Varispeed (für 50Hz Pabst aussenlaufer ob ähnliche)
#1
Ich hatte mich schon oft gefragt, wie man die Drehzahl eines gewöhnlichen 220V 50Hz (Capstan)motors variieren kann.

Ich dachte, dass man dazu oft einfach einen PA-Verstärker und einen Tongenerator (und vielleicht einen Anpasstransformator) verwendet, aber ich frage mich, ob es einen effizienteren Weg gibt.

Also habe ich mir folgendes ausgedacht: ein einfacher Tongenerator, 25-200 Hz, Phasenumkehrer, Treiber mit 2 EF80s, und (am wichtigsten), eine Ausgangsstufe mit zwei PD500 (schwere Trioden) ob ähnliche, die zwei Wicklungen des Motors anstelle eines normalen Ausgangsübertragers verwenden. Die dritte Wicklung liegt zwischen den beiden Anoden (mit Koppelkondensatoren).

[Bild: 54295417745_78d90d9f3f.jpg]
Vielleicht gibt es gute Gründe, warum dies noch nicht existiert (meines Wissens), aber ich frage mich, was Ihre Meinung dazu ist.

(Sollte dies brauchbar sein, könnte ich es in meinem 4-Kanal-Röhren-Frankenrevox verwenden).
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#2
Die PD500 ist eine Hochspannungs-Ballastriode aus der Röhren-FarbTV-Ära. Für diesen Zweck ungeeignet da nicht hinreichend belastbar. Einfacher ist der Umbau einer alten Computer-USV oder aber ein 100V-ELA-Verstärker (bei Bedarf mit 110auf 220V Zwischenübertrager anpassen). Dann brauchst Du auch keine Koppelkondensatoren. Viele der alten Außenläufer gehen auf 110 V. Verstärker nicht übersteuern, bei verzerrtem Sinus verlieren diese Motoren rapide an Drehmoment. Ferner muß bei stark abweichenden Frequenzen der Anlaufkondensator angepaßt werden, da sonst ebenfalls das Drehmoment nachläßt bzw. der Motor nicht mehr anläuft.

Martin
"Früher war mehr Lametta!"
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#3
Bei diesem Aufwand kann man auch gleich einen passenden FU für kleine Lasten verwenden, der macht aus einem Einphasennetz die benötigten drei Phasen und man benötigt auch keinen Phasenschieber- Betriebskondensator. Für die benötigte Drehzahleinstellung wäre dann ebenfalls bereits alles enthalten.

Sollte es natürlich unbedingt Röhrentechnik sein müssen, dann würde ich eine NF- Endstufenschaltung entsprechender Leistung bauen und den Motor in üblicher Schaltung mit Betriebskondensator an einem Ausgangstrafo mit an den Motor angepasster Sekundärwicklung betreiben, so daß die Anodengleichstrombelastung (Leistunsschwächung) für den Motor entfällt.
Die Anodenspannung könnte somit ohne Rücksicht auf die Motorspannung entsprechend hoch gewählt werden, um die erforderliche Leistung zu erzielen.   
Capstanmotoren benötigen gwöhnlich keine allzu hohe Leistung, in der Regel höchstens bis zu 10W.

Bernd
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#4
(29.01.2025, 17:26)mincom schrieb: Die PD500 ist eine Hochspannungs-Ballastriode aus der Röhren-FarbTV-Ära. Für diesen Zweck ungeeignet da nicht hinreichend belastbar. 
Ich dachte an den PD500 wegen seiner Anodenleistung von etwa 30 W (eine EL34 zum Beispiel liegt bei 25 W). Außerdem habe ich ein oder zwei solcher Röhren herumliegen, und ich möchte diese sonst vernachlässigten TV-Röhren so oft wie möglich verwenden.

Aber in der Tat, spricht das Datenblatt von 1,6 mA bei 25 kV, also ist es vielleicht keine gute Idee.

Ich habe zwar einen brauchbaren ELA-Verstärker herumliegen (ein vollröhren Dynacord je 100W), aber ich habe mich gefragt, ob ich mit dieser Idee selbst etwas machen könnte.
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#5
"Ich habe zwar einen brauchbaren ELA-Verstärker herumliegen (ein vollröhren Dynacord je 100W), aber ich habe mich gefragt, ob ich mit dieser Idee selbst etwas machen könnte."

Um damit zu experimentieren ist der Verstärker sicher geeignet, man könnte z.B.versuchsweise eine neue Sekundärwicklung aufbringen, welche die richtige Spannung für den angedachten Motor erzeugt.

Ein EL34 Verstärker arbeitet meistens mit einer Anodenspannung von ~ 800V oder mehr, damit würde ich die Motorwicklung nicht beaufschlagen wollen.
Deshalb also der Übertrager zur Spannungstrennung.

Bernd
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#6
(29.01.2025, 18:18)capstan schrieb: Ein EL34 Verstärker arbeitet meistens mit einer Anodenspannung von ~ 800V oder mehr, damit würde ich die Motorwicklung nicht beaufschlagen wollen.
Deshalb also der Übertrager zur Spannungstrennung.

Bernd

Hallo Bernd,

800V Anodenspannung sind der Grenzwert für die EL34 im Class B Betrieb, wo auch Verzerrungen bis 10% zugelassen sind. Im "Normalbetrieb" werden EL34 mit 300 bis 400 V Anodenspannung in Class AB betrieben, da sind dann auch die Verzerrungen kleiner.

MfG, Tobias
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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#7
An der TFK Reibrad-M10 wurde studiotechnisch seinerzeit ein "Röhren-Umrichter" benutzt. Bin nicht sicher ob ich die Rundfunkbezeichnung recht erinnere, müßte R91 oder R92 gewesen sein.

Ansonsten gebe ich meinem Vorredner aus Post #3 Recht, dass ein  3-phasiger Transistorumrichter unproblematischer sein kann, vorausgesetzt, der zu treibende Capstanmotor ist ein echter "Drehströmer", d.h. alle drei Phasen haben gleiche Induktivitäten/Wicklungszahlen/Innenwiderstände. Bei echten Kondensatormotoren ist dies aber oftmals leider nicht der Fall. Man sollte in diesen Fällen den Motor vorher ausmessen.

Will man einen ollen Röhren-Dynacord verwenden, geht das nur mit neuen und nicht-ausgemergelten Endröhren. Bei meinen eigenen Experimenten verwendete ich einen Transistor-Klein&Hummel 120e. Je nach Motor (obgleich die Last nur einer Motorleistung von lediglich 10-20 Watt entsprach) kam der trotzdem beim Anlauf oft an seine Grenzen. Grund: der angeschaltete Motor stellt eine komplexe und dank des Anlaufkondensators eine reaktive Last mit lausigem Wirkungsgrad dar, besonders bei Hysterese-Synchronmotoren a la RdL usw. Man kann einen Dynacord Gigant (200W, Röhre) oder einen Transistor-Dynacord LV200 da besser nehmen (Faustregel: Verstärkerleistung Faktor 10 größer als Motorleistung). Die Dynacords sind unterhalb 50Hz meist nicht ausreichend dimensioniert (Trafo-Eisenquerschnitt zwar ausreichend, aber Tiefenbegrenzung in der Steuerschaltung). Es sind etliche Versuche nötig, um es zum Rennen zu bringen; macht aber Spaß.

An meiner nicht mehr existierenden M10 hatte ich zeitweise in den 1990er Jahren mit einer Computer-USV sehr gute Ergebnisse erzielt; war eine Sinus-USV, diskret aufgebaut und die Frequenz mit Poti einstellbar (techn. Stand wohl um 1995). Es hängt hier vom Schaltungsentwurf ab, ob das mit neueren USV so einfach noch geht. Ist halt ein Experimentierfeld!

Martin
"Früher war mehr Lametta!"
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#8
Frequenzumrichter= Oberwellengenerator...
Das kann auch den Motor ärgern, wenn der irgendetwas Stromverdrängendes in sich hat....
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