Newbie-Frage: Bandmaschine nicht senkrecht aufstellen!?
#19
Und der Historiker kommt um die Ecke....:

Wenn Geräte für den Horizontalbetrieb konzipiert sind, sollte man sie horizontal betreiben, weil die Motorlager unter Umständen den Vertikalbetrieb nicht verdauen. Man weiß das aber erst dann sicher, wenn die Lager aufgrund ungeeigneten senkrechten Betriebes perdu sind.
Es gibt aber auch Sonderfälle, zu denen die G36 gehört, die eindeutig für den Horizontalbetrieb konzipiert war (Lautsprecher, keine Füße auf der Lautsprecherseite, miese Bedienbarkeit der Lautstärkesteller, praktisch nicht ablesbare VU-Meter, Wärmeführung der Kofferversion etc.). Ein Schriftstück der Löffinger aber belehrt einen darüber, dass man zumindest in der späten Serie der zu uns aus den USA und dem damals vom USA-Markt wirtschaftspolitisch vollkommen dominierten Japan herüberschwappenden Mode des Senkrechtbetriebes Rechnung trug und den Vertikalbetrieb als völlig problemlos möglich bezeichnete. Die Maschine war nämlich in den USA seitens der lokalen Radios dankbarst als zuverlässige und hochwertige Rackmaschine aufgenommen worden. Ob das Folge, Ursache oder Indikator eines 'betrieblichen Großversuches' war, weiß ich nicht.

Die Historie deutscher Bandgeräte favorisiert eindeutig den Waagrechtbetrieb, was sich wohl deshalb so unverrückbar festsetzte, weil hierzulande von den Großverwertern des Gerätes mit dem Bandgerät immer geschnitten, montiert wurde, sehr viel mehr als in den USA, die sich schon aufgrund der drei, ja vier Zeitzonen auf dem Kontinent intensiv von Anbietern mit fertigem Nudel-Material versorgen ließen. Bandgeräte entspachen bei jenen Instituten fast generell einer Black-Box, die man so betrieb und behandelte wie einen Verstärker. Man schraubte sie platzsparend senkrecht in ein Rack, keine Truhe, geschnitten wurde nicht, wohl aber fern gesteuert. Dort, wo wirklich produziert wurde, sah das dann auch ganz schnell anders aus: Denn man musste schneiden, was im Vertikalbetrieb eine schlimme Quälerei ist und nie etwas ordentliches wird. Infolgedessen gab es in den Produktionsstudios der USA (vielspurige Produktionen sind ein eigener Fall, der hier nicht primär zur Debatte steht) durchaus Maschinen mit AEG-Kernanlage und Offenwickeln, was ich in lokalen Studios -fast- nie gesehen habe.

Die jeweiligen Amateurszenen rutschten in die lokalen Tradtionen hinein und blieben dabei, bis andere Traditionen Oberhand gewannen. Eine Sonderbauform, über die wir hier schon einmal diskutierten, verbietet auch bei Amateurgeräten (mit Rutschkupplungen) den senkrechten Betrieb generell, weil der dann schlicht nicht funktioniert: Gewichtsabhängige Rutschkupplungen benötigen den Druck der Bandmasse auf die Kupplung, um diese zur Entwicklung eines Reibungsmomentes zu veranlassen.

Hans-Joachim
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