Instandhaltung: Revox B77 MKII + AKAI GX-635D
#3
Lieber Jochen,

deine Symptome sprechen zunächst einmal für ein schmierendes Tonband des Revox- (also Scotch-) Typs, das mit der Entstehungszeit deiner B77 MKII fast notwendigerweise korreliert....
Also:

Verwendest du ein Revox-Band?
Bewertest du das zähe Anlaufen des "Motors" anhand der Bewegung des Bandes?
Quietscht das Band beim Vorbeilauf an den Köpfen?
Ist ggflls. an den Bandführungen und Tonköpfen eine bräunliche Masse abgelagert?

Wenn das Band zu reißen droht, kann es mit der Kraft der Motoren ja nicht allzuschlecht bestellt sein. Deine Befürchtung ist ürbigens keineswegs abwegig. Die B77 reißt schmierend-klebende Bänder gerne ab.
Mechanik gibt es in den Amateurbandgeräten von Willi Studer aber praktisch nicht (abgesehen von der T26, das aber liegt schon etwas zurück), sieht man von den Bandzugsensoren der A700 ab. Die Lager aller drei Motoren sind hochwertig und überdimensioniert; da kommt eigentlich nach 'so kurzer' Zeit nichts daher.

Besorge dir ein anderes Band (notfalls leihweise), das nicht von Revox stammt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach Reinigung von Bandführungen und Tonköpfen die o. g. Beschwerden in Wohlgefallen auflösen, ist sehr hoch. Wenn dies zutrifft, ist dein Band ein Fall für die Tonne. (Die Spule kann man ja gerne aufheben und weiterhin sinnvoller Verwendung zuführen....)

Bandführungen und Tonköpfe dürfen aber nur mit Q-Tips und Alkohol verarztet werden, alle anderen Werkzeuge, namentlich solche aus metallischen Werkstoffen, sind tabu!!

Nach langer Ruhezeit empfiehlt sich die Einmessung auf ein aktuell erhältliches, neues Band; davon aber gibt es nicht mehr allzuviel. Denn die 'EMTEC-Erben' in Holland basteln immer noch, von den Freunden aus York, Pennsylvania (die wollten ja eigentlich auch ...) habe wohl nicht nur ich nichts gehört, lediglich Quantegy scheint nach dem Aufschlag um den vergangenen Jahreswechsel wieder in die Gänge gekommen zu sein.

Bedenke bitte auch, dass dir ein Gerät gegenübersteht, das möglicherweise älter ist als du, denn auf rund 25 Jahre taxiere ich das Alter deiner B77. Da kann es in der nächsten Zeit durchaus zur Verabschiedung einzelner Kondensatoren kommen, die jetzt wegen der 'fortschrittlichen Fertigungsmthoden' der späten 1970er und der 1980er in die Jahre geraten. Gerade bei einer B77 im halbwegs ordentlichen Zustand lohnt aber das Herholen nach solch geringen Problemen noch viele Jahre. Sicher länger, als es noch Bänder geben wird. Mit einer B77 steht in deinem Zimmer aber ein kulturgeschichtliches Symbol der Medientechnik, denn einen ähnlichen Wurf in der Geschichte des analogen Magnetbandgerätes wird man so schnell kein zweites Mal finden.

Und ein wenig Nachdenklichkeit stünde unserem 'konsumgeilen', mitunter maßlosen Zeitalter sicher nicht schlecht an. Wenn das anhand eines solchen Geräts geschieht, kann sogar nachdenken Freude machen ....

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von Jochen - 25.10.2005, 22:01
[Kein Betreff] - von timo - 25.10.2005, 22:10
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 26.10.2005, 02:40
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[Kein Betreff] - von SoundBoss - 30.11.2005, 08:56

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