die ist im Schaltplan garnicht drin.
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#5
Diese Schaltung schützt die Kontakte vor Abrissfunken. Wenn der Kondensator nen Kurzen hat, dann überdrückt der Widerstand dauerhaft den Kontakt. Wenn Kondensator oder Widerstand durch sind, dann wird der Kontakt nicht mehr geschützt....
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#6
Also werde ich die Kondensatoren und Widerstände besorgen und austauschen.
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#7
Die schwarze Vergussmasse der KOWEG Kondensatoren wird mit den Jahren brüchig und luftdurchlässig.
Damit reduziert sich der Isolationswiderstand der Kondensatorwickel und durch die eingedrungene Luftfeuchtigkeit schlagen die Kondensatorbeläge durch.
Am sichersten ist es, die Funkenlöschkondensatoren durch X2 Typen zu ersetzen solange nicht klar ist, welche direkt an der Netzspannung liegen. Ansonsten Folienkondensatoren mit mindestens 630V Isolationsspannung einsetzen.
Die Widerstände können bleiben solange sie nicht thermisch beschädigt sind.

Gruß Jan
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#8
Der Einschätzung von Jan ist nichts hinzuzufügen.
Sowohl er, als auch ich haben die Erfahrung der defekten KOWEG- Kondis an unseren R29 bei genau diesen Kondensatoren machen "dürfen". Bei meiner Maschine waren dem Vorbesitzer dadurch mehrere Widerstände abgebrannt.
Die KOWEG sind normale Papierkondensatoren. Zwar haben sie keine schwarze Vergussmasse mehr (das wäre nämlich Teer) sondern eine braune Kunstharz- Vergussmasse, aber diese wird trotzdem rissig, brüchig und Luftdurchlässig im Laufe der Jahrzehnte.

Das Isolierpapier ist hygroskopisch, somit genügt die Luftfeuchtigkeit um die Isolierung im Laufe der Jahre irreversibel zu beschädigen.  
Fazit: ALLE ungesehen austauschen !

Grüße, Rainer
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#9
...vielleicht etwas off Topic, aber hier gibt es ein paar Bilder aus der "Heimat" der KOWEG- Kondensatoren:

http://edi.bplaced.net/?Edi%60s_Specials...itz-_KOWEG

Grüße, Rainer
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#10
Nette Impressionen!
Solche Hintergrundinfos bekommt man leider viel zu selten zu Gesicht. Danke dafür.

V.G
Jo
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#11
Über das TB63 gibt es relativ wenig Unterlagen.
Im Radiomuseum hatte ich vor einigen Jahren nur einen Stromlaufplan gefunden.
Leider scheinen kaum weitere Unterlagen überlebt zu haben, eine komplette Serviceanleitung wäre gut.

@MatthiasB und Rainer (GDR22): ihr hatte in einem älteren Thread geäussert dass ihr noch weitere Unterlagen hättet, könnt ihr mal bitte nachschauen?

@Soundman111: Dein TB63 ist ja in einer Truhe eingebaut, kannst du hier bitte mal die Einschübe und vielleicht ein Gesamtbild der Anlage posten? Wäre interessant...

Gruß Jan
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#12
Ich habe leider auch nur den Schaltplan vom TB63 aus dem Netz.
Verstärker und Oszi waren bei meiner Maschine ja nicht dabei, nur das nackte LW TB56d.
Viele Grüße,

Matthias
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#13
(12.02.2025, 17:03)Ferrograph schrieb: @MatthiasB und Rainer (GDR22): ihr hatte in einem älteren Thread geäussert dass ihr noch weitere Unterlagen hättet, könnt ihr mal bitte nachschauen?

Gruß Jan

Hallo Jan,

meine TB63 hatte ich vor ca. 4 Jahren verkauft, leider viel zu billig. Die war in der kompletten Metalltruhe mit allen Einschüben. Heute ärgere ich mich etwas...

Nichtsdestotrotz sollten die Unterlagen noch vorhanden sein. Ich sehe am kommenden Wochenende nach. Bilder der kompletten Maschine habe ich auch noch irgendwo, auf dem alten Handy. Die könnte ich morgen einstellen. In jedem Fall war die Truhe mit 2x AV81, 2x WV81 und 1x GM80 bestückt, das weiß ich noch genau. Also die gleiche Bestückung wie bei meiner R29.

Ob das immer so war, oder- wie in meinem Fall- der Herkunft geschuldet ist (Theater), darüber kann man nur spekulieren...

Grüße, Rainer
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#14
Hallo Rainer,

danke fürs Nachschauen.
Wenn du fündig wirst wäre es gut falls du hier Scans oder gut ausgeleuchtete/aufgelöste Bilder der Laufwerksunterlagen und der Truhenverkabelung einstellen könntest... Zu den Verstärkern gibt es ja mittlerweile genug Quellen im Internet.

Gruß Jan
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#15
Thumbs Up 
Ich habe es geschafft, es funktioniert! Es sind tatsächlich fast alle Kondensatoren hinüber gewesen, die Vergussmasse war teilweise sichtlich rissig. Mit dem Multimeter gemessen waren sie aber von mir als in Ordnung eingestuft worden. Das die Luftfeuchte dann unter Spannung quasi einen Schluss ergibt, hätte ich nicht gedacht.
Also habe ich alle Widerstände und Kondensatoren vom Relaieinschub erneuert. Es sind Funkentstörkondensatoren 0,47 µF MKP X2 für 275V Wechselspannung und wegen der Belastbarkeit aus vier 100 Ω 1/2 W gebildete 100 Ω 2 W von mir verbaut worden. Gekauft habe ich diese sehr preiswert bei Pollin.

    ;    

Hier ein Einblick in das Studio:
           

Vielen Dank für die kompetente Hilfe.
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#16
Hallo,

freut mich, daß Du das Problem mit der Maschine lösen konntest.
Kannst Du vielleicht noch ein paar Hintergrundinformationen zu diesem ausnehmend schönen Studio liefern ? Originale 60er Jahre Einrichtung, würde ich sagen.

Weißt Du, was das für ein Plattenspieler ist ? Mechlabor oder REMA ?

Radio HSF, wenn ich das auf dem Bild über dem Regiefenster richtig gesehen habe. Ihr habt doch noch einen modernen Komplex, wenn ich die richtige WEB- Seite gefunden habe... ;-)
Hochschule Illmenau ?

Grüße, Rainer
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#17
Schickes altes Studio!
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#18
Ich fühle mich in die 60er zurück versetzt. Großartig.
Die TB63 ist auf Stereo umgebaut?

Gruß Jan

PS. Gerade erst auf dem Bandkarton gesehen, die Gruppe KREIS vor dem neueröffneten Rundkino auf der Prager Straße in Dresden. Das waren noch Zeiten....
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#19
Ist der Stationsplattenspieler von Sander&Jantzen???

Martin
"Früher war mehr Lametta!"
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#20
Das sieht vom Arm her aus wie ein Thurow T146.
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#21
Klasse! Kann man mehr über das 60er Jahre Studio erfahren? Gern mit mehr Bildern!
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2x Telefunken M12B / Philips Pro 12
[b]Uher Report IC 4200 / Monitor 4200[/b]
Revox B77 MK2 2-Spur / Revox A77 MK3 Umbau zu "ORF" Version, HS, 2-Spur
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#22
Es ist das mit dem Bau der Mensa ab etwa 1962 bis 1964 entstandene Betriebsfunkstudio der Fachschule für Chemie in Köthen. Mit der Gründung des FDJ-Studentenclubs entstand als eine Arbeitsgemeinschaft im Studentenclub auch der Hochschulfunk, der die Beschallungsaufgaben innerhalb der Hochschule und zu Festlichkeiten für die Stadt Köthen übernahm. So war u.a. eine oder mehrere (?) 100V Außentonsäule(n) auf dem Marktplatz der Stadt angeschlossen, hauptsächlich konnten sämtliche Lehrgebäude und Wohnheime beschallt werden. Es war auch eine direkte Alarmsprechstelle vom Rektor aufgeschaltet, links im Mischpult integriert sind die Signalleuchtfelder für diese Funktion.
Ich versuche seit einiger Zeit das Studio technisch funktionstüchtig zu halten und hoffe, dass es so eher über die Zeit kommt und zukünftig nicht doch noch von Unsensiblen abgerissen wird. Aber aktuell sieht hier kein Verantwortlicher irgend einen Sinn darin, ein Technikmuseum zu haben bzw. zu erhalten.
Mir wurde Ende der Achtziger gesagt, es sei die gleiche Ausstattung eingebaut worden, wie es der Sender Leipzig zu dieser Zeit in den Sechzigern hatte. Es sind (aus jetziger Sicht leider) über die Zeit einige Modernisierungen erfolgt. Das Studio ist als Zweiprogramm ausgelegt, es ist konsequent in Doppelmono gebaut. Die Bandmaschinen sind Vollspur und original. Es stehen neben der T63 noch zwei MTL 38-1 in Metalltruhe im Vorraum, leider nicht angeschlossen aber eigentlich funktionstüchtig.
Der Plattenspieler ist ein Sander und Janzen, ja der Tonarm ist wohl eine Modernisierung. Der Plattenspieler wird sicher auch noch Thema.
Aber für mich eine große Überraschung (naja, ich wusste schon das da noch eine Maschine steht), im Technikkeller fand ich eine TB56. Stark äußerlich verstaubt, aber 30 oder mehr Jahre unberührt. Was sollte man tun, um die (sicher und schonend) wieder in Betrieb zu nehmen?


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#23
Gratuliere zu diesem weiteren Fund...

Nunja, den Kondensatoren im Relaisblock muss natürlich das gleiche Schicksal wie in der anderen Maschine zuteil werden, also wechseln.

Die Motoren haben sicher ausgetrocknete Depot Filze, diese müssen mit Öl getränkt werden. Die Motoren haben Gleitlager und Gleitlager mögen es nicht, wenn sie trocken laufen müssen. Also schmieren. Hast Du dazu Unterlagen mit Ölplan ? Ansonsten kann ich Dir den Ölplan einer anderen Maschine zukommen lassen, es ist im Prinzip dasselbe.
Ölen gilt natürlich auch für alle anderen beweglichen Teile, also Hebel und Umlenkrollen. Aber das geht auch noch etwas später.

Die Netzteil- Elkos würde ich nicht sofort auf Verdacht wechseln, wenn die Druck- Sicherung nicht gekommen ist (der Gummistöpsel an der Elko Oberseite also noch ok ist). Lieber erst formieren und dazu erst mal feststellen, ob das möglich / nötig ist.
Nicht gleich einschalten ! Statt dessen eine Vorschaltlampe (Klassische 100W Glühlampe) in Reihe zum Netzanschluss schalten. ACHTUNG !! Das Netzteil hat einen Spartrafo, vor dem Einschalten UNBEDINGT auf die richtige Polarität (Phasenrichtigkeit) achten und die Maschine erst dann (!!) einschalten. 

Die Glühlampe muss aufleuchten und sollte dann langsam verlöschen. Wenn das so ist, formieren sich die Elkos wieder allein durch den Betrieb.

Bleibt die Lampe an, müssen sie direkt formiert (oder gewechselt) werden.

Dann natürlich die Gummiteile (Andruckrolle) reinigen. Der Tonwellenmotor sollte ja ein Direktantriebsmotor sein.

Mehr bleibt für eine erste Inbetriebnahme eigentlich nicht zu tun, das Laufwerk an sich ist ja robust wie alle aus dieser Ära...

Grüße, Rainer
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#24
Ja, vielen Dank Rainer für die Beschreibung des Vorgehens!
Das mit dem Formieren der Elkos kenne ich von alten Röhrenradios her. Der Tipp mit der 100 W Lampe ist sehr hilfreich. Bei den Radios habe ich das mit einem Stelltrafo bei entfernten Röhren (nicht die Gleichrichterröhre) schon gemacht. Ölplan brauche ich wohl nicht unbedingt, aber das mal durchzuschauen und damit zu wissen wäre hilfreich. Es sind ja 3 bauartähnliche Motoren, im Unterschied zu den Motoren der TB 63 (Bild in #1) ist bei den Älteren da solch eine Verdickung mit Röhrchen am Stehlager dran. Ich habe im Technikkeller auch solche Motoren für den Sander und Janzen Plattenspieler gefunden oder wozu die auch immer gehör(t)en. Muss aber am TB 56 mal schauen.

--> Wie verhält es sich mit dem Wiedergabe-(WE60) und Aufnahmeverstärker(AE60) unten in der Truhe? Zuerst rausziehen und erstmal nur das Laufwerk und Einschubnetzteil (GM 60) an der Lampe? Wenn die Funkenlöschkondensatoren erneuert sind und das Einschubnetzteil ok ist, dann erst wieder einstecken und mit der Vorschaltlampe in Betrieb nehmen? So würde ich es machen wollen. Smile
VG Rando
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#25
(07.05.2025, 14:05)Soundman111 schrieb: Zuerst rausziehen und erstmal nur das Laufwerk und Einschubnetzteil (GM 60) an der Lampe? Wenn die Funkenlöschkondensatoren erneuert sind und das Einschubnetzteil ok ist, dann erst wieder einstecken und mit der Vorschaltlampe in Betrieb nehmen? So würde ich es machen wollen. Smile
VG Rando

Ja, so würde ich das auch machen. Zuerst mal das Laufwerk wieder in Betrieb nehmen. Dann erst an die Verstärker denken. 
Das sind ja Röhrenverstärker, dort würde ich dann auch in jedem Fall die Koppelkondensatoren unbesehen gegen Folienkondensatoren austauschen. Wer schon mal gesehen hat, wie ein Anodenblech glühen kann weil das Koppel C durch war, der macht das prophylaktisch...
Das sollte auch mit eine der ersten Maßnahmen sein. Der Test mit der Vorschaltlampe zeigt nämlich nur, ob die Elkos im Netzteil der Verstärker ok sind. Defekte Koppel C´s erkennst Du damit nicht.

Grüße, Rainer
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