Digitalisierung von Musik-Kassetten
#1
Hallo in die Runde,

ich möchte mich kurz vorstellen und diese Vorstellung dann auch gleich mit einer Frage verbinden.

Mein Name ist Fredi, ich lebe (schon sehr lange) in München und beschäftige mich in meiner Freizeit (die seit einigen Monaten nicht mehr durch Arbeitszeiten unterbrochen wird) mit Musik. Dies sowohl aktiv (wie man meinen NickName deuten darf) als auch passiv, zweiteres als audiophiler Hörer. Bandmaschinen und Kassettengeräte habe ich zwar schon seit geraumer Zeit nicht mehr im Einsatz, jedoch hat meine audiophile Leidenschaft mit Uher (Report) und Revox (A77) in den 70er Jahren begonnen. Ich bin dann jedoch bald auf Vinyl umgestiegen und habe die Bandmaschinen verkauft. Vinyl-Equipment habe ich nach wie vor (Transrotor Fat Bob), jedoch auch CD-/SACD-Quelle (Accuphase DP-700) und seit einigen Jahren nutze ich Download und selbst hin und wieder Streaming (beides via Qobuz) als Quelle. Meine Musikschwerpunkte sind (sowohl aktiv als auch passiv) im Bereich des Jazz, hierin bei BigBand, ModernJazz, und Bebop zu umreißen. Forums-technisch fühle ich mich seit vielen Jahren hier --> https://www.aktives-hoeren.de/ wohl, wenngleich ich mittlerweile mein aktives Abhörquipment (aktive LS) teilweise durch passive LS ersetzt habe. Soviel vielleicht als ersten Input - weitergehende Fragen beantworte ich sehr gerne.

Nun zu meiner Frage. Ich habe diese zunächst bei den "aktiven Hörern" gestellt und bekam dort diverses Feedback, das beste Feedback war jedoch der Hinweis mich mit meinem Anliegen an Euch hier zu wenden. Bei diesem Anliegen geht es um folgendes:

Ein guter Freund von mir (Berufsmusiker) verfügt über einige Aufnahmen auf Musik-Kassetten, die er während seiner Zeit in den USA (Anfang der 80er Jahre) zusammen mit Eddie Gomez, Randy Brecker, Bob Berg ua. eingespielt hat. Aus der - sicherlich berechtigten - Befürchtung heraus, daß diese Aufnahmen aufgrund des alternden Bandmaterials bald nicht mehr nutzbar sind, würde er diese gerne hochwertig digitalisieren lassen.
Es handelt sich dabei um 13 Kassetten folgenden Typs:

2 x BASF Chrome Super II - 90
1 x DENON HD8 II - 90
1 x DENON HD6 - 100
1 x TDK D90
3 x TDK SA90
1 x TDK SA-X90
1 x SONY HF90
1 x MAXELL XLII - 90
1 x MAXELL UR - 90
1 x JOWA undefined
Ob, und wenn ja, welche Rauschunterdrückungssysteme während der Aufnahme seinerzeit angewandt wurden, ist leider nicht mehr bekannt.

Da ich selbst weder über ein Kassetten-Deck, noch über entsprechendes Aufnahme-Equipment verfüge wäre nun meine Frage an Euch, wie würdet Ihr in solch einer Situation agieren, bzw. an wen könnte ich mich in diesem Fall wenden?

Im Voraus vielen Dank für Euer Feedback.
Schöne Grüße
Fredi
-=iii=<
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#2
Guten Abend Fredie,

wenn es nur um die 1:1 Digitalkopie der Musik-Kassetten geht, rate ich Euch dies selbst durchzuführen, dazu bedarf es m.E. kein exotisches Equipment und erfordert auch keine Spezialkenntnisse.
Anders verhält sich die Sache, wenn so etwas wie eine Restaurierung od. Remastering für eine komerzielle Verwendung der Aufnahmen gewünscht wird, kann man an eine Auftragsvergabe an einen Seiösen Dienstleister denken.

V.G.
Jo
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#3
(22.12.2024, 20:49)Tonschreiber schrieb: wenn es nur um die 1:1 Digitalkopie der Musik-Kassetten geht, rate ich Euch dies selbst durchzuführen

Hallo Jo,

Fredi hat laut obigem Beitrag kein Kassettendeck. Extra dafür eins anzuschaffen, wäre wohl unangemessen.

Wenn man mit Google nach "Digitalisierung Musikcassetten" sucht, erhält man u,A. folgende beide Treffer:

Mediadig
Medienrettung

Ich habe keine Erfahrung, also ist das nicht als Empfehlung zu verstehen.

Gruß,
Timo
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#4
aus eigener Erfahrung: Hexerei ist das keine, wobei man aber ein Kassettendeck mit möglichst konstantem Gleichlauf und möglichst vielen Rauschdämpfungssystemen (also entweder Dolby B, C und dbx oder Dolby B, C und S) zur Hand haben sollte, und einen hochwertigen Digitalrecorder. Bei letzterem muß es nicht unbedingt ein auch gebraucht teurer Sony PCM-Veteran (D50 oder gar D100) sein, sondern es genügt auch ein älteres Modell wie ein Tascam HD-P2 (kann bis 192 kHz), der deutlich günstiger zu bekommen ist. Ich digitalisiere damit Kassetten, Tonbänder und auch live vom Hifi-Tuner mitgeschnittene Radiosendungen.

Man muß halt ausrechnen, ob sich eine solche Anschaffung auszahlt, oder ein kommerzieller Anbieter günstiger kommt. Als Dateiformat sollte aber auf jeden Fall WAV mit z. B. 88,2 kHz und 24 Bit verwendet werden, das man dann selbst nachbearbeiten kann, und niemals mp3.
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#5
Bei kommerziellen Anbietern würde ich aber unbedingt vorher sicherstellen, dass dort mit gewarteten, vernünftigen Cassettendecks gearbeitet wird und auch bspw. der Aziumuth (Tonkopfstellung) an die Cassetten angepasst wird.
Ansonsten findet sich vielleicht auch hier im Forum der ein oder andere Kollege, der das für die paar Cassetten und gegen entsprechende Gegenleistung übernehmen mann...
Viele Grüße
Alex

We Sold our Souls to Rock 'N' Roll!
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#6
Eigentlich braucht man nicht mehr als einen Rechner mit analogem Line-in zum Digitalisieren. CD-Standard (16 bit/44,1 kHz) schaffen die heute alle, und das reicht auch völlig für das aus einer Cassettenaufnahme wiedergebbare Signal aus. Gut, wenn man die Aufnahmen danach noch mehr weiterbearbeiten möchte, als sie digital zu schneiden und ein-/auszublenden, dann kann man auf 24 bit und 88,2 oder 96 kHz gehen - ist aber in den meisten Fällen von Cassettenaufnahmen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Den viel größeren Flaschenhals stellt das abspielende Cassettendeck dar. Das sollte, wie schon geschrieben, vor allem einen tadellosen Gleichlauf haben. Rauschunterdrückungssysteme sehe ich nicht als so großes Hindernis - Dolby B und C decken 98 % der rauschunterdrückten Cassettenaufnahmen ab. Für solche Sachen wie High Com oder DBX sind die erwähnten Cassetten zu neu :-) (ok, bei den drei TDK weiß man es nicht wirklich.) Ob eine Aufnahme mit oder ohne Dolby gemacht wurde, findet man sehr schnell heraus: Dolby B einschalten. Sind deutliche Pumpeffekte zu hören, Dolby wieder ausschalten, und alles ist gut. Etwas diffiziler ist die Unterscheidung zwischen Dolby B und C, das braucht Übung. Zudem sind die Dolby-C-Schaltkreise verschiedener Hersteller nicht hundertprozentig miteinander kompatibel, so daß es trotzdem zu merkwürdigem Klang (Pumpen und gleichzeitig überspitzte Höhen) kommen kann, obwohl Dolby C sowohl bei Aufnahme als auch Wiedergabe eingeschaltet ist. In dem Fall lieber mit Dolby B abspielen, das klingt dann zwar etwas höhenbetont, aber nicht unnatürlich, und läßt sich nachher besser wieder ausgleichen, wenn überhaupt nötig.

Dann kommt noch die Sache mit dem Azimut. Wenn der am Aufnahmegerät nicht ganz korrekt eingestellt war, dann klingt es bei Wiedergabe auf einem korrekt eingestellten Deck mehr oder weniger zu dumpf. Sollte das der Fall sein, kann man sich entweder jemanden mit Nakamichi Dragon suchen, der das automatisch nachregelt (wobei: Kanonen, Spatzen...), oder aber ein einfacheres Abspieldeck zum Digitalisieren verwenden, bei dem man mal eben den Tonkopf per Gehör einstellt.

Abschließend noch zur Beruhigung: Die genannten Cassettensorten sind alle langzeitstabil, die wirst Du auch in 20 Jahren noch ohne weitere Verluste abspielen können. Einzig die beiden BASF werden mit ihren Chromdioxidbändern bereits Pegelverluste erlitten haben. Das ist aber auch keine Katastrophe, nur falls just diese mit Dolby aufgenommen wurden, muß man etwas tiefer in die Trickkiste greifen. Schlechter als sie schon sind werden vorhandene Aufnahmen darauf aber nicht mehr. Ach, und die Jowa-Cassette kenne ich nicht, die ist also auch noch für Überraschungen gut.

Viele Grüße,
Martin
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#7
Ernst Schröder, der Entwickler von High-Com, hat auf seiner Seite einige Software-Encoder Programme, die kann man ganz gut verwenden.

Edith fügt noch den Link hinzu.
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#8
(22.12.2024, 20:56)timo schrieb:
(22.12.2024, 20:49)Tonschreiber schrieb: wenn es nur um die 1:1 Digitalkopie der Musik-Kassetten geht, rate ich Euch dies selbst durchzuführen

Hallo Jo,

Fredi hat laut obigem Beitrag kein Kassettendeck. Extra dafür eins anzuschaffen, wäre wohl unangemessen.

Wenn man mit Google nach "Digitalisierung Musikcassetten" sucht, erhält man u,A. folgende beide Treffer:

Mediadig
Medienrettung

Ich habe keine Erfahrung, also ist das nicht als Empfehlung zu verstehen.

Gruß,
Timo
Pardon, bin ggf. fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Fredis Musiker-Freund im Besitz eines K.-Decks ist, auch der Gedanke die für ihn einmaligen Kassetten irgendwo hinzugeben würde mir nicht im Traum einfallen.

V.G.
Jo
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#9
Ich wüsste jemand, der in München arbeitet und "amtliches" Equipment hat. Leider ist er die nächsten Jahre mit der Digitalisierung eines grob 25.000 Kassetten umfassenden Archives beschäftigt und sein Interesse gilt Rundfunkmitschnitten "mit allem" (also nicht öde Musikschnipsel vom Radio mit rausgeschnittener Moderation), so dass ich bereits hier eine Absage erteilen kann: dafür hat er weder Zeit noch Lust.

Das ist schade, da man dort wirklich optimale Qualität bekäme. So kann ich nur ein paar bescheidene Hinweise aus meiner Erfahrung beisteuern.

(22.12.2024, 20:49)Tonschreiber schrieb: wenn es nur um die 1:1 Digitalkopie der Musik-Kassetten geht, rate ich Euch dies selbst durchzuführen, dazu bedarf es m.E. kein exotisches Equipment

So leicht würde ich das nicht angehen, wenn es tatsächlich Aufnahmen dieses Ranges sind.

Man braucht schon ein halbwegs gutes Kassettendeck, das bitteschön auch noch elektrisch und mechanisch sauber funktionieren sollte. Dazu ein Aufnahmegerät mit angemessen hoher Qualität. Für letzteres bietet sich aus meiner Sicht ein guter einfacher PCM-Recorder an. Das muss nicht das allerneueste sein, abes er sollte über den Line-Eingang mit manueller Aufnahmeaussteuerung (idealerweise mit noch nicht kratzendem mechanischem Poti statt mit elektronischer Einstellung) in PCM ("WAV") mit 44,1 kHz / 16 Bit oder 48 kHz / 16 Bit in hoher Qualität aufnehmen können. Sowas tut z.B. ein Olympus LS-11 von 2009 schon sehr gut:

https://www.amazona.de/test-olympus-ls-11/

Solange man nicht während der Aufnahme an der Miniklinke fummelt oder am Rändelrad der Aussteuerung dreht, gelingen damit sehr gute Aufnahmen über den Line-Eingang. Das Tapedeck kommt da direkt ran - und man muss hoffen, dass der Ausgangspegel des Decks bei diesen Aufnahmen hoch genug ist, um eine ordentliche Aussteuerung / ein Ausreizen des A/D-Wandlers hizubekommen.

Man braucht diesen Recorder, ein Kabel 2 Cinch auf 3,5er Stereoklinke und zwei AA-Batterien. Dann im Menü auf PCM 44,1 kHz / 16 Bit (CD-Format) oder 48 kHz / 16 Bit (wenn man im Broadcastbereich weiter machen will mit den Aufnahmen) einstellen und los gehts. Am Ende die Aufnahmen via USB vom Gerät auf den Rechner ziehen, duplizieren / sichern, dann wenn das Gerät ausgeborgt ist auf dem Gerät löschen und überschreiben mit z.B. einem mehrfach draufkopierten WAV- File mit weißem Rauschen - bis der Speicher voll ist. Das dann wieder löschen. Damit die nächsten, die das Gerät nutzen, nicht auch noch Freude an den Aufnahmen haben (die man sonst evtl. wiederherstellen könnte, wenn sie nur via Gerätefunktion "gelöscht" sind).

24 Bit sind auch möglich, aber aus meiner Sicht einem Kassetten-Digitalisierungsprojekt nicht angemessen, es sei denn, jemand kommt mit Reineisenbändern und dbx-Rauschunterdrückung daher. Vor dem Brennen einer Audio-CD müsste man dann sowieso "downgrade"-Versionen erzeugen. Will man die Dateien als solche aufheben und z.B. über Filestreaming spielen, kann man das freilich machen - die Aufnahmen werden dann halt 1,5 mal so groß wie bei 16 Bit.

Was man nie machen darf: Digitalisierung direkt in MP3. Man muss in PCM (WAV) digitalisieren, nur auf dieser Ebene kann man nachbearbeiten / präzise schneiden. Wenn man MP3 braucht, erstellt man die fon den fertig restaurierten Aufnahmen - und hebt die WAV-Originale natürlich auf. Nur die zählen!

Natürlich gehen auch andere Geräte ähnlicher Art, sei es von Tascam oder Sony oder Zoom oder Marantz oder was-auch-immer.

Der Batteriebetrieb ist auch noch von Vorteil: keine Brummschleifen im Zusammenhang mit dem Recorder.

Solche Geräte kann man sich hoffentlich auch mal irgendwo ausborgen. Gibt sogar sowas in München, spontan gefunden, aber das Angebot gilt nur für padagogisch Schaffende und Jugendliche, ist also hier nicht greifend, zeigt aber, dass es prinzipiell sowas gibt:

https://verleih.medienzentrum-muc.de/pro...pus-ls-11/

Das Tapedeck ist schwieriger: es muss mechanisch und elektrisch noch oder wieder in sehr gutem Zustand sein. Und muss man den Wiedergabekopf auf die Azimuteinstellung des damals für die Aufnahmen verwendeten Recorders justieren - was eigentlich nur dann geht, wenn die Köpfe noch nicht verschlissen sind, also keinen "Graben" reingeschliffen bekommen haben vom Band. Sonst bricht bein nun anders als vorher immer justierten Köpfen das Band immer wieder aus diesem Graben aus und läuft wieder in den Graben rein - ständig schwankender Azimut ist die Folge.

Die Azimuteinstellung ist für mich einer der entscheidenden Punkte. Wenn das nicht absolut korrekt (ggf. für jede Kassettenseite erneut) erfolgt, ärgert man sich später sehr, weil dann aller weiterer Aufwand umsonst war.

Problem: wer lässt an seinem Recorder - ob selbst oder im Verleih - den Azimut dejustieren? Da geht es schon los.

Das zweite Problem sind Rauschunterdrückungsverfahren. Dolby, dbx oder HighCom sind pegelabhängig. Kommt beim Abspielen nicht der Pegel vom Band, mit dem die Rauschunterdrückungexakt spiegelbildlich zur einstigen Aufnahme arbeiten kann, bekommt man Pump-Effekte, zu dumpfen oder zu grellen Klang und hat auch keine Freude. Eigentlich muss deshalb auch der Pegel des Kopfverstärkers des Decks eingemessen werden auf die Aufnahmen - und da die Aufnahmen auch nicht unter normgerechten Einstellungen erfolgt sein müssen und die Tapes gealtert sind, geht das nur nach Gehör (!) hinter der Wiedergabe-Rauschunterdrückung. Viel Spaß...

Da wäre es wirklich angenehmer, die Bänder wären ohne Rauschunterdrückung aufgenommen worden. Dann entfällt diese Arbeit komplett.

Es gab Tapedecks von Yamaha, die hatten einen PlayTrim-Einsteller, da konnte man im Wiedergabezweig des Recorders an Frequenzgang und Pegel manipulieren für genau sowas.

Dolby B und Dolby C (so damals schon vorhanden) hat letztlich jedes neuere Gerät gehabt. dbx wäre dann eine härtere Nuss, aber dafür gibt es auch Software (!), mit der man das nachträglich machen kann.

(22.12.2024, 22:45)Kirunavaara schrieb: Eigentlich braucht man nicht mehr als einen Rechner mit analogem Line-in zum Digitalisieren. CD-Standard (16 bit/44,1 kHz) schaffen die heute alle, und das reicht auch völlig für das aus einer Cassettenaufnahme wiedergebbare Signal aus

Ich habe Onboard-Sound erlebt, der massiv Eigenstörungen vom Rechner drauf hatte, Sirren in unterschiedlichen Tonlagen, Brummen, deutlich erhöhtes Rauschen. Auch hat man dann mit dem Rechner (so es kein auf Akku laufendes Laptop ist) eine Chance für eine Brummschleife zusammen mit dem Tapedeck.

An dieser Stelle würde ich ganz klar zum einfachen, aber guten PCM-Recorder raten.

Natürlich gibt es es auch ganz hochwertige PC-Soundkarten - und gab es auch schon vor 20 Jahren. Ist halt Glückssache, was man so vorfindet.

Kommerzielle Digitalisierungsdienste müsste man vorab wirklich testen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Firma, die z.B. Dias mit nem hochwertigen Nikon-Scanner digitalisiert, auch für Musikkassetten (bei den meisten Menschen für Bedudelung und für Erinnerungsaufnahmen an die Kinder in Diktiergerätequalität genutzt) mit etwas vergleichbarem (gut gewartete Tapedecks der Spitzenklasse) aufwarten kann. Und bereit ist, Azimutjustage zu machen. Die dafür gern angebotenen digitalen Restaurierungsverfahren würde ich nur dann mit buchen, wenn ich das unbearbeitete Originalfile ebenfalls bekomme. Sollte nicht das erste mal sein, dass Digitalisierungen anschließend "kaputtrestauriert" wurden und dann zwar nicht mehr rauschen, aber dafür blubbern und gurgeln wie Unterwasser-Sound.

Gefunden habe ich hier in München ein Tonstudio, die wirken so, als würden sie Kassetten nicht nebenbei neben Dias und Negativen mit verarbeiten, sondern eben genau dafür mit Kompetenz und passendem Gerätepark da sein:

https://tonstudio-meifert.de/digitalisierung/

An Studiotechnik (Mikrofone, Wandler, ...) steht da viel amtliches Zeugs in der Liste, bei den Referenzen finden sich auch ARD-Anstalten. Der gezeigte Plattenspieler ist hingegen nur ein einfachr ProJect Debut mit 78 UpM und eben kein EMT 938 / 948 - der würde nicht so fieses Motorbrummen einkoppeln wie der einfache ProJect. Das Kassettengerät wird gar nicht näher benannt. Also anfragen.


Hier die Digitalisierungs-Basics von @DigiAndi, der auch hier im Forum hin und wieder mal anwesend ist:

https://www.digiandi.de/digitalisieren/

https://www.digiandi.de/medien-technik/c...-cassette/
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#10
Obwohl die Vorgänger schon alles wichtige geschrieben haben möchte ich nochmal meinen Senf dazu geben.
Ich würde immer einen separaten Rekorder benutzen. Der ist immer Ausfallsicherer als ein PC und, wie auch schon geschrieben, Batteriebetrieben und daher glavanisch getrennt. Am besten ist gebrauchte Profi Technik. Da es ja ausschließlich um Hochpegelquellen geht würde ich Geräte der Marantz Professional Reihe oder die großen Tascam empfehlen.
Marantz PMD 671 (nicht 670!) oder Tascam DR 100MKII oder MKIII. Was die Kassetten angeht setzt hier das System die Grenzen. Am wichtigsten ist, wie schon geschrieben, die Justage. Die Rauschunterdrückung halte ich für nicht so wichtig da alles was über Dolby B oder maximal C kaum verwendet wurde. Dolby B Aufnahmen kann man auch ohne Decoder abspielen. Klingt auch gut. Ich würde die Digitalisierung ohne Rauschunterdrückung vornehmen da es eine Fehlerquelle ist. Als Kassettengerät würde ich ein gutes Zweikopfgerät, evtl. mit Playtrim empfehlen. Da gibt es viel im bezahlbaren Bereich. Noch!
MfG Matthias
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#11
(23.12.2024, 10:22)delta9 schrieb: Ich würde die Digitalisierung ohne Rauschunterdrückung vornehmen da es eine Fehlerquelle ist.

Da kommt mir diese Idee: die Aufnahmen, wenn es die Zeit hergibt, immer 2 mal digitalisieren. Einmal ohne Rauschunterdrückung und einmal mit der Rauschunterdrückung, die man jeweils identifiziert zu haben glaubt (so das nicht zu ganz üblen Fehlern wegen Pegelfehlanpassung kommen sollte, dann kann man das natürlich gleich bleiben lassen).

Die ohne Rauschunterdrückung digitalisierten Aufnahmen kann man später immer noch vom File aus versuchen, mit einer passenden Rauschunterdrückung zu korrigieren. Dazu gibt es Software, die dann auch erlaubt, die Pegeljustage des Wiedergabeverstärkers nachträglich in der Software anzupassen (geht eh wegen der nicht kalibrierten Digitalisierung nicht anders). Man kann dabei auch weitere Dinge versuchen zu retten, für die man sonst ein (fremdes) Tapedeck öffnen und nen Schraubendreher reinstecken müsste.

http://www.anaxwaves.com/DDiCodec/

Den text drunter zu lesen lohnt sich, der behandelt teilweise genau das, was wir hier abhandeln.

http://www.anaxwaves.com/DxIICodec/

http://www.anaxwaves.com/DxICodec/


Ich habe diese Software nie besessen oder benutzt. DigiAndi nutzt soweit ich mich erinnere die dbx-Version, wenn ihm solche Aufnahmen unterkommen. Die werden dann halt auf dem Studer A721 ohne Dolby abgespielt, mit dem RME-Interface digitalisiert und bekommen dann das dbx-Decoding via

https://www.digiandi.de/medien-technik/c...-cassette/ Software verpasst.
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#12
warum ist ein separater recorder ausfallsicherer als ein pc ?
Das wahre Verbrechen verübt die volkstümliche Musik am Gehörgang der Menschheit.
( Benno Berghammer )
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#13
Es wäre auch interessant zu wissen, auf welchem Recorder die Aufnahmen gemacht wurden. Es muss sich nicht zwingend um Stereo-Aufnahmen handeln, von Musikern wurden ja auch gerne Mehrspur-Revorder, z.B. von Tascam genutzt.
Viele Grüße,
Hans-Volker
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#14
(22.12.2024, 22:45)Kirunavaara schrieb: Eigentlich braucht man nicht mehr als einen Rechner mit analogem Line-in zum Digitalisieren. CD-Standard (16 bit/44,1 kHz) schaffen die heute alle, und das reicht auch völlig für das aus einer Cassettenaufnahme wiedergebbare Signal aus. Gut, wenn man die Aufnahmen danach noch mehr weiterbearbeiten möchte, als sie digital zu schneiden und ein-/auszublenden, dann kann man auf 24 bit und 88,2 oder 96 kHz gehen - ist aber in den meisten Fällen von Cassettenaufnahmen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

44,1 kHz sollte man beim Digitalisieren nicht nutzen. Die meisten Soundkarten können das nicht nativ und interpolieren, was Artefakte erzeugt. Daher besser immer 48 kHz verwenden und wenn es tatsächlich auf eine CD soll, später konvertieren.
Und in Anbetracht dessen, wie viel Aufwand das Ganze ist, sehe ich auch im Hinblick auf die niedrigen Kosten für Speicherplatz keinen Grund, unter 24/96 aufzunehmen. Dabei ist auch zu bedenken, dass eine Kassette zwar oberhalb von 24 kHz keine relevanten Informationen haben wird, aber das Rauschen eben auch über diese Frequenz hinausgeht. 

Von daher immer 24/96. Später kann man dann zu 16/48 konvertieren oder es einfach so lassen - Speicherplatz kostet ja fast nichts.

Ansonsten würde ich das bei der noch überschaubaren Anzahl von Kassetten auf jeden Fall selbst machen. Viele dieser "professionellen" Digitalisier-Dienste sind eben gar nicht so professionell und nutzen irgendwelche Geräte. Gibt natürlich auch welche, die das richtig professionell machen, aber das kostet dann doch einiges.

Gruß
Robert
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#15
Ich weiß nicht recht. Das ist doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Meine Kassetten aus den 80 igern haben jenseits der 10 kHz schon nicht mehr viel zu bieten. Aufgenommen mit einem Telefunken RC 200 auf BASF chromedioxyd. Mag sein, dass da noch ein bisschen mehr bei anderen Kassetten-Fabrikaten zu hören ist, aber viel wird es nicht sein. Das es sinnvoll sein soll Rauschen zu digitalisieren erschließt sich mir nicht, und ich habe auch noch keinen Unterschied zwischen der Originalkassette und der 44/16 Aufnahme feststellen können.
Für den TE scheint das aber ohnehin alles egal zu sein, von ihm kam bisher nichts mehr. Und er kann es nicht selber machen, weil er eben keine Ahnung und kein Equipment hat. Somit kann man ihm nur empfehlen, sich entweder das Equipment zu leihen oder es bei einer Firma machen zu lassen.
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#16
(23.12.2024, 18:27)reginald bull schrieb: warum ist ein separater recorder ausfallsicherer als ein pc ?

Ist meine Erfahrung. Mal geht dies nicht, mal geht das nicht. Ausserdem tut der Recorder nichts anderes und ist dafür konstruiert. Der PC macht immer Multitasking und ist daher "unaufmerksam". Bei den frühen Digitalrecordern kann es Probleme geben wenn Stromausfall ist, das die Datei nicht geschrieben wird. Das ist aber heute auch nicht mehr so das Problem, weil die Technik besser geworden ist und Geräte wie der Tascam DR100 2 Batterien haben und nahtlos umschalten können.
MfG Matthias
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#17
@delta9
habe rund 50 Bänder (20x26,6 30x18) und 50 Cassetten mit PC digitalisiert. Einmal eingerichtet hat das immer gut fkt.. Auch Brummschleifen waren kein Problem (habe aber auch einen RME-ADI-2 angeschlossen über Toslink an eine RME PCI-Karte verwendet). Auch als ich 15 Jahre später 20 Bänder von enem guten Freund digitalisiert habe, funktionierte das Setup gut, auch wenn man schon 2 PC-Generationen weiter war.

Wenn mal was schief ging, war es immer Fehler 40 :-)

Grüße

Frank
A77 MKIV 1/2-Spur, B77 MKII 1/4-Spur, PR99 1/2-Spur CCIR, B710-MKII, AKAI-GX 265D 1/4-Spur-AR
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#18
@TE

ich kann Dir anbieten, mal eine Cassette zu digitalisiseren und auf CD/DVD zu brennen. Mein B750 ist revidiert und kann Dolby B/C. Könnte es also mal ohne, mit Dolby-B und mit Dolby-C machen. Kann halt keine Azimuth-Korrektur vornehmen.

Aber das gibt Dir bzw. Deinem Bekannten ggf. ein Gefühl, was dabei rumkommen kann.

Grüße

Frank
A77 MKIV 1/2-Spur, B77 MKII 1/4-Spur, PR99 1/2-Spur CCIR, B710-MKII, AKAI-GX 265D 1/4-Spur-AR
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#19
Dein Verstärker ist revidiert und kann Dolby B/C
Interessant...!
Viele Grüße
Jörg
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#20
tätää tätää, sollte natürlich B710 heißen, aber mein B750 ist auch revidiert :-)

Frank

Frohes Fest und einen guten Rutsch .....
A77 MKIV 1/2-Spur, B77 MKII 1/4-Spur, PR99 1/2-Spur CCIR, B710-MKII, AKAI-GX 265D 1/4-Spur-AR
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#21
(24.12.2024, 12:07)AKRETA schrieb: .....
Für den TE scheint das aber ohnehin alles egal zu sein, von ihm kam bisher nichts mehr. Und er kann es nicht selber machen, weil er eben keine Ahnung und kein Equipment hat. Somit kann man ihm nur empfehlen, sich entweder das Equipment zu leihen oder es bei einer Firma machen zu lassen.
Naja, die Anfrage war am 22.12.! Ich denke, dass man zur Zeit doch noch einiges mehr um die Ohren hat
und nicht innerhalb von wenigen Weihnachtskugeln antworten kann Big Grin 
Fredie, wie auch schon von Frank angeboten, kann ich Dir gerne auch mal eine "Testcassette" digitalisieren.
Ich würde ein AKAI GX-75 benutzen, der Dolby A, B und HX Pro kann.
Ich habe schon Hörbücher für einen Schiftsteller und ein offizielles (limitiertes) Album für eine Band (von Vinyl)
digitalisiert und alle waren zufrieden!
Vielleicht ist's ja einen Versuch wert!?

Guten Rutsch an alle Smile 
Gruß
Hörbie
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#22
@akreta

Sorry, wenn ich nicht so schnell wie erhofft reagiere. Tatsächlich sitze ich nicht täglich vor meinem PC und gerade in den letzten Tagen war ich viel unterwegs und daher im Netz abstinent. Dies bedeutet allerdings nicht, daß ich mich nicht über die vielen Antworten/Hinweise/Tipps/Anregungen aus Euerem Kreis freue. Das hilft mir wirklich weiter, das Thema zu verstehen. Ich werde mich jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht daran machen, die Digitalisierungsaktion selbst durchzuführen. Zum Einen habe ich dafür wirklich zu wenig Kenntnisse, zum Anderen sehe ich es nicht als sinnvolle Investition an, mir für das Digitalisieren von 13 Kassetten ein wertiges Abspielgerät und das erforderliche Digitalisierungsequipment zu kaufen. Von daher habe ich den Tipp mit dem Münchner Tonstudio als sehr hilfreich empfunden, ebenso die diversen Angebote von Forumsmitgliedern, die Digitalisierung mit ihrem eigenen Equipment durchzuführen - auch hierfür schon mal im Voraus recht herzlichen Dank. Ich denke, es wird sich ein gangbarer Weg finden und selbstverständlich werde ich gerne über den weiteren Fortgang hier berichten.
Viele Grüße
Fredi
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#23
Hi versammelte Fachkompetenz,
ich machs mal kurz und knackig... Big Grin 

Ich könnte den Job machen, habe hier schon verschiedentlich alte Musikbänder von Gruppen mit meiner RS-1506 abgespielt und mit Audatcity über ein entsprechendes Mischpult mit möglichen Eingriffen im Klang Digitalisiert. 
Abspielbar sind (bis 26,5cm Spulendurchmesser) 2 Spur Bänder und 1/4 Spur Bänder in 9,5, 19, und 38 cm/sek.

Cassette ist demnach ebenso möglich, Tapedeck ist vorhanden. Ich kann die Cassette durchlaufen lassen, oder jedes einzelne Lied als Datei separat abspeichern, was Zeitaufwendiger aber möglichg ist.

Digitalisiert wird mit 32 Bit Fließkomma, 44100Hz in 320kb Mp3 oder WAV.


Das wars auch schon... Wink 

Guude
Harry
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#24
Hallo zusammen,

wie Ende Dezember angekündigt, schulde ich Euch noch die Fortsetzung des meinerseits platzierten Digitalisierungsthemas.

Ich habe mich mit Harry ins Benehmen gesetzt und er hat die Digitalisierung der alten MCs freundlicherweise übernommen. Das Ergebnis ist nunmehr auf dem Weg zu meinem Freund - ich bin mir sicher, er wird damit zufrieden sein.

Habt nochmals lieben Dank für Euere freundlichen und hilfreichen Tipps und ganz herzlichen Dank an Harry für den betriebenen Aufwand!!!!!

Schöne Grüße aus München
Fredi
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